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So campt Europa - Teil 2: Frankeich: Franzosen lieben es leicht

Das Land groß und vielseitig, die Zahl der Campingplätze enorm. Frankreich ist ein echtes Campingland. Die Einheimischen bereisen es mit oft kleinen, leichten Caravans. Was ist sonst noch typisch?

Die "Grande Nation" trägt ihren Titel zu Recht. Kein europäisches Land ist größer. Dennoch liegt Frankreich mit 844.800 zugelassenen Caravans leicht hinter Deutschland. Aber diese Zahl ist nur die halbe Wahrheit, denn in Frankreich, so Schätzungen, entfallen etwas mehr als 50 Prozent aller Anmeldungen auf Profi-Nutzer. Weil beide annähernd 100 Prozent ihrer optisch und technisch speziell angepassten Caravans an das reisenden Volk verkaufen, landen Fendt und Tabbert auf den Rängen eins und zwei der Zulassungsstatistik.

Der touristische Markt hingegen ist recht fest in der Hand französischer Marken. Als profunde Quelle dient uns Redakteur Frédéric Lutz vom CARAVANING-Schwestermagazin "Camping et Caravaning". Nach dem typischen Gespann gefragt, hat er prompt eine Antwort parat: Ein Renault Scénic mit 130-PS-Diesel mit einem Caravelair Antares Luxe 460 im Schlepp. Beide Fahrzeuge sind prototypisch für französische Vorlieben, die recht stark von Patriotismus, Tradition, Steuergesetzen und Preisen geprägt werden. Übrigens: Aus steuerlichen Gründen haben 75 Prozent aller in Frankreich zugelassener Autos einen Diesel unter der Haube, die neuen aus Frankreich meist einen 1,6-Liter mit 115 oder 130 PS.

Der typisch französische Caravan

Die Mehrzahl der Caravans, so Lutz, wiegt auch heute zwischen 1100 und 1400 Kilogramm. Hier kommen die kleinen Anhängelasten früherer französischer Autos zum Tragen, derentwegen traditionell leicht und kompakt gekauft wurde. Frédéric Lutz erkennt aber auch eine "psychologische Grenze" bis 1000 Kilogramm bei seinen Landsleuten. Auch wenn moderne Autos aus Frankreich mittlerweile mehr ziehen dürfen, hat sich das Kaufverhalten nicht grundlegend geändert. Ein weiterer Grund dafür ist das Tempolimit auf Autobahnen. Gespanne unter 3,5 Tonnen Gesamtgewicht dürfen mit bis zu 130 km/h dem Ziel entgegenpfeifen, das überwiegend innerhalb der eigenen Landesgrenzen liegt.

Wer schon einmal in einem französischen Doppelbett zu zweit unter einer gemeinsamen, straff unter die Matratze geklemmten Decke übernachtet hat, wird sich nicht über den Lieblingsgrundriss der Franzosen wundern. Oder erst recht. Jedenfalls haben es frei im Bug oder Heck stehende Queensbetten den französischen Caravanern besonders angetan. Ähnlich populär sind nur die Größenklassen 400 und 420 mit Querbett im Bug, Sitzgruppe links und Küche im Heck.

Welche Marken sind in Frankreich beliebt?

Doch nicht nur bei den Gewichten setzen französische Marken tiefer an, sie tun es auch beim Preis. Zwar steigt die Verarbeitungsqualität zumindest bei den für den deutschen Markt bestimmten Fahrzeugen kontinuierlich, aber die Opulenz deutscher Caravans ist und bleibt den meisten französischen Fahrzeugen fremd. Ein Hauptgrund dafür, warum es deutsche Caravan-Marken aus den höheren Preissegmenten schwer haben, Fuß zu fassen.

Nur Hobby stößt mit dem Excellent 490 SFF (Mittelbett und Rundsitzgruppe) in die Phalanx der Franzosen vor, zu der auch der Caravelair Vénicia Premium 475 und der La Mancelle Elegance 490 SA gehören. Für die Saison 2015 rechnet Frédéric Lutz auch dem Bürstner Premio 420 TS große Chancen zu, sich in seinem Heimatland zu behaupten: Bürstner-Caravans werden im elsässischen Wissembourg gebaut.

Warum bereisen Franzosen am liebsten das eigene Land?

Dass Franzosen gerne im eigenen Land verreisen, hat gute Gründe: Frankreich ist wahrscheinlich das vielseitigste Land Europas und groß genug, ein Leben lang darin Urlaub zu machen. Alleine die Küste misst 3427 Kilometer.

10.000 Campingplätze gibt es, sie reichen vom Ein-Sterne bis zum Fünf-Sterne-Niveau. Günstig und oft trotzdem gut gelegen und gepflegt sind die fast 2000 Gemeindeplätze, "Camping municipal" genannt. Ihnen widmet sich eine eigene Website (www.camping-municipal.org). Für "Camping à la ferme", Camping auf dem Bauernhof, gibt es die leider nicht. Doch auf der Suche nach jedem noch so kleinen Campingplatz hilft am besten und einfachsten der Guide Officiel Camping-Caravaning, der Camper-Bibel aller Franzosen. Camping Cheque ist ebenfalls eine Idee aus Frankreich – und auch für deutsche Caravaner höchst attraktiv.

Typisch Französische Grundrisse im Caravan
  • Frei stehende Doppelbetten, Queensbett getauft, stehen in Frankreich insgesamt am höchsten im Kurs.
  • Heckküchen stehen ebenfalls hoch in der Gunst. Mit diesem Grundriss punkten auch deutsche Marken.
  • Klassiker in der 400er Klasse werden gerne gekauft. Die Gewichte liegen zwischen 1100 und 1400 Kilogramm.
Der dicke Franzose - Campingführer für Frankreich

Das Standard-Werk in und für Frankreich ist der Campingführer „Guide Officiel Camping-Caravaning“. Auf 708 Seiten listet er unter anderem 5937 Campingplätze, 776 Naturplätze und 682 Campingplätze auf dem Bauernhof. Herausgeber ist die Motor Presse France in Zusammenarbeit mit der Fédération française de Camping et Caravaning (120.000 Mitglieder). Die Plätze sind nach Départements geordnet und nach Ausstattung kategorisiert. Allerdings auf Französisch. Preis: 12,50 Euro. Porto: 3 Euro. www.campingfrance.com/DE

Fendt Bianco Selection 465 SFB: Ingo Werner

Autor

Foto

Archiv, F. Lutz, S. Zink, I. Wagner

Datum

22. August 2014
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