Markisen sind flexibler als Vorzelte und werden darum immer beliebter. 25 Bilder Zoom

Caravan-Markisen im Vergleichstest: Dometic vs. Fiamma vs. Thule

Markisen sind flexibler als Vorzelte und werden darum bei Caravanern immer beliebter. Dometic, Fiamma und Thule schicken ihre Topseller in den Vergleich. Der Test verrät, wer die Nase vorn hat.

Nicht ohne Grund werden Markisen bei Caravans immer beliebter. Sie sind flexibler als Vorzelte weil sie viel schneller einsatzbereit sind. Wer das Tuch abrollt und die Heringe der Stützbeine im Boden versenkt, erweitert seinen Lebensraum vor dem Caravan im Handumdrehen, ist geschützt vor Sonne und bleibt auch bei leichtem Regen trocken. Dauert der Aufenthalt länger, was bei Caravanern häufig vorkommt, können Markisen zudem sinnvoll erweitert werden. Für jede der hier getesteten Markisen gibt es Erweiterungen wie Sonnensegel und Seitenwände bis hin zum kompletten Vorzelt.

Markisen von Dometic, Thule und Fiamma im Vergleich

Die drei Kandidaten treten in konventioneller Bauart an, das heißt: mit manuellem Kurbelantrieb und Stützfüßen. Die Breite ist mit 4,0, der Auszug mit 2,50 Meter festgelegt. Es handelt sich um die gefragtesten Modelle auf dem Markt, und alle drei liegen preislich nicht weit auseinander. Die Dometic Perfect Wall 1500 kostet im Handel 899 Euro, die Fiamma F 45 S genau 785 Euro, und die Thule Omnistor 5200 ist für 859 Euro zu haben. Im Lieferumfang enthalten sind die Montageanleitung, die bei Thule besonders gelungen ist, Kurbel und Heringe. Hinzu kommen die Montage, das Dichtband sowie der Kleber zum Abdichten der Bohrlöcher; eventuell auch der Versand. Für besonders Anspruchsvolle können die drei Modelle auch mit Elektromotoren ausgestattet werden.

Für die bei Caravans suboptimale Wandmontage werden alle nötigen Halterungen mitgeliefert – für die präferierte Dachmontage haben alle Hersteller passende Profile als Option im Angebot. Aus chemischer Sicht nicht optimal: Sowohl bei Fiamma (Edelstahlschrauben/verzinkte Gegenplatten) als auch bei Thule (Edelstahlschrauben/Alu-Haltewinkel) treffen edle und unedle Metalle aufeinander, was Kontaktkorrosion zur Folge haben kann. Die Hersteller verweisen jedoch darauf, dass die betreffenden Stellen mit Feuchtigkeit gar nicht in Berührung kommen. 

Die Markisen im Einsatz

Die Kurbeln von Dometic und Thule sind baugleich. Sie sind teleskopierbar und greifen in ein Bajonett, das ein Abrutschen zuverlässig verhindert. Allerdings wollen die sperrigen Bauteile während der Fahrt untergebracht werden. Die Knickkurbel von Fiamma braucht weniger Platz, ist in der getesteten Version jedoch kurz, etwas instabil und hakt in eine Öse am Markisengetriebe, aus der sie auch mal herausrutschen kann. Bis zum vollen Auszug der Tücher vergehen bei Fiamma und Dometic rund 40 Umdrehungen, Thule braucht 63. Allein die kürzere Übersetzung hält das Tuch der Omnistor nach dem Schließen im Markisengehäuse. Dometic setzt auf eine spezielle Verriegelung, die einrastet. Fiamma fährt eine kleine rote Markierung aus, sobald der Anschlag erreicht ist.

Die Stützen verbergen sich während der Fahrt im Gehäuse. Der sichere Halt dort setzt bei Dometic voraus, dass die Mini-Bodenplatte richtig herum anliegt. Dann fixiert je ein Dorn den Stützfuß.

Ähnlich bei Fiamma, wobei eine Klemme zum Einsatz kommt. Bei Thule ist es egal, wie herum die Bodenplatte gedreht ist, die Stütze rastet immer ein. Dabei hilft eine federunterstützte Schnell-Löse-Mechanik an der Seite.

Apropos Stützfuß: Er kann bei Thule dank Bajonett im Reparaturfall schnell ausgewechselt beziehungsweise als Nummer drei oder vier dazugekauft werden, um etwa die Mitte der Frontleiste mit entsprechenden Aufnahmen noch besser abzustützen, wenn ein Vorzelt angebaut wird. Noch zwei Vorteile: Das Gelenk erlaubt ein senkrechtes Herunterklappen des Stützbeins, und der teleskopierbare Teil rutscht nicht unkontrolliert heraus. Der Fixierungshebel befindet sich in bequemer Augenhöhe. Bei Fiamma lassen sich die Stützen ebenfalls vertikal abklappen, allerdings muss zunächst das Gelenk aus der Frontleiste gezogen werden.

Auch hier fällt der Fuß nicht nach unten, vorausgesetzt, die Rändelmutter ist angezogen. Wer die Dometic-Stützenbeine nach unten schwenkt, sollte das untere Ende gut festhalten, weil es bei der ausladenden Kreisbewegung sonst gegen die Wohnwagenwand rauschen kann. Außerdem befindet sich der Fixierungshebel in Kniehöhe, was beim anschließenden Einstellen der Höhe unbequemer ist. Bei den Tüchern gibt es keine großen Unterschiede, außer im Design. Anders sieht es bei der Tuchspannung aus – ein wichtiges Testkriterium. Thule stützt die Tuchwelle mittels einer Lippe über die gesamte Breite. Die Tuchspannung fällt gleichmäßig aus und kann mit den serienmäßigen diagonalen Spannarmen, die in verschiedenen Stufen einrasten, sehr einfach noch gestrafft werden.

Auf Spannstangen verzichtet Thule allerdings. Dometic und Fiamma stützen ihre Gewebe an einer einzigen Stelle in der Mitte. Fiamma spendiert eine Spannstange, die bei ausgefahrener Markise in der Mitte eingesetzt wird und bei Regen einen Wasserbauch verhindern soll. Zur richtigen Bedienung wären allerdings drei Hände sinnvoll: zwei ziehen die teleskopierbare Stange auseinander, eine dreht die typische Rändelschraube fest. Doch auch mit Spannstange erscheint das Tuch bei Fiamma vergleichsweise wellig.
Dometic ist einen Tick besser, aber auch hier lässt sich die Frontleiste im ausgefahrenen Zustand der Markise leicht Richtung Caravanwand drücken. Die Spannstange gibt es bei der Perfect Wall nur als Extra für 41 Euro. Eine integrierte Feder drückt die beiden Enden automatisch auseinander, doch wegen der strammen Spannung braucht man beim Einhängen ordentlich Kraft.

Thule Omnistor 5200 ist der Klassensieger 

Gute Ausstattung, einfache Bedienung, tolle Features. Ein klarer Sieg nach Eigenschaften für Thule, gefolgt von der Dometic-Markise, die in Sachen Tuchspannung leichte Abstriche verzeichnet und Fiamma, deren F 45 S immerhin beim Preis punktet. So bietet sich für jeden Anspruch der passende Schattenspender.

Montage einer Markise am Caravan

Bei Reisemobilen werden Markisen fast immer an der Seitenwand montiert. Das ist prinzipiell auch bei Caravans möglich, jedoch aus den drei folgenden Gründen nicht sinnvoll.

Erstens sind Caravans niedriger, wodurch zwischen Eingangstür und Dachkante weniger Platz bleibt als bei höheren Reisemobilen. Zwar reicht die Fläche für die Montage einer Markise meist aus, doch damit sich die Eingangstür noch öffnen lässt, müssen die Stützbeine der Markise weit ausgefahren werden. Das reduziert das Gefälle des Tuches, was die Bildung von Wassersäcken begünstigt und das Anbringen eines Markisenzeltes erschwert.

Der zweite und vielleicht noch größere Nachteil bei der Wandmontage ist, dass sie das Aufstellen eines klassischen Vorzeltes verhindert. Denn das Markisengehäuse sitzt dann genau dort, wo die Dachstangen des Vorzeltes auf die Dachkante stoßen würden. Drittens bedeutet die Montage auf der Wand, dass der Caravan noch mal ein Stück breiter wird – besonders bei 2,50er-Boliden kein wünschenswerter Effekt. Aus diesem Grund gibt es für alle am Markt befindlichen Caravans Adapter zur Montage der jeweiligen Markise auf der Dachkante. Dabei gibt es zwei Arten der Befestigung. Entweder der Adapter hakt sich im Dachprofil ein und wird zusätzlich auf dem Dach verklebt und verschraubt. Bei besonderen Dächern wie dem doppelschaligen Tabbert-Dach und Fahrzeugen mit hohen Dachkantenprofilen kommen dagegen verklebte und außen verschraubte Traversen zum Einsatz, die die Kraft auf die gesamte Dachfläche ableiten. Informationen zu den Adaptern von Fiamma, Dometic und Thule gibt es auf den Homepages und bei den Handelspartnern der Unternehmen.

+++Den vollständigen Markisen-Test mit allen Daten und Fakten finden Sie auch als pdf-Datei zum Download.+++

Fazit

Dometic

Bei dem hohen Kaufpreis muss sich Dometic an Thule messen lassen. An sich funktioniert die Markise auch ordentlich, erreicht aber nicht die perfekte Tuchspannung. Die teleskopierbaren Stützbeine müssen sorgfältig gehandhabt werden, um nicht die Fahrzeugwand zu beschädigen, und ihre Arretierung sitzt ziemlich tief in Bodennähe.

Fiamma

Maximale Punktzahl erhält Fiamma für den günstigsten Preis. Die F 45 S muss aber Abzüge bei der Tuchspannung hinnehmen. Die teleskopierbare Spannstange wird mit Rändelmutter fixiert, spannt das Tuch deshalb kaum und reduziert nur Wassersäcke. Die Knickkurbel ist an sich praktisch, das Einhaken in die Öse erfordert aber Umsicht.

Thule

Thule macht alles richtig. Das fängt beim eleganten Design des Gehäuses an, über die perfekte Tuchspannung mit Tuchwellenunterstützung über die volle Breite und Spannarme bis zu den abnehmbaren, teleskopierbaren Stützfüßen (Arretierung oben) samt geradezu genialer Ent- und Verriegelung im Markisengehäuse.

Autor

Foto

Andreas Becker, Dieter S. Heinz, Hersteller

Datum

12. Mai 2017
Dieser Artikel stammt aus Heft CARAVANING 05/2017.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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