Promobil testete zehn Insektenentferner. 17 Bilder Zoom

Insektenentferner im Test: Weg, Fliegen!

Wenn Zugwagen und Caravan einem wahren Fliegenfriedhof gleichen, helfen Schwamm und Wasser nicht weiter. Insektenentferner dagegen schon. Wie viel sie wirklich bringen, testete CARAVANING.

Mitunter gehen uns selbst nützliche Insekten auf die Nerven. Aus Sicht von Campern besonders dann, wenn ihre sterblichen Überreste die Frontpartien von Auto und Caravan pflastern.

Ignorieren sollte man den Fliegendreck nicht, sondern möglichst schnell entfernen. Ansonsten wird die Mischung aus Eiweiß und dem Chitinpanzer der Insekten innerhalb kurzer Zeit richtig fest. Die Motorabwärme und Sonneneinstrahlung brennen sie mitunter sogar in die obere Klarlackschicht oder die Pulverbeschichtung ein. Ausschlaggebend dafür ist die sogenannte Glasübergangstemperatur, ab der der Lack weich wird. Sie variiert von Auto zu Auto und von Caravan zu Caravan. Von der Windschutzscheibe sollten die kleinen Tierchen runter, bevor ihre Krusten die Wischergummis beschädigen. Doch ein Schwamm und Wasser mit Reinigungsmittel helfen gegen solchen Schmutz oft nur mit enormem Einsatz. Selbst Waschanlagen für Autos und Caravans tun sich schwer. Denn die sanften Textilbürsten schonen den Lack, reinigen aber nicht immer gründlich.

Spezielle Insektenentferner können nachhelfen. Vor der Wäsche aufgesprüht, egal ob vor der Handwaschbox oder der Waschstraße, weichen sie die Insektenüberreste ein und lösen diese von der Karosserie. Wie effizient sie sind, haben die Magazine auto motor und sport sowie CARAVANING mit dem Labor des Reinigungsgeräteherstellers Kärcher geprüft. Dafür wurden an Tankstellen, im Baumarkt, im Autozubehörhandel und im Internet zehn Produkte aus verschiedenen Preisklassen eingekauft.

In puncto Reinigungswirkung überzeugen nicht alle. Sowohl unter Laborbedingungen als auch im Praxistest an mehreren verschmutzten Fahrzeugen entfernen einige Reiniger nur mit Mühe zwei Drittel des Schmutzes. Am schlechtesten schneidet hier der RS 1000 Insektenlöser ab. Die beste Leistung erzielt der Michelin-Insektenentferner.

Ein Lob verdient er zusätzlich für das EU-Ecolabel, das nur vergeben wird, wenn nachweislich keine umweltschädlichen Stoffe enthalten sind. Andere Produkte können dagegen zu gesundheitlichen Problemen führen. Zwar erzielt das Produkt von Sonax vor allem im Praxistest gute Ergebnisse, die enthaltenen Limonene können aber Allergien auslösen. Auch die Mittel von Aral, Armor All und Dr. Wack können in verschiedener Form der Gesundheit schaden. Über den Insektenentferner von Würth ist keine Aussage möglich. Da er nur an Fachpersonal abgegeben werden darf, stehen auf dem Etikett keinerlei Informationen zu den Inhaltsstoffen. Da über Zwischenhandel im Internet jeder an das Produkt gelangen kann, sollte Würth hier nachbessern. Die gemessenen pH-Werte liegen allesamt im unkritischen Bereich. Kein Mittel überschreitet die Grenze von 11,5 und ist als ätzend einzustufen.

Allerdings zeigt der Test, dass man mit den Reinigern nicht allzu sorglos hantieren sollte, denn einige hinterlassen bei der Prüfung Spuren an den verschiedenen Materialien. So erzeugt der Insektenentferner von Armor All bei längerer Einwirkzeit derartige Spannungsrisse im Polycarbonat, dass der Kunststoff zerbricht. Scheinwerfer- und Blinkerabdeckungen bestehen oft aus diesem Material. In Fugen oder Kanten kann sich im Alltag die Flüssigkeit sammeln und Schäden verursachen. Dies ist ein Grund, warum der Armor-All-Reiniger im Test Schlusslicht ist. Die Proben bei Liqui Moly, Nigrin und Sonax zeigen nach drei Stunden Einwirkung ebenfalls kleine Spannungs­risse. Daher sollte auf jede Anwendung eine gründliche Autowäsche folgen. Auch negative Auswirkungen auf Caravanfenster (Acrylglas) sind nicht ganz auszuschließen.

Positiv überrascht dagegen die Lack-Materialverträglichkeit. Weder bei 25 Grad Celsius Raumtemperatur noch bei 80 Grad wie bei starker Sonneneinstrahlung greifen die Reiniger die Farbschicht an. In der Praxis kann es dennoch Probleme geben, denn nicht alle Oberflächen sind gleich. Insbesondere Reparaturlacke haben teils andere Eigenschaften und sind empfindlicher. Deshalb gilt generell die Empfehlung: Insektenentferner nur auf abgekühlten Oberflächen und nicht in der prallen Sonne verwenden. Derartige Hinweise schreiben alle Hersteller außer Armor All auf die Verpackung.

Die übrigen Anleitungen und Hinweise auf den Etiketten sind korrekt und vollständig. Allerdings geben nicht alle Hersteller eine genaue Einwirkzeit an. So zeigen sich im Umgang einige Unterschiede. Während der Liqui-Moly-Reiniger 5 bis 15 Minuten einwirken soll, genügen den anderen Mitteln bereits wenige Minuten. Auch die Konsistenz variiert. Vorteilhaft sind unter anderem zähflüssige Reiniger, die gut haften und nicht so schnell antrocknen, sondern den Schmutz aufweichen (Dr. Wack, Liqui Moly, Nigrin, Sonax). Ebenfalls angenehm sind Produkte, die fein zerstäuben und sich gut auf der Oberfläche verteilen (Dr. Wack, Michelin, Shell, Würth). Praktisch ist die orange Farbe des Dr.-Wack-Reinigers, da er zielgerichtet aufgesprüht werden kann.

Beim Thema Preis lässt sich keine eindeutige Tendenz feststellen. Während der Michelin-Reiniger aufgrund nachwachsender Rohstoffe etwas mehr kostet, ist das annähernd gleichwertige Sonax-Produkt am günstigsten.

Günstig und effektiv: Hausmittel

Die gute Nachricht: Sie können auf die Chemie verzichten und viel Geld sparen. Allerdings müssen Sie dafür etwas Zeit mitbringen. Denn schon mit klarem Wasser und einem normalen Schwamm lassen sich gute Reinigungsergebnisse erzielen, wenn die Fliegenreste lange genug vorher einweichen. Feuchte Küchen- oder Handtücher leisten hier gute Hilfe. Die vielfach empfohlene Zeitung dagegen kann besonders auf Lack unschöne Flecken hinterlassen, wenn sie doch einmal antrocknet. Wer etwas Einweichzeit sparen möchte, kann auf einen Insektenschwamm zurückgreifen. Im Baumarkt gibt es schon für wenige Euro Exemplare, die sogar den Lack reinigen, ohne Kratzer zu hinterlassen. Sanftes Reiben und viel Wasser zum Spülen entfernen selbst mehrere Tage alte Fliegenreste problemlos. Alternativ taugt dafür auch eine Nylonstrumpfhose. Spüli-Wasser ist zwar nicht chemiefrei, aber günstig und unterstützt die Prozedur im Praxistest merklich.

So testet Caravaning

Im Labor des unabhängigen Reinigungsgeräteherstellers Kärcher überprüfen wir zum einen die Materialverträglichkeit der zehn che­mischen Reiniger. Wir testen an Wischergummi, Polycarbonat (das häufig für Scheinwerfer- und Blinkergehäuse verwendet wird) und lackiertem Blech, ob die Flüssigkeiten das Material angreifen. Den pH-Wert und die Trockensubstanz, also wie viel Reinigungsmittel in der Flüssigkeit enthalten ist, messen wir dort ebenfalls. Zum anderen beurteilen wir die Reinigungswirkung unter standardisierten Bedingungen. Dafür wischt die Maschine dreimal über ein lackiertes Blech mit speziellem Testschmutz. Außerdem müssen die Produkte im Praxistest an ver­schiedenen Fahrzeugen beweisen, ob sie auch mit eingetrock­neten Fliegenresten aus dem Alltag klarkommen.

Fazit

Kein getesteter Insektenentferner reinigt zu 100 Prozent. Trotz Chemie müssen wir zusätzlich zu Schwamm oder Hochdruckreiniger greifen oder eine Waschanlage bemühen. Acht von zehn Produkten erleichtern die Arbeit aber spürbar. Auch die Hausmittel überzeugen.

Autor

Foto

Dino Eisele

Datum

4. Dezember 2015
Dieser Artikel stammt aus Heft CARAVANING 11/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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