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Caravaner unter sich: Im Verein auf Achse

Caravaner sind gesellige Menschen, deren Hobby von „Normalbürgern“ oft verkannt wird. In Caravan-Clubs dagegen treffen sie Gleichgesinnte, für die mobiler Urlaub ebenfalls Lebensart ist.

Wer seine Campingabenteuer mit Menschen teilt, denen die Freuden des mobilen Urlaubs fremd sind, erntet oft nur Unverständnis und milden Spott. „Ach so, und nach dem Rangieren auf dem Campingplatz stellt ihr erst mal den Jägerzaun auf und bringt die Gartenzwerge in Position!“ Alles schon gehört – kein Wunder, dass sich so mancher Campingfreund nach dem entspannten Erfahrungsaustausch unter Gleichgesinnten sehnt. Und so haben sich etliche der überzeugten Caravaner und Reisemobilisten in Deutschland zu Vereinen zusammengeschlossen, deren größter, der Deutsche Camping Club (DCC), alleine 120 000 Mitglieder unter seinem Dach versammelt.

Die Vereinslandschaft ist so bunt wie das Völkchen der Caravaner selbst. Was die Aktiven eint, ist eine Begeisterung fürs Caravaning, die weit über den jährlichen Campingurlaub hinausgeht. Ganz oben unter den Aktivitäten der Vereine stehen deshalb die „Rallys“, die sich nicht nur in der Orthografie von den Motorsportveranstaltungen unterscheiden: An den Wochenenden ist man unterwegs zu Treffen, wo bei Ausflügen unbekannte Gegenden „erfahren“ werden und der Kontakt zu anderen Caravanern gesucht wird. Wettkampfcharakter haben diese Veranstaltungen nur insoweit, dass viele Clubs Wertungspunkte vergeben, die zum Erwerb von Ehrennadeln oder -wimpeln führen – Geschmackssache. Neben dem DCC und seinen angeschlossenen Vereinen und Ortsgruppen gibt es Caravan-Clubs in allen Größen, vom lokalen Verein mit 30 Aktiven bis zu überregional wirkenden Organisationen.

Zum Beispiel den „Caravan-Club von Hessen“: Immerhin 280 stimmberechtigte Mitglieder gehören dem Verein an, alle Familienmitglieder und Kinder eingerechnet, kommt man sogar auf 450. Dem Vorsitzenden Uwe Kriegel zufolge gehört man damit zu den größeren Vereinen: Auf Clubtreffen kommen schon mal 70 bis 100 Gespanne und Reisemobile zusammen. Der Verein organisiert sich aus knapp 20 „Stammtischen“, die, über ganz Hessen verteilt, regelmäßig Clubabende mit Diavorträgen, Gesprächsrunden und Feiern abhalten. Die Hessen eint das Verlangen, auf längeren und kürzeren Touren ihre Heimat kennen zu lernen. Uwe Kriegel etwa passierte auf der A 3 unzählige Male den Limburger Dom – irgendwann packte ihn der Wunsch, einmal mehr mitzukriegen als nur den flüchtigen Eindruck aus dem Auto. Auf gut 20 Fahrten im Jahr, organisiert und ausgeschrieben von den „Stammtischleitern“, besucht man interessante und reizvolle Regionen Deutschlands, wobei sich der Aktionsradius bei Fahrten von drei bis vier Tagen meist aufs Heimatbundesland beschränkt. Bei längeren Touren legt man auch schon mal 400 km und mehr zum Zielort zurück, wobei natürlich auch Ziele außerhalb Deutschlands angepeilt werden.

Die hessischen Caravaner legen Wert auf die Feststellung, dass ihr Club allen Gesellschaftskreisen offen steht – ob großer oder kleiner Caravan, spielt unter den Mitgliedern keine Rolle. Sogar reine Zeltler sind im Verein, zugegebenermaßen allerdings eher Jugendliche, ist doch die Nachwuchsarbeit ein wichtiges Anliegen des Clubs. „Alles kann, nichts muss“, könnte das Motto der Hessen sein. Denn abgesehen von der Entrichtung des Jahresbeitrages haben die Mitglieder keinerlei Verpflichtungen. Echte Individualisten eben, die sich nach Lust und Laune am Clubleben beteiligen. Auch den Mitgliedern des DCC ist es freigestellt, ob sie sich in einem der rund 270 Ortsclubs am Vereinsleben beteiligen oder nur die zahlreichen Serviceleistungen des Clubs in Anspruch nehmen wollen – darunter die „Camping Card“, die auf zahlreichen europäischen Campingplätzen zu Rabatten berechtigt, oder das Leistungsscheckheft, das den Mitgliedern neben anderen Leistungen Rechtsberatung in Verkehrsdingen sowie eine Campingversicherung bietet.

Die Bedeutung der Nachwuchsförderung, die etwa der Deutsche Camping Club mit seiner „Zeltjugend“ betreibt, kann für die Zukunft des mobilen Reisens nicht hoch genug geschätzt werden. Denn wer von klein auf mit dem Leben auf dem Campingplatz vertraut ist, wird am ehesten selbst einmal Kunde der Caravan- und Reisemobilindustrie. Eher Wohngemeinschaft als Reisetruppe ist der Campingclub Dreiländereck e. V. aus Aachen, dessen Mitglieder nach dem Bekunden der Internetseite „weitestgehend stationäres Campingleben“ auf dem Eifeler Vereinsgelände bevorzugen. Wie der Aachener Club gibt es eine Vielzahl von Vereinen, die ihren eigenen Platz ihr Eigen nennen. Mit dem Mitgliederstatus erwirbt man die Anwartschaft auf einen Stellplatz. Die Trennung zwischen Stand- und Reisecaravaner wird jedoch selten streng eingehalten. Auch unter den Hessen sind Freunde des ortsfesten Campings, die sich am Vereinsleben beteiligen, obwohl sie nur ganz selten an einer Fahrt teilnehmen. Die Erhaltung technischen Kulturguts ist das Ziel von Vereinen wie dem „Caravan Oldie Club“. Der Oldtimer-Verein steht allen offen, die einen Caravan, ein Wohnmobil oder wenigstens ein Zelt im Alter von mindestens 30 Jahren besitzen.

Rat und Hilfe in technischen Fragen ist oberstes Vereinsziel, hinter das die Belange des Reisens und Campens notwendigerweise zurücktreten müssen. Über die ganze Republik verteilt finden sich Eriba-Hymer-Clubs, teils schon in den sechziger Jahren gegründet, deren Mitglieder begeisterte Besitzer von Hymer-Mobilen oder Eriba-Caravans sind. Abgesehen von der Markentreue unterscheidet sich das Programm solcher Vereine mit geselligen Abenden und gemeinsamen Fahrten nicht von anderen Caravan-Clubs. Dass die Hymer AG ihren Fanclubs großzügig Platz auf ihrer Website einräumt, ist nicht verwunderlich: „Die Pflege unserer Clubs hat sehr viel mit Tradition zu tun, da die Clubs bereits seit 1961 an unser Haus gebunden sind“, so Monika Metzler von Hymer. Durch die enge Verbindung hat man ständig ein Ohr an der Basis und kann auf die Erfahrungen und Anregungen der Hymer-Freunde reagieren. Selbstredend ist das Unternehmen nicht der einzige Hersteller, der sich um einen guten Draht zu seinen Kunden bemüht. So bietet etwa Dethleffs den Inhabern der „Family Card“ zahlreiche Aktivitäten vom Werksbesuch übers Fahrtraining bis zum Treffen mit Gleichgesinnten, die durchaus „Club-Charakter“ haben können. Na, Lust bekommen, mal ins Clubleben reinzuschnuppern? Über den DCC oder die unten stehende Link-Liste ist es ganz einfach, einen Verein in Ihrer Nähe aufzuspüren. Und sollten Sie sich entschließen, Ihren neuen Bekannten die Dias aus dem letzten Urlaub zu präsentieren, finden Sie im Club sicher ein verständnisvolleres Publikum als im Camping-unerfahrenen Bekanntenkreis.

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Datum

18. März 2004
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