Alles über Wintercamping
Reise: Zillertal 25 Bilder Zoom

Mit dem Caravan ins Zillertal: Ein Winter im Großformat

Im Tiroler Zillertal gibt es nicht nur drei riesige Skigebiete zu entdecken, sondern auch viele schöne Winkel inmitten einsamer Natur. Genau das Richtige für Urlauber, die gern spontan zwischen Pistenrummel und Ruhe entscheiden.

Bei jedem Schritt knirscht der Schnee leise unter den Wanderstiefeln, die Tannen in diesem Seitental des Zillertals stehen wie schockgefrostet unter einer dicken Schneehaube, das Wasser des kleinen Bächleins fließt nur noch langsam unter der Eisschicht. Es ist ein klarer, sonniger Wintertag, aber die Sonne hat noch nicht wieder die Kraft, das Schneeidyll hier zum Schmelzen zu bringen.

Immer wieder ziehen Langläufer an uns vorüber. Sollen sie, wir haben keine Eile. Vom Parkplatz beim Hotel Oberwirt in Gerlos sind wir losgestapft, um die einsame, beschauliche Seite des Zillertals zu erleben. Die Stille. Die verschneiten Berge. Die reine Luft. Endlich können wir so richtig durchatmen und die klare Wintersonne genießen. Unser Ziel - die Lackenalm im Schönachtal - rückt dabei langsam, aber stetig näher. Wir sehen sie schon aus der Ferne. Fast will es uns scheinen, als ob sich der Winterwanderweg, ein kleines Sträßlein, auf die gemütliche Jausenstation zubewege. Sie liegt auf etwa 1400 Meter und hat auch winters geöffnet, weil hier viele Langläufer Rast machen.

Unser Caravan steht in Aschau, dort haben wir auf dem komfortablen Campingplatz Aufenfeld Station gemacht, um von dort aus die Zillertaler Berge zu erkunden. Beeindruckt sind wir sofort von den Gegensätzen dieses Tiroler XXL-Tales gewesen - Pisten-Remmidemmi und Gletscherspaß auf der einen, Tradition und einsame Bergwelten auf der anderen Seite.

Zillertal - Natur pur mitten im Skigebiet

Gestern zum Beispiel: In Ginzling, einem sehr traditionell gebliebenen Bergdorf im Hochgebirgs-Naturpark Zillertaler Alpen, besuchten wir nach einem ausgiebigen Spaziergang das Naturparkhaus - und die Welt der Einkehrschwünge und Antons aus Tirol war plötzlich ganz weit weg. In Ginzling kann man sich nämlich diesen Winter in der Ausstellung „Gletscher.Welten“ mit so bewegenden Fragen wie „Wo liegen die Alpen in einer Million Jahre?“ beschäftigen. Da schmelzen so manche kleine Alltagsprobleme schnell dahin…

Direkt oben am Hintertuxer Gletscher denkt darüber in diesen Tagen trotzdem niemand nach. Hier geht es vor allem darum, immer schön in Bewegung zu bleiben, denn es ist kalt, um genau zu sein: geradezu irre kalt. Minus 30 Grad zeigt das Thermometer, als wir am nächsten Tag oben auf 3250 Meter Höhe ankommen.

Vielleicht hätten wir einen anderen Tag für unseren Programmpunkt „Gletscherskifahren in Hintertux“ auswählen sollen, aber nun ist es zu spät, und was soll es auch: Faszinierender ist die Hochgebirgswelt vielleicht sogar bei diesen Wetterverhältnissen: Dramatische Nebelformationen kämpfen mit einer milchigen, nur in der Ferne zu erahnenden Sonne um die Vorherrschaft am Himmel. Die Pisten an der Gefrorenen Wand liegen in einem geradezu unwirklichen, indirekten Licht, das einen fast ein bisschen trunken und überschwänglich macht.

Bei gutem Wetter könnten wir von hier aus wunderbar auf die Dreitausender um uns schauen, heute herrscht eher partielle Wolkenfinsternis. Wir müssen uns wohl mit dem erstklassigen Pulverschnee auf den Pisten darüber hinwegtrösten. Und so sausen wir leicht beschickert vom wechselnden Licht der Berge die Hänge hinunter. Und beschließen den Tag mit einer Besichtigung des Natur Eis Palastes. Das ist eine natürliche Gletscherspalte, von der 40 Meter als Höhlenrundgang freigegeben sind - atemraubende 25 Meter unter der Skipiste!

Was für eine verdrehte Welt ist das hier oben eigentlich? Da der Gletscher in Österreichs einzigem Ganzjahres-Skigebiet um bis zu 40 Meter jährlich wandert, müssen sogar immer wieder einmal die Liftmasten, die auf dem Gletschereis stehen, verrückt werden. Kein Witz.

Weil’s am Gletscher doch ziemlich kalt ist, wedeln wir die meiste Zeit in der Zillertal Arena oder in der Skiregion Hochzillertal-Hochfügen die Pisten hinunter - Aschau liegt zwischen beiden Gebieten, und es gibt kostenlose Skibusse.

Ein Skipass für das gesamte Zillertal

Mit unserem SuperSkipass „10 in 14“ können wir an zehn Tagen unseres Urlaubs im im gesamten Zillertal Ski fahren. Alle Skigebiete bieten, was unser Herz begehrt: vorwiegend mittelschwere Pisten, an jeder Ecke gemütliche oder auch superschicke Hütten wie das Bistro im neuen „Freiraum“ auf dem Ahorn in Mayrhofen. Eine feine Urlaubserinnerung ist das „SkiMovie“: in der Zillertal Arena gibt es drei Strecken, auf denen sich Skifahrer filmen lassen können. Das Video steht abends kostenlos zum Download bereit.

Unser Wahlabo-Skipass ist genau das Richtige, denn man hat auch noch Zeit für Unternehmungen abseits der Piste: für entspannte Langlauftouren ganz in der Nähe, die Sauna auf dem Campingplatz, für die herrlich große Erlebnistherme in Fügen oder eben für unsere kleine Winterwandertour zur Lackenalm.

Dort hocken wir nun in der guten (und sehr urigen) Stube bei Erbsensuppe mit Würstchen. Vor unserem Fenster liegt ein einsames, weißes Hochtal mit ein paar Heuhüttchen. Ein Bild, das große Ruhe ausstrahlt. Die überträgt sich allmählich auf uns. Und wir beschließen: Heute müssen wir rein gar nichts mehr vorhaben. „Bitte noch einen Kaiserschmarrn!“ Den Rückweg treten wir erst an, wenn die Sonne sich den Bergspitzen nähert.

Foto

Joachim Negwer, Aschau, Tux, Zell, Bernd Ritschel, TVB Mayrhofen, Paul Sürth, Zillertal Tourismus

Datum

12. Dezember 2013
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