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News: Lizenz zum Ziehen

Eine neue Führerscheinrichtlinie ermöglicht es Caravanern, zukünftig mit der Klasse B bis zu 4,25 Tonnen schwere Gespanne zu fahren.

Mit dem frisch erworbenen Lappen in der Tasche auf der Fahrt in den Campingurlaub soll der Sohn den müden Vater ablösen. Doch Vorsicht, Führerschein ist nicht gleich Führerschein, und gerade das Gespannfahren birgt Fußangeln.Seit 1999 ist für das Fahren mit einem Anhänger von mehr als 750 Kilogramm Gesamtmasse generell die zusätzliche Fahrerlaubnisklasse E erforderlich. Allerdings gibt es für die Fahrerlaubnisklasse B, den klassischen Pkw-Schein, eine vor allem auch für Caravaner nutzbringende Ausnahme bei dieser Regelung.
Liegt bei einem Gespann die Gesamtmasse von Zugfahrzeug und Anhänger nicht über 3,5 Tonnen und ist der Hänger nicht schwerer als die Leermasse des Zugwagens, darf die­se Kombination auch mit dem B-Schein gefahren werden.
Für Gespanne, bei denen das Zugfahrzeug bis zu 3,5 Tonnen wiegt und der Anhänger mehr als 750 Kilo, ist bisher die Klasse BE erforderlich. Das wird sich jedoch zukünftig ändern, denn die Neufassung der EU-Führerscheinrichtlinie sieht vor, die Ausnahmeregelung von 3,5 auf bis zu 4,25 Tonnen auszuweiten.
Eine Neuregelung, die der Caravaning Industrie Verband Deutschland (CIVD) begrüßt. Nach dessen Erhebung dürfen mit der derzeit gültigen Klasse-B-Regelung etwa 34 Prozent der möglichen Gespannkombinationen gefahren werden. Wird die Grenze auf 4,25 Tonnen angehoben, fallen laut CIVD mehr als 90 Prozent der Kombinationsmöglichkeiten in diese Regelung.
Die Auswirkungen lassen sich durch ein Beispiel mit einem neuen Passat Variant verdeutlichen. Das Fahrzeug mit einer Leermasse von 1585 Kilo dürfte rechnerisch einen Hänger mit einem Gesamtgewicht von 1915 Kilo ziehen. Jedoch gilt hier die Obergrenze von 1800 Kilo, da dies die maximale Anhängelast des Beispielfahrzeugs ist. Ist der Passat für die Urlaubsfahrt mit seinem zu­lässigen Gesamtgewicht von 2140 Kilo voll beladen und hat den 1800-Kilo-Hänger im Schlepp, ergibt sich ein Gespanngewicht von 3940 Kilo.

Für den Vater mit dem alten Klasse-3-Führerschein kein Pro­blem, jedoch für den Sohn mit dem B-Schein bislang tabu, da er nur 3,5 Tonnen fahren darf. Die Neufassung ermög­licht es dem Filius jedoch, zukünftig auch diese Kombina­tion zu fahren. Um diese Gespanne dann mit dem einfachen B-Führerschein fahren zu dürfen, sieht die Führerscheinneufassung al­lerdings Bedingungen vor. So müssen Fahrer zuvor eine entsprechende Schulung absolvieren oder eine Prüfung der Fähigkeiten und Verhaltensweisen ablegen. Es kann allerdings auch beides vorgeschrieben werden. Spätestens in sechs Jahren muss diese Regelung umgesetzt sein. Der CIVD arbeitet jedoch daran und ist zuversichtlich, dass in Deutschland ein früherer Umsetzungszeitpunkt als der Januar 2013 realisierbar ist. Wie genau die entsprechenden Trainings und Schulungen aussehen sollen, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht zu sagen. Wer nicht bis zur Umsetzung warten will, hat natürlich jederzeit die Möglichkeit die Führerscheinklasse BE zu erwerben und kann damit schon jetzt diese Gespanne fahren. Finanziell gesehen muss die Zusatzklasse BE nicht notwendigerweise direkt miterworben werden, da später keine separate Theorie-Prüfung erforderlich ist. Der nachträgliche Erwerb sei meist nicht teurer, da durch die dann vorhandene Fahrpraxis weniger Fahrstunden anfielen, erklärt Peter Tschöpe, erster Vorsitzender des Fahrlehrerverbands Baden-Württemberg. Für einen durchschnittlich begabten Fahrschüler liegen die Kosten für die Klasse B laut Tschöpe zwischen 1100 und 1600 Euro. Für die Anhängerklasse BE fallen rund 500 bis 700 Euro Zusatzkosten an. In allen Fällen gilt jedoch: Führerscheinneulinge, die nur die Fahrerlaubnis für die Klasse B besitzen, sollten vor jeder Fahrt mit Anhänger prüfen, ob sie das Gespann fahren dürfen. Sonst ist der neu erworbene Lappen nämlich wegen Fahrens ohne gültige Fahrerlaubnis viel schneller weg, als er gemacht wurde.

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23. April 2007
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