Zugwagen-Test: Lancia Voyager - Gespann 6 Bilder Zoom

Zugwagen-Test Lancia Voyager: Die Trick-Kiste

Mit seinem variablen Sitzkonzept ist der relativ günstige Lancia Voyager fürs Reisen bestens gerüstet und bei Campern sehr beliebt. Das einzige was fehlt, ist ein harmonischerer Antrieb.

Der Lancia Voyager ist so italienisch wie Venedig in Las Vegas. Aber das macht nichts, weil hinter der „italienisierten“ Fassade das bewährte geniale Sitzkonzept des ursprünglichen Chrysler Voyager wartet. Trickreicher mutiert nämlich kein Van zum Transporter: Die Sitze falten sich einfach in den Boden. Es entsteht ein großer, ebener Laderaum, in dem nur die Sitzverankerungen beim Beladen stören. Ab der empfehlenswerten Ausstattungslinie Gold hat der Voyager außerdem serienmäßig eine Dachreling mit fast unsichtbar integrierten Lastenträgern.

Für die Unterhaltung auf langen Fahrten sorgt für 2150 Euro das DVD-System mit Deckenbildschirmen und Infrarot-Kopfhörern. Typisch amerikanisch sind die üppigen Ablagen, Fächer und Flaschenhalter. Der Voyager macht seinem Namen alle Ehre. Auch preislich ist der Voyager Gold ein attraktives Angebot: Für 41.000 Euro ist alles an Bord, was das Reisen angenehm macht. Doch mit 1600 Kilogramm Anhänge- und 65 Kilogramm Stützlast bleibt der Lancia hinter den in seiner Klasse üblichen Werten zurück.

Man möchte dem Antrieb auch nicht mehr zumuten: Das Sechsgang-Automatikgetriebe und der kernige 2,8-Liter-Turbodiesel (zum gleichen Preis gibt´s auch einen V6-Benziner) harmonieren nämlich nicht. So verpufft das üppige Drehmoment von 360 Newtonmetern, weil der Automat sein Heil im kleinstmöglichen Gang sucht. Zu häufig rackert der Vierzylinder nahe seines Drehzahllimits. Der sechste und einzige Gang, in dem der Drehmomentwandler überbrückt wird, ist so lang, dass er mit Caravan im Schlepp nur auf topfebener Strecke zum Einsatz kommt - bei 100 km/h liegen dann 1600 Umdrehungen an. Außerdem schaltet das Getriebe bergab nicht zurück, um die Bremskraft des Motors zu nutzen. Das muss der Fahrer schon manuell tun. Die Konsequenz aus hohem Gespanngewicht und hohen Drehzahlen: ein Verbrauch von über 16 Litern. Auch solo sind Werte um zehn Liter die Regel.

Das Fahrwerk, das bei der Umwandlung von Chrysler in Lancia überarbeitet wurde, macht seinen Job gut. Der Komfort bleibt auch mit starker Beladung erhalten, die Spurtreue im Gespannbetrieb ist beruhigend hoch - Anhänger-ESP hat der Voyager nicht.

Dass Anhängerziehen nicht ganz oben im Lastenheft stand, machen auch zwei andere Dinge deutlich: Die einfach abnehmbare Kugelstange der Anhängekupplung liegt im „Sichtbereich“ der Parkpiepser, und auch die Totwinkel-Warner in den Außenspiegeln schlagen Alarm, sobald der Caravan bei stärkerer Kurvenfahrt in ihnen auftaucht. Aber: Die Rückfahrkamera (im Navi für 1750 Euro enthalten) erleichtert dank einprogrammiertem Peilstrich das Ankuppeln ernorm.

Das gute Preis-LeistungsVerhältnis macht den Lancia Voyager trotz der Schwächen bei Motor und Getriebe attraktiv. Mehr trickreiche Variabilität und Ausstattung ist für das Geld nämlich kaum zu kriegen.

Daten & Messwerte Lancia Voyager

Motor/Antrieb:

Vierzylinder Turbodiesel; 120 kW/163 PS, max. Drehmoment 360 Nm ab 1800/min. Abgasnorm: Euro 5, Sechsgang-Automatik.

Fahrleistungen solo 1):

  • Beschleunigung 0-100 km/h: 11,9 s
    Höchstgeschwindigkeit: 193 km/h

Fahrstufen und Drehzahlen Gespann 2) 3):

  • Bergauf 7 %, 80 km/h 4. G.: 2700/min
    Bergauf 7 %, 100 km/h 5. G.: 2500/min

Verbrauch (Diesel) L/100 km:

  • im Test solo/Gespann 2): 9,0/16,2
    Stadt/Land/komb.1): 10,5/6,3/7,9

Siebensitziger Van:

  • L/B/H: 5,22/2,00/1,75 m
  • Leergewicht/zul. Gesamtgewicht: 2240/2775 kg
    Zuladung (65 kg Stützlast abgezogen): 470 kg
    Anhängelast 12 %: 1600 kg
    Testgewicht Zugwagen/Caravan (jeweils beladen): 2600/1600 kg
    Kofferraum: 934 - 3912 L
  • Grundpreis: 37 990 Euro
    Gold-/Ausstattung: 39 990 Euro
    Navi mit Kamera: 1850 Euro
    Dolce-Vita-Paket (u.a. mit DVD-System mit 2 Monitoren, Regensensor): 2150 Euro
    AHK abnehmbar inklusive Elektro-Satz: 486 Euro plus Einbau (ca. 1,5 Stunden)

Antrieb
+ Kräftiger, aber kerniger Diesel.
- Unharmonische Automatik mit zu langer sechster Fahrstufe, meist hohe Drehzahlen, hoher Verbrauch.

Fahrverhalten
+ Gute Fahrstabilität, ordentlicher Fahrkomfort. Kräftige Feststellbremse, feinfühliges Anfahren.
- Mäßige Traktion, keine elektronische Gespannstabilisierung.

Gewichte
- Unterdurchnschittliche Stütz- und Anhängelast, geringe Zuladung.

Innenraum
+ Sehr variabler, großzügiger Innenraum, viele Ablagen und Fächer, guter Zugang.

Anhängekupplung
+ Einfache Bedienung
- Kugelstange liegt im Parksensoren-Messfeld, keine Abschaltung des Totwinkel-Assistenten.

1) Werksangabe 2) Caravaning-Messwerte 3) Höchstmöglich wählbare Fahrstufe in Konstantfahrt bergauf

Fendt Bianco Selection 465 SFB: Ingo Werner

Autor

Foto

Ingo Wagner, Archiv

Datum

6. Februar 2013
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