Blick über das Rheintal zwischen Braubach und Spay. 22 Bilder Zoom

Mit dem Caravan durchs Mittelrheintal: Auf Schatzsuche

Burgen besichtigen, die Natur und den guten Wein genießen oder gar Gold suchen – der romantischste Abschnitt des großen Stroms ist ein tolles Ziel für Caravaner.

Na? Schon was gefunden? Bei Bingen am Rhein steht ein Mann im Wasser, bis zu den Knöcheln. Er hat ein Metallsuchgerät in der Hand, mit dem läuft er hin und her und achtet auf eine Veränderung der fiependen Töne. Der Mann sucht Gold. Hier bei Bingen, so heißt es in der Sage, habe Hagen von Tronje einst den Schatz der Nibelungen versenkt. Und weil man den bislang noch nicht entdeckt hat, rücken jedes Jahr im Sommer Schatzsucher und Glücksritter mit Sonden an. Abends sitzen sie vor ihrem Caravan und schauen auf den Fluss. Warten sie darauf, dass er ihnen etwas verrät?

Auf der Suche nach dem Mythos, direkt am oder im Wasser: Auch das ist eine Art, das Mittelrheintal zu erleben – und es gibt sogar Leute, die einen kompletten Urlaub so verbringen. Die meisten Rheintouristen fahren auf der einen Flussseite von Mainz nach Koblenz und auf der anderen von Koblenz nach Wiesbaden, besuchen Burgen und Weingüter und staunen über eine Landschaft, wie es sie in Deutschland kein zweites Mal gibt. Caravaner brauchen nur ein-, höchstens zweimal den Standort zu wechseln, um all das in bequemen Tagesausflügen zu erkunden. Zwischendurch lassen sie den Caravan vielleicht mal für ein oder zwei Tage allein und wandern aus dem engen Mittelrheincanyon hinauf in die Höhe, um das Tal von einer anderen Perspektive aus zu entdecken.

Mittelrheintal: Wandern am Rheinsteig

Als der Rheinsteig vor gut zehn Jahren offiziell eröffnet wurde, beäugten ihn die Anwohner erst einmal misstrauisch. Wandern? Bei uns? Ist das nicht viel zu steil? Ist es. Aber nur manchmal, und auch nur, wenn man die Passagen zwischen den An- und Abstiegen nicht genügend genießt. Vor allem aber ist eine Wanderung im schönen Unesco-Welterbe Mittelrheintal ein Rausch der Sinne.

Das liegt vor allem an diesem Millionen-Euro-Panorama, das sich augenblicklich ausbreitet, wenn man in Kaub zum Beispiel die ersten Reihen Riesling-Weinstöcke hinter sich gelassen hat. Der Fluss schimmert schon jetzt tief unten, ein platt gehämmertes Band aus Anthrazit, zerschnitten von Ausflugsdampfern und Lastkähnen. Die Scherenschnitt-Silhouette auf der Insel mitten im Rhein ist Pfalzgrafenstein, eine Zollburg, die früher verhindern sollte, dass sich Schiffe ohne Abgabe vorbeimogelten. Drüben, auf der anderen Rheinseite, wirkt der Ort Bacharach mit der Burg Stahleck so, als habe ein mittelalterlicher Maler ihn mit sehr wässrigen Farben in den Hang skizziert und sei dann in eine Mittagspause verschwunden, die bis heute andauert. Am liebsten würde man sich hinsetzen, zu den Eidechsen auf eine dieser sonnenwarmen Trockenmauern, und nur hinunterschauen.

Hier steht die Zeit still

Der Zeit vergeblich hinterherlaufen – es gibt Orte am Mittelrhein, die das in einer Weise tun, dass man fast schon gerührt sein kann, wenn man vor ihren Schaufenstern steht und sich die Ansichtskarten anschaut, auf denen Deutschland aussieht wie 1964.

Komischerweise stört einen das aber nicht, es passt irgendwie hierhin, sehr gut passt es. Die "Heute: Schmorbraten"-Schilder vor den Restaurants. Das Loreleylied, das immer wieder durch das enge Tal weht, weil sämtliche Ausflugsdampfer es früher oder später über ihre Bordlautsprecher spielen. Das ist übrigens die lässigste Art der Welterbe-Erkundung: eine Fahrt mit einem Rheinschiff, die Sonne im Gesicht, das Glas Riesling vor sich. Man läuft oder radelt vom Campingplatz zum nächsten Anleger, verbringt die folgenden Stunden auf dem Wasser und ist abends, wenn die Sonne das Tal in ein fast magisches Licht taucht, wieder zurück. Dann muss man nur noch entscheiden, ob man lieber den eigenen Grill anwerfen möchte oder doch eher in eine der vielen historischen Weinstuben einkehrt.

Man könnte das jetzt den Rhein fragen, der hat ja viel Zeit zum Nachdenken da unten in seinem Bett. Er wird bloß nichts verraten, das hat er noch nie getan. Er hat für sich behalten, wo die Loreley sich jetzt ihr blondes Haar kämmt und auch die Sache mit dem Schatz, den Hagen von Tronje ihm anvertraut hat. Der Rhein kann schweigen – selbst wenn man ihm mit Metallsonden zu Leibe rückt.

Autor

Foto

Stefan Nink, Hilke Eckardt, Dietmar Scherf/DZT, Sven Henig, Dominik Ketz, Eike Wilke, GDKE Rh.-Pfalz Pfeuffer, Rüdesheim Tourist AG Karl, Koblenz Touristik, Piel Media, Gauls

Datum

1. Februar 2016
Dieser Artikel stammt aus Heft CARAVANING 1/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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