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4 Familienzelte im Test

Luftschlauch-Zelt vs. Gestänge-Zelt

Zelttest Foto: Lisa Geiger 72 Bilder

CARAVANING hat vier Familienzelte auf Herz und Nieren getestet, große Zelte mit Aufenthaltsraum und mehreren Schlafplätzen. Mit im Test: zwei große Zelte mit Luftschlauch-Technik.

14.07.2017

„Hilfe, es ist so heiß, ich sterbe,“ ruft mein Bruder in dem großen Zelt von High Peak. Er kniet im Zelteingang und versucht eine der zwei Schlafkabinen an der Innenseite des Zelts zu befestigen, der Schweiß rinnt ihm von der Stirn. Wir befinden uns auf dem Campingplatz Schloss Kirchberg am Bodensee, im Schatten sind es 27 Grad und die Sonne knallt auf dem Zeltplatz unerbittlich auf uns herunter. Meine Freunde und ich haben uns dieses Wochenende auf dem Campingplatz eingefunden, mit dem Vorhaben große Familienzelte zu testen. Dass daraus ein echter Extrem-Test werden sollte, konnte zum Zeitpunkt des Aufbaus noch keiner ahnen.

Aber zunächst einmal zurück zum Anfang. Die Vorgabe aus der Redaktion: Testet klassische Familienzelte mit einem Stangen-Stecksystem und die neuartigen Luftschlauchzelte zum Aufblasen. Was taugen Luftgestänge-Zelte und wie schlagen sie sich im Vergleich zu den Klassikern?

Noch vor dem Aufbau waren sich alle Beteiligten einig: „Die Luftschlauch-Zelte sind super schnell aufgebaut aber benötigen wahrscheinlich mehr Zeit beim Abbau und Luft rauslassen, als die klassischen Gestänge-Zelte“. Doch entspricht diese These auch der Realität?

Eines haben alle Zelte gemeinsam: Sie sind wie ein Burrito in ihrer jeweiligen Tragetasche zusammengerollt und müssen zunächst auf dem Boden ausgebreitet werden.

Fritz Berger Luftschlauch-Zelt

Aus der Fritz Berger Tasche mit dem Tunnelzelt Campo 4-L Deluxe kommt ein grüner Stoff, Heringe, eine Luftpumpe und zur Überraschung der Aufbauer noch ein Zeltteil zum Vorschein. Schnell ist klar, der Stoffteil mit der glatten Oberfläche und dem regensicheren Untergrund die Zelthülle ist und das andere Stoffteil mit Fliegenschutztür die Schlafkabine, die im Inneren des Zeltes befestigt werden muss. So weit so gut.

Wie wird das Zelt aufgebaut? Wir können nicht so recht glauben, dass die Skizze in der Verpackung die Anleitung sein soll. Dünne Linien beschreiben die Form des Zeltes und die drei dicken Linien bringen das Zelt auf der Zeichnung zum Stehen. Das müssen wohl die Luftschläuche sein. Dank einer Markierung auf dem Fritz Berger Zelt finden meine Freunde den Eingang für die beigefügte Luftpumpe recht schnell, doch: „Das ist ja doof, der Anschluss für die Luftpumpe ist jetzt in aufgeblasenem Zustand im Inneren des Zelts verschwunden,“ sagt David und kriecht daraufhin in das Zelt hinein. Nach kurzer Suche ist die Anschlussstelle gefunden und die Pumpe kann entfernt werden. Diese Prozedur muss man nur noch zwei Mal wiederholen.

Sind alle drei Luftschläuche aufgeblasen sind, steht das Zelt noch lange nicht. Bis hierhin haben zwei Personen etwa 10 Minuten gebraucht. Jetzt gilt es die zahlreichen Schnüre zu entwirren und zu sortieren. Mithilfe der beigefügten Heringe wird die Zeltwand an jeder Seite gespannt. Hier wird es schwierig, denn man benötigt drei Personen, um das Zelt zum spannen der Schnüre aufrecht zu halten. Einer hält vorne, damit es nicht einklappt, einer hinten, damit es aufrecht steht, der dritte zieht an den Schnüren und steckt sie mit den Heringen in den Boden.

Die Zelteingänge kann man auf zwei Stangen stecken und als Dach nutzen. Sobald die Heringe feststecken, kann die innere Schlafkabine angebracht werden. Alles in allem geht es also doch nicht so schnell mit dem aufblasbaren Zelt. Das Fritz Berger Campo 4-L Deluxe nimmt fast die meiste Zeit beim Aufbau in Anspruch.

Das Zelt ist so aufgebaut, dass im vorderen Bereich Personen bis zu einer Größe von 1,84 Metern stehen und auf Stühlen sitzen können und nachts in der Schlafkabine unterkommen. In unserem Praxistest bietet es genug Platz für zwei Personen zum Leben und Schlafen, für vier Personen kann es aber eng werden.

Fritz Berger Tunnelzelt Campo 4-L Deluxe im Überblick

Preis: 439 Euro
Personen: 4
Technik: aufblasbar
Gewicht: 15 kg
Zelthöhe bis: 184 cm
Länge/Breite: 450/260 cm
Hersteller: www.fritz-berger.de

High Peak Gestänge-Zelt

Das zuvor schon erwähnte Zelt, das meinen Bruder in den Wahnsinn getrieben hat, ist das High Peak Tauris 4 Gestänge-Zelt. Es ist das am aufwendigste aufzubauende Zelt der vier Familienzelte. Es besteht aus vielen Einzelteilen, die am Ende ein Ganzes ergeben sollen. Die Anleitung ist dabei allerdings wirklich hilfreich und auch gut verständlich. Sie steht auf einem beigefügten Zettel, den man auch fürs nächste Mal nicht verlieren sollte!

Die Zeltfassade steht relativ schnell. Vier Stangen müssen zusammengesteckt und durch den Stoff geführt werden. Die kurzen außen, die langen innnen. Daraufhin muss auch dieses Zelt mit den Schnüren und Heringen gespannt werden.

Jetzt kommt der schwierige Teil: Die zwei Schlafkabinen rechts und links im Inneren einzuhängen. Dafür müssen rundherum Plastikhaken durch Löcher geführt werden, was vor allem an der Rückwand der Schlafkoje zu einer echten Herausforderung wird. Zum Schluss wird noch eine Plastikfolie als Boden in der Mitte des Zelts angebracht. Dieser ist aber mit keiner Seite verbunden. Zum Sitzen und Essen ist das vielleicht noch akzeptabel, aber dass es keineswegs eine optimale Lösung ist zeigt der nächste Tag. Da hat nämlich eine Schnecke im Zeltinneren Zuflucht gefunden.

High Peak Tauris 4 im Überblick

Preis: 319 Euro
Personen: 4
Technik: Gestänge
Gewicht: 11,66 kg
Zelthöhe bis: 180 cm
Länge/Breite: 440/240 cm
Hersteller: www.highpeak-outdoor.com

Outwell Gestänge-Zelt

Noch ein zweites Gestänge-Zelt hatten wir dabei und zwar das Outwell Whitecove 5. In aufgebautem Zustand ist es das Größte der vier Zelte und bietet sehr viel Platz für eine Familie mit bis zu fünf Personen. Die Anleitung war nicht wirklich zu gebrauchen, doch ist der Aufbau recht logisch. Vier große Stangen und eine kürzere für den Eingangsbereich werden durch den Stoff geschoben und dann steht das Zelt auch schon fast. Natürlich müssen auch hier wieder Heringe in die Erde gesteckt werden, die für die Spannung des Zelts sorgen. Es hat viele praktische Öffnungen, die an heißen Tagen für einen kleinen Luftzug sorgen.

Außerdem sind die Schlafkabinen schon angebracht und müssen nicht separat eingebaut werden. Im vorderen Teil des Whitecove 5 können Familie oder Freunde bei schlechtem Wetter zusammensitzen und nachts können sie in den zwei Schlafkabinen entspannt zur Ruhe kommen.

Outwell Whitecove 5 im Überblick

Preis: 649 Euro
Personen: 5
Technik: Gestänge
Gewicht: 19,2 kg
Zelthöhe bis: 200 cm
Länge/Breite: 590/320 cm
Hersteller: www.outwell.com

Decathlon Luftschlauch-Zelt

Beim Quechua Air Seconds Family Fresh and Black Zelt ist leider keine Luftpumpe dabei, glücklicherweise haben wir die Pumpe vom Fritz Berger Zelt schon vor Ort. Die Anleitung zum Zeltaufbau ist für Decathlon typisch in der Zelttasche eingenäht. Die Zeichnung sieht recht simpel aus und eigentlich gibt es auch gar nicht viel, was man falsch machen kann.

Die vier dicken Luftschläuche sind schnell aufgepumpt und dann steht das Zelt auch schon fast. Wie beim Rest müssen auch hier die Schnüre mithilfe der mitgelieferten Heringe gespannt werden. Ganz wichtig ist hier noch die dicke Stange die mitgeliefert wird und in der Mitte des Zeltdachs von Innen gespannt werden muss. Diese sorgt dafür, dass bei starkem Wind das Zelt nicht ganz zusammenklappt. Wie bei Outwell, sind auch beim Decathlon Quechua die Kabinen rechts und links schon integriert.

Das Zelt hat bei unserem Test dann doch sehr stark gelitten und die unteren Luftschläuche werden vom Wind immer wieder eingedrückt und entspannen sich wieder, was nachts ziemlich nervt.

Die Zeltreihe Fresh and Black steht bei Decathlon für weiße Zelte mit schwarzer Innenverkleidung. Damit sollen die Zelte am Tag schön kühl bleiben und nachts Dunkelheit spenden. In den Schlafkabinen rechts und links ist es tatsächlich so dunkel, dass man schwarze Kleidung nur noch mit den Händen am Boden entlang tastend wieder findet.

Decathlon Quechua Air Secons Family 4.2 XL im Überblick

Preis: 399 Euro
Personen: 4
Technik: aufblasbar
Gewicht: 16,5 kg
Zelthöhe bis: 180 m
Länge/Breite: 510/260 cm
Hersteller: www.decathlon.de

Der Härtetest: Donnerwetter in der Nacht

Wir hatten gehofft, das Gewitter würde noch an uns vorbei ziehen, aber gegen 21 Uhr geht es richtig los. Wir können gerade noch unseren Pavillon zusammenklappen, dann flieht jeder in sein Zelt. Der Regen prasselt unerbittlich auf die Zeltdächer nieder und dazu fegt noch ein unglaublicher Wind über uns hinweg, der die Zeltwände nur so wackeln lässt.

Ich schlafe mit meinem Freund im Quechua Air Seconds Family, doch darin werden bei jeder Böe die Wände so stark eingedrückt, dass es uns irgendwann reicht und wir ins zu unseren Freunden ins Nachbar-Zelt flüchten. Es ist gar nicht so einfach den Ausgang im Dunkeln zu finden. Im Gestänge-Zelt von Outwell fühlen wir uns sicher, es steht bombenfest.

Der Morgen danach...

Am nächsten Tag kriechen wir aus unseren Zelten und blicken über das Feld der Zerstörung. Äste, Blätter, Flaschen und Handtücher liegen verstreut zwischen den Zelten. Einige Dinge konnten wir am Abend nicht mehr in Sicherheit bringen.

Das Campo 4-L Deluxe von Fritz Berger ist ziemlich nass und das nicht nur von außen. Am vorderen Eingang kam das Wasser an den Reißverschlüssen durch. Auch im High Peak Tauris ist nicht mehr alles ganz trocken. Das Quechua steht nicht mehr ganz gespannt und ist vor allem sehr schmutzig. Weiß sieht ja wirklich immer sehr schick aus, doch wird eben auch unglaublich schnell dreckig.

Der große Nachteil am Zelturlaub ist das Packen nach dem Campingtrip. Einen Wohnwagen kann man jetzt einfach ans Auto hängen und ab geht's, doch die Zelte müssen wieder zusammengefaltet und in die Taschen gestopft werden. Vor allem sollten sie nicht nass verpackt werden.

Da wir aber keine andere Wahl haben, beschließen wir sie später in Stuttgart noch einmal auszubreiten und trocknen zu lassen. Wir versuchen alle Zelte möglichst schmal zusammenzufalten und dann in einer Art Wurst zusammenzurollen. Das klappt bei allen Zelten mehr oder weniger gut und wir bekommen sie sogar zurück in die Taschen, was wahrscheinlich daran liegt, dass sich die Taschen noch etwas vergrößern lassen. Das Quechua ist der fetteste Brocken und passt gerade so wieder in die Tasche.

Wie erwartet, nehmen die Luftschlauch-Zelte etwas mehr Zeit beim Zusammenpacken in Anspruch. Alle Zelte brauchen aber in etwa gleich lang zum Abbauen, da bei den Gestänge-Zelten die Stangen wieder auseinander genommen und verpackt werden müssen. Wer schon einmal eine Luftmatratze verstauen wollte kennt das Problem: Nachdem der erste Schwall Luft raus ist, muss man sich daraufsetzen und die restliche Luft rausquetschen.

Zuhause in Stuttgart empfängt uns dann wieder strahlender Sonnenschein und wir packen alle Zelte noch einmal aus und legen sie in den Garten. Die Zelte benötigen eine richtig große Fläche, vor allem alle vier gleichzeitig. Camper die keinen Garten oder Innenhof haben, werden es da mit einem nassen Zelt eher schwer haben.

Fazit

Wir sind keine Zeltprofis und haben es trotzdem mehr oder weniger gut und schnell geschafft alle vier Zelte aufzubauen. Natürlich sind die Luftschlauch-Zelte schnell aufgepumpt und brauchen auch keine komplizierten Anleitung, allerdings geben die Wände bei einem Gewitter doch ganz schön nach. Das Fritz Berger Zelt war sogar undicht. Das Outwell Whitecove ist zwar nicht ganz so leicht und schnell aufgebaut, steht dann allerdings sehr sicher und fest. Von ihm waren wir alle überzeugt. Familien haben darin ausreichend Platz. Das High Peak Tauris 4 ist in unserem Test durchgefallen, weil es undicht ist und das gleich an mehreren Stellen. Man will doch wirklich nicht am nächsten Tag mit einer Schnecke im Schuh aufwachen!

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