Caravan Tabbert Comtesse 16 Bilder Zoom

Caravan-Oldtimer Tabbert Comtesse: Ein Schätzchen für 1000 Euro

Mit minimalstem Budget kauft sich die Bankangestellte Silke Weidenheimer eine 44 Jahre alte Tabbert Comtesse. Während ihres ersten Campingurlaubs verliebt sie sich in Camping und Caravan.

Horsti ist ein gemütlicher Typ. Wer auf seiner Sitzgruppe im Heck Platz nimmt, versinkt in weichen Polstern. Gemusterte Tapeten und Schränke lassen eine Behaglichkeit aufkommen, wie sie sonst nur in Omas Wohnzimmer zu spüren war. Orangefarbene Vorhänge verleihen dem einfallenden Licht eine warme Note. Und überhaupt dominieren Zitrustöne die Farbgebung. Lampen, Geschirr und sogar Bettwäsche haben Horstis Besitzer farblich stimmig gewählt. Horsti ist der Spitzname des 44 Jahre alten Tabbert Comtesse 425C der Hemeraner Familie Weidenheimer. "Weil der Caravan in den 70er-Jahren gebaut wurde, wollten wir ihn auch stilecht einrichten", erklärt Silke Weidenheimer.

Silke, Konrad und Thomas Weidenheimer (v. l. n. r.) haben vier schöne Wochen mit ihrem Oldtimer-Caravan verbracht.

Die knalligen Farben sind typisch für das Jahrzehnt, in dem der Discopop groß und das Öl knapp geworden ist. Und auch der Name Horsti ist nicht zufällig gewählt:Er ist angelehnt an Schauspieler Horst Tappert, der ab den 70er-Jahren seine bekannteste Rolle als Oberinspektor Stephan Derrick gespielt hat. Dass sich Familie Weidenheimer in dem Oldtimer-Caravan so wohl fühlt, hätten sie noch vor einem Jahr nicht geahnt. Camping war der Bankangestellten Silke und dem Architekten Thomas Weidenheimer bisher fremd. Zusammen mit ihrem 15-jährigen Sohn Konrad hatten sie sich den lang ersehnten Traum von einer vierwöchigen Italienreise erfüllt.

Schon in den 1970ern konnte die Sitzgruppe zum Schlafplatz umgewandelt werden. Das Tischbein besteht aus Holz und wird mit einem Scharnier umgeklappt.

"Im Hotel wäre so ein Urlaub nicht bezahlbar gewesen", betont Silke Weidenheimer. Zunächst hatte sich die Familie jüngere Gebrauchtcaravans angesehen. "Was man uns für 3000 Euro angeboten hatte, war grauenhaft", sagt Thomas Weidenheimer. "Die Wohnwagen hatten alle ein Geruchsproblem. Das war uns sofort unsympathisch." Aber dann wurde ihnen Horsti offeriert. "Wir haben sofort gemerkt, dass dieser Wohnwagen ein gutes Karma hat", betont der Familienvater. 1000 Euro bezahlten die Weidenheimers für ihr rollendes Feriendomizil. "Das war wahrscheinlich immer noch zu teuer", schmunzelt Thomas. Über die Winter stand der Tabbert Comtesse geschützt in einer Scheune und die Inneneinrichtung ist weitestgehend im Originalzustand. Nur die Nasszelle wurde vom Vorbesitzer erneuert. Die Trumatic-S 3000 Heizung sowie der Gasherd sind zwar vorhanden, aber nicht funktionsfähig. Familie Weidenheimer stört das wenig. Im Juli ist es in Italien ohnehin zu warm zum Heizen und gekocht wurde auf einem Elektroherd im Freien.

Ihr erster Campingurlaub war eine neue Erfahrung für die Familie

"Grundsätzlich habe ich es gerne bequem und genieße es auch, mich bedienen zu lassen. Nach der Reise war ich von mir selbst überrascht, dass ich die vier Wochen auf engstem Raum so problemlos durchgestanden habe", resümiert Silke Weidenheimer. Dabei hatten die Weidenheimers nach nur 400 Kilometern mit dem ersten Rückschlag zu kämpfen: Bei Rothenburg ob der Tauber zwang ein Radlagerschaden ihren Oldtimer in die Werkstatt. Nach der Reparatur ging die Reise weiter über das Zillertal zum Camping Jesolo International. Sohn Konrad war begeistert von den Rutschen im angrenzenden Wasserpark Aqualandia. "Und die Fußgängerzone in Jesolo ist riesig", erzählt der 15-Jährige. "Dort sind wir mit den Klapprädern rauf- und runtergefahren." Die Klappräder im Stil eines Bonanzarades sind ein Hobby seines Vaters. Die Leidenschaft für Nostalgie stößt aber nicht bei allen Campern auf Gegenliebe. "Guck mal, Freaks, haben Nachbarn auf dem 5-Sterne-Campingplatz in Jesolo über uns gesagt“, erinnerter sich. Der 50-Jährige nimmt solche Situationen mit Humor. "Wir standen mit unserem kleinen Wohnwagen immerhin ausschließlich zwischen großen Wohnmobilen."

Der Volvo 940 (BJ 1998) und der Tabbert Comtesse 425C von 1972 geben ein stimmiges Pärchen ab. Das Gespann harmonierte gut – wenn auch nur mit 80 km/h.

Auf der Straße begeisterte der Wohnwagen seine Besitzer mit einem großen Maß an Laufruhe."Der Caravan lässt sich wunderbar ziehen. Zuvor sind wir noch nie mit einem Gespann gefahren", sagt Silke Weidenheimer. Die ein oder andere Delle nimmt ihr Mann ungerührt in Kauf. "So ein älterer Wohnwagen ist das optimale Einsteigermodell. Da kann nicht viel passieren." Und sollte Horsti eines Tages nicht mehr sein, würde sich Thomas Weidenheimer sofort wieder für einen Oldtimer vom Typ Tabbert Comtesse entscheiden.

Allerdings ist der Caravan nur bis maximal 80 km/h zugelassen. Mehr als 400 Kilometer fuhren die Weidenheimers nie am Tag. Abenteuer gab es auf den Etappen aber auch so genügend. In einem Fall hatte moderne Technik ihren Anteil daran: "Im Zillertal leitete uns das Navigationsgerät über einen Forstweg. Wir konnten nicht wenden und sind einfach immer weiter gefahren", erzählt Silke Weidenheimer. "Als wir aus dem Wald hinausfanden, überraschten wir eine Bauernfamilie beim Frühstück auf der Terrasse. Die war vielleicht erstaunt."

Autor

Foto

Bernd Thissen

Datum

6. September 2016
Dieser Artikel stammt aus Heft CARAVANING 8/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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