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Studentenbude auf dem Campingplatz

So lebt es sich als Student im Wohnwagen

Studentenbude im Caravan Foto: Andreas Straubinger 12 Bilder

Hässliche Zimmer, horrende Mieten, Wohnungsmangel – Student Andreas Straubinger hatte davon die Nase voll. Statt in einer ungemütlichen, teuren Studentenunterkunft in Nürnberg wohnt er im Caravan.

20.04.2017 Andreas Straubinger

Eine verrückte Idee, oder eher eine bescheuerte Idee? Als ich beschloss, meine Studentenwohnung aufzugeben und stattdessen einen Wohnwagen als Studentenbude zu benutzen, war das die zentrale Frage, die an mir nagte.

Raus aus der Stadt - rein ins Campingglück?

Aber ob nun bescheuert oder nicht – ich fühlte mich unwohl in meiner kleinen Wohnung in der grauen Nürnberger Südstadt. Häuserschluchten, Plattenbauten, Müll und Dreck – das Areal im Hinterhof als Garten zu bezeichnen, wäre Schönfärberei. Ich musste raus aus dieser Tristesse, ich sehnte mich nach einer Bleibe im Grünen. Doch eine saubere Studentenwohnung zu einem einigermaßen vernünftigen Preis zu ergattern, war in der Nürnberger Innenstadt schon ein schweres Unterfangen gewesen – im Nürnberger Umland schien es eine Unmöglichkeit zu sein.

Beim Campingurlaub im Wohnwagen meiner Eltern kam mir schließlich die rettende Idee: Warum eigentlich nicht einen Wohnwagen als Studentenbude nutzen? Meine Eltern, wie ich selbst leidenschaftliche Camper, waren von der Idee sofort angetan – nach einer kurzen Überschlagsrechnung bezüglich Kosten für Gas, Strom und Stellplatz war relativ schnell klar, dass diese Art zu Wohnen vermutlich kostengünstiger sein würde als die Nürnberger Mietpreise.

Schon bald hatte ich so einen kostengünstigen Stellplatz gefunden, der auch eine gute Verkehrsanbindung nach Nürnberg aufwies. Von meinem Ersparten konnte ich mir mit der Unterstützung meiner Eltern einen eigenen gebrauchten Wohnwagen kaufen – und schon im November 2015 hatte ich meine neue fahrbare Studentenbude bezogen.

Wie lebt es sich im Wohnwagen als Studentenbude?

Um eines vorweg zu nehmen: Ich habe meine Entscheidung nie bereut. Denn wie jeder leidenschaftlicher Caravaner weiß: Campen in der Natur ist Entspannung pur. Natürlich sollte man nicht dem Irrglauben anheim fallen, das Studium würde durch das Wohnen in einem Wohnwagen zu einem knapp vierjährigen Dauerurlaub mutieren. Und doch bietet es einige Vorteile, sei es nun die Nähe zur Natur, die Ruhe, oder die Möglichkeit, nach getaner Arbeit im Liegestuhl vor dem Wohnwagen die Sonne anzubeten.

Doch um eines auch klar zu machen: Langjährige Erfahrungen und eine große Leidenschaft für das Campen im Wohnwagen sind dabei keine wünschenswerte Voraussetzung, sondern schlichtweg eine Notwendigkeit. Denn einige Hindernisse bringt der Wohnwagen als Studentenbude mit.

Selbst mit Vorzelt hat man in einem mittelgroßen Wohnwagen meist weniger Platz als in einem durchschnittlichen Studentenzimmer. Hinzu kommen regelmäßige Arbeiten wie Wasserholen, Chemietoilette und Grauwasser entleeren, sowie der Gasflaschenwechsel. Auch der Weg vom Wohnwagen zum Waschhaus kann bei winterlichen Temperaturen im Bademantel etwas ungemütlich werden.

Je nach Campingplatz wird auch das Thema Internetverbindung zum Problem, denn bietet dieser kein W-Lan an, so muss man auf Internetsticks mit begrenztem Datenvolumen zurückgreifen. Für Freunde des Videostreamings eine Horrorvorstellung.

Wie sieht es mit den Kosten aus?

Ist der Wohnwagen im Vergleich zur Studentenwohnung wirklich auch kostentechnisch eine Alternative? Diese Frage hat zu Beginn auch an mir genagt, denn trotz langjähriger Erfahrung meiner Eltern mit Wintercamping konnten wir die entstehenden laufenden Kosten natürlich nicht mit letzter Gewissheit vorausberechnen.

Daher habe ich ein Jahr lang alle anfallenden Kosten aufgeschrieben (vgl. Tabelle). In der Tabelle findet man die durch Strom- und Gasverbrauch, sowie durch die Stellplatzmiete entstanden Kosten für das Jahr 2016. Für diejenigen, die 365 Tage im Jahr im Wohnwagen leben und arbeiten wollen, habe ich die Kosten auf ein ganzes Jahr hochgerechnet.

Die Lebenshaltungkosten im Caravan

Der Gasflaschenpreis für eine 11kg-Flasche lag 2016 im Schnitt bei 14 Euro. Gas habe ich nur zum Heizen und Kochen verwendet – im Winter bei minus 15 Grad Celsius war eine neue Gasflasche meist schon nach drei Tagen fällig, in den Sommermonaten kann sie aber auch schnell einmal knapp zwei Monate reichen, wenn man nicht heizen muss. Der Kühlschrank lief immer auf Strom. 750 Euro für einen Ganzjahresplatz ist zugegebenermaßen recht günstig – hier muss man im Schnitt mit deutlich mehr Geld kalkulieren.

Das Resultat: Mit laufenden Kosten von durchschnittlich 102 Euro pro Monat ist für mich das Studieren im Wohnwagen deutlich kostengünstiger als das Leben in einem Studentenappartement. Selbst mit einer deutlich höheren Stellplatzmiete würde es sich für mich noch rentieren.

Eignet sich die Wohnwagen-Studentenbude für jeden?

Ob das Studieren im Wohnwagen eine Alternative ist, hängt von vielen persönlichen Faktoren ab.

Wer einen Wohnwagen als Studentenbude benutzen will, ist wie ich wahrscheinlich eher jemand, dem Ruhe und ein eigenes Bad und Küche wichtig sind. Daher muss man den Wohnwagen eher mit einem Studentenappartement vergleichen. Den Wohnwagen kann man meiner Meinung nach preislich nicht mit einem Wohnheimzimmer oder einer WG vergleichen.

Außerdem muss man die durchschnittlichen Mietkosten der Hochschulstadt ebenso ins Kalkül ziehen, wie die je nach Region und Campingplatz teils extrem unterschiedlichen Preise für einen Jahresstellplatz. Betrachtet man in meinem Fall die Mietpreise im Nürnberger Land, so geht der Wohnwagen eindeutig als Preissieger hervor.

Mein Fazit zum Studieren im Wohnwagen: eine verrückte Idee – ja. Aber keine bescheuerte!

Andis Praxis-Tipps für Studenten

Entscheidet man sich nun für einen Wohnwagen als Studentenbude, sollte man einige wichtige Dinge berücksichtigen. Daher ein paar Tipps aus der Praxis.

Tipp 1: Wohnwagengrundriss. Wer seinen Rücken nicht schädigen will, sollte erst gar nicht daran denken, den Esstisch und die Sitzgelegenheiten im Wohnwagen nutzen zu wollen. Vielmehr benötigt man zum Studieren einen großen Schreibtisch und einen ordentlichen Schreibtischstuhl. Um diese jedoch im Wohnwagen ohne allzu große Umbaumaßnahmen unterbringen zu können, ist ein Wohnwagen mit Einzelbetten der Grundriss der Wahl. Meist sind nur wenige Schrauben zu lösen, um eines der Einzelbetten samt Staukasten zu entfernen. An seiner Statt kann nun ohne Probleme ein Schreibtisch aufgestellt werden – selbst bei einem nur 2,30 Meter breiten Wohnwagen bleibt dabei genug Platz für einen Schreibtischstuhl. Überdurchschnittliche handwerkliche Kenntnisse sind dabei nicht erforderlich.

Tipp 2: Kühlschrank. Beim Thema Kühlschrank lässt sich schnell und einfach Geld sparen. In Wohnwagen sind meist Absorberkühlschränke verbaut – wahre Stromfresser im Vergleich zu modernen Kompressorkühlschränken, die man einfach im Vorzelt aufstellen kann. Doch Vorsicht! Sollte es draußen zu kalt werden, stellt der Kompressorkühlschrank seine Kühlfunktion ein. In den Wintermonaten sollte man daher lieber den Absorberkühlschrank im Wohnwagen verwenden.

Tipp 3: Isolierung. Da man als Student eher weniger in den Genuss kommen wird, einen teuren skandinavischen Winterwohnwagen zu besitzen, spielt auch das Thema zusätzliche Isolierung eine Rolle. Denn eine gute Isolierung spart Gas und damit Geld. So macht es je nach Caravan durchaus Sinn, in Winterabdeckungen für die Dachhauben oder in Thermomatten für die Fenster zu investieren. Grundgrissspezifische Schwachpunkte können meist schnell und einfach mit zusätzlicher Dämmung behoben werden – so musste ich beispielsweise meine Wasserleitungen im Küchenblock nachträglich isolieren, da mir diese in besonders kalten Nächten gerne einmal eingefroren sind.

Tipp 4: Schutzdach. Undichtigkeit beim Wohnwagen ist ein heikles Thema. Denn steht der Wohnwagen über lange Zeit im Freien, lässt die UV-Strahlung der Sonne die Dichtungen porös und unelastisch werden. Besonders bei der Abdichtung zwischen Dach und Seitenwand kann es so schnell zu teuren Wasserschäden im Wohnwagenaufbau kommen. Daher sollte man darüber nachdenken, Geld für ein Schutzdach zu investieren. Neu sind diese oft relativ teuer, mit etwas Glück und Geduld findet man aber im Internet oder in der Zeitung auch gebrauchte Schutzdächer für einen guten Preis. Will man wie ich seinen Wohnwagen nach dem Studium als Reisewohnwagen nutzen, so gibt es in Deutschland auch zwei Hersteller, die fahrbare Schutzdächer anbieten – etwas teurer, aber man bleibt mobil.

Tipp 5: Melderecht. Darf man in Deutschland überhaupt im Wohnwagen wohnen? Die rechtliche Situation dazu ist leider etwas undurchsichtig. Zu beachten ist hierbei das Melderecht. Inwiefern es auf einem Campingplatz möglich ist, einen Hauptwohnsitz oder einen Nebenwohnsitz anzumelden, kann ich nicht pauschal beantworten. Denn das ist von Campingplatz zu Campingplatz unterschiedlich, auch gibt es in diesem Bereich teils extrem unterschiedliche Gerichtsurteile und zahlreiche Ausnahmeregelungen. Um daher gesetzlich auf der sicheren Seite zu sein, sollte man sowohl beim Campingplatz, als auch bei der örtlichen Meldebehörde nachfragen. Meiner Erfahrung nach haben sich sowohl die Campingplatzbetreiber, als auch die Behörden meinem Vorhaben gegenüber immer sehr aufgeschlossen gezeigt.

Tipp 6: Wertverlust: Wer schon einen Wohnwagen besitzt, kann sich glücklich schätzen und wird sich dafür weniger interessieren. Für alle anderen Interessenten gilt jedoch: umso neuer der Wohnwagen, umso größer auch der jährliche Wertverlust. Daher eignet sich für Studierende eher ein Wohnwagen älteren Semesters – denn ob dieser nun zwölf oder 15 Jahre alt ist, spielt monetär beim Kauf/Verkauf meist keine Rolle mehr, entscheidender ist der Pflegezustand. Ich habe mich bewusst für ein neueres Modell entschieden, weil ich wusste, dass ich den Wohnwagen auch nach meinem Studium möglichst lange nutzen will. Das ist aber natürlich eine sehr individuelle Entscheidung.

Gesamtkosten (Anweisenheit 251 Tage)Gas (17 Flaschen)Strom (528 KWh à 0,Euro)StellplatzGesamt
Jahr 2016241,10 Euro244,80 EUro750,00 Euro1235,90 Euro
Jahr 2016 pro Monat20,09 Euro20,40 Euro62,50 Euro102, 99 Euro
Gesamtkosten (hochgerechnet auf 365 Tage)
Jahr 2016350,60 Euro355,89 Euro750,00 Euro1456,59 Euro
Jahr 2016 pro Monat29,22 Euro29,67 Euro62,50 Euro121,37 Euro
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