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Innendesign-Trends beim Caravan: Bunt wie das Leben

Ein attraktiver Innenraum ist die halbe Miete für den Erfolg eines Caravans. CARAVANING zeigt den Design-Prozess, was einen guten Polsterstoff ausmacht und auf welche Trends wir uns freuen dürfen.

Eiche rustikal, Plastikmöbel, puristische Eleganz: Beim Blick in deutsche Wohnzimmer bieten sich die unterschiedlichsten Anblicke. Der eine bevorzugt flächenfüllende Schrankwände, der andere genießt den Anblick weißer Wände oder bunter Tapeten – oder wechselt seinen Stil alle paar Jahre. So individuell es zu Hause zugeht, so uniform muten viele Interieurs von Caravans an. Kein Wunder, denn Caravan-Hersteller müssen mit ihren Wohnraumentwürfen einen weiten Spagat schaffen: Einerseits sollten sie massenkompatibel sein, um möglichst viele Kunden anzusprechen, andererseits müssen sie sich aber auch von der Konkurrenz unterscheiden. Kein leichtes Unterfangen, das allzu oft damit endet, dass auf Altbewährtes zurückgegriffen wird.

Warum ist das Design beim Caravan so wichtig?

Die Bedeutung von gutem Design darf nicht unterschätzt werden. Swen Dluzak, Produkt- und Markenmanager für Knaus und Weinsberg, ist sich sicher: "75 Prozent des Erfolgs eines Caravans hängen vom Innenraumdesign ab. Die perfekte Symbiose von Design und Funktion ist dabei entscheidend." Zeit also, sich die Entstehung eines solchen Designs näher anzuschauen.

Bei den großen Caravan-Herstellern kümmern sich spezielle Abteilungen um die Entwicklung des Innendesigns, manchmal werden aber auch externe Agenturen als Verstärkung mit ins Boot geholt oder sogar komplett mit dem Design beauftragt. Eine solche Agentur ist zum Beispiel das Design-Studio Syn aus Rüsselsheim. Hier arbeiten derzeit 13 Designer an Projekten, die hauptsächlich in der Freizeitfahrzeug-Branche beheimatet sind. Eines der aufsehenerregendsten Projekte von Studio Syn ist die außergewöhnliche Studie Caravisio von Knaus. Sie wurde auf dem Caravan-Salon 2013 vorgestellt und begeisterte vor allem durch ihr Innenraumdesign, das sich deutlich an dem einer Yacht orientiert.

Neben der Knaus-Tabbert-Gruppe gehören auch Hobby und Fendt zu den Kunden der 1992 von Thomas Klüber-Voss gegründeten Agentur. Laut Klüber-Voss kann jeder Design-Prozess in verschiedene Phasen gegliedert werden: Alles beginnt mit dem Auftrag, doch bereits hier gibt es Unterschiede. Manche Hersteller haben sehr konkrete Vorstellungen davon, wie das fertige Produkt aussehen soll, andere geben nur die grobe Richtung vor oder sind noch gänzlich unentschlossen. Mitunter kann es auch passieren, dass Hersteller ein Design möchten, das sie bei anderen gesehen haben. "Dann stecken wir in der Zwickmühle, weil wir weder uns noch andere kopieren möchten", merkt Thomas Klüber-Voss an. In diesem Fall ist Diplomatie und Beratungsgeschick gefragt, um doch noch auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.

Die Phasen der Designplanung fürs Caravan-Innenleben

In der ersten Phase der Planung geht es also vor allem um die Entwicklung von Konzepten und Grundrissen. Erst beim nächsten Schritt entsteht das eigentliche Design, das dann in Phase drei mit Details wie Griffen und Leuchten komplettiert wird. Wünscht es der Hersteller, dann übernehmen Agenturen wie Studio Syn auch die Betreuung des Projekts bis zur Serienreife. Bei der Entwicklung eines Innenraums stehen den Designern verschiedenste Hilfsmittel zur Verfügung. In der Anfangsphase werden Fotowände gestaltet: Alles, was als Inspiration dienen könnte, wird ausgedruckt, ausgeschnitten und angepinnt. Dabei ist vor allem das Internet eine wahre Fundgrube.

Die Moods, Stimmungen, genannten Inspirationen sind die Basis und dienen als Ideensammlung. Aus diesem Fundus entstehen die ersten Entwürfe, die dann zu Papier gebracht werden. Hier kommen die Wacom-Boards ins Spiel, große tabletartige Bildschirme, auf die mit einem elektronischen Stift gezeichnet werden kann. Neben diesem digitalen Papier sind vor allem die CAD-Anwendungen von Bedeutung, mit deren Hilfe fotorealistische Bilder der Entwürfe erstellt werden. Doch diese Renderings genannten Bilder können mehr als ein normales Foto. So ist es möglich, darin Lichtquellen ein- und auszublenden oder zu verschieben, so dass die Wirkung des Innenraums bei unterschiedlichsten Lichtstimmungen bewertet werden kann.

Technische Freiheit, limitierende Elemente

Zum einen sind da die räumlichen Gegebenheiten, die zu Schwierigkeiten führen. Um ein Gefühl für die Raumverhältnisse zu bekommen, wird im Design-Studio auch schon mal der Sanitärraum nachgebaut. Caravans sind nun einmal keine Häuser, der Platz ist begrenzt. Die große Nähe von verschiedenen Funktionen, Lebensbereichen und Oberflächen stellt die Designer immer wieder vor Herausforderungen. Was zu Hause selbstverständlich ist, nämlich unterschiedliche Einrichtungsstile in Küche, Schlaf- oder Wohnzimmer, ist im Caravan ausgeschlossen – weil dadurch viel zu viel Unruhe entstehen würde.

Eine andere Schwierigkeit liegt im technischen Bereich: Es reicht nicht aus, nur einen Prototyp zu entwickeln, die Komponenten müssen serienreif gemacht werden. Auch die Kundenwünsche in Bezug auf Preise und Materialien müssen in den Design-Prozess mit einbezogen werden. Zielpreisvorgaben sind keine Seltenheit. Diese Beobachtung hat auch Thomas Klüber-Voss gemacht: "Manchmal bekommen wir strikte Preisvorgaben. Dann darf beispielsweise der laufende Meter Stoff nur zwölf, keinesfalls 13 Euro kosten." Oder die Materialien sind beim Hersteller bereits vorhanden, auch diesen Umstand müssen die Designer mit einbeziehen.

Nach welchen Kriterien werden Materialien ausgewählt?

Bei den Möbeloberflächen kommen entweder Papiere für plane oder Folien für dreidimensionale Oberflächen zum Einsatz. Diese gibt es in den unterschiedlichsten Mustern. Meistens handelt es sich um Holzmaserungen, die mit fast jeder beliebigen Farbe kombiniert werden können. Eichenmaserung in Kirschholzton oder Nussbaum mit Ahorn? Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Viele Folien und Papiere sehen nicht nur aus wie Holz, sie fühlen sich dank strukturierter Oberflächen auch so an. Dennoch haben sie auch ihre Besonderheiten. Zum Beispiel wirken Dekorfolien bei Licht und Schatten unterschiedlich, das gilt es bei der Auswahl zu beachten.

Um bei so vielen Materialien den Überblick zu bewahren, hat das Studio Syn ein Stoff-Atelier. Hier lagern Tausende Proben von Stoffen, Dekofolien, Papieren und anderen Werkstoffen – beim Zusammenstellen stimmiger Kombinationen ist das eine unschätzbare Hilfe. Wenn es an die Auswahl von Stoffen und Oberflächendekoren geht, werden hier Materialcollagen erstellt und dem Kunden zur Ansicht vorgelegt. Neben dem optischen Eindruck hat dieser so auch einen haptischen.

Schön und funktionell

Gutes Innenraumdesign soll nicht nur schön aussehen, sondern auch – oder vor allem – funktionell sein. Es kommt auf Kontinuität und Nachhaltigkeit an – gefragt sind keine schnellen Design-Nummern, nicht jedes Jahr etwas gänzlich Neues, sondern ein langfristig angelegtes Konzept, das im besten Fall Raum für Individualität lässt. Dass modernes Design nicht der Caravan-Oberklasse vorbehalten ist, zeigt das Beispiel des Einsteigercaravans C’Go von Dethleffs. Der setzt auf klare Linien und fünf frische Farbwelten von Grün bis Lila für die Polster. Mit einfachen Mitteln lassen sich so sehr schöne Effekte erzielen.

Trends beim Innenraumdesign von Caravans

Gibt es weitere Tendenzen für die Zukunft festzustellen? "Ja", ist sich Thomas Klüber-Voss sicher. "Der Trend geht hin zu klarerem, modernerem Design. Besonders fällt mir das bei den neuen Vorbildern auf, mit denen die Hersteller auf uns zukommen." Überfrachtete und wenig funktionelle Innenräume könnten also bald der Vergangenheit angehören.

In dieselbe Kerbe haut auch Swen Dluzak, der Knaus hin zu einem reduziertem Design, gepaart mit hochwertigen Stoffen, führen will. "Bei den Caravans geht der Trend hin zu einer klaren, hochwertigen und eher schnörkellosen Gestaltung des Innenraums, wie uns der aktuelle Erfolg des Knaus Lifestyle bestätigt." Sein Credo: "Die Innenräume müssen beruhigt werden." Außerdem stellt Dluzak die Bedeutung von funktionellem Design heraus: "Wir müssen aufhören, in Schubladen zu denken – Oberklasse muss nicht zwangsläufig gleichbedeutend mit Hochglanz sein." Nicht das Wohnzimmer, sondern das Nutzungsverhalten der Kunden soll die Richtung vorgeben. So wäre für einige Marken zum Beispiel eine Orientierung an der Outdoor-Branche denkbar. Angesichts derart ambitionierter Ideen kann man sich auf kommende Caravangenerationen eigentlich nur freuen.

Report: Service-Hotlines

Autor

Foto

Andreas Becker, Frank Eppler, Hersteller, Shutterstock/Goncharuk Maksim, Shutterstock/severija

Datum

10. Juni 2014
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