Reise: Mecklenburgische Seen, Altes Zollhaus 22 Bilder Zoom

Camping an den Mecklenburgischen Seen: Urlaub, ganz klar

Der Stille Osten der Mecklenburgischen Seenplatte ist ein Paradies für Naturliebhaber. In der Vorsaison kann man die Region am schönsten mit dem Caravan auf Plätzen am Wasser erleben.

Wenn es am frühen Abend unruhig am Himmel wird, dann fliegt ein schnatternder Trupp Kraniche übers Gelände und entschwindet erst hinten am Wald wieder den Blicken. Meine Tochter macht sich Sorgen, als sie einen Nachzügler entdeckt. "Die Vögel sind hier zu Hause, sie brüten am Nachbarsee", erzählt uns Uwe Fischer, Chef des Campingplatzes "Hexenwäldchen".

Wir residieren hier mitten im Müritz-Nationalpark am kleinen Jamelsee. Der hat einen Steg, einen Sandstrand und viel hohes Schilf rundherum. Kinder spielen im Sand. Jetzt am frühen Abend landen viele Paddler an. Seit 20 Jahren achtet Uwe Fischer darauf, dass der Campingplatz so bleibt, wie es ihm gefällt: einfach, naturbelassen, mit netten Gästen.

Unser Caravan steht inmitten herrlicher Natur, in einem Kiefernwäldchen mit Blick aufs Wasser. Wenn die Kinder fragen, ob der nächste Campingplatz wieder an einem See liegen wird, kann ich mit Bestimmtheit sagen: ja. Denn an Seen herrscht auf der Mecklenburgischen Seenplatte wirklich kein Mangel.

Camping direkt am See - kein Problem in Mecklenburg

In Röbel zum Beispiel trennt uns auf dem Campingplatz "Pappelbucht" nur ein schmales Weglein vom Strandbad an der Müritz – das wir als Gäste besuchen können, ohne Eintritt zu bezahlen. Und man kann hier abends aufs Wasser schauen und Fisch essen. Das nah gelegene Regattahaus serviert Fisch aus der Region. Am nächsten Morgen bummelt man durch Röbel – das touristische Zentrum am südwestlichen Müritzufer. Es gibt zwei alte Backsteinkirchen, Galerien und Läden. Noch ist hier nicht viel los.

Der Osten der Seenplatte und der südliche Teil der Müritz sind nur in Maßen und an einigen Orten auf Touristen ausgerichtet. Das Leben ist vielerorts wie eh und je – aufs Wasser bezogen und etwas in sich gekehrt. Wir lieben das und finden: Die Region mit ihrer wunderbaren Natur ist ein perfektes Ziel für einen Campingurlaub, gerade weil die Infrastruktur nicht so perfekt ist. Wenn wir mit unserem Caravan reisen, haben wir immer alles dabei, was wir brauchen, um uns wohlzufühlen.

In Lychen, das schon im Naturpark Uckermärkische Seen im Nachbarland Brandenburg liegt, finden wir ein Restaurant, das bodenständige deutsche Küche serviert. Die Klosterruine von Himmelpfort, wo es namensbedingt im Winter ein Weihnachtspostamt gibt, durchstreifen wir jetzt noch in aller Stille. Auf der Schlossinsel in Mirow hingegen sitzen schon viele Gäste draußen auf der ausladenden Restaurantterrasse. Und Carwitz, der schönste Ortsteil der Gemeinde Feldberger Seenlandschaft, ist ebenfalls trubelig und quicklebendig. Hier stehen wir wieder mal direkt am Wasser und genießen die Sicht auf den glasklaren Carwitzer See. Der Campingplatz liegt im Ort und doch im Grünen – das ist perfekt, denn man kann etwas essen gehen, ohne noch einmal mit dem Auto oder den Rädern loszumüssen.

Klares Wasser, viel Natur

Diese Ecke der Mecklenburgischen Seenplatte schließen wir besonders ins Herz: Der Ort ist von heute selten gewordenen Klarwasserseen umgeben. Die Dorfgassen enden alle früher oder später am Wasser. Gejubelt hat mein Sohn gleich bei der Ankunft, dass der See voller Mineralwasser sei, und deshalb beschließen wir, am nächsten Morgen auf dem Campingplatz Paddelboote auszuleihen und die Gegend vom Wasser aus zu erleben.

Sie hauen uns total um, diese Feldberger Seen, die nur zwei Stunden nördlich von Berlin liegen. Vom Boot aus starren wir fasziniert ins Wasser: Vom hellen Sand am Grund wachsen zarte Wasserpflanzen herauf, das Wasser ist fast schon karibisch blau. An ergrauten Bootsholzhäusern ziehen wir vorbei zum Schmalen Luzin. Einst waren fast alle Seen Mecklenburg-Vorpommerns nährstoffarm, also Klarwasserseen. Heute sind es noch knapp 15 Prozent – der Breite und der Schmale Luzin gehören dazu. Es sind während der letzten Eiszeit entstandene Paradiese für Naturliebhaber: Frösche hocken im Schilf, Libellen surren über Seerosen hinweg, Rotfedern machen aus dem Wasser heraus Luftsprünge. Im Alten Zollhaus am Breiten Luzin kehren wir ein und paddeln von dort zurück.

Zur Ruhe kommen und entspannen

Die Stille und Unaufgeregtheit dieses Landstrichs überträgt sich peu à peu auf uns, die Zahl der täglich gefahrenen Kilometer nimmt ab. Wir müssen halten, um Störche zu beobachten oder weil wir einen Hofladen entdeckt haben. Im Abendlicht kreuzen Rehe die Straße, heraus aus dem Raps, hinein in den Raps. Besser, man kommt früher an. Am Jamelsee im Nationalpark weckt uns früh der Hahn. Der See liegt spiegelglatt im Morgenlicht. Der Platz schläft noch. Aber Uwe Fischer und die Brötchen sind schon da.

Also bauen wir den kleinen Tisch auf, kochen Kaffee und öffnen zur Feier des Tages das Glas Quittengelee, das wir gestern an einem Straßenstand gekauft haben – mit Geldeinwurf in eine Kasse des Vertrauens. So schön kann kein Frühstück im Hotel sein. Es ist unser letzter Morgen an der Seenplatte. Und wir haben alle Zeit der Welt, denn die Rückreise ist nicht lang.

Foto

Würtenberger, Topel/TV Mecklenburg-Vorpommern (1), P. Gutmann (1), Rico K./Fotolia.com, Campingplatz Am Dreetzsee, www.haveltourist.de (1)

Datum

2. September 2014
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