Reise: Schwäbische Alb 15 Bilder Zoom

Reise-Tipp Schwäbische Alb mit dem Caravan: In vielen Dingen herausragend

Auf der Schwäbischen Alb soll ein findiger Bäcker die Brezel erfunden haben. Die Camping-Tour zeigt indes noch viele weitere, abwechslungsreiche und spannende Höhepunkte des Mittelgebirges.

Beim Thema „Schneckenverzehr“ scheiden sich die Geister. Zustimmung und Abneigung treffen hier hart aufeinander. Alb-Guide und Biosphärenbotschafterin Rita Goller aus Münsingen-Rietheim sieht das gelassen, denn ihre Weinbergschnecken, die sie naturnah und mit Sorgfalt züchtet, finden reißenden Absatz. Unter den Stammkunden sind nicht wenige Caravaner, die immer wieder zu einer Tour auf die Albhochfläche aufbrechen, verzaubert vom rauen Charme, der diese einzigartige Mittelgebirgslandschaft prägt.

Das bizarr verwitterte Juragestein bezeugt die geologische Besonderheit der Region zwischen Stuttgart und dem Bodensee. Die Alb lag vor rund 200 Millionen Jahren am Grund eines Meeres, das Europa fast ganz bedeckte. Beeindruckende Belege dafür sind die unzähligen Meeresfossilien, die man mit Glück sogar als Wanderer am Wegesrand findet. Ausgedehnte Wacholderheiden und der weitverbreitete Dornstrauch verfestigen den herben Landschaftscharakter. Teile der Schwäbischen Alb wurden 2008 vom Land Baden-Württemberg als Biosphärengebiet ausgewiesen. Wenig später folgte die internationale Anerkennung vonseiten der Unesco.

Wir verlassen Münsingen und rollen weiter in Richtung Bad Urach. Die einen bezeichnen das schmucke Städtchen ein wenig spöttelnd als „Schwäbisches Hollywood“. So wurden zum Beispiel viele Szenen der Mundart-Fernsehserie „Laible und Frisch“, die im Bäckermilieu spielt, auf dem Uracher Marktplatz mit seinen prächtigen Fachwerkhäusern gedreht. Die anderen nennen sie Brezelstadt, da in Urach angeblich die in Süddeutschland so geschätzte Laugenbrezel erfunden wurde.

Bei Graf Eberhard im Barte war Hofbäcker Frieder durch üble Nachrede in Ungnade gefallen, so weiß die Legende zu berichten. Der Herrscher zeigte jedoch Großmut und gab Frieder eine zweite Chance. Er sollte begnadigt werden, falls er ein Backwerk schaffen könne, „durch das dreimal die Sonne scheint“. Dem schlauen Mann gelang dieses Kunststück, indem er die Brezel in der heute bekannten Form aus geschlungenem Teig erfand.

Mit einer Tüte ofenwarmer Brezeln im Gepäck und straff geschnürten Wanderstiefeln finden wir uns später auf einem Parkplatz am Stadtrand wieder. Von dort führt ein schöner Weg am plätschernden Brühlbach entlang zum Uracher Wasserfall, der von dichtem Grün umrahmt ein eindrucksvolles Naturschauspiel bietet. Ambitionierten Wanderern stehen darüber hinaus in der gesamten Region zwölf Wanderwege mit Qualitätssiegel zur Verfügung - darunter der Albsteig (HW1) und die sieben Traufgänge rund um Albstadt. Die Premiumwege heben sich besonders durch ihre Naturbelassenheit hervor; dazu überraschen sie immer wieder mit neuen, spektakulären Ausblicken und bedeutsamen Sehenswürdigkeiten.

Aussichtspunkt und Wahrzeichen in einem ist das auf einem Felsen über Honau und dem Echaztal thronende Schloss Lichtenstein. Bauherr war 1842 Graf Wilhelm, der sich von Wilhelm Hauffs Bestseller-Roman „Lichtenstein“ inspirieren ließ. Mit Zugbrücke, Verlies und umfangreicher Waffensammlung spiegelt der Prachtbau perfekt das vor, was er nie war: eine Ritterburg.

Etwa 100 Jahre zuvor begann der Bau der doppeltürmigen Pfarr- und Wallfahrtskirche Unserer Lieben Frau in Zwiefalten. Das Münster ist eine überwältigende Meisterleistung süddeutscher Rokoko-Kunst. Chorgestühl und Deckenfresken zählen zu den Ausstattungshöhepunkten.

Moderne Akzente setzt indes die Stadt Metzingen, wo in den 1970er Jahren das Outlet-Shopping erfunden wurde. Heute finden Schnäppchenjäger - man beziffert ihre Zahl auf drei Millionen jährlich - Outlets von über 50 internationalen Modemarken vor. Gleichwohl konnte Metzingen sein typisches Kleinstadt-Flair bewahren. Bestes Beispiel: das winzige Marzipan-Atelier von Dorte Schetter, wo Pralinen in kunstvoller Handarbeit entstehen. Wir beschließen den Tag in einem Weinlokal am Metzinger Kelternplatz.

In Bad Urach übrigens liegt auf 510 Meter Meereshöhe der höchste deutsche Weinberg. Wer Weinbergschnecken nichts abgewinnen kann, wird vielleicht mit Familie Bächners charaktervollem Silvaner, Kerner oder Spätburgunder echte Hoch-Gefühle erleben.

Auf der nächsten Seite: Der besondere Tipp von CARAVANING, alle Infos und Campingplatz-Empfehlungen in der Region.

Autor

Foto

Thomas Cernak

Datum

10. November 2013
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