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So campt Europa - Teil 1: Großbritannien: Gentlemen in Caravans

Die Briten sind ein besonderes Volk. Zumindest eilt dem Insulaner der Ruf voraus, dass er sich etwas anders verhält als der Kontinentaleuropäer. Gilt dies auch für den Caravaner im Allgemeinen?

Großbritannien gehört zu den ganz großen Campingnationen. Es gibt dort viele, oft naturnah angelegte, gepflegte Campingplätze, eine ansehnliche Caravan-Industrie und über eine halbe Million Caravan-Besitzer. Im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung sind das mehr als bei uns. Auf dem Kontinent bekommt man trotzdem nur selten britische Wohnwagen zu Gesicht. Die Wege kreuzen sich kaum. Das Gros der britischen Caravaner verbringt seinen Urlaub in heimischen Gefilden. Und Gespanne vom Festland verirren sich eher selten auf die Insel. Das liegt vor allem an den bekannten Hürden, dem Verkehr auf der "falschen" Straßenseite und dem Ärmelkanal, der nur mit einer Fähre oder per Bahn durch den 50 Kilometer langen Eurotunnel überwunden werden kann. Caravaning auf der Insel ist "hip". Camping ist hier quer durch alle Alters- und Gesellschaftsschichten populär und gebräuchlich. Keine Spur von Spießigkeit, im Gegenteil, auf britischen Campingplätzen begegnet man durchaus dem einen oder anderen Lord oder Promi, der stolz seinen luxuriösen Caravan präsentiert. Allerdings sehr dezent, denn die buchstäbliche Höflichkeit gilt für den Briten auch rund um den Caravan.

Fahrzeuge in Großbritannien

Vergleicht man Großbritannien und Deutschland, kommt man hierzulande auf einen Bestand von knapp 900.000 Fahrzeugen, auf der Insel sind es rund ein Drittel weniger. Bei den Neuzulassungen liegt allerdings Großbritannien (rund 21.000 jährlich) um fast 5.000 Einheiten vorn. Zwischen den Märkten gibt es nur wenige Überschneidungen. Eriba, Dethleffs und ein paar andere Marken zeigen sich immer wieder mit kleinem Programm auf der Insel. Und auch englische Hersteller versuchen sich sporadisch auf dem kontinentalen Markt. Als bislang letzte Marke tauchte Sprite vom Swift-Konzern auf dem Caravan-Salon 2013 in Düsseldorf auf. Mit einer Jahresproduktion von rund 7.500 Einheiten ist Swift gleichzeitig der größte britische Hersteller, gefolgt von Bailey, Lunar und Eldiss. Die erfolgreichsten Baureihen von Swift liegen mit dem Challenger Sport (10 Modelle) und dem Bailey Unicorn (8 Modelle) Kopf an Kopf.

Britische Caravans erkennt man sofort, sie gleichen nur aus der Ferne ihren kontinentalen Vettern. Die Eingangstür liegt logischerweise auf der linken Seite, um am Straßenrand ungefährdet den Caravan betreten und verlassen zu können. Außerdem ist die Frontscheibe an fast allen UK-Caravans dreigeteilt. Ursprünglich hatten die drei Fenster im Bug einen gestalterischen Sinn, um die plumpe, quaderförmige Anmutung des Caravans auflockern. Das ist optisch gelungen und sorgt für einen praktischen Nebeneffekt. In Großbritannien ist der Camper bisweilen weniger von Sonnenstunden verwöhnt als anderswo, und durch die Fensterfront dringt auch bei Schmuddelwetter mehr Licht ins Wohnwageninnere. Auch der Ausblick durch die Panoramascheiben ist nicht zu verachten. Der Brite kann hier seiner Passion frönen, Gäste vom Stellplatz nebenan empfangen und ist unabhängiger von Wind und Wetter.

Mutmaßlich deshalb hat auch die Sitzgruppe in UK-Caravans einen großen Stellenwert, oft gibt es sogar zwei. Mit Blick auf das Wetter verbringt der Camper auf der Insel mehr Zeit im Caravan als anderswo. So wird in rund 99 Prozent der Caravans der lichtdurchflutete Erker am Bug für die sogenannte Lounge genutzt. Das sind zwei gegenüberliegende Bänke ohne festen Tisch dazwischen, die fürs gesellige Verweilen und auch die Mahlzeiten genutzt werden. Küche und Badezimmer sind wesentlich größer als in deutschen Caravans. Ein Herd mit Backofen und Grill für den Frühstücks-Bacon gehören in die Serien-Kombüse, wie auch die Mikrowelle und ein raumhoher Kühlschrank. Der Brite kocht gern im Caravan. Wenn denn das Wetter das geliebte Barbecue davor vereiteln sollte. Die Badezimmer ziehen sich häufig über die ganze Breite im Heck. Die Ausstattung erinnert ans Eigenheim. Edelstahlarmaturen, Porzellanbecken und feste Duschkabinen sind obligatorisch. Der Brite schätzt die Möglichkeit, sich im Caravan zurechtzumachen. Die Serienausstattung britischer Caravans ist üblichlerweise nahezu komplett. Selbst eine Bordbatterie, eine Musikanlage oder das Anti-Schleuder- System ATC fehlen selten. Für den Besitzer kann dies wichtig sein – der Caravan gilt in Großbritannien als Statussymbol.

Camping in Großbritannien

Touristische Attraktionen gibt es in Großbritannien in verschwenderischer Vielfalt. Vom milden Süden mit seiner sanf ten Hügellandschaft und herrlichen Stränden bis zum herben Norden. Zahlreiche Nationalparks mit atemberaubenden Naturdenkmälern sind ebenso bestaunenswert wie geschichtsträchtige und kulturelle Zentren. Auch die Metropole London ist ein Besuchermagnet, der allerdings für Caravaner nur begrenzt erschlossen ist. Campingplätze sind über England, Schottland, Wales und Nordirland reichlich verteilt. Im internationalen Vergleich liegt Großbritannien mit Campingübernachtungen hinter Frankreich und Italien, aber vor Spanien und Deutschland. Die britischen Plätze werden allen Anforderungen gerecht. Von einfach bis luxuriös sind alle Kategorien vertreten. Die Plätze sind oft naturnah angelegt, gepflegt und kinderfreundlich – Camping ist in UK Familienangelegenheit. Daher empfiehlt sich in den Schulferien eine Reservierung. Sanitärgebäude sind üblicherweise tadellos sauber, Duschkabinen oft größer als in Resteuropa.

Eine Besonderheit: Großbritanniens Caravaner sind zu großen Teilen in Clubs organisiert. Die beiden größten, "The Caravan Club" und "The Camping and Caravaning Club" haben zusammen rund 700.000 Mitglieder und unterhalten jeweils mehrere hundert Cam- pingplätze, die von Mitgliedern sehr günstig gebucht werden können, aber auch anderen offenstehen. Deutsche Caravaner können übrigens auch für begrenzte Zeit Mitglied werden. Bei uns nicht bekannt sind die sogenannten "temporären Campingplätze". Clubs können zur Hauptsaison oder zu Events eine Wiese zertifizieren und als Campingplatz nutzbar machen. Sanitäre Anlagen sind hier zwar begrenzt, die Versorgung mit Wasser und Strom aber gewährleistet, und die Stimmung auf diesen Plätzen soll besonders ausgelassen sein. Dies gilt auch für die vielen Rallyes – Sternfahrten, die oft auf einem von den Clubs organisierten Plätzen enden. Auf diesen Caravaner-Treffs kommen schon mal mehrere tausend Teilnehmer zusammen, die sich an der Region, dem geselligen Beisammensein und  einem ambitionierten Rahmenprogramm erfreuen.  Eine gute Gelegenheit für Touristen vom Kontinent, auch die britischen Caravaner mal aus der Nähe kennenzulernen.

Nützliche Web-Seiten

Visit Britain – deutschsprachige Web-Seite der britischen Zentrale für Tourismus mit einer Menge Informationen zu Land, Leuten und auch Camping. Direkter Link zu den Info-Angeboten bezüglich Wales und Schottland. www.visitbritain.com

Coolcamping – The very best campsites in the UK & Europe. Ein Internet-Portal mit einer Auswahl von Campingplätzen, sortiert nach Kriterien wie Kinderfreundlichkeit, Strand- oder Lagerfeuercamping. Hintergrundinformationen zum Campen in Großbritannien in Englisch. www.coolcamping.co.uk

The Caravan Club – gegründet 1907, bietet seinen rund 1.000.000 Mitgliedern Hilfe rund ums Caravaning, Zugang zu clubeigenen Campingplätzen, günstige Platzmieten und eigene Events. Auch Nichtbriten können Mitglied werden.
www.caravanclub.co.uk

The Camping and Caravanning Club – ein weiterer großer Caravan-Club mit ähnlichen Angeboten wie der Vorgänger. Eine günstige (27,20 Euro), weil auf drei Monate befristetete Auslandsmitgliedschaft ist möglich, www.campingandcaravanningclub.co.uk

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4. August 2014
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