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Ratgeber: Gaspreise

Ein simples Produkt mit großer Sprengkraft: Viele Caravaner reagieren empfindlich auf hohe Gaspreise auf dem Campingplatz. Doch eine Abzocke muss man eigentlich nie befürchten.

Wer beim Camping aufs Geld schauen muss, hat es schon bemerkt: Eine Flaschenfüllung Propangas kostet nicht überall das Gleiche. Eine CARAVANING-Umfrage ergab, dass auf deutschen Campingplätzen für elf Kilo Gas zwischen 13 und 20 Euro fällig werden, teilweise auch mehr – eine überraschend große Bandbreite, die sich nicht nur mit dem Nord-Süd-Gefälle bei den Gaspreisen erklären lässt, hervorgerufen vor allem durch den Transport. Denn auch innerhalb von Regionen wie dem Bodensee oder dem Schwarzwald liegen rund fünf Euro zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Preis.

Doch der Verdacht ist unbegründet, die Campingplätze würden beim Gasverkauf den großen Reibach machen. Maurice Perske von Fritz Berger, einem der größten Flaschengas-Anbieter der Republik: „Jede Elf-Kilo-Gasfüllung, die unter 20 Euro verkauft wird, ist keine Abzocke.“ Es käme immer darauf an, wie der Campingplatzbetreiber seinen Gaspreis kalkuliert, so der Experte. Die Preise, die Fritz Berger bietet – zurzeit etwa ein Euro pro Kilo –, seien kein Maßstab. Denn die Gasversorgung ist eine Serviceleistung dem Kunden gegenüber, an der ganz wenig verdient wird. Selbst bei Fritz Berger kommt man jedoch nicht umhin, die höheren Transportkosten nach Süddeutschland an den Käufer weiterzuleiten: In Bayern und Baden-Württemberg ist das Gas etwa zehn Prozent teurer als im Norden der Republik. Mit den Preisen, die Fritz Berger bietet, können übrigens auch die viel beschworenen Baumärkte nicht mithalten – zwölf bis 13 Euro sind bei Obi & Co. die Regel.

Ein anderer bundesweit aktiver Energieversorger, Primagas, überlässt seinen Vertriebsstellen-Partnern die Preisgestaltung. Der Einkaufspreis bemisst sich an der abgenommenen Gasmenge – eine Kleinstvertriebsstelle im Hinterhof, die pro Jahr drei Tonnen Gas verkauft, bezahlt im Einkauf rund zehn Euro für elf Kilo Gas, Mehrwertsteuer inbegriffen. Dass so ein kleiner Gashändler nicht wie ein Baumarkt kalkulieren kann, liegt auf der Hand. Dafür befindet sich fast immer eine der rund 3500 Primagas-Vertriebsstellen in der Nähe eines Campingplatzes (Infos unter Tel. 01 80/11 11 44 44), wenn nicht gar der Platzbetreiber selbst Primagas-Partner ist.

Primagas-Flaschen sind übrigens keine Kaufflaschen wie die bekannten „Grauen“, sondern echte Pfand-Behälter à la Bierkasten.

Beim Gaskauf hinterlegt der Kunde einen Pfandbetrag, den er bei Abgabe der leeren Flasche an einer beliebigen Primagas-Verkaufsstelle zurückerhält. Dadurch hat Primagas die Wartung und Prüfung der Flaschen unter Kontrolle, und der Kunde kommt um das Lagerproblem herum. Denn, so erinnert Holger Appelhans von Primagas: „Gasflaschen dürfen auf keinen Fall im Keller oder in Räumen unter Erdgleiche gelagert werden.“ Auch in Sachen Flaschenprüfung rät der Fachmann zur Vorsicht: „Grundsätzlich sollte der Campingfreund darauf achten, dass er eine TÜV-freie Flasche erhält, die dem Stand der Technik entspricht, egal wo er sie erwirbt.“ Auf ihre Gaspreise angesprochen, reagierten die von CARAVANING befragten Campingplatzbetreiber erfreulich offen, selbst die mit eher hohen Tarifen. Andreas Zick vom Alpen-Caravanpark Tennsee etwa würde sich darüber freuen, wenn eine Diskussion über die Gaspreise in Gang käme – als Argumentationshilfe gegenüber seinem Lieferanten und in der Hoffnung auf sinkende Einkaufs- und Verkaufspreise. Und Sabine Machado-Rettau von Country-Camping Schinderhannes im Hunsrück beklagt den Preisdruck, dem die Campingplätze ausgesetzt sind: „Für uns ist der Gasverkauf ein Service, den wir bieten müssen – aber es ist traurig, wenn die Kunden erwarten, dass wir mit den Lockpreisen der Baumärkte mithalten.“ Immerhin besteht für die Plätze in Rheinland-Pfalz und dem Saarland ab 2005 die Möglichkeit, über ihren Dachverband VCRS günstige und einheitliche Einkaufspreise zu erhalten. Mario Hermsen vom VCRS: „Der eine Campingplatz zahlte im Einkauf gut fünf Euro mehr für die Flasche – beim gleichen Lieferanten.“ Nun laufen Verhandlungen mit einem Gasanbieter. Wenn sich der Gaspreis durch den gebündelten Einkauf auch nicht ganz auf Baumarkt-Niveau drücken lässt, spart sich der Camper immerhin die Fahrt zum Gashändler. In der Lüneburger Heide dagegen ist die Gaswelt in Ordnung: „Wenn wir günstig einkaufen, geben wir dies an die Gäste weiter. Wir liegen außerdem stadtnah, so dass alle Gaslieferanten bei uns vorbeikommen und daher keine Anfahrt berechnen“, so Katarina Frerk von Kurcamping Röders Park, wo elf Kilo Gas gerade 13 Euro kosten. Doch verglichen mit den Gaspreisen in den umliegenden Staaten kommt man auf dem heimischen Campingplatz noch günstig weg, wie ein Blick über die Grenzen zeigt. In den Niederlanden muss man für eine 10,5-Kilo-Füllung bis zu 24 Euro hinblättern; in Dänemark sind 23 bis 26 Euro (ca. 180– 200 dkr) die Regel. Noch teurer wird es in den für verbrauchsintensives Wintercamping prädestinierten Alpenländern: Rund 25 Euro für elf Kilo Gas sind’s in Österreich; bei der gleichen Menge fordern die Eidgenossen ihren Campern sogar bis zu 43 Fränkli (knapp 29 Euro) ab. So mancher Urlauber füllt seine Gasvorräte daher jenseits der Grenze in Deutschland auf – was ihm selbst verboten sei, so ein Campingplatzbetreiber aus Österreich. Ärgerlich für die Platzbetreiber: Sie müssen den Service anbieten, auch wenn er kaum nachgefragt wird. Mit einem besonderen Angebot kann man seinen Gästen aber auch höhere Gaspreise schmackhaft machen: Die fest installierte Gasversorgung am Stellplatz, Gasstraße genannt, sei besonders bei Winter-Campern sehr beliebt, so Andreas Zick vom Alpen-Caravanpark Tennsee. Bequem für den Urlauber: „Im Winter muss nachts keine Flasche getauscht werden, und die Gäste müssen nur mit einer Fünf-Kilo-Flasche für die Fahrt anreisen.“ Preiswerter als Flaschengas sei die zentrale Versorgung obendrein. Aber in den Gesamtkosten des Urlaubs wird der Brennstoff eh nur einen kleinen Posten ausmachen.

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Datum

22. August 2004
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