VW Passat mit Anhänger 16 Bilder Zoom

VW Passat im Zugwagen-Test: Ein Auto, das von selbst denkt und lenkt

Der neue VW Passat kann extrem viel selbst: Mit und ohne Caravan rückwärts rangieren, sich durch den Stau tasten und im Notfall sogar selbständig anhalten. Er denkt und lenkt praktisch von selbst.

Experten sind sich einig: In einigen Jahren fahren unsere Autos von A nach B, während wir lesen oder die Landschaft genießen. Die Technik hierzu wird bereits Schritt für Schritt eingeführt.

Schon heute sollen Autos viele Manöver besser können als Menschen. Die Bedienungsanleitung des neuen VW Passat listet 15 elektronische Helfer auf – die vier spannendsten haben wir im Realverkehr und auf dem Bosch-Prüfgelände in Boxberg getestet: den Anhängerassistenten namens Trailer-Assist, den Parklenkassistenten, den Stauassistenten und den neuen Notfallassistenten.

Der VW Passat kommt mit zahlreichen Assistenzsystemen

Rückwärtsfahren mit Anhänger ist selbst für Routiniers immer wieder eine Herausforderung – außer Trailer-Assist ist an Bord. Wird mit Anhänger der Rückwärtsgang eingelegt, zeigt das Bordcomputer-Display die eingeschlagene Richtung und mögliche Kurvenradien an. Über den Spiegeleinsteller lässt sich nun wie mit einem Joystick die gewünschte Richtung wählen – auch geradeaus. Der Trailer-Assist arbeitet mit Daten der Rückfahrkamera, die Bewegungen der Deichsel beobachtet und so die Bewegung des Anhängers voraussieht.

Auch beim Parken hat der Passat Fortschritte gemacht. Die neueste Generation fährt Lücken jetzt auch vorwärts an. Der Assistent wird über eine Taste am Armaturenbrett aktiviert, worauf die Ultraschallsensoren in den Schürzen nach freien Plätzen entlang der Straße fahnden und gefundene Lücken im Display anzeigen. Dabei schlägt das System die Art und Weise des Einparkens vor. Werden mehrere Parklücken erkannt, lässt sich die gewünschte anwählen. Nur Gas und Bremse muss der Fahrer selbst betätigen.

Der Stauassistent hält den Abstand zum Vordermann bis 60 km/h konstant. Stockt der Verkehr, hält der Passat an, fährt wieder los und bleibt auf seiner Fahrspur, indem er automatisch lenkt. Aus rechtlichen Gründen muss der Fahrer die Hände am Lenkrad lassen. Registriert das System, dass er freihändig fährt, erfolgt erst eine akustische Warnung. Wird die ignoriert, tritt der Notfallassistent in Aktion, den wir links beschreiben.

So viel Computer-Intelligenz hat ihren Preis

Zur Anhängekupplung für 910 Euro kommen 620 Euro für den Parklenkassistenten mit Trailer-Assist hinzu. Stau- und Notfallassistent sind im großen Fahrerassistenz-Paket Plus enthalten, das 2850 Euro kostet und auch die neuen LED-Scheinwerfer enthält.

So bewähren sich die VW Assistenzsysteme im Test

Anhängerassistent: Für den Hausfrauentest gibt es keinen besseren Kandidaten, schließlich bin ich noch nie mit Wohnwagen gefahren. Und wusste daher auch nicht, wie schwierig es ist, rückwärts einzuparken. Ohne Hilfselektronik breche ich nach drei Versuchen und wildem Geschlängel ab. Jetzt den Assistenten aktivieren, am Spiegelversteller, der wie ein Joystick bedient wird, die Richtung wählen, Gas geben – und staunen, dass der Hänger auf Anhieb da hinrollt, wo ich ihn haben wollte. Ganz klar der spektakulärste der vier Assistenten!

Parklenkassistent (Solo): Ernüchterung im ersten Anlauf: Obwohl er nur einen Tick weiter hätte zurücksetzen müssen, versucht sich der Passat mit unzähligen kleinen Korrekturzügen in die Parklücke zu bugsieren. Wir können es irgendwann mal nicht mehr mit ansehen und übernehmen das Steuer. Doch es bleibt bei diesem Ausrutscher, der sich nicht reproduzieren lässt: In den folgenden Versuchen schlägt sich der Variant nämlich sehr ordentlich, obgleich ihm das Rückwärtsparken mehr zu liegen scheint. Für Parkphobiker dennoch ein lohnendes System.

Stauassistent

Bei aller Begeisterung fürs Autofahren: Das nervige Stop-and-go-Getrödel im abendlichen Berufsverkehr lasse ich mir gern abnehmen. Vor allem, wenn die Technik so gut funktioniert wie im VW, der präzise seinem Vordermann folgt und die Spur hält. Schon nach ein paar Minuten vertraue ich den Sensoren und finde es fast schade, dass das System bei einem Stopp nur rund zwei Sekunden anfahrbereit bleibt. Danach muss ich es per Gaspedalstoß aktivieren. Vermutlich könnte der Passat viel mehr, wenn er denn nur dürfte.

Notfallassistent

Wir drehen unsere Runden auf dem Bosch-Testgelände. Besser gesagt: Der Passat dreht, denn wir stellen uns bewusstlos und nehmen die Hände vom Lenkrad. Nach ein paar Sekunden piepst es, erst leise, dann immer lauter. Kurze, abrupte Bremsstöße sollen uns wachrütteln, doch wir bleiben passiv. Der Variant betätigt jetzt den Warnblinker und fährt leichte Schlangenlinien, um sein Umfeld zu warnen, dann hält er auf seiner Spur an. Obwohl das System toll funktioniert, hoffen wir, dass wir es nie brauchen.

Kommentar: Macht Lust auf mehr

Mit ihren Radar-, Kamera- und Ultraschallsensoren haben viele Autos schon heute Technikbausteine an Bord, die zum autonomen Fahren notwendig sind. So werden unsere Autos in wenigen Jahren eigenständig ihren Platz im Parkhaus ansteuern und auf Kommando einer App den Caravan rangieren. Vom Stauassistenten, der dem Vordermann bis Tempo 60 folgt, ist es nicht mehr weit bis zum Autobahnassistenten, der bis 120 km/h Gas, Bremse und Lenkung übernimmt und so den Fahrer entlastet. Die Technik hierfür wäre so weit – der Passat müsste wahrscheinlich nur dürfen.

Dirk Gulde

Autor

Foto

Rossen Gargolov

Datum

7. Juli 2015
Dieser Artikel stammt aus Heft CARAVANING 06/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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