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Nebenkosten und Extras beim Caravan-Kauf: Verflixte Extras

Wer meint, einen neuen Caravan zu kaufen, sei kinderleicht, der hat sich noch nie durch die Angebote und Preislisten der Hersteller gekämpft. CARAVANING klärt auf und gibt Hilfestellung.

Was ein neuer Caravan kostet, steht in der Preisliste. Doch die nackte Wahrheit, die exakte Summe, die am Ende das eigene Konto verlässt, um auf dem des Händlers gutgeschrieben zu werden, versteckt sich oft hinter vielen Zeilen Kleingedrucktem, hinter Sternchen und Fußnoten.

Einfache Ausstattungs-Extras für den Wohnaufbau und das Fahrgestell sind da noch am einfachsten zu überblicken. Undurchsichtiger und damit erklärungsbedürftiger sind die oft auch noch unterschiedlich hohen Preise für Zulassungspapiere, Fracht und Vorfracht, für Gasprüfungen oder so genannte Werksabholungen.

Aber was steckt hinter den jeweiligen Kosten und Begriffen? Lohnt es sich, Extras beim Händler zu kaufen und sie auch dort einbauen zu lassen? Caravaning hat Preislisten studiert sowie mit Herstellern, Händlern und Werkstätten gesprochen, um Licht ins Dunkel zwischen den kleinen Buchstaben zu bekommen.

Bürokratiekosten - Dokumente, Prüfungen und Normen

In fast jeder Caravan-Preisliste tauchen sie auf, die Zulassungsdokumente. Hinter diesem einfachen Begriff verbergen sich alle zulassungsrelevanten Papiere. Oliver Rüter, Vertriebsmitarbeiter beim Adria-Importeur Reimo, erklärt: „In dieser Pauschale werden die Kosten für Typprüfungen, Gasprüfung, Erstellung von Zulassungsbescheinigung Teil 2 (landläufig Fahrzeugbrief genannt) und COC zusammengefasst. Der Kunde erhält alle notwendigen Dokumente für sein Fahrzeug, damit es ohne weitere Maßnahmen sofort zugelassen werden kann.

COC ist die Abkürzung für „Certificate of Conformity“, dahinter steckt die europaweite Typgenehmigung. Sie besagt, dass der Caravan alle Anforderungen und Normen erfüllt. Ein großer Caravan- und Reisemobilhersteller muss pro Jahr rund 200.000 Euro für Typgenehmigungen und die Umschreibung des COC in nationale Zulassungsdokumente ausgeben. Nur wenige Hersteller (siehe Tabelle) geben diese Kosten nicht an ihre Kunden weiter, alle anderen halten mit der Berechnung von etwas Selbstverständlichem auf den ersten Blick den Grundpreis niedrig.

Gleiches gilt für die Vorfracht. Hierunter versteht man die Transportkosten des Fahrgestells zum Caravan-Hersteller. Die Fracht wiederum fällt an, wenn das fertige Fahrzeug vom Werk zum Händler vor Ort gebracht wird. Bei Bürstner zum Beispiel versteht sich der Grundpreis eines Caravans „ab Werk“, beinhaltet also die Vorfracht. Dazu Wilfried Leupolz, Leiter des Bürstner-Servicezentrums: „Die Frachtkosten werden von den Händlern kalkuliert. Diese fallen je nach Spediteur, Beförderungsart und Entfernung unterschiedlich aus.“

Dass die Frachtpreise entfernungsabhängig sind, merkt man spätestens bei Importmarken. Marken wie Adria, Sterckeman oder Caravelair weisen ihre Frachtkosten im Kleingedruckten der Preislisten aus. Man muss hier mit einer Mehrausgabe zwischen 600 und 800 Euro rechnen. Innerhalb Deutschlands kann dieser Posten zwischen 100 und 1000 Euro liegen, je nach dem, wie weit der deutsche Hersteller vom deutschen Händler entfernt ist. Sollte die Fracht nicht eindeutig auf dem Handelsplatz ausgewiesen sein, unbedingt nachfragen!

Ein weiteres interessantes Phänomen taucht in der Preisliste von Sunlight auf. Und zwar die Werksabholung für 490 Euro. Der stolze Betrag deckt eine Führung im Werk, die Fahrzeugübergabe mit Einweisung, ein Mittagessen und die Aufbereitung des eigentlich doch brandneuen Caravans ab. Wer es weit hat bis nach Neustadt in Sachsen, darf sich seinen Sunlight auch zum örtlichen Händler bringen lassen.

Ein ebenfalls rein bürokratischer Akt ist eine Auf- oder Ablastung des Chassis, die keine technischen Veränderungen verlangt. Trotzdem wird der Eintrag in die Fahrzeugpapiere unterschiedlich taxiert. Adria zum Beispiel verzichtet darauf, sich diesen einfachen Handstreich bezahlen zu lassen.

Serienausstattung - die Basisausrüstung eines Caravans

Der Grundpreis sagt aus, was ein Caravan in serienmäßiger Ausstattung kostet. Aber auch hier gibt es Spezialitäten wie Saisonpreise. In der Preisliste von LMC finden sich zwei Preise: Die im Durchschnitt 300 Euro günstigeren Sommerpreise gelten bis zum 31. Januar 2013, die Winterpreise vom 1. Februar 2013 bis zur neuen Preisliste. Obacht: Maßgeblich für den jeweiligen Preis ist das errechnete Datum der Auslieferung und nicht die Bestellung des Caravans. Saisonpreise gab es in der Vergangenheit auch bei anderen Marken.

Im Regelfall wird die Serienausstattung detailliert ausgewiesen. Je günstiger der Caravan, desto eher ist auch diese Grundausstattung sparsam.

Käufer sollten wissen, dass man in einem Bad mit Duschwanne oft nicht duschen kann, weil Brause und Vorhang fehlen. Warmes Wasser gibt es nur, wenn ein Warmwasserbereiter wie die Truma-Therme installiert ist. Und dass der Raumeindruck darunter leidet, wenn nur zwei 40 mal 40 Zentimeter große Dachluken statt einem Heki montiert werden.

Auch bei Einbaugeräten wie Kocher und Kühlschrank kommen in der Grundausstattung manchmal weniger moderne, kleinere und günstigere Modelle ohne Annehmlichkeiten wie dritte Kochstelle, Elektrozündung oder automatische Energiewahl AES zum Einsatz.

Die Extras - Sonderausstattungen für einen individuellen Caravan

Man kann sie einzeln bestellen oder im Paket zusammen mit anderen Optionen. Diese Pakete locken mit so satten Rabatten im Vergleich zu den Einzelpreisen, dass der Verdacht aufkeimt, Einzeloptionen würden besonders hoch eingepreist oder der Montageanteil so hochgetrieben, dass ein ordentlicher Betrag für die Paketkalkulation herauskommt.

Unsere Stichproben bestätigen dies nicht. Im Vergleich mit den Nachrüstungsoptionen (inklusive Montage) liegt die Sonderausstattung auf gleicher Höhe, mal ein wenig drunter oder drüber. Die Kalkulation und Subventionierung dieser Pakete entzieht sich dem öffentlichen Blick – geschieht beim Hersteller im stillen Kämmerlein. Nichts Verwerfliches, solange das Angebot stimmt.

Dennoch ist das Kreuz bei einem Paket nicht automatisch die bessere Entscheidung: Nämlich dann, wenn ein Kunde nicht den gesamten Inhalt des Paketes braucht oder möchte. Weil entweder das Geld oder die Zuladung des künftigen Wunschcaravans knapp wird.
In jedem Fall stellt sich die Frage: Ist es günstiger, Extras einzeln oder im Paket gleich mitzubestellen oder sie später beim Händler oder einer freien Werkstatt nachrüsten zu lassen?

Vergleicht man die Tabellen, ist die Frage nicht eindeutig zu beantworten. Im einen Fall kommt die Nachrüstung etwas teurer, im anderen ist der Einbau in einer Fachwerkstatt sogar günstiger. Doch gegen gut geschnürte Ausstattungspakete ist sie meist machtlos.
Ihre Stunde schlägt, wenn Menschen auf Nummer sicher gehen wollen, bei denen sich das einfach ausgestattete Neufahrzeug im Einsatz und auf der Waage bewähren darf und erst mit der Zeit mit den Ansprüchen wächst.

Differenzierter muss die Nachrüstung bezüglich der Produktverantwortung gesehen werden. Dazu Thomas Jerzembeck, verantwortlich für den Kundendienst bei Hobby: „Die Werksgarantie bezieht sich auch auf Zubehör-Komponenten, so weit sie von Hobby montiert wurden. Wenn das Zubehör nachträglich über den Händler verbaut wurde, so ist dieser gewährleistungs- und garantiepflichtig.“

CARAVANING Kommentar von Redakteur Rainer Lachenmaier:

Mehr Transparenz, bitte!

Zugegeben, der Caravan ist ein komplexes Gebilde aus Fahrgestell, Aufbau und Extras. Ein unerfahrener Kaufinteressent findet sich auf der technischen Seite nur schwer zurecht. Dazu kommt die komplizierte und undurchsichtige Preisgestaltung vieler Caravan-Hersteller. Man sieht vor lauter Optionen den Preis nicht mehr. In dem Bestreben, sich vom Mitbewerber abzuheben und bloß nicht vergleichbar zu sein, wird die Verkaufspolitik bei Caravans heutzutage ähnlich unübersichtlich wie bei Mobilfunkverträgen. Die Hersteller könnten es ihren Kunden erheblich einfacher machen.

Supertest: LMC Maestro 510 E

Foto

Konstantin Tschovikov

Datum

30. April 2013
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