Der untere Gummi ist drei Jahre alt. 26 Bilder Zoom

Achsgummis tauschen am Caravan: So federt der Wohnwagen wieder richtig

Mit der Zeit schrumpft der Federweg des Wohnwagens. Neue Federgummis holen Komfort und Höhe zurück. Doch können Sie durch sorgsamen Umgang diesen Austausch hinauszögern und somit Geld sparen.

Wohnwagen sind meist dauerhaft bis an die Lastgrenze beladen – und leider oft sogar darüber. Außerdem stehen sie, ebenfalls leider, oft und lange still. Zwei Umstände, die häufig dazu führen, dass sich Wohnwagen mit Gummifederung nach sechs bis zehn Jahren mess- und sichtbar setzen.

Die Zeit legt den Caravan quasi tiefer

Was am Tuning-Treff gewollt ist, hat beim Wohnwagen negative Auswirkungen. Denn je tiefer die Räder in den Radkästen stehen, desto geringer wird der verbleibende Federweg. Im Neuzustand stehen laut Alko rund acht Zentimeter Federweg zur Verfügung. Bei Nennlast sollten davon sechs übrig bleiben. Mit jedem Zentimeter weniger nehmen die Belastungen für Chassis, Aufbau und Möbel zu.

Außerdem vergrößert sich bei zunehmender Einfederung die Vorspur, wodurch der Reifenabrieb steigt. Auch der Radsturz nimmt zu, was auch die Innenseiten der Reifenlaufflächen stärker belastet. Nicht so schnell passieren kann das mit Drehstabfedern aus Stahl, wie sie Hobby-Caravans (Ausnahme: On Tour) haben.

Daraus zu schließen, dass ein Wohnwagen mit deformierten Gummifederelementen unsicher wird, geht freilich zu weit. Aber: Fahrverhalten und -komfort sowie Verschleiß lassen sich durch den Austausch der Achsgummis positiv beeinflussen. Genauso wie das Entlasten der Achse via Kurbelstützen den Setzungsprozess verlangsamt. In der Luft hängen dürfen die Räder freilich nicht, schon ein wenig Lastreduktion reicht laut Alko völlig aus.

So werden die Achsgummis des Caravans getauscht

Der Austausch der Achsgummis dauert 1,5 bis 2,5 Stunden und kostet damit ab 550 Euro, der kleinste Teil entfällt dabei auf das Material – sechs Gummiwürste. Nicht die Achse beeinflusst Arbeitszeit und Kosten, sondern die Kabel, die am Chassis entlang zu den Rückleuchten verlaufen und die sorgfältig ausgehängt werden müssen, damit die Achse samt Bremsen, jedoch ohne Räder, nach unten aus dem Chassis genommen werden kann.

Übrigens lassen sich allein durch das Wechseln der sechs Gummifederelemente auch Auflastungen in kleinerem Rahmen durchführen. Ein typischer, jedoch nicht allgemeingültiger Fall ist ein Sprung von 1400 auf 1500 Kilogramm zulässiger Gesamtmasse durch den Einsatz härterer Gummistränge. Somit ist natürlich auch möglich, Caravans mit grundrissbedingt hohen Radlastunterschieden auf der schwereren Seite härter zu federn, damit der Wagen gerade steht. In der folgenden Bilderstrecke zeigen wir Ihnen, wie im Servicecenter von Alko die Federelemente einer 120 Kilo schweren Zwei-Tonnen-Achse getauscht werden.

Kleines Wohnwagen-Technik 1x1:
So funktioniert ein Wohnwagen-Fahrwerk

Bremsen, Radlager und Räder sind an den Achsstummeln befestigt. Die Achsstummel münden in Dreikantrohre, die im Achsrohr stecken. Drei Gummiwülste pro Seite, die Federelemente, sorgen über die Innenreibung dafür, dass der Achsstummel sicher im Achsrohr stecken bleibt.

Federt ein Rad ein, überträgt sich seine vertikale Bewegung als Drehung auf das Dreikantrohr, das die in seinen Mulden liegenden Gummistränge gegen die Kanten im Achsrohr quetscht.

Auf das Caravan-Gewicht abgestimmte Stoßdämpfer sorgen dafür, dass die Räder nicht zu schnell ein- und ausfedern. Dadurch wird unterbunden, dass die Reifen Bodenkontakt verlieren und der Aufbau in Schwingungen versetzt wird. Beides wirkt sich negativ auf das Fahrverhalten aus. Darum sind Stoßdämpfer auch für die Tempo-100-Zulassung Pflicht.

Beim Einfedern verändert sich zudem die Stellung der Räder. Je stärker das Rad eintaucht, desto stärker dreht es sich vorn nach innen – die Vorspur wird größer. Außerdem kippt das Rad oben weiter nach innen – der Sturz vergrößert sich. Beide Effekte stabilisieren den Wohnwagen ähnlich wie der Pflug, den man beim Skifahren zum Bremsen anwendet.

Die Art und Weise, wie sich Spur und Sturz ändern, hat auch mit der Bauform des Achsrohrs zu tun. Ist es gerade, spricht man von einer Längslenkerachse mit geringen Spur- und Sturzänderungen. Leicht gekröpfte Achsen sind Schräg-lenkerachsen, bei denen die Radpositionsänderungen stärker ausfallen. Drei Hersteller von Caravan-Achsen und -Bremsen gibt es am Markt: Alko, BPW und Knott. Knott-Achsen = kommen nur an Hobby-Caravans zum Einsatz.

Fendt Bianco Selection 465 SFB: Ingo Werner

Autor

Foto

D. Bitsch, U. Regenscheit (1), Archiv (1)

Datum

6. November 2016
Dieser Artikel stammt aus Heft CARAVANING 08/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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