Reise: Holsteinische Schweiz 23 Bilder Zoom

Caravan-Tour Holsteinische Schweiz: Seen & Mehr

Mit taufrischer Natur und Kulturschätzen verwöhnen die Holsteinische Schweiz und die nördlich liegende Hohwachter Bucht. Sie zählen zu Deutschlands bevorzugten Regionen für einen Campingurlaub.

Langsam löst sich die SY Marco Polo vom Kai des alten Fischerorts Heiligenhafen. Ruhig gleitet die knapp 30 Meter lange Sailing Yacht, eine 1944 von der britischen Admiralität bei Forbes in Schottland gebaute Gaffelketsch, durch das enge Hafenbecken in Richtung offene Ostsee. Leise wummern die 275 PS des Caterpillar-Schiffsdiesels. Das Groß-, Besan- und Topsegel sowie die drei Klüver werden auf der kurzen Rundfahrt zur Fehmarnsundbrücke nicht gesetzt, "für das Großsegel braucht man schon sechs Erwachsene, die mithelfen", sagt Skipper Dirk Reese. Der Kapitän kreuzte lange als Offizier auf Handelsschiffen durch die Weltmeere, bis es ihn zurück in die Holsteinische Heimat und an Bord dieses kleinen Zweimasters zog – wer mag ihm das verdenken?

Am östlichen Ende der Hohwachter Bucht liegt Heiligenhafen, einer der vielen kleinen Urlaubsorte in dieser bunten Region. Das gemütliche Zentrum nahe beim alten Fischereihafen samt rotem Backsteinrathaus und ehrwürdigen Patrizier-Anwesen aus reicher Kaufmannszeit bildet einen schönen Kontrast zum modernen Ferienpark und Yachthafen, der mit seinem Mastenmeer gerade backbords vorbeigleitet – er bietet 1000 Liegeplätze und die größte Hochseeangelflotte Europas. Dann tuckert die SY Marco Polo gemächlich am kilometerlangen Nehrungsarm Graswarder mit seinen schönen reetgedeckten Häuschen entlang, wo schon im Frühjahr Graugänse ihren Nachwuchs zur Welt bringen und viel Platz ist zum Flanieren durch Wiesen und über den Strand.

Ostholstein: Beliebte Campingregion mit mehr als 200 Seen

Die Hohwachter Bucht und mehr noch die sich südlich im Inland anschließende Holsteinische Schweiz zählen zu den bevorzugten Urlaubsregionen unseres Landes und eignen sich bestens für einen geruhsamen Campingurlaub. Auf gut ausgebauten Straßen erreicht man ganz bequem die schönen Campingplätze, die zu einem großen Teil in unmittelbarer Nähe zum Meer oder zu einem der Holsteiner Binnengewässer liegen. Und davon gibt es wahrhaft reichlich: In der lieblichen, teils stark bewaldeten Hügellandschaft der Holsteinischen Schweiz schimmern mehr als 200 klare Seen, etliche von ihnen untereinander verbunden. Gigantische Gletscher haben das Land einst geformt, rund 750 Quadratkilometer sind heute als Naturpark ausgewiesen, samt einer ganz eigenen Flora und eindrucksvollen Fauna – darunter etwa der Seeadler, mit einer Spannweite von bis zu 2,50 Meter der größte Vogel unseres Landes.

Das macht einen Campingurlaub im Osten Holsteins so besonders: Innerhalb kurzer Zeit gelangt man von der lieblichen Seenlandschaft mit ihren Gutshöfen, Bauernkaten, Windmühlen und Schlössern ans Meeresufer, das hier nur relativ selten durch große Apartmentkomplexe verschandelt ist und dessen Strände speziell in der Vor- und Nachsaison noch jede Menge Ru­he und Platz bieten können. Dazwischen liegen immer wieder schmucke kleine Orte mit großen Kulturschätzen, die sich fein in die Landschaft einfügen.

Kleine Orte mit großem Kulturschatz

Rosenstadt oder Weimar des Nordens wird Eutin auch genannt, einer jener Orte. Malerisch inmitten der holsteinischen Wälder, Seen und Hügel gelegen, atmet der Geburtsort des Komponisten Carl Maria von Weber den Geist vergangener Tage, als Goethe-Maler Johann Heinrich Wilhelm Tischbein hier wirkte oder die Zarin Katharina die Große zu Gast war auf Schloss Eutin. Die imposante vierflügelige Anlage wurde ab 1586 unter den Gottorfer Herzögen zur fürstbischöflichen Residenz ausgebaut, ihre heutige Form nebst Gestaltung des Schlossplatzes erhielt sie anno 1840. Nach langjähriger Restaurierung sind der Rittersaal, prächtige Räume und der schöne Schlosspark im englischen Landhausstil zu besichtigen. Anschließend schlendert man vielleicht über Eutins gemütlichen Marktplatz mit klassizistischem Rathaus und St.-Michaelis-Kirche, bewundert die berühmten üppigen Rosenstöcke an den Hausfassaden oder geht in der Sommersaison an Bord zu einer großen Eutiner Seenrundfahrt.

Binnengewässer bestimmen auch das Bild des nahe gelegenen Ortes Bad Malente-Gremsmühlen (Schleswig-Holsteins einziges Kneipp-Heilbad) sowie der ehemaligen Fürstenresidenz Plön. In deren historischer Altstadt nebst Rathaus von 1816, dem Museum in der „Alten Apotheke“ mit bedeutender Glassammlung sowie der großen Nikolaikirche am Marktplatz fallen die „Twieten“ ins Auge, schmale Gassen in Richtung Seeufer – wegen hoher Brandgefahr in der Altstadt wurden sie einst oftmals als Löschwege genutzt. Hoch oben über der Stadt thront weiß leuchtend das mächtige Plöner Schloss von 1633, das seinen markanten Anstrich im 18. Jahrhundert unter dem dänischen König Christian VIII. erhielt – von dort geht der Blick weit über das Plöner Seengebiet.

Noch Meer in Ostholstein: Die Ostee

Zur Abwechslung mal wieder eine gute Portion Meeresbrise gefällig? Ein paar Kilometer nur zurück Richtung Norden, und man erreicht das winzige Ostseebad Hohwacht mit seinen verwunschenen Reetdachkaten. Hier ist kein Haus höher als die Bäume, der Strand ist ganz hell und die Steilküste dicht bewaldet. Nebenan im quirligen Heiligenhafen hat Kapitän Reese seine SY Marco Polo derweil wieder festgemacht, die Rundfahrtpassagiere gehen von Bord und stärken sich erst mal in einem der urigen Fischrestaurants – mehr unterschiedliche Urlaubswelten kann eine Region hierzulande kaum bieten.

Autor

Foto

Silke Tokarski/Thomas Zwicker

Datum

22. März 2014
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