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Das größte Fährennetz: Fähren in Nordeuropa

Caravaner mit Fahrziel Norden freuen sich – das Angebot der Nordeuropa-Fähren boomt.

Mit Superlativen ist es so eine Sache. Doch wer das aktuelle Fährenangebot in Nord- und Ostsee als das größte seit Bestehen der Schifffahrt auf diesen beiden Meeren bezeichnet, übertreibt nicht. Nie zuvor präsentierten die Fährgesellschaften derart prall gefüllte Fahrpläne.

Scandlines etwa verspricht für 2006 Fahrten „rund um die Uhr nach Skandinavien und ins Baltikum“. Mit täglich mehr als 300 Abfahrten verfügt die Reederei über eines der leistungsstärksten und dichtesten Liniennetze im Ostseeraum und hat im letzten Jahr auf seinen 14 Fährstrecken etwa 20 Millionen Passagiere befördert. Neben dem Klassiker für Skandinavien-Reisende, der Vogelfluglinie von Puttgarden nach Rødby, unterhält die Reederei mit täglich neun Abfahrten eine weitere Direktverbindung nach Dänemark, die Linie Rostock–Gedser, und fährt zudem auf direktem Weg via Rostock (drei Abfahrten täglich) oder Sassnitz (fünf Abfahrten täglich) nach Trelleborg in Schweden.

Auf diesen Linien starten Reisemobil- und Caravanfahrer in dieser Saison auf ausgewählten Abfahrten zum Schnäppchenpreis nach Schweden. Folgerichtig gibt es 2006 auf allen Scandlines-Strecken keine Höhenbegrenzung mehr fürs rollende Ferienhaus. Ein so genannter Super-Spar-Tarif für alle Mobile und Gespanne beschert Reisenden mit mehr als sechs Meter langen Fahrzeugen auf der Vogelfluglinie den Preis von 71 Euro für die einfache Fahrt. Für den Seeweg von Rostock nach Trelleborg fallen für Fahrzeuge bis acht Meter Länge sowie neun Personen 115 Euro Reisepreis an. Über acht und bis zwölf Meter lange Reisemobile oder Caravangespanne werden mit 35 Euro mehr veranlagt.

Kleiner Haken: Die Preise gelten nur für ausgewählte Abfahrten. Wer nun aber von Montag bis Donnerstag zu allen Tages- und Nachtzeiten den Super-Spar-Tarif von Scandlines nutzen möchte, zahlt auf der sechs- bis achtstündigen Überfahrt für beide Längenkategorien zehn Euro Aufpreis. Inhaber der schwedischen Campingcard erhalten bei Direktbuchung und Bezahlung im Hafen zusätzlich sieben Prozent Rabatt auf den Tarif. 2006 nehmen mit den Verbindungen von Rostock, Karlshamm und Nynäshamm ins lettische Ventspils jetzt insgesamt drei Scandlines-Fährlinien Kurs in Richtung Baltikum. Scandlines schafft damit das reichhaltigste Angebot an Fährverbindungen in die touristisch immer interessanteren Baltikumstaaten Estland, Lettland und Litauen. Konkurrenz erwächst aber besonders vom Anbieter Lisco (siehe Kasten Seite 88). Stramme Preise herrschen wegen der geringen Angebotsvielfalt noch in Richtung Baltikum (die Strecke Rostock–Ventspils kostet bei Scandlines in der Hauptsaison allein für Reisemobile oder Gespanne über acht Meter Länge für die einfache Fahrt 180 Euro zuzüglich der obligatorischen Kabine, die für vier Personen nochmals 340 Euro kostet). Dagegen tobt vor allem im Fährverkehr Richtung Schweden ein erbitterter Preiskampf. So erweitert etwa der Schwedenspezialist TT Line sein Angebot um das „Late-Night“-Ticket für Nachtschwärmer und spezielle Minitarife für Campingurlauber. Bei Ersterem ist in der Hochsaison die einfache Passage von Travemünde nach Trelleborg ab 205 Euro buchbar. Der Preis beinhaltet die Fahrt über Nacht (zwischen 2.30 und 4 Uhr) sowie den Aufenthalt in einer Drei-Bett-Kabine. Dieser Drei-Personen-Tarif gilt für Fahrzeuge bis neun Meter Gesamtlänge. Für längere Reisemobile und Gespanne sind 230 Euro zu entrichten. Weitere Mitreisende zahlen jeweils den Einzeltarif zusätzlich.

Die beliebten „Minitarife“ und das „Happy-Day“-Ticket warten ebenfalls mit Vergünstigungen oder Neuheiten auf: Statt ab 264 Euro ist das kleine Ticket nun für Fahrzeuge bis neun Meter Länge bereits ab 220 Euro buchbar. Das „Happy-Day“-Ticket gilt (für fünf Personen) ab 2006 täglich und ist für Fahrzeuge von sechs bis neun Meter auf der Strecke Trelleborg–Travemünde ab 215 Euro zu haben; auf der Strecke Trelleborg–Rostock zahlt man für Mobile und Gespanne mit Gesamtlänge unter neun Meter ab 222 Euro. Für längere Fahrzeuge wird es etwa 70 Euro teurer. Klug kombinieren, so lautet ein Tipp für alle, die auf langen Strecken unterwegs sind und beispielsweise von Deutschland nach Schweden mit der Fähre reisen, das Land der Elche durchqueren und später mit der Anschlussfähre nach Finnland und/oder ins Baltikum übersetzen möchten. Die Kombitickets, ganz besonders bei den Internet-Buchungsmöglichkeiten eher stiefmütterlich präsentiert, sind oft die wahren Schnäppchen. So haben etwa Durchgangstickets der Reedereien Viking Line und TT Lines im Jahr 2006 bis zu 40 Prozent günstigere Tarife. Ein acht Meter langes Gespann mit bis zu fünf Personen kostet im Kombitarif ab 240 Euro von Travemünde oder Rostock nach Trelleborg und weiter von Stockholm nach Turku. In der Kombination Scandlines/Viking Lines kann der Camper auf den Strecken Puttgarden–Rødby, Helsingör–Helsingborg und Stockholm–Turku bei Preisen ab 195 Euro für Fahrzeuge bis acht Meter Länge reisen. Auch mit Stena Line gelten auf der Strecke von Kiel nach Turku Sonderpreise ab 228 Euro für Reisemobile und Gespanne mit bis zu fünf Reisenden. Besonders günstige Angebote bietet Stena Line auf zwei Routen mit dem Tarif „Camper Spezial“: Für 225 Euro befördert die Reederei Wohnmobile oder Gespanne bis zwölf Meter Länge und vier Meter Höhe vom holländischen Hoek van Holland ins englische Harwich. Allerdings gilt dieser Preis nur inklusive einer Person, jeder weitere Mitreisende über 14 Jahre zahlt 22 Euro, jüngere die Hälfte. Kinder bis drei Jahre fahren kostenlos mit. Der Tarif gilt vom 1. April dieses Jahres bis zum 7. Januar 2007. Wertvolle Urlaubszeit spart bei guter Vorausplanung in aller Regel ohnehin, wer mit der Fähre reist. Manchen Caravaning-Urlaubern macht es indes Spaß, auf hoher See Geschwindigkeitsrekorde zu brechen. Für sie empfiehlt sich die im Nord- und Ostseefährengeschäft noch neue Fährgesellschaft Superfast Ferries. Die Reederei lässt seit vergangenen November drei Fähren zwischen Deutschland und Finnland kreuzen. Alle drei Schiffe überqueren die Ostsee in nur 21 Stunden Fahrzeit. Schneller geht’s nicht. Für besonders Eilige Richtung Schottland ist Superfast Ferries ebenfalls ein guter Tipp. Dreimal wöchentlich verkehrt Superfast zwischen Zeebrugge und Rosyth – als einzige Direktverbindung. Knapp 18 Stunden dauert der Spaß. Einen Whisky auf solche Geschwindigkeiten.

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Datum

12. April 2006
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