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Caravan-Urlaub in Ostfriesland: Ganz schön anders

In Ostfriesland gibt es mehr grünes Land, mehr guten Tee und mehr Meer als in den meisten anderen Teilen unseres Landes – und dazu jede Menge Campingplätze für einen geruhsamen Urlaub.

Norderney zur blauen Stunde, auf der überdachten Terrasse des Restaurants Reethuus duftet es verführerisch. Langsam senkt sich die Dämmerung über den anliegenden Campingplatz "Um Ost", der Blick geht weit über Wiesen und Wattenmeer. Auf dem Golfplatz nebenan kuscheln sich mehrere Dutzend Kaninchen zum Schlafen ins kurz geschnittene Gras, eine Entenfamilie wackelt in schnurgerader Linie zum Badeteich. Gleich werden die Finkenwerder Scholle und ein zünftiges Seemannslabskaus gebracht. Es lebt sich ganz hervorragend hier auf der Ostfriesischen Insel Norderney.

Das schöne Eiland im Wattenmeer ist Schlusspunkt unserer Tour mit dem Caravan durch Ostfriesland, und sicherlich ist es einer der Höhepunkte. Diese eigenwillige, manchmal auch etwas belächelte Region am Rande der Republik bietet aber noch viel mehr als nur leckeres Essen und Inselglück. Eine grüne, weite Naturlandschaft zum Beispiel. Gastfreundliche Menschen, die gar nicht so ungesprächig sind wie gern kolportiert. Hübsche, gemütliche Orte und Städte, die uns mit vielen kleinen Überraschungen verwöhnen. Jede Menge Bioprodukte regionaler Provenienz in Restaurants und für die Caravanküche. Dazu genügend anständige Campingplätze, sodass einer entspannten Tour über Land bis hin zur ostfriesischen Nordseeküste nichts im Wege steht.

Wer von Süden aus etwa über die Autobahn A 31 anreist, sollte den ersten längeren Stopp spätestens im beschaulichen Städtchen Leer einplanen. "Tor zu Ostfriesland" nennt sich der Ort. Der Caravan steht zum Beispiel auf dem einfachen, aber gut im Grünen gelegenen Campingplatz in Bingum am Westrand der Stadt, ins Zentrum sind es nur wenige Fahrminuten. Und dort kann man manche gemütliche Stunde verbringen.

Wer durch die schmalen Gassen der Altstadt schlendert, mag sich in längst vergangene Tage versetzt fühlen. Viele der schönen Bürgerhäuser sind fein restauriert und beherbergen heute kleine Cafés und Geschäfte. Ein markantes Wahrzeichen ist das alte Rathaus im Neo-Renaissancestil mit dem hohen Rathausturm samt stündlich wechselndem Glockenspiel, der weite Blicke über den Ort ermöglicht. Direkt nebenan das Gebäude der Alten Waage – einst Zentrum des regen Handels, beherbergt der rote Backsteinbau heute ein Restaurant. Ein schönes Heimatmuseum, das berühmte Weinhandelshaus Samson von 1643, das prächtige Schloss Evenburg mit seinen weitläufigen Parks, es gibt viel zu sehen. "Leer ist mächtig im Kommen", sagt der Kaffeeröster Andreas Baum, der vor Jahren samt Familie aus Hamburgs cooler Innenstadt herzog, um Ostfrieslands Teetrinker vom Vorzug feiner Kaffeekultur zu überzeugen.

Weiter geht unsere Fahrt, nur wenige Kilometer nordöstlich von Leer an der B 436 winkt schon die nächste Attraktion. Ostfriesland ist reich an großen, alten Windmühlen, und hier in Holtland steht ein besonders schönes Exemplar. Das dreistöckige, stolze 24 Meter hohe Prachtstück vom Typ Galerieholländer wurde zwischen 1862 und 1864 gebaut und leistete bis in die 1970er-Jahre hinein treu und brav seinen Dienst. Andere alte Windräder folgen, oft mit Gastronomie verbunden, wie die Mühlen bei Bagband und Großefehn.

Überall im grünen Ostfriesland locken weitere attraktive Orte. So wie Emden mit der berühmten Kunsthalle von Henri Nannen, schönem Hafen und Museum des Komikers Otto Waalkes. Die alte Residenz- und Einkaufsstadt Aurich, das idyllisch gelegene Wittmund oder Jever, dessen berühmte Brauerei allein schon eine Besichtigung lohnt. Dazwischen erstreckt sich weites Land in tausenden Grüntönen mit kleinen Gehöften, stillen Plätzchen zum Pausemachen, langen Deichen zum Meer.

Und zum Meer hin zieht es uns letztlich, im Sommer wollen wir am weichen Strand in der Sonne liegen, und das geht hervorragend auf den Ostfriesischen Inseln. Die meisten der sieben großen Eilande der Kette taugen dabei eher für einen Tagesausflug. Mit dem Gespann übersetzen darf man nur nach Borkum und Norderney – und zu letzterer Insel ist das trotz der ziemlich happigen Fährkosten (mehr Infos unter Tel. 04931/9870, www.reederei-frisia.de) lohnenswert!

Die Insel Norderney ist quasi zweigeteilt. Am Westzipfel der weitgehend autofreie Ort, einst mondänes Urlaubsziel für die Schönen und Reichen der Welt, wovon immer noch Kurzentrum, Spielcasino und weiß getünchte Häuser im Stil der Bäderarchitektur zeugen. Heute dominieren freilich Hotel- und Appartementblocks, dazu gibt es 1001 Shops und Cafés.

Der gesamte Rest der Insel ist dagegen ein stilles, wunderbares Dünengebiet samt weißem Strand, durchzogen von 80 Kilometer Rad- und Wanderwegen, mit ureigener Flora und Fauna. Und kaum Unterkünfte, mit Ausnahme einiger schön gelegener Campingplätze. Idyllischer kann man auf Norderney nicht wohnen. Und so sitzen wir nun im ruhigen Reethuus, genießen das Essen, die frische Seeluft – Ostfriesland, wir kommen wieder.

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CARAVANING

Datum

4. April 2015
Dieser Artikel stammt aus Heft CARAVANING 03/15.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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