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Campingurlaub in Südschweden: Unberührte Natur und schöne Kultur

Im "Garten Schweden" schlummern viele Sehnsuchtsziele: eine Riesenportion Natur, verträumte Schauplätze legendäre Krimis, zeitgemäße Vertreter uralten Kunsthandwerks und geheimnisvolle Relikte.

Mit dem Caravan nach Südschweden reisen – vieles spricht dafür. CARAVANING zeigt fünf gute Gründe für eine solche Tour:

1. Der scheue König der Wälder

Elchbullen gelten als furchtbare Angeber, denn ihr massives, ausladendes Geweih – es wiegt nicht selten 20 Kilogramm bei einer Spannweite bis zu 1,35 Meter – setzen die Einzelgänger nur äußerst selten zum Kampf ein. Und wenn sie doch einmal den Nebenbuhler attackieren, so schubsen sie sich so lange hin und her, bis einer frustriert von dannen zieht. "Alces alces", der Elch, ist die größte aller heutigen Hirscharten. Bis zu 400  000 Tiere streifen durch die schwedischen Wälder, aber zu sehen bekommt man sie fast nie. Ihr riesiger Riechapparat, die weit auseinander stehenden Augen und die "Eselsohren" bilden ein empfindliches Warnsystem.

Der große Kopf und die langen, dünnen Beine entsprechen kaum dem gängigen Schönheitsideal. Doch was nicht schön ist, ist oft praktisch. Dazu zählen die Beine, mit denen das Tier bis zu einen Meter hohe Hindernisse überrennt, ohne springen zu müssen. Das spart viel Energie. Ebenso clever: Die Hufe besitzen eine Art Schwimmhaut, die das Einsinken auf morastigen Böden deutlich verlangsamt. Ein ungewöhnliches Merkmal ist auch der lange Kinnbart – bei beiden Geschlechtern.

2. Der Glanz der guten alten Zeit

Auf Glimmingehus, der besterhaltenen Burg in Schweden, scheint die Zeit stehengeblieben zu sein: Blondzöpfige Frauen in bunten, wehenden Gewändern huschen vergnügt über die Holzbrücke, die einzige Verbindung über den Festungsgraben. Sie nehmen an den Ritterspielen teil, die hier in der Nähe von Simrishamn im Sommer regelmäßig stattfinden. Der Rahmen für ein Mittelalterfestival könnte nicht schöner sein: Das fensterlose, mit Schießscharten übersäte Haupthaus ragt viergeschossig aus der flachen Landschaft. Angreifer mussten immer befürchten, mit kochendem Wasser oder Pech begossen zu werden. Vielleicht wurde die Burg deshalb nie zerstört. Wie man in ihr lebte, zeigt das in der ehemaligen Küche eingerichtete Museum. www.raa.se/glimmingehus

Schloss Läckö, sehr malerisch auf einer Landzunge im großen Vänersee gelegen, zeigt einen völlig anderen Charakter. Die einst trutzige Bischofsburg ließ der Feldherr Magnus Gabriel de la Gardie im 17. Jahrhundert zu einer barocken Sommerresidenz umbauen. Seither schweben im Königssaal des „weißen Märchenschlos­ses“ Engel auf den Deckengemälden, die anderen Räume schmücken Szenen aus der Mythologie. Man sagt, dass de la Gardie den Luxus ins Land brachte. Zu sehen ist dies auch am wieder angelegten französischen Garten, der wie seinerzeit zum Lustwandeln verführt. www.lackoslott.se

3. Der Pilgerort für Krimi-Fans

Kommissar Kurt Wallander begeistert seit den 1990er Jahren ein Millionenpublikum in der ganzen Welt. Dabei hat der Romanheld von Henning Mankell so gar nichts, was einen Helden auszeichnet. Er ist vielmehr ein korpulenter Fahnder, der versucht, den Kummer über die Trennung von seiner Frau mit viel Whisky herunterzuspülen – worunter aber nicht sein exzellenter kriminalistischer Spürsinn leidet. Schauplatz seiner Ermittlungen ist das Städtchen Ystad an der Südküste.

Ystad wirkt indes keineswegs bedrohlich: Die bunten Häuschen in Meeresnähe strahlen eine große Gemütlichkeit aus, ebenso die rund 300 Fachwerkhäuser im Kern. An der Ecke zur Fußgängerzone Stora Östergatan steht das älteste Fachwerkhaus Skandinaviens, das Pilgrändshus, erbaut 1480. Backsteinkirchen und ehemalige Klöster vervollständigen das heimelige Flair. Der „bösen Seite“ kann man im Filmstudio nachspüren, wo 13 Wallander-Filme gedreht wurden, oder auf speziellen Stadtführungen. www.ystad.se

4. Die traditionsreichen Glashütten

Zwischen Växjö und Nybro in den tiefen Wäldern Smålands liegen die in aller Welt berühmten schwedischen Glashütten. Sie gründen auf einer Idee von König Gustav Wasa, an dessen Hof, so wird berichtet, oft rauschende Feste stattfanden. Dabei ging immer wieder teures venezianisches Glas zu Bruch, weshalb der König, um Geld zu sparen, die Glasbläser aus der Lagunenstadt nach Schweden holte.

Der älteste heute noch existierende Betrieb ist "Kosta". Anders Koskull und Georg Stael­ von Hollstein gründeten ihn 1742. Der Name der Firma leitet sich von den ersten Buchstaben ihrer Nachnamen ab. Im Lauf der Jahre wurden die Produkte immer kunstvoller, wovon man sich bei einer Besichtigung überzeugen darf. Unter anderem arbeiten dort eine Reihe bekannter Glaskünstler, zum Beispiel Göran Wärff und Bertil Vallien.

Der Aufschwung der Glashütten setzte ein, als im 19. Jahrhundert viele småländische Eisenhütten schließen mussten. Wasserkraft und Holz für die Öfen waren im Überfluss vorhanden. Von einst etwa 40 Hütten sind noch 15 übrig. Glasblasen ist ein uraltes Handwerk, das sich kaum verändert hat. Jedes mundgeblasene Stück ist einmalig, wobei winzige Fehler, die auch bei den besten Meistern auftreten, ihren Wert unterstreichen. www.kostaboda.se

5. Die geheimnisvollen Steine

Hoch über dem Strand von Kåseberga, einem fröhlich-bunten Fischerdorf bei Ystad, erstreckt sich ein vor langer Zeit von Menschenhand errichtetes Bauwerk; dessen Zweck wird wohl für immer ein ungelöstes Rätsel bleiben. Die "Ales stenar" (deutsch: "Die Steine von Ale") zeichnen einen 67 Meter langen und 19 Meter breiten Schiffsgrundriss.

Sie stellen eine der größten erhaltenen Steinsetzungen in Skandinavien dar. Die gut drei Meter hohen Felsen an Bug und Heck sind am größten, ihre Höhe nimmt zur Mitte hin ab.
Obwohl bei Ausgrabungen in der Anlage bearbeitete Feuersteine, Keramikscherben und eine Urne zutage traten, bezweifeln viele Forscher, dass es sich um eine Grabstätte handelt. Sie vermuten eher ein astronomisches Hilfsmittel in der Tradi­tion von Stonehenge in England.

Autor

Foto

Thomas Cernak

Datum

28. August 2015
Dieser Artikel stammt aus Heft CARAVANING 08/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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