Geöffnetes Reisemobilfenster 9 Bilder Zoom

Fenstertypen im Wohnwagen: Alles über Fenster im Caravan

Acrylglasfenster im Wohnwagen sorgen für Licht, Luft und tolle Aussichten. Dazu sollen sie wärmedämmend und sicher sein. Die Unterschiede sind groß. Alles über Modelle, Marken und Materialien.

Die ersten Wohnwagen wurden noch mit Scheiben aus Echtglas ausgeliefert. Dem Vorteil der Kratzfestigkeit standen – und stehen – mäßige Dämmwerte, die Bruch- und Splitterempfindlichkeit, das hohe Gewicht und die hohen Preise entgegen. Nachteile, die auch im Flugzeugbau störten. Etwas Neues musste her. 

Darum wurde noch vor dem Zweiten Weltkrieg das leichte, einfach zu verarbeitende und vor allem bruchfeste Acrylglas erfunden und zunächst in den Pilotenkanzeln von Flugzeugen eingesetzt. 

Die ersten Acrylglas-Fenster für Wohnwagen und Wohnmobile brachte in den 1960er Jahren Polyplastic auf den Markt. Heute ist das Unternehmen aus Rotterdam mit rund 75 Prozent Marktanteil klarer Marktführer. Einziger großer Wettbewerber ist der deutsche Hersteller Dometic-Seitz, der vornehmlich höherwertige Fahrzeuge bestückt. 

PU-Fensterrahmen werden im Spritzgussverfahren aus den Komponenten Polyol und Isocyanat gefertigt.

Sowohl Dometic als auch Polyplastic sind stolz auf ihre Fertigungstiefe. Beide Hersteller verfügen über Tochterunternehmen, die den Rohstoff Polymethylmethacrylat (PMMA), geläufiger unter den Namen Acryl- oder Plexiglas, herstellen. Für Polyplastic produziert Deltaglass das Rohmaterial, Seitz fertigt im schwedischen Tidaholm. 

Für Acrylglasscheiben gibt es zwei gängige Produktionsmethoden. Sie werden entweder gegossen (Polyplastic, Dometic) oder extrudiert (nur Dometic). Beim Gießen fließt flüssiges Acrylat zwischen zwei Glasplatten und wird anschließend gebacken.

Acrylglasfenster im Caravan: Gegossen oder gepresst

Gegossenes Acrylglas hat eine höhere Temperaturbeständigkeit, jedoch etwas größere Toleranzen in der Schichtdicke. In eine Form gepresstes Acryl ist dünner und hat eine etwas höhere optische Qualität. Mit rund 1,2 Gramm pro Kubikzentimeter ist Acrylglas unabhängig von der Produktionsmethode nur halb so schwer wie Mineralglas und ab 100 Grad leicht verformbar. Es ist sehr witterungs- und alterungsbeständig. Außerdem ist Acrylglas unempfindlich gegen Benzin und Öl. Trotz 92 Prozent Lichtdurchlässigkeit filtert es UV- und Infrarotlicht bis 2800 Nanometer (nm) und blockt dieses bis zu 25 000 Nm Wellenlänge. 

Für den Einsatz in Wohnwagen werden die Acrylglasscheiben in der Regel getönt und im Siebdruckverfahren mit Dekoren sowie Herstellerlogos bedruckt. Die Tönungen haben jedoch nicht nur optische Gründe: So hat eine hellgraue Tönung noch eine Lichtdurchlässigkeit von 75 Prozent, Dunkelgrau 35 Prozent und Schwarz von nur noch acht Prozent. Klarglas ohne Pigmentierung dagegen ist nicht gebräuchlich. 
Ein Nachteil von Acrylglas ist seine Kratzempfindlichkeit. Außerdem wird es von Alkohol, Aceton und Benzol angegriffen. Kommt es damit in Berührung, können Korrosionsspannungsrisse auftreten. Mehr dazu ab Seite 80. 

Erst seit ungefähr 45 Jahren werden doppelte Acrylglasfenster mit einem isolierenden Luftpolsterzwischen den Scheiben gefertigt. Spezialkleber halten die beiden Lagen zusammen. Auch das Verschweißen ist möglich. Normal ist, dass sich in den Zwischenräumen der Acrylschichten Feuchtigkeit sammelt. Das kann dazu führen, dass das Doppelfenster innen beschlägt. Ein kleiner Stopfen lässt die Feuchtigkeit wieder abziehen. Außerdem wirkt dieses einfache Ventil druckmindernd bei langen Bergfahrten. Bei regelmäßiger Lüftung des Fahrzeugs kann die Schwitzwasserbildung grundsätzlich verhindert oder verringert werden. 

Acrylfenster für Wohnwagen unterscheiden sich hauptsächlich durch ihre Bauart. Es gibt einfache vorgehängte Fenster, als deren Erfinder Polyplastic gilt, und die aufwendigeren Rahmenfenster, deren Erfindung dem schwäbischen Unternehmer Eugen Seitz zugeschrieben wird. Der Rahmen besteht dabei in den meisten Fällen aus PU-Schaum. Sehr stabile Rahmenfenster für höherwertige Fahrzeuge haben teils auch Einfassungen aus eingefärbtem Aluminium. Es gibt Rahmenfenster in starrer Form, zum Aufklappen und als Schiebefenster.

Isolationswerte seit 14 Jahren unverändert

Den ersten ausführlichen Test von Acrylglasfenster führte die CARAVANING-Schwesterzeitschrift promobil 2002 in Schweden durch. Überprüft wurden damals vier Rahmen- und zwei vorgehängte Fenster. Die meisten sind aktuell noch im Handel erhältlich. Die ermittelten Isolationswerte gelten auch heute noch als Richtwerte. Erstaunlich war und ist, dass die Ergebnisse nicht nur von der Fensterbauart abhängen, sondern auch von der Machart der Rollos. So erreichte das damals neueste Rahmenfenster zwar den besten K-Wert, doch nicht viel schlechter schloss ein vorgehängtes Fenster ab, das mit einem guten Rollo ausgestattet war. Fakt ist: Der thermisch abgekoppelte Rahmen verbessert die Dämmeigenschaften der Scheibe. 

Ein Vorteil vorgehängter Fenster ist die fast grenzenlose Gestaltungsmöglichkeit. Dies gilt nicht nur für den äußeren Umriss der Scheibe, sondern auch für deren Wölbung. Doch unabhängig von der Scheibenform ist der Fensterausschnitt in der Wohnwagenwand üblicherweise rechteckig. Eine Ausnahme bilden die ulkigen, meist nur in Campingbussen zu findenden Bullaugen, die es in starrer und schließbarer Ausführung gibt. Rahmenfenstersind ausschließlich rechteckig realisierbar. Zudem ist der Einbauaufwand etwas höher. 

Zu jedem Fenster gehören Beschläge wie Aufsteller und Riegel. Aufsteller mit Click-Mechanismus rasten in mehreren definierten Öffnungswinkeln ein. Bei kleineren und damit leichteren Fenstern, etwa in Sanitärräumen, kommen auch stufenlose Aufsteller mit Rändelschraubenarretierung zum Einsatz. Die neueste Entwicklung sind hochwertige,komplett stufenlose Aufsteller ohne Schraubarretierung. 

Einfache Fensterriegel haben keine Sicherheitsarretierung. Hochwertigere Riegel öffnen nur, wenn gleichzeitig ein Knopf gedrückt wird. Die Luxusvariante ist die sehr komfortable Einhebelbedienung. 

Das Schiebefenster läuft in einem Rahmen aus Polyurethan-Schaum.
Vorgehängte Fenster

Diese einfach aufgebauten Kunststofffenster werden bei Wohnwagen bis in die Mittelklasse eingesetzt. Außen an der Wand oberhalb des Fensterausschnitts findet sich ein waagrechtes Aluminiumprofil, das die Hälfte der Scharnierfunktion übernimmt. Das Gegenprofil, das einfach in die Schiene eingehängt wird, ist fest mit der Acrylglasscheibe verbunden. Ein Rahmen zur Aufnahme der Scheibe entfällt. Ein umlaufendes Profil in der Art eines Kantenumleimers verstärkt den Fensterausschnitt und dichtet ihn zur Dämmschicht hin ab. Die einfachen Kunststoff-Fensterriegel ziehen die Scheibe gegen eine umlaufende Gummilippe. Vorgehängte Fenster gibt es in vielen unterschiedlichen Formen.

(+) Einfache und günstige Konstruktion. Frei formbare Scheiben möglich. 
(+) Reparaturfreundlicher und leichter Aufbau. 
(+) Eine größere Fläche bei gleicher Scheibengröße. 
(-) Weniger robust als Rahmenfenster und weniger einbruchhemmend. 
(-) Für den Wandausschnitt sind Verstärkungen aus Holz notwendig.

Rahmenfenster

Hochwertige Wohnwagenfenster sind sogenannte Rahmenfenster, die Polyplastic und Dometic Seitz in ihrem Lieferprogramm haben. Wie der Name schon sagt, verfügen sie wie im Hausbereich über einen Rahmen, der aus Polyurethan geschäumt oder aus Aluminium gefertigt wird. Dieser zweiteilige Rahmen teilt sich in einen Innen- und Außenrahmen auf. Die beiden Teile werden verschraubt und klemmen sich damit fest in den Ausschnitt der Sandwichwand. Die Nut zwischen Rahmen und Sandwichwand wird mit einem Streifen Dichtungsmasse (Butyl) gefüllt. Eine Führungsschiene nimmt die Acryl-Doppelglasscheibe des Fensters auf. An dieser Schiene werden auch die Aufsteller befestigt.

(+) Solide und thermisch gut entkoppelte Konstruktion. Etwas besserer Einbruchsschutz.
(+) Plane, wenig auftragende Optik.
(+) Wegen des Rahmens keine weitere Verstärkung des Fensterausschnitts nötig.
(-) Höheres Gewicht und höhere Kosten als vorgehängte Fenster.
(-) Nur rechteckige Formen realisierbar.
(-) Größerer Einbauaufwand.

Gegenläufiges Rahmenrollo: Dämmt gut und ist einfach zu bedienen.
Rollos in allen Arten 

Fast jedes Fenster hat ein Gegenstück. Man spricht von Rollos oder Jalousien, die für Verdunklung, Sonnenschutz und/oder für Insektenschutz sorgen. Die einfachste und günstigste Form ist das Springrollo, das an zwei Punkten über dem Fenster aufgehängt und nach unten gezogen wird. Beim Rast- oder Kombirollo bewegen sich Verdunklungsfolie und Mückengaze in zwei nach unten offenen Schienen hintereinander. Das Kassettenrollo hat eine Führung rundum. Bei hochwertigen Rollos lassen sich Sonnen- und Mückenschutz in der Mitte zusammenklicken und mit einer Hand bedienen. Je dichter das Rollo schließt, desto höher sind die Isoliereigenschaften. Es gibt auch gefaltete Jalousien, so genannte Plissees, teils doppelwandig, wobei Luftpolsterdie Isolierung verbessern.

Supertest: LMC Maestro 510 E

Foto

Ingolf Pompe, Terry Owen, Archiv

Datum

22. August 2016
Dieser Artikel stammt aus Heft CARAVANING 8/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
5 4 3 2 1 5 5 1
Kommentare
Kostenloser Newsletter
Newsletter Small

+++ Alle News +++
+++ Alle Tests +++

Und immer bequem und kostenlos per E-Mail.

Videos
  • Alle Bereiche
  • News
  • Test
  • Campingplätze
  • Reise
  • Ratgeber
  • Zubehör
  • Video
  • Markt