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Im Norden auf die Preise achten: Fähren Nord

Auf hoher See und vor Gericht, so heißt es ebenso verheißungsvoll wie ernüchternd, ist der Mensch in Gottes Hand. Frei ist der Mensch lediglich in der Wahl der Route und der Reederei, die ihn an das Ziel seiner Wünsche bringt. Das Studium der Preistabellen lohnt sich mehr denn je, vor allem bei Reisen nach Skandinavien. Am heftigsten tobt der Preiskampf im Fährverkehr nach Schweden – die Brücken- und Tunnelverbindung über Großen Belt und Öresund hat den Wettbewerb noch einmal verschärft. Die drei großen Reedereien auf diesen Routen – TT Line, Stena Line und Scandlines – bieten so genannte „Camper-Special“-Tarife an. Der Trick dabei: Diese Spezialtarife gelten nicht auf allen Routen, die Reedereien versuchen vielmehr, Kunden mit einem Rabatt auf weniger populäre Strecken oder weniger stark gebuchte Abfahrten umzuleiten. Einige Preisbeispiele: Die Stena Line lockt mit ihrem „Camper-Spezial-Paket“ für ein Gespann bis zwölf Meter Länge und fünf Personen. Preis für die relativ kurze Hin-und Rückfahrt zwischen Frederikshavn und Göteborg: je nach Saison 198 bis 366 Euro. Das größte Schnäppchen macht, wer die Abfahrtszeit richtig wählt: „Alle Abfahrten zwischen 22 und sechs Uhr liegen in der Saison A“ steht im Kleingedruckten der Stena-Preisliste, und das bedeutet: Wer nachts fährt, zahlt günstigstenfalls gut die Hälfte des „Camper-Spezial-Pakets“.

Zweites Sonderangebot der Stena Line: Auf der Route zwischen dem dänischen Grenaa und Varberg in Schweden gilt auch in der Hochsaison vom 2. Juli bis zum 15. August immer der günstige Tarif B. Das heißt konkret: Egal an welchem Tag oder zu welcher Abfahrtszeit, das „Camper-Spezial-Paket“ für das genannte Gespann kostet für die Hin- und Rückfahrt 260 Euro, und das gilt auch für die angenehmere Tagesfahrt. Auf den Langstrecken nach Schweden lockt auch die TT Line mit einem „Camper-Special“. Das einfache Ticket kostet für die Routen von Travemünde oder Rostock nach Trelleborg in der Hauptsaison zwischen 150 und 198 Euro. Die Pauschale gilt für ein Gespann über neun Meter Länge und schließt bis zu fünf Passagiere ein. Allerdings ist es nicht bei allen, sondern nur bei ausgesuchten Abfahrten buchbar. Für den Preisunterschied ist dabei der Abfahrtstag maßgeblich.

Faustregel für den Preisvergleich: Abfahrten an Werktagen sind oft deutlich günstiger als an Wochenenden. Die Scandlines halten auf der Strecke von Rostock nach Trelleborg mit dem „Super-Spar-Tarif“ dagegen.

Caravangespanne über acht Meter Länge mit maximal neun Passagieren an Bord kosten an allen Tagen 155 Euro, allerdings stehen bei beliebten Abfahrten nur einige Plätze zur Verfügung. Hier wird eine weitere Besonderheit der Preisgestaltung deutlich. Die Tarife für Fahrzeuge oder Gespanne richten sich vor allem nach der Länge: Grenzwerte sind zehn Meter bei der Stena Line, neun Meter bei TT Line, acht Meter bei den Scandlines. Das heißt: Caravans fallen in die teuerste Kategorie. Als Alternative bietet sich natürlich auch die Brücken- und Tunnelverbindung über den Großen Belt und den Öresund an.

Die Fahrt über die beiden mautpflichtigen Bauwerke geht aber ins Geld. Die Abgabe für die Brücke über den Belt beläuft sich für einen Pkw samt Wohnwagen über sechs Meter Länge auf 53 Euro, die Maut für die einfache Öresundfahrt kommt für ein Wohnwagengespann über sechs Meter Länge auf 64 Euro – macht zusammen 117 Euro. Das ist zwar einiges weniger als ein Fährtarif, fairerweise sei hier aber auf die längere Fahrzeit und den höheren Spritverbrauch hingewiesen. Überzeugte Landratten, die längere Fährüberfahrten vermeiden möchten, können bei den Scandlines zwei kurze Sprünge über die Ostsee machen und landen so auch in Schweden. Die Scandlines bieten mit ihrem Schweden-Ticket eine Kombination ihrer beiden kurzen Routen an: von Puttgarden auf Fehmarn nach Rödby in Dänemark und weiter von Helsingør nach Helsingborg. Kostenpunkt für die beiden einfachen Überfahrten in der Hauptsaison, unabhängig vom Abfahrtstag: 126 Euro. Eine Spezialität der Scandlines mit ihrem sehr verzweigten Streckennetz sind die Kombinationstickets.

Dabei bucht der Gast bei einer Reederei ein Ticket, das mehrere Überfahrten verschiedener Reedereien einschließt – besonders praktisch für Ostsee-Rundreisen. Ruhe vor dem Sturm herrscht noch auf den Norwegen-Routen. Marktführer Color Line freut sich jetzt schon auf den Dezember. Dann nimmt mit der „Color Fantasy“ eine Fähre von Kiel nach Oslo den Dienst auf, die alles Bekannte vergessen lässt: Mit einer Kapazität von 2750 Passagieren, 750 Pkw und 1270 Lademetern wird das Schiff die größte Kreuzfahrt-Fähre der Welt sein.

Reisende nach Finnland müssen in diesem Jahr Abschied nehmen von einer lieb gewonnenen Route: Die „Finnjet“ fährt nicht mehr von Deutschland via Tallinn nach Helsinki. Bereits seit einiger Zeit startet sie nicht mehr von Travemünde, sondern von Rostock aus. Jetzt gibt es auch ein neues Ziel: Die Fähre steuert von Rostock aus zunächst Tallinn an, dann geht es weiter nach St. Petersburg. Wer trotzdem mit Silja fahren und weiter nach Helsinki will, muss umsteigen: entweder auf eine Schnellfähre der Silja Line – Preise für Gespanne nur auf Anfrage – oder auf die neue Verbindung der Viking Line. Diese pendelt mit Großfähren zweimal pro Tag zwischen Tallinn und Helsinki hin und her.

Direktverbindungen zwischen Deutschland und Helsinki bieten nunmehr nur noch die Superfast Ferries mit ihrer Route von Rostock nach Hanko und die Finnlines von Travemünde nach Helsinki. Camper-Tickets gibt es hier nicht, der Preis für ein Ticket errechnet sich aus der Gebühr für Pkw, Wohnwagen und Personen – bei Superfast kostet der einfache Transport eines Pkw ab 114 Euro, ein Wohnwagen bis sechs Meter Länge und über zwei Meter Höhe in der Hauptsaison 165 Euro, der Ruhesessel pro Überfahrt 84 Euro. Tempo ist das Gebot der Stunde bei den Fährlinien nach Großbritannien und Irland. Gemeint ist aber nicht die Geschwindigkeit der Schiffe, sondern der Buchungstermin, frei nach dem Motto: Wer am frühesten bucht, der spart am meisten. Ein Beispiel für die Route der DFDS Seaways von Cuxhaven nach Harwich: Die Reederei listet in ihrem Katalog nur noch so genannte Grundpreise für den Passagier, die gewählte Kabine und das Fahrzeug.

Die beste Chance, diese Preise zu bekommen, hat, wer schnell bucht. Bei steigender Nachfrage erhöhen sich die Beträge – den jeweils aktuellen Stand erfährt der Kunde im Internet oder beim Buchungsbüro der Reederei. Mutige könnte es auch in den Nordatlantik hinausziehen. Die Smyril Line setzt auf der Route zu den Shetland-Inseln, den Färöern und nach Island ihre „Norröna“ ein, die erst vor einem Jahr ihren Liniendienst aufgenommen hat – und das ist eine Seereise, die diesen Namen auch wirklich verdient. Fünf Häfen, fünf Länder und zwischendurch all der Komfort, den ein modernes Fährschiff bietet – ein Niveau, das auch ängstliche Naturen alte Warnrufe vergessen lassen dürfte.

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Datum

30. März 2004
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