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Ratgeber: Caravanreise mit Familie

Oft hört man, dass weniger Familien sich für den Wohnwagenurlaub interessierten. Autor Uli Jooß ging auf Selbsterfahrungstour.

"Nö! Keinen Bock!" Das war Frieders Antwort auf die Urlaubsidee: Vier Erwachsene und vier pubertierende Kinder auf gemeinsamem Fahrradurlaub in Deutschland. "Zwei Wochen schon gar nicht"“ Frieder sprach aus, was in den Gesichtern aller Kids geschrieben stand.

Damit war klar: Klassischer Fahrradurlaub gestrichen. Also begann die Suche nach Alternativen. Wie wäre es mit Wohnmobil als Begleitfahrzeug? Kein Gepäck auf dem Rad. Platz für die Gitarre. Unterschlupf bei Regen. Küche und Dusche dabei. Nur: "Passen wir da alle rein?" Frieders Zweifel waren berechtigt: Ein Wohnmobil für acht Personen und acht Räder – damit könnte man bequem den mittleren Westen der USA bereisen, aber nicht die gewundenen Straßen entlang von Neckar, Rhein, Mosel und Saar. Die Lösung: Aus einem mach’ zwei, sprich großes Zugfahrzeug mit großem Caravan am Haken.

Die Wahl fiel auf den T5 von VW und den Life Style 560 SK von Dethleffs. Und siehe da: Als das Dreizehnmeter-Gespann auf dem Hof stand, ließ Frieders Gegenwehr schon merklich nach, und die Jüngste war sofort überzeugt – Lena wollte gleich einziehen!

Tags darauf ging es los: Alle Mann an Bord, die Räder fest verzurrt, Kurs Koblenz. Am Steuer Uwe, überzeugter Nichtradfahrer und passionierter Gespannlenker. Er sollte genug zu tun bekommen: Die 130 PS des Fünfzylinder-TDI waren bei maximaler Ausreizung des zulässigen Gesamtgewichts etwas überfordert – besonders an Steigungen half nur noch sehr häufiges Schalten.

Die erste Etappe führte an den Rhein. Und der stand "in Flammen": Das alljährlich im August stattfindende Festival der Feuerwerke beginnt bei Einbruch der Dunkelheit in Spay und endet nach anderthalb Stunden unter den Augen einer halben Million Menschen in Koblenz. Man kann alle Stationen vom Deck eines der siebzig Rheinschiffe bestaunen. Wir blieben jedoch lieber an Land und erlebten das grandiose Schauspiel unterhalb der Festung Ehrenbreitstein am Deutschen Eck.

"Bei der Hitze Rad fahren?" Das war diesmal Caros Kommentar zu den äußeren Bedingungen am Start zur ersten Radetappe. Zwölf Uhr mittags, 40 Grad, kein Schatten, kein Wind. Sie sprach damit aus, was alle dachten, auch die Erwachsenen! Die ersten 52 km führten uns auf gut ausgebauten Radwegen, die allerdings meist Teil der Fahrbahn waren, die Mosel hinauf.

Malerische Orte wie Winningen, Kobern, Gondorf, Alken mit der Burg Thurant, Moselkern, Treis-Karden luden zum Verweilen ein. Doch Durst und Hunger trieben uns nach Cochem, wo Uwe schon längst bei gedecktem Tisch auf uns wartete. Noch ziemlich erschöpft beschlossen wir, am nächsten Tag einen Ausflug mit dem T5 zur Burg Eltz zu machen.

Diese außergewöhnliche Burg, die früher den 500-Mark-Schein zierte, liegt etwas abseits der Mosel mitten im Wald am Elzbach auf einem Felsen. Führungen gibt es von April bis Ende Oktober von 8.00 bis 17.30 Uhr. Sehr sehenswert! Das nächste Teilstück von Cochem nach Alf sollte mit dem Schiff zurückgelegt werden, was fünf Mann der Truppe mit 11,–/5,50 Euro pro Kopf, zwei allzu beschaulichen Stunden auf dem Oberdeck und fast einem Hitzschlag bezahlten. „Das ist was für Omas“, war der Kommentar der Jugend, die fortan lieber wieder radelte. Zum Glück bot sich allenthalben die Gelegenheit zur Abkühlung an Brunnen, Quellen oder mit einem Bad in der Mosel. Bei Konz wechselten wir den Fluss und strampelten entlang der viel kleineren Saar bergauf. Die nun schlechter ausgebauten Radwege, teilweise Schotter oder roter Staub, führten uns nach Saarburg. Hier lohnte es sich länger zu bleiben und am Wasserfall mitten in der idyllischen Altstadt die Kids mit Pizza zu motivieren.

„Sollen wir uns nicht mal was Interessantes anschauen?“ „Nö, zu heiß.“ „Wie wäre es mit der Völklinger Hütte?“ „Kenne ich nicht, was soll das denn sein?“ Die Antwort wiederum war Motivation für uns Erwachsene, diese Bildungslücke bei den Kindern zu schließen. „Das war ja richtig toll“, hieß es dann, nachdem wir im Weltkulturerbe auf Hochöfen herumgeklettert und uns neben riesigen Gebläsen in der Windhalle wie Zwerge vorgekommen waren. Schlechtes Wetter war der Grund, warum wir zu Plan B übergingen, der uns von Völklingen nach Laach in die Eifel wechseln ließ und bei dem unser geniales Gespann seine vielseitige Einsetzbarkeit erneut unter Beweis stellen konnte.

Trocken, ausgeruht und frohen Mutes, bezogen wir einen Stellplatz mit Aussicht auf den Laacher See. Dieser Ausblick war aber durch Regenschleier getrübt, so dass sich alle acht Personen einen halben Tag lang spielend und lesend im geräumigen Wohnwagen ausbreiten konnten. Eine gewisse Unlust am Radfahren ließ uns am nächsten Tag einen Ausflug ins Phantasialand bei Brühl machen. Bei Eintrittspreisen von rund 25 Euro für Erwachsene und fast 20 Euro für Kinder unter 1,45 m und freiem Zugang für Zwerge bis 1 m sollte man genügend Essen und Trinken mitnehmen. Die Preise der reichlich vorhandenen Gaststätten sind nämlich gesalzen. Der Park ist allerdings sehr schön – wenn man lange Wartezeiten an den Hauptattraktionen nicht als Schikane empfindet. Ein weiterer Regentag wurde gelassen im Gespann überbrückt, das uns den Rhein entlang bis Boppard/Spay brachte.

„Mann, ist das laut hier!“, sagte ausgerechnet Dominik, der sonst gerne mal den Verstärker der E-Gitarre aufdreht, bis der selbst zum Beat vibriert. Gemeint war die Eisenbahn, die den schönen Campingplatz zu beiden Seiten von Vater Rhein einrahmt. Nur Schwerhörige oder eisenharte Eisenbahnfreaks ertragen längere Zeit die im Viertelstundentakt vorbeirauschenden Züge. Bei St. Goar holte uns zum ersten Mal Uwe mit dem Gespann ein, nachdem er das Frühstück weggeräumt, die gesamte Campingausrüstung in den riesigen Stauräumen des Lifestyle von Dethleffs verladen und schließlich die Campingplatzgebühr bezahlt hatte. Eigentlich wollten wir einen Besuch auf dem Loreley-Felsen machen. Doch bei über 40 Grad setzten wir uns lieber zu Füßen der Loreley ans Wasser und warteten, ob vielleicht ein Schiff versinkt! Stattdessen war der erste Plattfuß zu vermelden, und der klimatisierte T5 fungierte für die letzten Kilometer als Lumpensammler.

Am nächsten Tag musste der Rhein mehrfach überquert werden, weil die Radwege meist nur auf einer Flussseite vorhanden sind. Zudem sind sie oft Teil der relativ stark befahrenen Bundesstraße. „Hundertdrei Kilometer?“, fragte Traude erstaunt, als wir am nächsten Tag Worms erreicht hatten. Etappenrekord! Fast unmerklich hatten wir die Strecke durch die wunderschönen Rheinauen absolviert. Leider waren die Radwege dort so schlecht (grober Schotter, tiefer Sand und viele Schlaglöcher), dass man sehr konzentriert auf den Weg achten musste. Wohl dem, der ein gut gefedertes Rad hatte. Heidelberg lohnt sich anzuschauen, das wussten wir. Die vielleicht schönste Stadt Deutschlands. Die romantischste auf jeden Fall. Das alles musste sich allerdings bei einer anderen Gelegenheit beweisen. Myriaden von Japanern und Amerikanern verhinderten tiefere Einblicke. Durch massenhaftes Auftreten dieser Spezies litt die malerische Altstadt an Verstopfung. „Bloß weg“, das war die Devise.

Wir flüchteten den Neckar hinauf bis Eberbach. Die Radwege durch dichtes Gebüsch und kühle Waldstücke erlebte man hier mit am schönsten, solange sie nicht Teil der Straße waren. Zum Schluss unseres wunderschönen Urlaubes wollten wir den Kindern noch ein Highlight bieten. „Wir fahren morgen bis Bad Friedrichshall. Was wollt ihr lieber? Salzbergwerk, Zweiradmuseum oder Greifenwarte mit Adlern und Geiern?“ „Oh ja, unter Geiern!“ jubelte Dominik. Als er später den Anstieg zur Burg Guttenberg erklomm, war die Euphorie allerdings verflogen. Sie kehrte bei der eindrucksvollen Flugschau der riesigen Raubvögel jedoch sofort zurück. Nach über 600 „erfahrenen“ Kilometern wurde das bewährte Gespann das alleinige Reisemittel. Nahe der Heimat kam die Frage auf: „Wie war der Urlaub?“ „Cool!“, folgte die Antwort wie aus einem Munde. Wozu auch viele Worte?

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Datum

15. Dezember 2005
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