Die Alte Bruecke in Heidelberg. 24 Bilder Zoom

Die Burgenstrasse von Mannheim nach Prag: Von Kaisern und Kurfürsten

Die Burgenstraße zwischen Mannheim und Prag zeigt majestätische Bauten und spannende Stadthistorie. Sie eignet sich perfekt für eine Wohnwagen-Tour mit unseren Campingplatz-Tipps entlang der Route.

Ein Wirrwarr von Stimmen vermischt sich mit dem Wiehern und dem Hufschlag galoppierender Pferde, alte Kutschen scheinen an der kleinen Holzkirche vorbeizurumpeln. Was klingt wie die klassische Einstiegsszene für ein Karl-May-Hörspiel, bei dem spätestens jetzt Winnetou und Old Shatterhand um die Ecke geritten kommen, ist Teil der "Lauschtour" in Wolframs-Eschenbach.

Diese besondere Stadtführung basiert auf einer Smartphone-App, die uns per eindrucksvoller Soundkulisse in vergangene Zeiten zurückversetzt – und zwar in die der Kreuzritter und Minnesänger. Die kleine Stadt im Fränkischen Seenland weiß reichlich Spannendes zu berichten aus der Ära des Deutschen Ordens und des Parzival-Dichters Wolfram von Eschenbach. Wer weder ein Smartphone noch einen iPod besitzt, kann sich ein Gerät mieten. Insgesamt sechs solcher Audio-Guides, darunter auch zu einer Fahrradtour, hat die Altmühl-Mönchswald-Region zu bieten.

Wir sind mitten in Franken auf dem ersten Drittel der Burgenstraße unterwegs, einer Ferienstraße, die vor 60 Jahren zunächst aus der 430 Kilometer langen Strecke zwischen Mannheim und Nürnberg bestand. Inzwischen schlängelt sich die beliebte Route über rund 1200 Kilometer von Mannheim bis nach Prag. Sagenumwobene Burgen, protzige Schlösser und verlassene Ruinen, mittelalterliche Städte und wunderschöne Landschaften liegen hier dicht an dicht. Und: Dank gut gelegener Campingplätze ist die Strecke zudem ideal für entspannte Etappen mit dem Wohnwagen.

Greifvogel Flugshow auf der Burg Guttenberg

Nach dem Start in Mannheim verläuft die Burgenstraße hinter der schönen Residenzstadt Heidelberg durchs Neckartal und folgt dort den Windungen des Flusses. Lohnend ist alsbald ein Besuch von Burg Guttenberg oberhalb von Neckarmühlbach: Burgherr Bernolph Freiherr von Gemmingen-Guttenberg erzählt bei seinen Führungen durch die Stauferburg aus dem 12. Jahrhundert gern Anekdoten aus seiner Kindheit und der Zeit seiner Vorfahren. Richtig spektakulär wird es dann bei der Flugshow der hier ansässigen Deutschen Greifenwarte.

Erstaunlich: Keiner der Vögel nutzt die Gelegenheit, einfach in die Freiheit zu entschwinden. Nur einem Geier reichen die Aufwinde nicht mehr, um nach seiner großen Runde über dem Neckartal wieder auf Burg Guttenberg zu landen. Er segelt hinab ins Dorf, um dort auf das "Vogeltaxi" zu warten, das den müden Herrn pünktlich zum Füttern wieder hoch auf den Berg kutschiert.

Weiter den Neckar hinunter liegt am Breitenauer See ein Campingplatz, der sich prima als Basis für unser nächstes Tour-Ziel eignet: Heilbronn. Die Stadt hat sich mit dem größten deutschen Rotweinanbaugebiet einen Namen gemacht, besonders mit Trollinger und Lemberger – Grund genug, den Abend bei einem kleinen Weinfest ausklingen zu lassen, das uns neben kulinarischen Freuden auch viele Tipps der Einheimischen für unsere weitere Fahrt beschert.

Eine Zeitreise durch die Epochen

Eine Reise entlang der Burgenstraße ist zugleich eine Zeitreise durch verschiedene Epochen – in Schwäbisch-Hall wird uns das so kurzweilig wie spannend vor Augen geführt. Stadtführerin Renate Herterich hat sich nicht nur stilecht wie die Siedersmagd Euphrosyne gekleidet, sie entführt uns wahrhaftig in einem 90-minütigen Rollenspiel in die Vergangenheit der Salzsiederstadt am Kocher. Geschichten über die Bewohner, ihre Berufe und Lebensumstände gibt es genug – die Kulisse bilden das alte Gefängnis (heutiges "Haus der Bildung") sowie die vielen schönen Fachwerkhäuser am Marktplatz. Amüsante Einlagen gibt es obendrein, denn die Siedersmagd bezieht auch überraschend Passanten mit ein – so wird ein nichtsahnender Fahrradfahrer ermahnt, ein bisschen besser auf sein Drahtross aufzupassen, da es doch sehr klapprig und alt aussehe.

Neben Heidelberg ist das bayerische Rothenburg ob der Tauber ein weiterer großer Touristenmagnet entlang der Route. Gäste aus aller Welt folgen hier den bunten Schildern ihrer Stadtführer, die sie durch das mittelalterliche Zentrum manövrieren – allerdings mit genussvollen Zwischenstopps: An den Konditor-Auslagen mit den typischen "Rothenburger Schneeballen" zum Beispiel (eine Mürbteig-Spezialität) kommt man nicht ohne Kostprobe vorbei.

Eine echte Königin

Weltmeisterlich wird es schließlich in der Gemeinde Aufseß, die es dank der weltweit größten Brauereidichte – vier solcher Betriebe bei gerade 1500 Einwohnern – zu einem Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft hat. Brauereikönigin Katrin I. präsentiert uns bei einer Besichtigung die verschiedenen Biersorten, natürlich mit Verkostung. Anschließend lassen wir uns noch ein wenig frische Sommerluft zukommen, und zwar bei einer Wanderung auf dem schönen, 14 Kilometer langen Brauerei-Weg.

Am Tag darauf tönt im Püttlachtal das laute Zwitschern der Vögel, und wir schnüren erneut die Wanderschuhe. Stapfen entlang duftender Blumenwiesen, passieren kleine Wälder und machen Platz für die schnellen Mountainbiker. Auf einem Felsen thront spektakulär die 1000 Jahre alte Burg Pottenstein. Was für ein lohnender Abstecher, wie so viele hier.

Nach Bayreuth verlässt die Burgenstraße Deutschland und windet sich auf ihren letzten 400 Kilometern durch Tschechien, wo sich Burgen und Schlösser nicht minder dicht aneinanderreihen. In Prag endet die Route dann. Bis dahin schaffen wir es nächstes Mal auch noch. Versprochen.

Autor

Datum

29. September 2015
Dieser Artikel stammt aus Heft CARAVANING 09/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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