Roussillon 14 Bilder Zoom

Campingurlaub in der Provence: Aktiv und Genussvoll

Im Vaucluse, dem Land des Savoir-vivre, warten auf Caravaner sowohl sportliche Betätigung als auch bewusster Müßiggang.

Die sündhaft gute Nugat-Mandel-Torte vom Vorabend muss abgearbeitet werden. Wir wollen es aber nicht gleich übertreiben, so wie jener vor Energie strotzende Stammgast aus Allemagne, der, wie man im Dorf Bédoin erzählt, mitunter mehrmals am Tag den Mont Ventoux hinaufradelt. Die Bilderbuchortschaft am Fuß der Südflanke leuchtet sandfarben aus einem Meer aus Reben und Zypressen. Der Ventoux ist mit 1912 Metern der höchste Berg in der Provence und mit seiner kalkfarbenen Kappe auch der beeindruckendste. Viele kennen ihn als Königsetappe der Tour de France.

Doch in Bédoin schwingen sich auch die weniger sportlich Ambitionierten auf den Fahrradsattel, um zum Beispiel in gemächlichem Tempo dem "Aux portes du Ventoux" zu folgen. Die sanft hügelige, 23 Kilometer lange Familienrundstrecke bietet quasi ein "Hors d’œuvre", also einen vielversprechenden Appetithappen, der das Menü der vielen Glanzlichter in der Umgebung einleitet mit Avignon: der Stadt der Päpste und dem heutigen Sitz der Präfektur des reizenden, in weiten Teilen unentdeckten Departements Vaucluse.

Wir passieren das kleine Flassan, dessen rustikaler, im Schatten einer Baumkrone plätschernder Dorfbrunnen zu einem Erfrischungsstopp einlädt. Liebhaber südländischer Aromen sollten hier bei Hélène Schindelholz vorbeischauen. Sie betreibt die Manufaktur "Ruchofruit" mit Laden, wo sie exquisite Marmeladen und Confits aus eigener Herstellung anbietet. Hélène schwört speziell auf das Einkochen von Mereville-Früchten, einer kürbisförmigen Melonenart mit hellem, fast weißem Fruchtfleisch. Stolz ist sie ebenso auch auf ihr Tomatenconfit, passend zu Teigwaren oder auf Toastschnitten zum Aperitif.

Vor dem Mittags-Picknick unter Platanen bleibt noch reichlich Zeit, um mehr als nur einen flüchtigen Blick in die Weinkeller im Château Pesquié in Mormoiron zu werfen. Auf einer Führung erfährt man sehr viel über die vielfältigen Rahmenbedingungen, die nötig waren und sind, um seit mittlerweile drei Generationen Jahr für Jahr Spitzenweine zu erzeugen. Ein Faktor ist dabei der Mineralgehalt des Bodens.

Ocker ist ebenfalls ein mineralischer Stoff, der in allen Farbschattierungen von leuchtend-warmem Gelb bis zum flammenden Rot das Gebiet um den Ort Roussillon wie kein anderes prägt – gestern wie heute. Um 1920, der Blütezeit des Abbaus, exportierte man von hier aus jährlich rund 35 000 Tonnen des Gesteins nach ganz Europa. Das Naturmaterial wurde früher zum Verputzen der Häuser verwendet und wegen seiner Unschädlichkeit unter anderem auch zur Herstellung von Backteig, Schokolade und Kosmetik.

Die Entwicklung synthetischer Farben vor dem Zweiten Weltkrieg ließ eine übermächtige Konkurrenz entstehen, die bereits in den 1950er Jahren das schnelle Aus der Ockerindustrie in Roussillon herbeiführte. Ein Spaziergang zu den bizarren Ockerbrüchen in Ortsnähe ist ein absolutes Muss für Vaucluse-Reisende, ebenso eine Führung durch die "Mines de Bruoux" mit riesigen unterirdischen Gewölbegängen.

Viel schöner als jedes geologische Lehrbuch erklärt die Legende die Entstehung des Ockers: Einst sollen die nach der Vorherrschaft greifenden Titanen ein gigantisches glühendes Wurfgeschoss auf die wehrhaften ansässigen Provenzalen gefeuert haben – und zwar auf die Stelle, wo jetzt Roussillon steht. Seither leuchtet die Erde dort rot.

Anderntags setzen wir unsere spannende Entdeckungstour per Rad auf der Route "Le Luberon à Vélo" rund um das Luberon-Massiv fort. Die Strecke führt an vielen uralten Dörfern vorbei, die immer wieder stillschweigend zum Verweilen auffordern. Unser Ziel am Abend ist Ménerbes. Der Ort liegt lang gestreckt wie ein Schiff auf einem Bergrücken. Stattliche Häuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert prägen den Kern. Von der höher gelegenen Kirche hat man einen schönen Blick auf die Ebene.

Am oberen Ende erhebt sich die Zitadelle; dort steht auch ein ehemaliges Herrenhaus, wo heute das "Maison de la Truffe et du Vin" beherbergt ist. Die Betreiber widmen sich mit Herzblut ausschließlich den regionalen Produkten, allen voran die schon im Namen genannten: die weithin geschätzten Luberon-Weine und berühmten schwarzen Trüffel, die zwischen November und März in einer Tiefe von bis zu einem halben Meter im regengetränkten Boden heranwachsen.

Das eigene Rad ist übrigens nicht erforderlich, um der fast unausweichlichen Extra-Kalorienzufuhr, die im Vaucluse an jeder Ecke lauert, entgegenzuwirken. Vielerorts kann man Räder mieten, ebenso E-Bikes, für die auch einige Akku-Tauschstationen bereitstehen. Und das Campingplatzangebot überzeugt sowieso.

Autor

Foto

Thomas Cernak

Datum

17. Mai 2015
Dieser Artikel stammt aus Heft CARAVANING 04/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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