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Report: Alles über Fähren in Südeuropa: Camping & Meer

Stellplätze auf großer Fahrt: Camping an Bord wird immer beliebter. Das Angebot im Mittelmeer nimmt zu, und teilweise denken auch die Reedereien wieder um.

Es gibt wohl nichts Schöne­res als Camping an Bord. Speziell die deutschen Ur­lauber fragen dieses Angebot sehr stark nach. Schon im ver­-
gangenen Jahr besannen sich daher Reedereien wie die Moby Line oder die Superfast Ferries nach Jahren der Abstinenz auf den Sardinien-Strecken Livorno–Olbia und Piombino–Olbia und der Griechenland-Route Ancona–Patras: Caravanurlau­ber durften wieder ihre ureigenen Kajüten beziehen. Dieser erfreuliche Trend setzt sich auch in dieser Saison fort. So eröffnet die Grandi Navi Veloci eine Camping-an-Bord-Route von Genua nach Barcelona. Die gleiche Gesellschaft feiert auch Premiere Richtung Sizilien: von Livorno nach Palermo. Dabei haben sich die Spielregeln für die Schiffseigner jedoch etwas verschärft.

Wie bisher funktioniert Camping an Bord nur im Mittelmeer, weil die See dort üblicherweise nicht als so rau gilt wie die Ostsee oder der Atlantik. Außerdem ist diese Reiseform nur von April bis Oktober erlaubt, weil dann das Wetter normalerweise noch moderat ist. Die EU-Behörden wollten indes noch mehr Regeln: Sie forderten zusätzlich auf den Schiffen bestimmte Sektoren für die Caravangespanne, die nicht mit anderen Fahrzeugen belegt werden dürfen. Je nach Laune des Lademeisters wurde früher auf dem Schiffsdeck kreuz und quer geparkt. Jetzt sind die Zonen separiert, und nur noch die Personen, die Camping an Bord gebucht haben, können sie betreten, etwa mit einer Chipkarte.

Thomas Voigt von der gleichnamigen Seereisen-Agen­tur kennt den Grund: „Durch die definierte Personenzahl, die Zugang in diese Sektoren hat, möchte man Schäden an den Fahrzeugen und Diebstählen vorbeugen.“

Aber nicht alle Konsequenzen sind im Interesse der Urlauber: Denn durch die Sektoren ist jede Flexibilität dahin, und die Anzahl der Plätze, auf denen Camping an Bord möglich ist, schrumpft ten­denziell eher. Weshalb der Fähren-Profi auch zur schnellen Buchung rät, „besonders, wenn die Reise zu sensiblen Terminen wie an Pfingsten oder über Ostern geplant ist“. Dabei gilt: Je früher, desto besser, beispielsweise schon im Herbst des Vorjahres. Dann stehen zwar die Tarife und Abfahrtszeiten der kommenden Saison noch nicht endgültig fest, aber manche Agenturen akzeptieren auch eine provisorische Vormerkung und buchen die Reise erst dann verbindlich ein, wenn es möglich ist, etwa ab Dezember.

Frühe Festlegungen haben außerdem den schönen Neben­effekt, Geld zu sparen. Denn im Gegensatz zu den Fähren im Norden, die ähnlich wie die Fluggesellschaften zu tages­aktuellen Preisen übergehen, wird im Mittelmeer noch konventionell kalkuliert und mit Anreizen wie dem klassischen Frühbucherrabatt gearbeitet.

Auf anderen Ebenen haben allerdings auch schon die modernen Zeiten Einzug gehalten, etwa beim papierlosen E-Ticket. Da bleibt dann unter Umständen ein komisches Magengefühl zurück: Ob es wirklich klappt im Abfahrtshafen, wenn man tatsächlich nur seinen Pass vorlegen muss?

So gesehen, wäre vielleicht doch nicht die Buchung im Internet die erste Wahl, sondern der Weg über eine Agentur. Die ist für den Urlauber kaum teurer, arbeitet noch mit konventionellen Buchungsbestätigun­gen, und es gibt dort einen Ansprechpartner. Schließlich werden auch Konflikte einfacher gelöst, denn hin und wieder zeigen die Reeder den Caravanern „die kalte Schulter“, wie der Sardinien-Experte Götz Gabriel der Turisarda-Agentur weiß.

Die Reedereien disponieren ihre Schiffe flexibel und ziehen sichere Gewinne aus festen Frachttransport-Verträgen vor. So kann es passieren, dass eine mit Camping an Bord gebuchte Passage schließlich doch in der Kabine endet, weil eine andere Fähre eingesetzt wird. Wobei dann folglich die Frage entsteht, wer nun die zusätzlichen Kosten übernimmt. Denn die Übernachtung im eigenen Fahrzeug macht nicht nur Spaß, sondern ist in der Regel so preiswert wie eine Deckpassage. In solchen Situationen hat Gabriel schon so mancher Reederei die Kabine „herausgekitzelt“. Er kann auch Rückreisetermine kurzfristig umbuchen und die Tickets fristgerecht im Hafen hinlegen. Aber das geht nur, weil Götz Gabriel einfach eine stärkere Marktmacht besitzt als ein einzelner Urlauber, der einsam über das Internet seine Passage bucht. Außerdem sind die Transportkosten für den Laien nicht transparent. Häufig sind Hafengebühren oder andere Zuschläge, etwa für Treibstoff oder die Sicherheitskontrollen, nicht in die Tarife mit hin-eingerechnet. Das sorgt für Frustrationen, weil vermeintliche Schnäppchen dann letzten Endes doch nicht so günstig sind wie gedacht.

Camping an Bord ist nur auf sogenannten Kombicarriern oder RoPax-Schiffen möglich. Dabei weist die Abkürzung „Pax“ auf Personentransport hin. „RoRo“ steht hingegen für „roll on, roll off“: Die Ladung wird auf das Schiff gerollt. Hierzu gibt es befahrbare Decks, die in der Höhe oft variabel sind, wodurch der Laderaum flexibler genutzt werden kann. Das sind die idealen Vor­aussetzungen für Camping an Bord, denn schließlich will niemand im Schiffsbauch unter Kunstlichtbedingungen die Klappstühle aufstellen.

Autor

Foto

Foto: Sterz, Hammermeister

Datum

15. April 2008
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