Der Campingplatz Ostseeblick in Dranske ein Logenplatz für Romantiker. 22 Bilder Zoom

Reise-Tipp Ostsee mit dem Caravan: Rügens stille Seiten

Deutschlands größte Insel hat mehr zu bieten als ein tolles Strandleben und feine Bäderarchitektur – die ruhigen Regionen von Rügen sind ideal für einen entspannten Urlaub im Caravan.

Bunte Fahnen knattern im Wind, am blauen Himmel segeln Schäfchenwolken entlang. Im weitläufigen Gelände stehen die Caravans in unmittelbarer Nähe zum Meeresufer auf Gras und weichem Dünensand, der Blick geht weit über Ostsee und Bodden. Surfbretter stapeln sich neben Wassersportschule und Kiosk, in einer Schubkarre wird Brennholz fürs Lagerfeuer vorbeigeschoben. Über Rügens Campingplatz Surfoase Mönchgut liegt ein Hauch von Fuerteventura oder Hawaii, nicht umsonst wird der benachbarte Ort Thiessow auch liebevoll "Thiewaii" genannt – Surfer aus ganz Europa fühlen sich hier pudelwohl.

Doch auch ruhigere Zeitgenossen, die den Gewalten des Meeres lieber von ihrem Klappstuhl vorm Caravan oder von einer nahen Caféhausterrasse aus trotzen, sind in dieser Region Rügens genau richtig. Deutschlands größte Insel, mit ihren schönen Badeorten ein Lieblings-Urlaubsziel der Republik, hat nämlich auch ihre stillen Seiten. Ein paar Minuten vom Campingplatz Surfoase Mönchgut Richtung Nordwesten spaziert, schon ist man auf der winzigen Landzunge Zickerhörn beim possierlichen Weiler Klein Zicker – hier führt der einsame Wanderweg über dem Steilufer zwischen duftenden Wiesen und Bäumen einher, Insekten summen im Gras, Seevögel schreien, irgendwo in der Ferne ertönt eine Schiffssirene.

Kreideklippen und Badeorte auf Rügen

Wer Rügen hört, denkt wohl zunächst an die berühmten, bis zu 118 Meter hohen Kreideklippen, Lieblingsmotiv großer Maler wie Caspar David Friedrich. Oder an bekannte Badeorte wie Sassnitz, Binz und Sellin mit ihren Seebrücken und den schneeweißen Bauten im Zuckerbäckerstil. An lange Uferpromenaden und Sandstrände voller Trubel und Frohsinn und sicher nicht an ruhige Dörfer und Wanderwege im sanften Hügelland oder zwischen Rapsfeldern. Doch auch stille Orte gibt es auf Rügen, teilweise sogar im Sommer.

Abgelegene Orte der Ruhe auf Rügen

Die Halbinsel Mönchgut, die sich im Südosten des großen Eilands mit vielen kleinen Buchten, hügeligen Landzungen und Stränden weit ins Meer hineinreckt, ist so eine Region. Hier liegen einige der rund 20 Campingplätze Rügens, eine ideale Gegend also für den geruhsamen Urlaub mit dem Caravan. Urige Orte wie Middelhagen mit der uralten Dorfkirche, Alt Reddevitz samt seinen schönen Reetdachhäusern oder Lobbe mit dem alten Windkraftschöpfwerk reihen sich hier aneinander, gern machen wir Pause in einem Dorfkrug. Zwischen Moritzdorf und Baabe quert die wohl kleinste Personenfähre der Welt den schmalen Wasserweg zwischen Having und Selliner See: Wie schon 1891 rudert der Fährmann seine Passagiere ans andere Ufer, die sich zuvor durch Läuten einer Schiffsglocke bemerkbar gemacht haben.

Sozusagen als "Wächter" am Eingang zur Mönchgut-Halbinsel liegt der Badeort Sellin mit bildschöner Architektur und einem absoluten Highlight des Eilands – die Seebrücke von 1906 ragt weit ins Meer hinaus, ihr Restaurant ist einen Besuch als Abwechslung zur Caravan-Küche allemal wert. Dann fahren wir wieder zurück aufs stille Mönchgut, machen vielleicht einen Spaziergang am selbst im Sommer ruhigen Sandstrand von Thiessow und essen noch ein paar frische Waffeln im Café am Südende der langgezogenen Bucht.

Entspannter Urlaub im hohen Norden

Ein Gegenpart zum Mönchgut im Süden der Insel Rügen ist die stille Wittow-Halbinsel oben im Norden. Sie wird auch Windland genannt, ist weitgehend flach mit leuchtenden Rapsfeldern und durch eine kilometerlange Nehrung und Sandstrand mit der Hauptinsel verbunden. Bergig ist nur das Kap Arkona an der nördlichen Spitze mit seinen markanten Leuchttürmen. Unweit davon liegt, in einer Senke versteckt, das winzige Fischerdorf Vitt, das komplett unter Denkmalschutz steht.

Abends sitzt man dann vorm Caravan auf dem Campingplatz Dranske mit großem Blick auf einen Sonnenuntergang erster Klasse. Und man mag staunen, wie still es auf Deutschlands größter Ferieninsel sein kann – selbst in der Hochsaison.

Foto

Joachim Negwer, Tourismuszentrale Rügen/Vonberg, Silke Tokarski

Datum

10. Juli 2015
Dieser Artikel stammt aus Heft CARAVANING 06/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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