Alles über Studentenprojekt Abenteuer Caravan
Ehepaar Gatz 11 Bilder Zoom

Studentenprojekt - Porträt eines Camperehepaars: Die Freiheit ist des Campers oberstes Gut

Helga und Manfred Gatz haben eine Leidenschaft: Das Campen. Seit 20 Jahren verbringen die beiden nahezu jedes Wochenende in ihrem Wohnwagen. Die gemeinsame Zeit, die sie dort verbringen, gibt ihnen Kraft für den Alltag.

Es ist Freitag 18:37 Uhr, das Ehepaar Gatz bricht mit seinem Jeep in Richtung Campingplatz Horb am Neckar am Rande des Schwarzwalds auf. Wie selbstverständlich setzt sich Fahrschullehrer Manfred hinter das Lenkrad, Helga nimmt wie gewohnt auf dem Beifahrersitz Platz. Ebenfalls mit an Bord: Katze Stuckvieh und Hündchen Kimba. Die Abfahrtszeit variiert von Wochenende zu Wochenende - und genau das lieben die Gatzens: Nicht zeitgebunden zu sein, loszufahren, wann einem danach ist.

Nach einer dreiviertelstündigen Fahrt sind Helga und Manfred am Campingplatz Schüttehof in Horb angekommen. Es ist einer der verregneten Sommertage. Schnell zieht es die beiden in ihren Wohnwagen. „Am schönsten an solch einem Tag ist es, wenn der Regen auf das Dach prasselt“, schwärmen die beiden Camper von ihrem gemütlich eingerichteten Wohnwagen. Und heute ist so ein Tag. Wenn das Wetter nicht mitspielt, lesen die beiden, schauen fern oder besuchen ihre Nachbarn.

„Camper helfen zusammen“

Zu ihren Nachbarn hat und hatte das Ehepaar immer ein angenehmes Verhältnis. Mit ihrem Standwagen ist das Ehepaar bereits drei Mal umgezogen. Zwei Jahre Titisee (Neustadt/Schwarzwald) gefolgt von sechs Jahren Riedsee (Donaueschingen) und sieben Jahren Oberried(Schwarzwald) haben die beiden bereits hinter sich. Seit vier Jahren ist nun Horb ihr Domizil. „Irgendwann spürt man, dass es Zeit ist, weiterzuziehen“, sagt der Fahrschullehrer mit eigener Fahrschule und schaut aus dem Fenster.

Doch eines stellt der 62-Jährige auch klar: „Auf dem Campingplatz helfen immer alle zusammen.“ Der erfahrene Fahrschullehrer bietet da schon mal seine Fahrkünsten an, wenn ein Camper mit angehängtem Wohnwagen beim Rückwärtsfahren Schwierigkeiten hat.

Das Ehepaar bindet sich nur an sich selbst

Neben ihrem Standwagen besitzt das Camper-Ehepaar einen Zugwagen der Marke Wilk. Rügen, Soltau, Lüneburger Heide, Bodensee, Baden-Baden, die Liste ihrer Urlaubsziele ist lang. „Insgesamt waren wir mehr im Inland als im Ausland“, stellt Helga fest während sie aus dem kleinen Wohnwagenfenster blickt. Aber gefallen hat es ihnen überall. „Es kommt nicht drauf an, wo du bist. Das Campen an sich ist die Attraktion“, weiß Manfred.

Die beiden fahren auch schon mal ohne bestimmtes Ziel los. Als Zwischenstopp hält dann ein Rastplatz her. Grill raus, Stühle raus und los geht’s. Einzig an sich selbst haben sich die beiden gebunden. Ansonsten bevorzugen sie die Ungebundenheit „Das macht das Campen aus. Frei zu sein, ungebunden zu sein, keine Zeitvorgaben einzuhalten“, sagt Helga und ihr Ehemann fügt hinzu: „Essen, wann man will, so lange schlafen, wie man will, anziehen, was man will“.

Über Mallorca zum Campen

Ein einschneidendes Erlebnis während seines Mallorca-Urlaubs vor 30 Jahren brachte den 62-Jährigen zum Campen. Auf Deutschlands beliebtester Ferieninsel wollte sich Manfred mit seinem Sohn Christian aus erster Ehe erholen. Doch an Erholung war für Manfred nicht zu denken. Pünktlich um sieben Uhr morgens waren fast schon alle Liegen um den Pool belegt. „Die Leute sind um halb sieben morgens aufgestanden, um die Liegen zu reservieren“, ärgert sich Manfred heute noch, „Um Punkt 19 Uhr haben die Gäste schon in Scharen vor der Speisesaaltür gewartet, bis der Hotelmanager sie zum Abendessen einließ.“ Nach seinem Mallorca-Aufenthalt war seine Entscheidung klar: Ein Wohnwagen muss her.

Heute ist Grillmeister Manfred selbst für das Essen verantwortlich. Keine langen Menschenschlagen, kein langes Warten. Für den Abwasch ist dann Helga zuständig. „Früher hat er mir noch manchmal geholfen, heute bleibt es beim Grillen“, beschreibt die 52-Jährige humorvoll die Aufgabenverteilung und klopft ihrem Manfred dabei auf die Schulter.

„Zum Campen musst du geboren sein“

Nach dem Wohnwagenkauf bereiste Manfred das damalige Jugoslawien und Ungarn, damals noch ohne seine jetzige Ehefrau. Als Helga ins Leben des Fahrschulbesitzers trat, nahm er sie gleich mit auf seine Touren. „Zum Campen musst du geboren sein“, betont Manfred. Und anscheinend ist Helga das auch, denn sie war sofort begeistert. Pro Jahr verbringen sie ungefähr 110 Tage in ihrem Wohnwagen.

Auch wenn es wie heute regnet, genießen sie den Aufenthalt. Für die beiden ist es ein besonderes Gefühl auf dem Campingplatz zu sein, die Natur zu genießen und die Seele baumeln zu lassen. Doch das Leben in der freien Natur hat auch seinen Preis. Die Standplatzmieten haben sich in den letzten Jahren erhöht. Anschaffungskosten von 30.000 bis 40.000 Euro für einen Wohnwagen sind mit einem Mittelklassewagen zu vergleichen. „Urlaub im Wohnwagen ist nicht billig“, räumt Manfred mit einem Vorurteil auf. Trotzdem gibt es vermehrt junge Familien mit Kindern, die sich auf das Abenteuer Campen einlassen. Es muss ja nicht immer gleich ein eigener Wohnwagen zum Campen sein, ein Mietcaravan ist eine gute Einsteiger-Alternative.

Camper ist gleich Camper

Alles andere als gewöhnlich ist der Umgang unter den Campern. Da passiert es auch schon mal, dass die Nachbarn mit einer Flasche Wein herüber kommen. Die Mischung zwischen dem Herzlichen, Geselligen und dem Ruhigen macht es für die Gatzens aus. Oder wie Manfred sagt: „Auf dem Campingplatz wird man nicht nach dem Beruf beurteilt. Man wird als Camper, als Mensch gesehen.“

Autor

Foto

Matthias Zahner

Datum

20. August 2013
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