Änderungen im Fährenbetrieb: Mittelmeer-Fähren

Camping an Bord setzt auch in dieser Saison die Akzente bei den Fährverbindungen nach Sardinien und Griechenland.

Abschied nehmen heißt es in diesem Jahr von drei lieb gewordenen alten Damen. Die Linea dei Golfi, unter Caravanern gut bekannt für die Camping-an-Bord-Verbindung von der Toskana nach Sardinien, wird im Laufe dieser Saison ihre drei Schiffe auf der Route Piombino–Olbia ersetzen: Die Überfahrt auf dem offenen Campingdeck gehört damit bald der Vergangenheit an. Einen Grund zum Trauern gibt es dennoch nicht, denn die Reederei wird in diesem Jahr mit der „Golfo Aranci“ und der „Golfo degli Angeli“ zwei Neubauten in Dienst stellen, die das Camping an Bord auch auf den Kurzstrecken im westlichen Mittelmeer am Leben erhalten. Die Schiffe sind 186 Meter lang und können außer 150 Autos auch 130 Wohnwagen-Gespanne und Reisemobile an Bord nehmen. Und, wichtiger noch, vom 1. April bis zum 31. Oktober ist auch hier Camping an Bord möglich, allerdings in der neueren Variante. Ähnlich wie bei den modernen Schnellfähren auf den Routen von Italien nach Griechenland werden die beiden Fähren in erster Linie die Überfahrt auf einem großgaragenähnlichen Parkdeck ermöglichen, nur ein kleiner Teil der Fahrzeuge, so stellt es Lorenzo Marsano von der Reederei Lloyd Sardegna in Aussicht, steht wie bisher auf dem offenen Oberdeck. Dennoch haben die neuen Schiffe durchaus ihren Reiz, und der liegt nicht nur in der Aussicht, die teure Kabine sparen und die Nacht im eigenen Wohnwagen verbringen zu können. Tief unten im Bauch des Schiffes zu stehen bedeutet auch, der gelegentlich brütend heißen Sommersonne aus dem Weg gehen zu können. Zwei weitere Pluspunkte gibt es: den größeren Komfort durch Restaurants und Bars, Geschäfte und Spielbereiche für Kinder und die höhere Geschwindigkeit. Die Überfahrt von Piombino nach Olbia soll nur noch 6,5 Stunden dauern. Ein Preisbeispiel: Die einfache Deckspassage kostet auf dieser Route in der Hauptsaison tagsüber pro Person ab 18 Euro, nachts sind es wenigstens 23 Euro, ein Auto bis fünf Meter Länge schlägt bei der günstigsten Abfahrt mit 55 Euro zu Buche, ein sechs Meter langer Wohnwagen kommt auf mindestens 72 Euro. Je nach Saison können die Tarife auch deutlich steigen. Ähnlich wie bei den Fährverbindungen auf Nord- und Ostsee (CARAVANING 3/2004) bestimmen vor allem Abfahrtstag und Abfahrtszeit den Preis für die Überfahrt. Faustregel fürs Buchen: Unbeliebte Fahrtzeiten am frühen Morgen erweisen sich oft als Schnäppchen.

Sizilien-Urlauber dürfen sich über eine neue Variante freuen. Zusätzlich zu den Strecken von Genua und Palermo nach Neapel bieten die Grimaldi Lines/Grandi Navi Veloci eine neue Route von Rom aus an. Sommerurlauber und Einheimische zieht es speziell in den Sommerferien so zahlreich nach Sardinien und Sizilien, dass die Reedereien ihnen einen guten Rat nahe legen: rechtzeitig buchen, vor allem die begehrten Nachtfahrten. Auf den kürzeren Routen im westlichen Mittelmeer, nach Elba oder Korsika, ist dies nur an den heißen Reisewochenenden zu empfehlen. Wer nicht unbedingt am ersten Ferientag aufs Schiff rollen will oder muss, sondern flexibel mit Abfahrtstagen oder -zeiten sowie Fährhäfen und Reedereien jongliert, kann zwischen vielen Strecken und Tarifen wählen und findet auch kurzfristig einen Platz. Etwas anders schaut die Sache aus, wenn auch hier das Camping an Bord das Ziel der Wünsche ist. Die Moby Lines offerieren diese Variante auf der „Moby Rider“, einer Frachtfähre, die von Varco Galvani bei Livorno nach Sardinien fährt. Zwei Unterschiede gibt es zu den Linea dei Golfi: Das Angebot gilt nur für den Zeitraum vom 1. April bis zum 30. September, zugelassen sind nur Fahrzeuge mit Dieselmotor. Ein Preisbeispiel für die Hochsaison: Die Deckspassage kostet tagsüber ab 20 Euro pro Person, nachts ab 29 Euro und ab 56,50 Euro für einen bis zu fünf Meter langen Pkw. Der Tarif für den Caravan errechnet sich nach der Länge: Pro angefangenen Meter sind mindestens 14 Euro zu zahlen, macht bei einem Zwölf-Meter-Gespann 154,50 Euro. Bei einer Höhe über 2,20 Meter käme ein Aufschlag von 14 Euro dazu. Erfunden wurde das Camping an Bord im östlichen Mittelmeer. Heute kann es sich keine der großen Fährgesellschaften auf den Griechenland-Routen – Anek Lines, Blue Star Ferries, Minoan Lines oder Superfast Ferries – leisten, auf diese Offerte zu verzichten, die angesichts der viel längeren Überfahrtszeiten von Nord- oder Mittelitalien nach Korfu, Igoumenitsa oder Patras großen Zuspruch findet. Griechenland-Urlauber haben eine Reihe von Angeboten zur Auswahl. Grundsätzlich stehen sie vor der Frage, ob sie nur die kurze Fahrt über den Brenner antreten und sich schon in Triest oder Venedig einschiffen oder bis nach Ancona fahren und erst dort an Bord gehen.

Die dritte Variante ist vor allem etwas für Menschen, die der Seereise nicht viel abgewinnen können: Von Bari oder Brindisi in Süditalien geht es in wenigen Stunden nach Griechenland. Die Neuerungen für diese Saison sind gering. Wichtigste Veränderung: Die Blue Star Ferries haben die Verbindung von Venedig nach Patras eingestellt, die Minoan Lines betreiben diese Strecke aber nach wie vor. Die Spielregeln für das Camping an Bord sind hingegen gleich geblieben. Caravaner und Reisemobilfahrer buchen für sich nur die günstige Deckspassage und dazu noch einen Platz im Campingdeck für Gespann oder Reisemobil. Auf der beliebten Schnellstrecke von Ancona nach Patras kostet die einfache Deckspassage bei den Minoan Lines 57 Euro pro Person, in der Hauptsaison steigt der Preis über 59 bis auf 79 Euro. Der Tarif für das Gespann richtet sich bei dieser Reederei ausschließlich nach der Länge. Pkw bis 5,50 Meter Länge schlagen sich bei der einfachen Fahrt mit wenigstens 123 Euro in der Urlaubskasse nieder. Zu Spitzenzeiten können es auch 216 Euro sein. Und dazu kommt auch noch der Zuschlag für einen Wohnwagen. Bei 5,50 Meter zieht die Reederei die Grenze: Kürzere Caravans werden mit 123 Euro berechnet, Wohnwagen bis 7,50 Meter Länge kosten je nach Saison zwischen 200 und 292 Euro, jeweils für die einfache Fahrt. Eine Spezialität im Griechenland-Verkehr sind die diversen Rabatte. Wer gleichzeitig Hin- und Rückreise bei einer Reederei bucht, bekommt in der Regel einen Nachlass auf den Preis des Heimreisetickets von 30 Prozent. Auch Senioren sollten das Kleingedruckte in den Katalogen eifrig studieren: Die Anek Lines und die Minoan Lines offerieren ihnen einen zehnprozentigen Nachlass auf den Passagiertarif in allen Kategorien und Saisonzeiten. Eine Besonderheit dieser Reederei ist auch der „Dankeschön-Gutschein“. Wer dem Zahlmeister ein in Deutschland ausgestelltes Ticket vorzeigen kann, bekommt dafür einen Gutschein in Höhe von drei Prozent des Reisepreises, der an Bord für Speisen und Getränke ausgegeben werden kann. Ausgenommen davon sind allerdings Tickets, die ADAC-Reisebüros ausgestellt haben. Wem die ganze Rechnerei zu kompliziert ist, kann in ein Reisebüro gehen oder auf den Kollegen Computer hoffen. Im Internet helfen mittlerweile einige Buchungssysteme weiter. Die Betreiber der Websites www.faehren.info und www.ocean24.de bieten einen individuellen Service: Der Reisende kann seine Daten eingeben und bekommt dann einen genau berechneten Reise- und Routenvorschlag für seine Überfahrt, zum Beispiel von Italien nach Griechenland.

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26. April 2004
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