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Ratgeber: IAA in Frankfurt

Der „Faszination Auto“ konnte man sich auf der IAA in Frankfurt nur schwer entziehen. Denn Anfassen ist durchaus erlaubt und schafft eine ungewohnte Nähe zu motorisierten Träumen, die oft auch als Zugmaschine taugen.

Sie sitzen am Steuer des neuen Fiat Panda. Ein fremder Herr öffnet die Beifahrertür, setzt sich neben Sie und fragt „Was meinen Sie: Fährt Fiat mit diesem Wagen aus der Krise?“ An der Verkehrsampel ein unerhörter Vorgang – auf der IAA dagegen ganz normal. Denn wo zehntausende von Autoliebhabern aufeinander treffen, ergibt sich Ge-sprächsbedarf, besonders, wenn die Branche mit Neuheiten so freigiebig ist wie in diesem Jahr.
Viele Messebesucher kamen natürlich vor allem wegen der unvermeidlichen PS-Inflation. Otto von Bismarcks Spruch, Diplomatie sei „die Kunst des Möglichen“, lässt sich auch auf den Automobilbau anwenden. Die riesenhaften Sportwagen à la Gran Turismo, die als Designstudien oder marktreife Produkte die Stände schmückten, legen Zeugnis davon ab, was im 21. Jahrhundert technisch möglich ist. Ob es auch Sinn macht, steht auf einem anderen Blatt.
Aber auch die Freunde leiserer Töne, sprich vernünftigerer Fahrzeugkonzepte, konnten sich an zahlreichen Innovationen erfreuen. Heiße Themen auf der IAA: Sportliche „Multi Purpose Vehicles“, kurz MPV, die mit ausgeklügelten Raumkonzepten vielfältige Nutzungsmöglichkeiten aufweisen, sowie sparsame Motoren, vielfach mit der Option, Erdgas zu tanken. Paradebeispiel für die erstgenannte Gattung ist die „Roomster“-Studie von Skoda: Der Kompakt-Van mit den großzügigen Fensterflächen verfügt über eine um 75 cm verschiebbare Rücksitzbank, die wahlweise für eine geräumige Transportfläche oder üppigen Fuß-raum im Fond sorgt.

Mit dem Hinweis auf das problemlose Einladen einer Waschmaschine zeigt der tschechische Hersteller eine Lebensnähe, die man dem futuristischen Entwurf nicht sofort ansieht. Bei Daimler-Chrysler wiederum ist man den Beweis angetreten, dass sich Ökologie und kraftvolle Motorisierung nicht ausschließen müssen. Äußerlich unterscheidet sich der Mercedes E 200 NGT mit „bivalentem“ Benzin-/Erdgasantrieb vom reinen Benziner nur durch die größere Tankklappe und das um 140 Liter kleinere Kofferraumvolumen. Dafür soll er die Möglichkeit bieten, die CO2-Emissionen um 20 % zu senken und die Treibstoffkosten zu halbieren. Mit 1,8 Liter Hubraum und 163 PS sind über 220 km/h drin – wohlgemerkt auch im Erdgas-Betrieb. Kuriosität am Rande: Im Limousinen-Programm von Mercedes-Benz gibt es nur ein Modell, das unter der 200-km/h-Marke bleibt. Mit neuen Varianten des Viano bedient Mercedes dagegen eine mehr auf Transportkapazitäten bedachte Kundschaft. CARAVANING-Leser mag vor allem das Modell Marco Polo mit zwei Schlafplätzen unterm Aufstelldach interessieren. Ganz oben auf der Liste der Messestände, die unbedingt besucht werden mussten, stand natürlich Volkswagen. Mit dem Golf V, dem Polo Fun in SPV-Optik und den flexiblen Familienfahrzeugen Touran und Multivan zeigten die Wolfsburger eine breite Palette an alltags- und reisetauglichen Fahrzeugen. Als „Variant“ gibt es den neuen Golf sogar mit Erdgasoption. Im wahrsten Sinne spannende „Enthüllungen“ gab es an den Ständen der Premium-Marken von Ford. Bei der Präsentation des neuen Volvo S 40 (mit der Optik eines geschrumpften S 60) wurde besonders auf dessen hohe Sicher-heit hingewiesen:

Schwedenstahl in vier Härtegraden sorgt für exakt definierte Verformung im Crash-Fall. Und sollte doch einmal ein Fußgänger zwischen die Elchschaufeln geraten, mindern die kantenlose Schnauze und der auf Energieabsorption getrimmte Stoßfänger die Schwere der Verletzungen. Bei Jaguar wiederum wird man in einem Segment aktiv, in dem die schwedischen Kollegen seit Jahrzehnten Erfahrung haben: Mit dem X-Type Estate bietet die britische Edelmarke ihren allerersten Kombi an – ein Zeichen der Hinwendung an eine jüngere Käuferschicht, die neben Komfort und Stil auch das Praktische sucht. Dass sich fast alle der hier vorgestellten Fahrzeuge als Caravan-Zugmaschine eignen, versteht sich von selbst. Der neue Opel Vectra Caravan ist sogar speziell auf diese Nutzungsart hin konzipiert worden: Seine schwenkbare Anhängekupplung lässt sich bei der Solofahrt unsichtbar unterm Heckstoßfänger verstecken. Und um die maximal 1800 Kilo Anhängelast sicher durch den Urlaubsverkehr zu bringen, entwickelte Opel für 2004 eigens ein „TSP“ genanntes Anhänger-Stabilitäts-Programm. Der neue Panda kann da leider nicht mithalten. Immerhin wird der Nachfahre des fast ausgestorbenen Blech-Bärchens in einer ab 2004 erhältlichen Diesel-Version ganze 900 Kilo ziehen; die Benziner schaffen noch 800 Kilo. Das auf preiswerte Funktionalität getrimmte Auto lässt sich also ganz bedenkenlos zum Bewegen eines schönen T@b oder des kultigen Eriba Puck einspannen. Auffallen werden Sie damit auf jeden Fall. Aber die Frage des fremden Herrn nach der Zugkraft des neuen Fiat Panda ist damit immer noch nicht zur vollen Zufriedenheit beantwortet …

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Datum

6. Dezember 2003
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