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Reise-Tipp Lausitzer Seenplatte: Reise in die Zwischenzeit

Schwarz zu blau In der Lausitz entsteht derzeit die größte künstliche Seenlandschaft Europas. Als Urlauber kann man den Wandel vom Braunkohlerevier zum Freizeitparadies live erleben.

Die Seebrücke sitzt auf dem Trockenen. Und sie sieht auch nicht aus wie ihre Schwestern an der Ostsee. Dieser Bootsanleger in spe ist das Bauteil eines Abwurf-Auslegers des Absetzers vom Typ A2Rs. In einiger Entfernung kräuselt sich das Wasser des zukünftigen Großräschener Sees ein wenig im Wind. Man steht auf dem Stahlkoloss und staunt über so viel Exotik, hier, zwischen Berlin und Dresden: urzeitlich gefaltete, schwarzbraune Bergrücken, ferne Steilküsten, sandige Inseln, deren Größe von der Bagger-Brücke aus kaum auszumachen ist, weil diese Landschaft so gar nichts für unser Auge Messbares bietet. Dazu ein sehr weiter, blauer Horizont.

Betreten darf man das alles noch nicht, denn der ehemalige Tagebau Meuro ist noch in Flutung, und keiner weiß, ob die Ufer schon tragen. Aber alles wird schon vorbereitet für das zweite, hoffentlich schönere Leben dieses Sees, das in fünf bis zehn Jahren richtig beginnen kann. Ein Hang mit Wein ist am Ufer gepflanzt, die Pläne für eine Marina mit blendend weißen  Ferienhaus-Kuben kann man in einer Computersimulation bewundern.

Und oben am Hang sind vor einigen Jahren die mit dem Brandenburger Architekturpreis ausgezeichneten IBA-Terrassen entstanden - die „Die Welt“ einmal als „ungewöhnlichste Zivilisationskante der Welt“ bezeichnet hat. Dort wird schon jetzt Tourismus geübt. Würstchen und Steaks liegen auf dem Holzgrill, es gibt ein kleines Café, ein Besucherzentrum und das Büro von „iba-tours“, das organisierte Touren rund um den Großräschener See anbietet.

Der Braunkohletagebau hat der Region und ihren Menschen viel angetan - viele Quadratkilometer Natur und ganze Dörfer verschwanden von der Landkarte -, aber er hat auch lange Zeit für einen bescheidenen Wohlstand gesorgt. 23 Seen entstehen nun, schmerzlicherweise natürlich genau dort, wo einst Siedlungen abgebaggert wurden. Einige, wie der Senftenberger See, der Bärwalder See und ganz neu Geierswalder und Partwitzer See, sind schon in Badeparadiese verwandelt. Rundherum gibt es asphaltierte Rad- und Skaterwege, die frisch eingeweihte Seenlandroute führt über 180 Kilometer durch die junge Tourismusregion.

Architektonisch interessante Häfen wurden errichtet, etwa am Senftenberger See. Und auch für avantgardistische Wasser-Architektur will das Lausitzer Seenland Spielwiese sein - die Internationale Bauausstellung Fürst-Pückler Land, die das Logo „see“ hat, initiierte zwischen 2000 und 2010 spannende Projekte: So schwimmen im Geierswalder See zwei coole Ferienhäuser im Wasser. Über den Sedlitzer See soll ein schwimmender Steg führen.

Schwarz zu blau

Braunkohlegruben zu Seen - eine andere Zukunft als im Tourismus werden sie hier am äußersten Zipfel von Brandenburg und Sachsen nicht finden. Und: Obwohl so viel zerstört worden ist, in den vom Tagebau zurückgelassenen Brachen entstand auch eine einzigartige Flora und Fauna. Seltene Vögel wie Brachpieper, Heidelerche, Raubwürger sind dort heimisch, der Seeadler brütet wieder im Seenland. Einige Flächen sind deshalb schon jetzt streng geschützt. Man merkt schnell: Spannend ist das hier, obwohl man noch jede Menge Fantasie braucht, um den Wandel der Landschaft vorauszusehen.

Die Highlights derzeit:

  • 1. Baden und Radeln - die Wege direkt am Wasser bieten Aktivurlaubern ein wunderbares Betätigungsfeld für ein verlängertes Wochenende. Es gibt schöne Campingplätze mit Strand und Seezugang.
  • 2. Energie erleben - in Lichterfeld kann man einen Spaziergang auf der stillgelegten, größten Förderbrücke der Welt F60 unternehmen. In Knappenrode gibt es eine Brikettfabrik, in der alles noch so aussieht wie 1993, als die letzte Schicht das Werk verließ. Und in Welzow-Süd, wo Vattenfall heute Braunkohle im Tagebau abbaut, kann man Grubentouren buchen.

Die Sitzpodeste am Stadthafen in Senftenberg hat ein Halbwüchsiger eben zum Sprung ins Wasser genutzt, seine Kumpels johlen, als der Junge in Jeans und T-Shirt aus dem See klettert. Die anderen Besucher sonnen sich lieber, dampfen mit der „Santa Barbara“ übers Wasser oder trinken im „Pier 1“ Kaffee. Der Hafen verbindet Senftenberg endlich mit dem See. Der wurde schon vor 40 Jahren geflutet und ist längst zur Badewanne der Einheimischen wie der Dresdner geworden.

Hier kann man sich vorstellen, wie das Lausitzer Seenland in 20 Jahren aussehen wird. Was für eine Lebensqualität! An Sandstränden spielen Kinder. Etwas weiter chillen Jugendliche auf ausgedehnten Wiesen. Schilf wächst am Ufer. Man radelt durch Kieferalleen, dann durch eine herrlich grüne Birkenalle. Egal, wer hier vor Jahrzehnten die Bäume so ordentlich sortiert gepflanzt hat – entstanden ist mit der Flutung der einstigen Braunkohlegrube Niemtsch ein See, dem man längst nicht mehr ansieht, dass er einst eine klaffende Wunde schloss. Die Narben der Lausitz werden allmählich heilen.

Sorben & Krabat

Zweisprachige Straßenschilder weisen schon auf den ersten Blick darauf hin, dass in der Lausitz verschiedene Kulturen miteinander leben. Die Sorben sind in der Region schon seit dem 6. Jahrhundert heimisch. Als Zentren ihrer Kultur gelten Bautzen und Cottbus. Bei Festen kann man sorbische Traditionen und Trachten noch erleben. Tipp: In Schwarzkollm, einem Ortsteil von Hoyerswerda, steht die Mühle, in der der sorbische Zauberer Krabat gewirkt haben soll. www.krabatmuehle.de

Alle Infos, Campingplätze und Sehenswürdigkeiten im Überblick, finden Sie auf der nächsten Seite.

Foto

Christiane Würtenberger (8), Tourismusverband Lausitzer Seenland (4/Matthias Knoch, Nada Quenzel, Kathrin Winkler, Energiefabrik Knappenrode/Rico Hofmann, Berwig, Familienpark, Andreas Schultz

Datum

23. Juli 2013
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