Jeep mit Caravan auf der Assietta-Kammstraße 27 Bilder Zoom

Offroad-Tour Assietta-Kammstraße/Italien: Mit dem Jeep und Lapp-Trailer nach Sestiere

Es gibt zwar einfachere und schnellere Wege zum italienischen Skiort Sestriere als über die unbefestigte Assietta-Kammstraße. Dennoch haben wir mit Jeep und Lapp-Trailer das Offroad-Abenteuer gewagt. Ein Selbstversuch.

Finestre und Assietta sind zwei Schwestern, die schon so manchem Naturburschen den Kopf verdreht haben. Ja, es kann einem schon schwindelig werden beim Anblick der beiden schmutzigen Schönheiten, die sich so verführerisch in den Bergen des Piemont räkeln.
Nicht nur Geländewagen- und Motorradfahrer erliegen in Scharen den Sirenenrufen dieser beiden unbefestigten Passstraßen. Auch Rennradfahrer auf der Suche nach dem Doppel-Kick schinden sich und ihr zartbereiftes Material ihre steinigen Flanken hinauf.

Unser Material wurde dagegen geschaffen für Herausforderungen wie diese. Dem neuen Lapp-Expeditions-Trailer 340 sieht man das auch auf den ersten Blick an. Der Jeep Cherokee Trailhawk dagegen verbirgt seine wahres Ich gekonnt unter einer im Windkanal geglätteten SUV-Karosserie, die von größeren Rädern auf Abstand zum steinigen Geläuf gehalten wird. Eine Geländeuntersetzung und spezielle Offroad-Fahrprogramme sorgen dafür, dass der Cherokee seinen Ahnen keine Schande macht.

Der Stammbaum des Jeep reicht ins Jahr 1941 zurück. Aber auch bei der Entstehung der beiden Pässe Colle delle Finestre und Colle dell’ Assietta war Krieg die Triebfeder: am 19. Juli 1747 tobte in ihrem Verlauf die letzte erbitterte Schlacht zwischen Frankreich, dessen Verbündetem Spanien und Sardinien-Piemont.

Zuletzt gekämpft wurde in der Region allerdings im Jahr 2006 – und zwar um olympische Medaillen. Unser Zielort Sestriere war Austragungsort der meisten alpinen Skiwettbewerbe, das ehemalige olympische Dorf wird heute noch als eine Art riesiges Jugendhotel betrieben.
Ansonsten ist die staubige Piste von Susa nach Sestriere wahrscheinlich einer der besseren Gründe, dem Skiort im Sommer, wenn Hotelburgen und die umliegenden Fast- und Über-3000er ihre im Winter geschlagenen Narben offenbaren, einen Besuch abzustatten.

Morgens um halb zehn starten wir in Susa die Motoren. Säuselnd läuft sich der V6 des Cherokee Trailhawk warm, an dessen Anhängekupplung der Offroad-Caravan hängt, nagelnd der 2,8-Liter-Diesel des Jeep Wrangler Unlimited Rubicon, der als Begleitfahrzeug mit von der Partie ist.

Der Abzweig zum Colle delle Finestre ist gut ausgeschildert. Noch vor dem Ortsende von Susa steigt das einspurige Teersträßchen steil an – Autos und Fahrer sind sofort auf Temperatur, so eng windet es sich empor. Die Besatzung des rustikalen Lang-Wrangler muss hier und da sogar zurücksetzen. Das Gespann dagegen profitiert vom kleinen Wendekreis des Cherokee und der geringen Außenbreite des Lapp-Trailers. Ein Holzbogen mit "Colle delle Finestre"-Gravur und eine große Hinweistafel markieren den Einstieg ins asphaltlose Abenteuerland, in dem klare Regeln gelten: 30 km/h Höchstgeschwindigkeit, Überholverbot und andere, eher auf Umwelt- denn Motoristenschutz gemünzte Erlasse. Auch das durchgestrichene Zelt spricht eine deutliche Sprache. Wir akzeptieren das, nehmen den Caravan aber trotzdem mit auf unsere Staubtour. Schließlich wollen wir wissen, was geht.

Und was nicht alles geht! Besonders faszinierend ist, wie feinfühlig die Parabelfedern des Trailers auf die zerfurchte Piste reagieren. Man kann das nicht nur von außen sehen, sondern vor allem von innen fühlen: Der Fahrkomfort im Cherokee wird vom Anhänger kaum beeinflusst. Nicht einmal, wenn er sich in tiefen Querrillen so aufschaukelt, dass ein Rad kurzzeitig den Bodenkontakt verliert, macht man sich vorn im Jeep Sorgen.

Dem wiederum möchte man immer mal wieder anerkennend den Kotflügel tätscheln, wenn er den Anhänger unter Zuhilfenahme seiner Bits und Bytes und natürlich des starken Motors allürenfrei verblockte Schotter- und Geröllrampen emporzerrt. Ja, einige davon muss man bezwingen, wenn man den schönen Schwestern von Susa nach Sestriere folgen möchte. Das Erlebnis ist jeden Tropfen Sprit und jedes der mehlfeinen Staubkörner wert: Bis auf 2567 Meter schraubt sich die kurvige Piste, gönnt, weil sie eine Kammstraße ist, grandiose Ausblicke zu allen Seiten.

Wer den Colle dell’ Assietta mit dem Offroader befahren will, kann den Caravan auf zwei einfachen Campingplätzen abstellen: Avigliana Lacs International Camping Park in 10051 Avigliana/Lago Grande, Via Giaveno, 23 und noch etwas näher auf dem Camping Gran Bosco in 10050 Salbertrand, SS24 del Monginevro km. 75.

Unbedingt beachten müssen alle Freunde des Schotterlebens, dass die Assietta-Straße bis 28. August mittwochs und samstags gesperrt ist. Bis zum 31. Oktober ist freie Fahrt. Die Traumstraße hat natürlich eine Internetseite: www.stradadellassietta.it informiert aktuell über den Straßenzustand.

Der Jeep Cherokee im Detail

Mit größeren Rädern, Geländeuntersetzung und Sperrdifferenzial an der Hinterachse ist der 48 000 Euro teure Trailhawk die geländegängigste Variante des Jeep Cherokee. Sie ist aber ausschließlich mit dem 200 kW (272 PS) und 315 Newtonmeter starken 3,2-Liter-V6-Benzinmotor erhältlich, für den Jeep 2,2 Tonnen Anhängelast freigibt. Entsprechend leicht tut sich der V6, der mit einer 9-Gang-Automatik gekoppelt ist, mit dem nur rund 750 Kilogramm schweren Expeditionstrailer. Auch ohne gesperrte Hinterachse sorgt die Elektronik für erstaunliche Traktion der Reifen – zumindest auf dem staubtrockenen Schotter der Assietta-Kammstraße. Den Normverbrauch des auf 180 km/h begrenzten Trailhawk gibt Jeep mit 9,6 Liter an, im Gespann dürfte er jedoch sehr deutlich darüber liegen.

Wer auf etwas Bodenfreiheit und eine Differenzialsperre verzichten kann, sollte den neuen 2,2-Liter-Turbodiesel wählen, den es in den Leistungsstufen 184 (nur für Ausstattung Longitude, ab 40 600 Euro) und 200 PS (Modell Limited, ab 45 900 Euro) gibt. Das Drehmoment erreicht bei beiden 440 Newtonmeter, verwaltet und bedarfsgerecht an alle vier Räder geschickt wird es von einer 9-Gang-Automatik. 2495 Kilogramm Anhängelast resultieren aus diesen Eckdaten. Standard ist der "Active Drive I"- Allrad. Für mehr Geländetauglichkeit bürgt das "Active Drive II"-System (Aufpreis 1700 Euro), bei dem eine Geländeuntersetzung samt 25 Millimeter erhöhtem Fahrwerk geliefert werden.

Angenehme Platzverhältnisse vorn und hinten, ein dank verschiebbarer Rückbank von 591 auf 714 Liter erweiterbarer Laderaum (umgeklappt 1267 Liter Volumen) und eine Zuladung von rund 500 Kilogramm stehen auf der Habenseite des Amis mit italienischem Diesel. Weiterhin im Angebot bleibt der Zweiliter mit 140 PS und Vorderradantrieb, der 1800 Kilogramm schleppen darf und ab 31 900 Euro zu haben ist. Die Anhängevorrichtungen werden beim Händler montiert und kosten mit Elektrosatz rund 1000 Euro. Die Stützlast beträgt 125, beim Trailhawk 110 und beim Fronttriebler 90 Kilogramm.

Der Unerschütterliche

Der neue Expeditions-Caravan von Volker Lapp verblüfft durch enormen Federungskomfort und überzeugt durch die durchdachte Konstruktion.

Ein weich gefedertes Fahrwerk gehört zu den wichtigsten Komponenten eines Geländecaravans. Der neue Lapp-Expeditions-Trailer 340 ist dafür Beweis und Plädoyer zugleich: Er rüttelt offroad weniger am Auto als jeder Seriencaravan auf einer normalen Straße.

Auf dem Laser geschnittenen, mit Parabelfedern, Stoßdämpfern, gebremster Knott-Achse und geschraubter Deichsel garnierten und zudem höhenverstellbaren Chassis sitzt eine Kabine, die wahlweise aus Monopan oder einem GfK-PU-Schaum-Sandwich besteht. Monopan (Infos unter www.wihag-composites.de) ist bieg- und sogar schweißbar, dämmt aber schlechter als PU-Schaum. Das Fahrwerk mit Leerkabine (ab 16 900 Euro) wiegt rund 630 Kilogramm.

Die Innenausstattung der mindestens 29 900 Euro teuren Standardversion erfolgt mit lasergeschnittenen Mehrschichtholz-Komponenten samt kratzfester HPL-Laminatbeschichtung. Die Ausstattung umfasst eine Sitzecke, die sich zur Liegefläche umbauen lässt, einen absenkbaren Tisch und eine Küchenzeile mit Spüle, Gasheizung und Gaskocher. Gegen Aufpreis ist der Schlafdach-Wagen (ab 36  900 Euro) mit Kühlbox, Solarmodul, Trockenbatterie, sowie Toilette zu haben. Der Lapp-Trailer ist zirka 4,95 Meter lang, 1,90 Meter breit und 2,30 Meter hoch. Das zulässige Gesamtgewicht beträgt 1400 Kilogramm – eine Auflastung bietet Volker Lapp nicht an, um das Konzept nicht zu verwässern. Er gibt seinen Namen nur für Dinge, hinter denen er steht. Gebaut wird der Trailer in Deutschland. Infos: Telefon 0 61 88/95 14 00 oder im Internet unter www.tc-outdoor-concept.de.

Offroad-Caravans und Zeltanhänger

3Dog Camping
Die Manufaktur aus Hamburg gehört zur Erwin Hymer Group und hat sich auf hochwertige und teure Faltcaravans spezialisiert. Zwei Zeltformate sind mit dem „Offroader“-Anhänger kombinierbar, der wiederum mit fast allen Rad-/Reifenkombinationen sowie einer Nato-Öse ausgestattet werden kann. Die Preise beginnen bei 11 840 Euro. Infos: www.3dogcamping.eu

Mission Trailers
Aus Australien importiert die Firma Cross Country Trailers aus Aspisheim die Mission Trailers. Sie sind komplett ausgestattet und werden in Deutschland auf europäische Standards (Bremsen, Elektrik, Beleuchtung) umgerüstet. Außerdem verkauft die Firma die südafrikanischen Metalian-Trailers. Mehr Bilder und Infos im Netz unter www.cc-trailers.com

Brechtel
Aus einem Eriba Touring macht die Firma Brechtel Mobile Technology einen hochbeinigen Offroader. Der rund einwöchige Umbau kostet inklusive Vor-Ort-Eintragung beim TÜV 1495 Euro und umfasst die Höherlegung um 90 Millimeter, Reifen der Größe 30 x 9,5 R15 MT, Stahlfelgen und das Nacharbeiten der Radhäuser. www.exclusiv-caravan.de

Campwerk
Inspiriert von Vorbildern aus Australien bietet auch Campwerk ein modulares System aus zwei Zeltgrößen und drei Anhängern an. Unter anderem einen Offroad-Hänger, der mit dem kleinsten Zelt (Economy) ab 9828 Euro zu haben ist. Auch hier kommen mit Zubehör noch einige hundert Euro dazu. Mehr Infos unter www.campwerk.de

HoltKamper
Der Klassiker aus Holland hat nichts von seiner Faszination eingebüßt. Vor allem, weil sich die Grundmodelle in unter einer Minute aufstellen lassen sollen. Die Modelle Cocoon und Astro sind auf einem leichten Offroad-Chassis mit 16-Zoll-Felgen lieferbar, Damit wiegen sie in der Basisversion nur 280 respektive 310 Kilogramm. Alles zu den Kombinationsmöglichkeiten unter www.holtkamper.de

Fendt Bianco Selection 465 SFB: Ingo Werner

Autor

Foto

Thomas Starck, Ingo Wagner

Datum

4. Oktober 2015
Dieser Artikel stammt aus Heft CARAVANING 09/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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