Alles über Wintercamping
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Heizen und Lüften im Caravan: Spielend leicht zum Wohlfühlklima

Herrscht eine angenehme Raumtemperatur, kann der Winter ruhig kommen. Dann heißt es Wintercamping im Caravan. Verschiedenste Technik, Tipps und Fakten rund ums richtige Beheizen von Caravans.

"Wie machen Sie es sich denn gemütlich, wenn es draußen kalt ist?" Diese Frage hat Vaillant, Produzent von Hausheizungen, im Rahmen einer Studie zu Vorlieben rund ums Heizen gestellt. Während Frauen sich bei Kälte am liebsten in eine Decke kuscheln oder etwas Warmes zu trinken holen, folgt bei ihnen auf Platz drei die Antwort "Heizung anstellen oder hochdrehen". Bei den Männern liegt diese pragmatische Vorgehensweise übrigens auf Platz eins. Camper dürften in dieser Hinsicht genauso ticken. Wenn es kalt wird: Heizung an. Fertig.

Vorsicht: Heizen ist nicht gleich heizen

Am besten funktioniert es mit der richtigen Heizung und diversen wichtigen Tipps. Dabei ist die individuelle Wohlfühltemperatur von verschiedenen Faktoren abhängig. So hat die Luftfeuchtigkeit genauso Einfluss darauf wie Zugluft und die Temperatur von Umschließungsflächen, wie Fenster, Wände und Boden.

In Caravans kommen drei unterschiedliche Heizungssysteme zum Einsatz. Die weiteste Verbreitung hat die gasbetriebene Luftheizung Truma S, die mit einem oder mit zwei Luftgebläsen kombiniert und in der Basisversion per Knopfdruck mit einem Piezo-Funkengenerator gestartet wird. Komfortabler ist die batteriebetriebene Zündautomatik. Die Temperaturregelung erfolgt direkt an der Heizung, wobei der Brenner zunächst mit voller, später mit variabler Flamme heizt.

Neuerdings hält die bei Reisemobilen übliche Combi-Heizung von Truma Einzug in Caravans. Hierbei handelt es sich ebenfalls um eine gasbetriebene Luftheizung, die gleichzeitig jedoch Warmwasser bereitet. Auch bei der Combi-Heizung gibt es zwei Leistungsklassen und jeweils eine E-Variante, bei der zusätzlich ein 230-Volt-Elektro-Heizelement integriert ist. Zündung und Betrieb starten auf Knopfdruck, und besonders komfortabel gerät die Anlage mit dem digitalen Bedienteil CP plus. Das erlaubt die Steuerung der Raumtemperatur sogar über eine programmierbare Zeitschaltuhr.

Heizungs- und Warmwasserkomfort wie zu Hause verspricht die Alde-Warmwasserheizung mit Wärmeaustausch über Konvektoren. Sie arbeitet serienmäßig sowohl mit Gasbrenner als auch mit 230-Volt-Heizelementen. Auch bei ihr erfolgt die Regelung über ein digitales Bedienteil mit zahlreichen Anzeige- und Steuerungs-funktionen.

Was die jeweiligen Heizungsvarianten leisten, wie rasch und wie komfortabel sie einen Caravan beheizen und wie hoch der Gasverbrauch ist, haben wir unter Laborbedingungen getestet.

War eine Gasheizung über längere Zeit nicht in Betrieb, sollte man beim Zündvorgang – insbesondere beim manuellen – etwas Geduld mitbringen; falls die Zuleitungen noch mit Luft gefüllt sind, kann er nämlich bis zu einer Minute dauern. Bei der S-Heizung heißt das: Den Bedienknopf im Thermostatregler so lange gedrückt halten und immer wieder zünden. Startet der Brenner schließlich, den Knopf noch für etwa weitere zehn Sekunden durchdrücken, damit die Zündsicherung den Gasfluss dauerhaft freigibt. Bei Störungen empfiehlt es sich, vor einem erneuten Zündversuch zwei Minuten abzuwarten. Sowohl Combi- als auch Alde-Heizung starten vollautomatisch und zünden selbstständig nach, falls die Flamme erlischt.

Achten Sie bei S-Heizungen mit Zündautomatik darauf, die Batterien nach etwa zwei Jahren, oder wenn die Frequenz der Zündungen langsamer wird, zu wechseln.

Bei der Warmwasserheizung ist das Leitungssystem mittels Frostschutzmittel auf Glykolbasis vor dem Einfrieren geschützt. Hier ist wichtig, nur Frostschutzmittel zu verwenden, das sich mit Aluminium verträgt, denn sonst kann es zu Korrosion und in der Folge zu erheblichen Schäden kommen.

So bekommen Sie die richtige Temperatur im Caravan

Bei der Temperaturregelung zählen Erfahrungswerte und etwas Fingerspitzengefühl. Besonders bei den S-Heizungen, deren Temperaturwahlknopf nur eine symbolische Stufenskala ohne Gradangaben aufweist. Auf der niedrigsten Stufe halten diese Heizungen eine Innentemperatur von etwa zehn Grad Celsius, bei voller Heizleistung können sie – natürlich abhängig von der Isolationsgüte und den herrschenden Außentemperaturen – durchaus bis zu 30 Grad Celsius schaffen. Die Gasheizung brennt beim Anfahren immer mit voller Power, bis die eingestellte Temperatur erreicht ist. Erst dann erfolgt langsam die Regelung über die Drosselung der Gaszufuhr.

Heizungen mit Bildschirm-Bedienteil und digitaler Anzeige und -einstellung signalisieren zwar höchste Genauigkeit, bei der Temperaturvorwahl haben sie jedoch – wie sich bei unserem Vergleichstest gezeigt hat – teils mit technischen Gegebenheiten zu kämpfen.

Denn je nachdem, wo der Messfühler installiert ist, können sich äußere Einflüsse auf die Heizungssteuerung auswirken. Schon leichte Kältebrücken, etwa im Bereich des Temperatursensors, gaukeln dem Fühler falsche Umgebungswerte vor. Die Folge: Die Heizung powert einfach weiter, und die Raumtemperatur weicht von der Voreinstellung ab. Ist dies der Fall, können sowohl die Alde-Heizung als auch das Bedienpanel Truma CP Plus kalibriert werden. Bei besonders kritischen Einbausituationen raten Fachleute zudem zur Nachrüstung eines zusätzlichen, also zweiten, Thermofühlers an geeigneterer Stelle.

Gasheizungen mit Zündautomatik können theoretisch auf niedrigster Stufe die Innentemperatur auch über einen längeren Zeitraum auf etwa zehn Grad Celsius halten.

Wer beim Wintercamping jedes Wochenende seinen Caravan als Basislager fürs Skifahren nutzen möchte, stellt so eine Minimaltemperatur im Innern sicher und spart sich das komplette Aufheizen des bis auf Minusgrade ausgekühlten Fahrzeugs.

Gebläse für die Heizung: Den richtigen Zeitpunkt finden

Wer seinen durchgekühlten Caravan ansonsten erst mal wieder auf Wohlfühltemperatur befeuern möchte, sollte die Heizung erst ohne Gebläse in Betrieb nehmen. So geht die volle Heizleistung zunächst in den Raum. Erst wenn in etwa Raumtemperatur erreicht ist, schaltet man das Gebläse hinzu. So wird die Aufheizdauer verringert. Während der Anfangsphase ist es zudem sinnvoll, die Ausströmer gezielt zur Lenkung des Warmluftstroms einzusetzen und zunächst nur den Wohn- und Küchenbereich zu temperieren. Schlafzimmer und Bad können noch etwas warten. Dazu werden dort die entsprechenden Klappen geschlossen.

Um Schwitzwasserbildung zu vermeiden, ist es ratsam, möglichst alle Stauklappen und Schränke gleichzeitig zu öffnen. Ebenso wichtig: Vorhänge aufziehen, Rollos hoch – dann werden auch die Fenster gleich mittemperiert. Im Gegensatz zur Aufwärmphase sollte beim Dauerheizen die Luftumwälzung per Gebläse permanent aktiviert sein, und wenn es nur auf Stufe eins ist. Nur so kann Feuchtigkeit in den Bereichen vermieden werden, die keine direkte Anbindung an den Innenraum haben, etwa in der Nasszelle oder im Stauraum unter dem Bett.

Das Gebläse muss dabei nicht ständig auf hoher Stufe laufen, insbesondere wenn die Heizung vom Thermostaten bereits abgeregelt wird. Ideal, wenn es die Möglichkeit gibt, die Gebläsedrehzahl und damit den Luftumsatz automatisch der Heizleistung anzupassen.

Genauso wichtig wie das Heizen: Das Lüften

Eine ausreichende Belüftung ist gerade im Winter das A und O. Wenn kein zu starker Wind weht, kann beim Heizen immer eine Dachluke einen Spalt offen stehen. Die Notbelüftungen reichen für einen ordentlichen Luftaustausch nämlich in aller Regel nicht aus. Immerhin atmet jeder Mensch allein über Nacht rund einen halben Liter Flüssigkeit aus.

Die in den Caravan eingebrachte Feuchtigkeit muss möglichst effektiv wieder abgeführt werden. Im Wohn- und Schlafbereich ist kurzes Durchlüften besser, als ein Fenster permanent leicht geöffnet zu halten.

Kalte Luft enthält (absolut gesehen) weniger Feuchtigkeit als warme und kann so beim Aufheizen Feuchtigkeit aus dem Innenraum aufnehmen. Das Anheizen kalter Luft trocknet. Doch Obacht: Im umgekehrten Fall schlägt sich beim Abkühlen der Raumluft Feuchtigkeit nieder. Daher mehrfach Stoßlüften und nochmals kräftig aufheizen, bevor der Caravan für längere Zeit leer steht und auskühlt.

Mit der Tatsache, dass Wärme nach oben steigt und der Boden länger kühl bleibt, haben praktisch alle Heizsysteme zu kämpfen. So gesehen macht eine Fußbodenheizung Sinn. Die funktioniert entweder elektrisch oder ist in den Warmwasser-Heizkreislauf mit eingebunden. Wer auf Wintercamping reflektiert, ordert eine ab Werk.

Wie unsere Messungen zeigen, hat eine Fußbodenheizung jedoch keinen signifikanten Einfluss auf die Heizleistung insgesamt und ist wohl eher eine Frage des Komforts. Wenn im Caravan der Boden angewärmt ist, kann die Heizung oft sogar etwas zurückgenommen werden, ohne dass die Empfindung leidet.

Heizungen sind sicher

Und kommt es doch mal zu einem Unfall, so stellt sich meist heraus, dass Bastler an der Gasversorgung oder am Abluftkamin gepfuscht haben. Nichtsdestotrotz wird eine Heizung natürlich heiß. Die im Wohnraum installierte S-Heizung kann es unter Volllast ohne Gebläse auf gut 130 Grad Celsius bringen. Das liegt zwar noch unter der Zulässigkeitsgrenze für Oberflächentemperaturen, aber Verbrennungsgefahr besteht natürlich immer. Besonders Kindern muss dies rechtzeitig klargemacht werden. Und aus diesem Grund darf die Heizung auch nicht als Trockner zweckentfremdet werden.

Verboten ist es zwar nicht explizit, im Caravan die Heizung während der Fahrt zu betreiben. Doch die europäische Heizgeräterichtlinie schreibt vor, dass nach einem Leitungsabriss infolge eines Unfalls kein Gas austreten darf. Auch für Wohnwagen gilt diese Regelung. Demnach können während der Fahrt keine mit Gas betriebenen Geräte benutzt werden, wenn eine Sicherheitsabsperrung fehlt.

Außerdem besteht die Gefahr, dass der Fahrtwind die Flamme nach unten drückt, was Schäden nach sich ziehen kann. Da eine Kontrolle der Flamme während der Fahrt nicht möglich ist, raten Fachleute dazu, die Gasheizung unterwegs besser nicht in Betrieb zu nehmen. Der Aufheizvorgang vor Ort dauert womöglich etwas länger, doch können sich ja dann die Männer von den Frauen inspirieren lassen: warmes Getränk holen und in die Decke kuscheln. Am besten gemeinsam.

Autor

Foto

Dieter S. Heinz

Datum

5. Januar 2016
Dieser Artikel stammt aus Heft CARAVANING 12/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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