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Fit in den Frühling: Wohnwagen auswintern: Dreifach startklar

Der Frühling rückt näher, und mit ihm der Start in die neue Saison. Caravaning zeigt, wie Sie Ihr Caravan-Gespann sauber und sicher in die erste Ausfahrt schicken.

Moment mal: War der Caravan wirklich so dreckig, als wir ihn zum Überwintern weggestellt haben? Oder war der lange Winterschlaf schuld? Schon möglich. Denn auch in der schönsten Scheune breitet sich Staub auf und im Caravan aus.

Egal ob Winterschlaf oder Winterurlaub: Schmutz ist das kleinste Übel. Lückenhafter Unterbodenschutz und poröse Dichtungen das weit größere. Auch im Karussell von Hauptuntersuchung, Dichtigkeitsprüfung und Inspektion kann einem schon mal schwindelig werden. Was passiert bei welchem Check, was kosten die Prüfungen? Antworten zu den Themen Frühjahrsputz, Winterschäden und die richtige Wartung finden Sie hier.

Frühjahrsputz: Den Wohnwagen auf Hochglanz bringen

Wenn die erste Frühjahrstour mit dem Gespann ansteht, geht’s natürlich fix zur Waschanlage. Und innen nur feucht durchwischen? Von wegen - wer lange Freude an Möbeln und Bordtechnik des Caravans haben will, geht mit System ans Werk. Immer von oben nach unten vorgehen. Dieser älteste aller Putztipps gilt auch für das rollende Heim.

Und noch einige andere Regeln sollte man im Vorfeld beachten: Tankstellen, Autohöfe und Waschparks betreiben oft automatische Lkw-Waschanlagen. Den schmutzigen Caravan einfach dort schrubben zu lassen, drängt sich geradezu auf. Aber Vorsicht: In Lkw-Anlagen  kommen häufig scharfe Reinigungsmittel und harte Bürsten zum Einsatz, die vor allem den Caravan-Fenstern stark zusetzen. Glücklich sind alle, die in der Nähe eine von Hand gesteuerte Caravan- und Reisemobil-Waschanlage mit fensterschonenden Bürsten haben. Hier kann eine gründliche Außenwäsche mit Vorwäsche aber auch 60 Euro kosten.

Natürlich tun es auch Eimer, Lappen, Schwamm und Hochdruckreiniger. Er verjagt Schmutz und eingetrockneten Matsch im Eilverfahren. Auch aus den Vertiefungen des Hammerschlagblechs bekommen Druckwasser und Bürste den Dreck heraus. Für Unterboden, Dekor, Dichtungen und Kühlschrankgitter ist der Wasserstrahl aber oft zu hart. An diesen sensiblen Stellen mit großem Abstand oder reduziertem Druck arbeiten. Öffentliche Cleanparks und Hochdruckgeräte für den Heimbedarf haben Einstellungen für alle Eventualitäten.

Ist der Caravan blitzblank, geht es ans Eingemachte. Ausgerüstet mit Mikrofasertuch und mit Wasser verdünntem Allzweckreiniger im Eimer geht es an Schränke, Sanitärraum und Möbeloberflächen. Bei der Feinarbeit sparsam mit dem Wasser umgehen, um Aufbau und Einrichtung vor Feuchtigkeit zu schützen. Dazu gehört, beim Reinigen Fenster und Türen zu öffnen. Bei dieser Gelegenheit auch Polster und Matratzen zum Lüften von ihren Unterlagen nehmen.

Auch das Vorzelt sollte gereinigt und auf die nächste Reisesaison vorbereitet werden. Am besten breitet man es auf trockener Fläche aus und befreit es mit einer trockenen Handbürste von grobem Schmutz. Dann mit Seifenlauge feucht abwaschen. Nachdem der Stoff wieder trocken ist, imprägnieren Sie Nähte und andere dem Regen ausgesetzten Partien.

Bleibt nur noch die Funktionsprüfung der Bordtechnik: Sind Kühlschrank, Herd und Heizung bereit zum Start? Und hat die Bord- oder Mover-Batterie noch (oder schon) genügend Saft? Ist die Dichtung der Cassettentoilette noch intakt, oder sollte sie besser ausgetauscht werden? Ist der Frischwassertank sauber und keimfrei? Dann sind Inneraum und Technik fit für den Frühling.

Winterschäden: Unterboden, Reifen und Anhängevorrichtung

Weiter geht es mit der Suche nach Schäden, die der Caravan beim langen Stehen oder beim winterlichen Einsatz abkriegt. Der Unterbodenschutz muss vielleicht ausgebessert werden, besonders bei Holzböden ist Fäulnisgefahr in Verzug. Wird der Caravan nach einer harten Saison ohne einen prüfenden Blick in die Winterpause oder -saison geschickt, kommt es im Frühling eventuell zu bösen Überraschungen.

Experten wie zum Beispiel Caravan Metropol in Bautzen raten dazu, den Unterboden früh mit Spezial-Heißwachs zu behandeln, damit es gar nicht erst zu Stockfeuchte am Unterboden kommt. Ein Blick aus der Grube (oder von unterhalb der Hebebühne) der Caravan-Werkstatt gibt Auskunft über den Zustand des Holzbodens. Die Fahrt dorthin lohnt ohnehin: Die Dichtigkeitsprüfung gehört schon wegen der damit verbundenen Garantie zum Pflichtprogramm. Ist es für Vorbeugung bereits zu spät? Dann müssen Experten Holzfäule oder Rostschäden umgehend ausbessern.

Damit beim Fahrtantritt alles leicht und sicher rollt, empfiehlt sich ein Blick auf die Räder. Die Reifen des Caravans werden in der Saison oft bis aufs Äußerste strapaziert. Neben der grenzwertigen Auslastung der Reifentragfähigkeit und den extremen Temperaturen bei Hitze und Frost kommt es beim längeren Nichtbenutzen schon einmal zu Standschäden, die sich erst bei genauerem Hinsehen erkennen lassen. Wurde der Anhänger mit zu wenig Luftdruck oder auf Kanten abgestellt, bilden sich Standplatten oder Risse in der Flanke. Abgefahrene Laufflächen am Reifen lassen sich erkennen, bevor es gefährlich wird. Und: Wie lang ist eigentlich der letzte Reifenkauf her? Unabhängig von der empfohlenen Profiltiefe von mindestens drei bis vier Millimetern sollte nach spätestens sechs Jahren ein neuer Satz Reifen her.

Ohne einwandfreien Zugwagen ist allerdings auch der fitteste Caravan nur halb so viel wert. Sind Elektrik und Mechanik der Anhängevorrichtung einwandfrei? Die Steckdose am Zugwagen und der Stecker am Caravan werden mit Kontaktspray vor Korrosion geschützt. Den Kugelkopf der Anhängekupplung, ob abnehmbar oder fixiert, befreit ein Akkuschrauber mit eingespanntem Kugelkopfschleifer im Expresstempo von Rost oder Lackresten. Länger, aber günstiger geht’s mit normalem Schleifpapier und Industriereiniger. Nur ein blanker, fettfreier Kugelkopf garantiert die einwandfreie Funktion jeder Antischlinger-Kupplung. Andernfalls setzen sich deren Reibbälge mit Schmutz- und Lackpartikeln zu, wodurch die Stabilisierungswirkung deutlich abnimmt. Nach der Prüfung von Aufbau, Fahrgestell und Zugfahrzeug bleibt nur noch der Weg zu Hauptuntersuchung und Inspektion, damit auch technisch alles in trockenen Tüchern ist.

Wohnwagen-Inspektion und Hauptuntersuchung

Seit über 50 Jahren schreibt der Gesetzgeber die Fahrzeugprüfung vor. Der Caravan gilt bei der Hauptuntersuchung als Kraftfahrzeuganhänger unter 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht mit eigener Bremse und muss damit alle 24 Monate zur Hauptuntersuchung. Wenn es zeitlich passt, kann also das ganze Gespann gemeinsam zur Prüfung. Vorsicht besonders bei Saisonfahrern: Versäumte HU-Termine können teuer werden. Bei jedem Caravan kommt ebenfalls im Rhythmus von zwei Jahren die Prüfung der Gasanlage hinzu.
Sie gilt als wichtiger, wenn nicht gar wichtigster Faktor für Sicherheit an Bord. Am besten sie wird gleich in Kombination mit Dichtigkeitsprüfung und Hauptuntersuchung durchgeführt – Dichtungen, Schläuche und der Zustand des Gaskastens stehen bei der Gasprüfung neben der Dichtigkeitsprüfung des Gesamtsystems im Mittelpunkt.Nach bestandener Untersuchung stellt der Fachbetrieb eine Bescheinigung aus, die übrigens auch bei der HU vorzulegen ist.

Eine fehlende Prüfbescheinigung gilt als Mangel und somit als Grund für eine Nachuntersuchung. Wer Zweifel an der technischen Fitness seines Caravans hat, sollte in jedem Fall in die Werkstatt zur Inspektion, und zwar bevor die  Hauptuntersuchung ansteht. Es lohnt ein genauer Blick ins Wartungsheft des Händlers, dort ist detailliert festgelegt, was in welchen Abständen gewartet werden muss. Besonders nach der Winterpause können die mechanischen Teile festsitzen und müssen vom Profi geprüft und bei Notwendigkeit gefettet und damit gangbar gemacht werden – ohne intakte Bremsgestänge und Bowdenzüge wird es schnell gefährlich.

Ähnlich verhält es sich mit möglichen Beschädigungen an Faltenbalg, Abreißseil und Handbremse, die im Ernstfall ihren Dienst nicht versagen dürfen. Vor Verschleiß und Altersschwäche ist auch die Sicherheitskupplung mit den Reibbelägen nicht gefeit, vielleicht wird es Zeit für eine Erneuerung? Alle Komponenten der Bremsanlage, Achsen und Stoßdämpfer sollten bei der Inspektion gewartet werden, damit sie dem kritischen Blick des Prüfers bei der anstehenden Hauptuntersuchung genügen. Ist in Sachen Waschplatz, Winterschäden und Werkstatt alles klar für den Start in den Frühling, dann heißt es: Auf in eine saubere, sichere und sorglose Reisesaison 2013.

Checkliste fürs Auswintern

Schritt 1: Der Putzplan

Außen:

  • Caravan-Wäsche nur am Waschplatz
  • Hochdruckreiniger für groben Schmutz
  • Radkästen und Felgen extra reinigen

Innen:

  • Seifenlaugen und Spezialreiniger für Oberflächen
  • Mit wenig Wasser und offenen Fenstern putzen
  • Kühlschrank, Heizung und Gaskasten reinigen
  • Wassertanks reinigen & desinfizieren

Schritt 2: Der Prüfplan

Kontrolle Reifendruck & -profiltiefe, Radmuttern
Kontrolle Reserverad
Kontrolle Unterbodenschutz

  • Prüfung Handbremse Prüfung Gangbarkeit beweglicher Teile
  • Prüfung Auflaufdämpfer
  • Ladezustand Bordbatterie (falls vorhanden)
  • Pflege Scharniere, Schlösser, Türen
  • Funktionsprüfung Rollos, Klappen, Schalter

Schritt 3: Blickpunkt Hauptuntersuchung & Inspektion

Hauptuntersuchung

  • Kosten: variiert nach Bundesland, Preise bis 3,5 t  TÜV: 42-45 Euro, DEKRA: 43 Euro, GTÜ: 40-43 Euro
  • Intervall: Caravan als Kfz-Anhänger mit eigener Bremsanlage und zulässigem Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen: alle 24 Monate Nachuntersuchung innerhalb vier Wochen
  • Inhalt: Bremsanlage inkl. Radbremsen und Bremsbelägen, Kupplung, Achsen, Licht Gasprüfung kann im Anschluss gemacht werden, kostet rund 35 Euro zusätzlich

Inspektion

  • Kosten: variiert nach Werkstatt, Modell, Zustand und Arbeitsstunden von 50-120 Euro Dichtigkeitsprüfung oft Herstellervorschrift, nach Kombi-Preisen fragen
  • Intervall: alle 12 Monate, alle 10 000 km oder nach Herstellervorgaben (s. Betriebsanleitung)  wichtig für den Erhalt von Gewährleistungsansprüchen bei Händler und Hersteller
  • Inhalt: Wartungs- und Reparaturarbeiten: z. B. Spiel an der Auflaufeinrichtung, Stützrad für den Erhalt von Gewährleistungsansprüchen im Wartungsheft gegenprüfen

Nachgefragt beim Wohnwagen-Experten

Christian Ertl ist Betriebsleiter beim Reisemobil-Spezialisten Goldschmitt Fahrwerkstechnik. Im Gespräch mit Caravaning erklärt der Fachmann, welche Blessuren nach einem langen Winter auftreten können - und was bei Dichtigkeit, Deichsel und Aufbau wichtig ist.

Welche Schäden kann der Caravan in Winterpause oder -urlaub davontragen?

Ertl: Zum einen können Frostschäden am Strom-, Heiz- und Wassersystem auftauchen, zum anderen muss man mit unerwünschten Eindringlingen wie Mäusen oder Ungeziefer rechnen. Nach dem Winterurlaub kann es hingegen zu Korrosion an der Achse oder zur Oxidation von Schlössern und anderen Metallteilen kommen.

Worauf muss ich bei Deichsel und Anhängekupplung auf jeden Fall achten?

Ertl: Die Auflaufbremse sollte reichlich geschmiert, die Anhängekupplung staub- und fettfrei sein. Außerdem müssen die Bremsbeläge der Anti-SchlingerKupplung sowie Auflaufdämpfer, Abreißseil und Handbremse geprüft werden.

Feuchtigkeit im Caravan: Wie erkenne und behandle ich undichte Stellen?

Ertl: Anzeichen für Feuchtigkeit im Aufbau gibt es viele: modriger Geruch, weiche Stellen im Möbeldekor, im schlimmsten Fall dunkle Schimmelbildung. In allen Fällen sollte schnell eine Fachwerkstatt aufgesucht werden.

Und was tun, wenn Türdichtungen und Gummilippen mit Glyzerin oder Silikon nicht mehr zu kitten sind?

Ertl: Grundsätzlich sollte man jede defekte Dichtung an Türen und Fenstern bei Beschädigung ersetzen, um einen Wassereintritt zu verhindern.

Welche Stellen am Caravan haben mit Rost und Alufraß zu kämpfen, und was lässt sich dagegen tun?

Ertl: Rostanfällig sind in erster Linie Achsrohr und Verschraubungen. Alu-Fraß ist eher ein Problem von Türen, Klappen und Verkleidungen aus Aluminium. Vorbeugen kann man mit regelmäßiger Sichtkontrolle und gutem Unterbodenschutz.

Von welchen Mängeln sollte ich die Finger lassen und einen Experten fragen?

Ertl: Ganz klar: Wasserschäden, Frostschäden, Montagen an Strom- und Gasanlagen sowie Reparaturen an der Außen-wand oder dem Boden des Fahrzeugs sollte ein Fachbetrieb übernehmen.

Welchen Tipp geben Sie unseren Lesern in Sachen Garantie, Gewährleistung und Kulanz mit auf den Weg?

Ertl: Es empfiehlt sich, alles zu dokumentieren - und zwar schriftlich und mit Bildern. Bei Garantiearbeiten kurz vor Garantiezeitende kann auch eine Verlängerung auf die betroffenen Arbeiten verlangt werden.

Autor

Foto

Ingolf Pompe

Datum

1. März 2013
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