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B-Führerschein für Caravaner: Führerschein/ Tempo 100

Die Ausweitung des B-Führerscheins für Caravan-Kombinationen bis 4,25 Tonnen ist vom Tisch. Auch die Tempo-100-Vereinfachung klemmt.

Noch im März herrschte Jubelstimmung unter den Caravanern: Das Europäische Parlament hatte in erster Lesung den Entwurf der EU-Kommission zur 3. Führerscheinrichtlinie bestätigt. Dieser Entwurf sah vor, dass Inhaber des Führerscheins Klasse B nach Umsetzung der Richtlinie künftig Anhänger-Kombinationen sowie Reisemobile bis zu einem zulässigen Gesamtgewicht von 4,25 Tonnen fahren dürften. „Das Europäische Parlament setzt damit ein positives Signal für die europäische Caravaningindustrie, die derzeit durch die Begrenzung des B-Führerscheins bis 3,5 Tonnen eingeschränkt wird“, jubelte damals der Herstellerverband CIVD. Künftig sollten nach Berechnungen des Verbands 92 Prozent aller Caravan-Kombinationen und 90 Prozent aller Reisemobile in Europa mit dem „normalen“ Führerschein Klasse B gefahren werden können. Voraussetzung dafür unter anderem: ein zusätzliches Fahrertraining. Spätestens 2010, so langsam mahlen die bürokratischen Mühlen, sollte die 3. Führerscheinrichtlinie in deutsches Recht umgesetzt werden.

Ende Juni dann das dicke Ende: Am Zwangsumtausch für die nationalen Führerscheine in einen neuen einheitlichen EU-Führerschein scheiterte die Richtlinie in einer Sitzung der EU-Verkehrsminister. Die Verkehrsminister aus Deutschland und vier weiteren Staaten sprachen sich gegen den Entwurf aus. Damit, so der CIVD in einer Pressemitteilung vom 28. Juni, seien die vom Europäischen Parlament verabschiedeten Vorschläge zur Ausweitung des B-Führerscheins für PKW-Caravan-Kombinationen und Reisemobile bis 4,25 Tonnen vorerst ebenfalls gestoppt. „Die weitere Entwicklung der dritten Führerscheinrichtlinie ist nun wieder offen“, beurteilt Hans-Karl Sternberg, Geschäftsführer des CIVD, die Situation. „Erst nach der Sommerpause wird unter britischem Ratsvorsitz weiter verhandelt werden. Ob die alten Positionen in puncto Caravan-Kombinationen und Reisemobile bestehen bleiben oder neu ausgerichtet werden, ist zurzeit noch unklar.“

Ein dickes Fragezeichen steht auch hinter der angekündigten Vereinfachung der Tempo-100-Zulassung für Caravan-Gespanne. Wie CARAVANING aus dem Bundesverkehrsministerium erfuhr, ist die Veränderung des Umrechnungsfaktors von 1:0,8 auf 1:1 (Erklärung: Beim Verhältnis 1 zu 0,8 darf die zulässige Gesamtmasse des Caravans höchstens 80 Prozent der Leermasse des Zugfahrzeugs betragen) zwar nach wie vor das Maß der Dinge, doch mit einer Umsetzung in geltendes Recht hat es das Ministerium nun offenbar doch nicht so eilig. Experten des CIVD hatten auf eine Verkündigung der frohen Botschaft im Rahmen des nächsten Caravan-Salons gehofft, doch dieser Termin scheint nun obsolet. Keine guten Nachrichten für die Wohnwagenbranche, die derzeit im Neufahrzeugbereich nicht den besten Lauf hat. Im Monat Mai wurden in Deutschland trotz der Unsicherheit über die künftige Kfz-Besteuerung (siehe dazu auch im Internet unter www.promobil.de) erstmals mehr Reisemobile als Caravans neu zugelassen. Der Wohnwagen könnte etwas Rückenwind also durchaus gebrauchen.

Tempo 100 für Caravan-Kombinationen

Seit Oktober 1998 regelt die 9. Ausnahmeverordnung zur Straßenverkehrsordnung (StVO) die Höchstgeschwindigkeit für Kombinationen in Deutschland. Nach dieser Verordnung ist es einem Großteil der modernen Caravan-Kombinationen erlaubt, auf Autobahnen und Schnellstraßen mit getrennten Fahrbahnen statt 80 km/h nun 100 Kilometer pro Stunde zu fahren. Diese Ausnahmeverordnung war zunächst befristet bis zum 31. Dezember 2003 und wurde verlängert bis Ende 2006. Danach, so wird erwartet, wird sie dauerhaft in die StVO übernommen werden. Auch eine Ausweitung des Teilnehmerkreises durch Erhöhung des Massenfaktors bei Verwendung einer Stabilisierungseinrichtung gilt als wahrscheinlich. Caravaner, die derzeit in den Genuss von Tempo 100 kommen wollen, müssen folgende Schritte unternehmen:

1. Ein Sachverständiger, beispielsweise von TÜV oder DEKRA, muss schriftlich bestätigen, dass • das Zugfahrzeug (Pkw oder anderes Kfz bis 3,5 Tonnen) mit ABS ausgerüstet ist; • die Caravanreifen jünger als sechs Jahre sind und mindestens der Geschwindigkeitskategorie L (= 120 km/h) entsprechen; • der Caravan mit Bremse und hydraulischen Radstoßdämpfern ausgerüstet ist; • die zulässige Gesamtmasse des Caravans höchstens 80 Prozent der Leermasse des Zugfahrzeugs beträgt. (Massenfaktor 1:0,8)

2. Durch Vorlage der Bestätigung von TÜV oder DEKRA erhält der Fahrzeugeigentümer bei der Straßenverkehrsbehörde eine Bescheinigung, die dem konkreten Gespann die Höchstgeschwindigkeit 100 km/h gestattet, sowie zwei Tempo-100-Plaketten, eine für die Rückseite des Wohnwagens und eine für die Windschutzscheibe des Zugfahrzeugs.

3. Sowohl die Bestätigung des Sachverständigen als auch die amtliche Bescheinigung müssen stets mitgeführt werden und gelten nur für das jeweilige Gespann. Ein freier Tausch zwischen Anhänger und Zugfahrzeug ist nicht möglich.

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Datum

28. Juli 2005
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