„Five Fingers“-Plattform am Krippenstein 24 Bilder Zoom

Mit dem Caravan zum Dachstein in Österreich: Zwischen Himmel und Erde in der Steiermark

Diese wundervolle Campingreise mit dem Caravan umfasst spektakuläre Panorama-Plattformen, kreative Handwerker und Kaiserseligkeit: Rund um den Dachstein passt das alles tatsächlich unter einen Hut.

Wolkenfetzen jagen um die grauen Zacken des Dachstein-Massivs. Auf der Dachplattform der Ramsauer Gletscherbahn weht einem die frische Brise um die Nase, in den Ohren knackst es, wenn die Gondel in sechs Minuten zum Hunerkogel hinaufsaust. 2700 Meter Höhe, Zacken und Zinnen rahmen ein Gletscherfeld ein, auf dem im Sommer Skifahrer ihre Schwünge ziehen – das wäre eigentlich schon spektakulär genug, doch der Nervenkitzel beginnt erst. Am Dachstein macht man die Bergwelt für die Gäste noch "erlebbarer", indem man sie auf stählerne Panorama-Plattformen über gähnende Abgründe hinauslockt.

Hoch hinaus in der österreichischen Bergwelt

"Treppe ins Nichts" heißt das jüngste der schwindelerregenden Abenteuer an der steirischen Südseite des Gebirges. Zuerst betritt man eine 100 Meter lange Hängebrücke, die mit Bolzen, Zement und Drahtseilen im Kalkgestein verankert ist. 250 Kilometer pro Stunde starken Wind hält sie angeblich aus – doch wenn der stählerne Wurm zu schwanken beginnt, helfen auch die Versicherungen der Erbauer nichts! 14 Stufen geht es hinab auf eine scheinbar im Nichts schwebende Plattform. Das Bauchgefühl sagt nein. Doch dann setzen sich die Beine in Bewegung, und ein Gefühl der Leichtigkeit stellt sich ein – solange man nicht durch den gläsernen Boden in die Tiefe blickt…

Nervenkitzel hält Österreichs imposantestes Bergmassiv auch im Norden bereit. Die riesigen Höhlen im Inneren des Karststocks sind allesamt für Besucher erschlossen. Bäche gurgeln durch die Koppenbrüller-Höhle, gigantische Eiszapfen und Eisvorhänge pflastern den Parzival-Dom in der Rieseneishöhle. Mit der Obertrauner Dachsteinbahn geht es weiter zum Krippenstein, wo sich beim Pionierkreuz fünf Metallstege über den Abgrund hinausschieben. An jedem wartet ein Adrenalinschub. Der barocke Bilderrahmen auf dem Steg links bietet sich für ein Erinnerungsfoto an. 1500 Meter tiefer leuchtet der Hallstätter See dunkel wie Tinte. Die Boote auf dem See, die Häuser von Hallstatt – alles auf Spielzeuggröße geschrumpft.

Auch Hallstatt verfügt über eine Panorama-Plattform. Am Rudolfsturm schiebt sich der 2013 eröffnete "Welterbeblick"-Zacken in die Lüfte hinaus und erschließt einen Direktblick in den 360 Meter tiefer gelegenen Ort, der seine Existenz einem bereits vor 7000 Jahren entdeckten Salzvorkommen verdankt. Dicht drängen sich auf der schmalen Landzunge die blumengeschmückten Häuser aneinander. Der Platzmangel hat die Hallstätter erfinderisch gemacht. Die Gebeine ihrer Toten holten sie nach 15 Jahren aus der Erde und brachten sie im Beinhaus unter. Mini-Gärten und Spalierbäume, die an Hauswänden hochgezogen werden, erfreuen das Auge. Kunstvoll geschnitzte Veranden und sonnengeschwärztes Holz setzen Akzente. Am besten lässt man sich auf der Terrasse des Bräugasthofs Lobisser oder beim Seewirt Zauner nieder, bestellt eine Reinanke frisch aus dem See und lässt das Dachstein-Gesamtkunstwerk auf sich wirken.

Schon die alten Meister wussten die Seen zu schätzen

Noch vor den Touristen zog dieses im 19. Jahrhundert die Künstler in Massen an. Im Hallstätter Echerntal bannten Biedermeier-Maler die dramatischen Berg-See-Wald-Kontraste auf Leinwand, rund um den Altausseer See und den Grundlsee gaben sich Literaten und Komponisten die Klinke in die Hand. Jakob Wassermann, Johannes Brahms und Gustav Mahler sind nur einige der Namen, denen man auf den Themenwegen im steirischen Salzkammergut begegnet.

In Bad Ischl feiert hingegen die Kaiserseligkeit fröhliche Urstände. Konterfeis von Kaiser Franz Joseph, der 60 Sommer in dem oberösterreichischen Kurstädtchen verbrachte, grüßen aus den Auslagen. Die Kurapotheke bringt "Sisi Veilchen Ziegenmilch Seife" und weitere kaiserliche Beauty-Specials unters Volk.

Süße Versuchungen und bunte Feste

Und dann ist da natürlich noch die Kaiservilla. Wie unter einer Zeitglocke hat die einstige Sommerresidenz, wo der greise Monarch 1914 nach dem Attentat von Sarajewo die Kriegserklärung an Serbien unterzeichnete, die Zeiten überdauert.

Gewürzt mit einer Anekdote klingt die Visite im Süßspeisen-Schlaraffenland des "Ehem. k.u.k. Hofzuckerbäcker" Zauner aus. Ab den 1880er Jahren pflegte Franz Joseph ein "Gspusi" – eine Liebschaft – mit der Schauspielerin Katharina Schratt. In aller Früh spazierte er hinüber zur "Schratt-Villa", wo ihn seine "liebe Freundin“ mit einem Gugelhupf erwartete. Aus Angst, die Mehlspeise könnte einmal misslingen, hielt Zauner stets ein Reserve-Exemplar bereit. "Heute bieten wir den Kaisergugelhupf rund um den Kaisergeburtstag an", erzählt Geschäftsführerin Hilde Müllegger.

Apropos: An jenem Tag, dem 18. August, kulminiert Ischls Kaiserseligkeit in einem Mega-Fest. Auf Hüten wippen Gamsbärte, im Sonnenlicht blitzen polierte Messingknöpfe und Orden, Abordnungen von Traditionsregimentern schreiten wichtig auf und ab, die Deutschmeister in Blau, die Südtiroler Schützen in Rot – die Kaiserhymne erklingt. Man könnte glatt meinen, die Donaumonarchie feierte für einen Tag eine Auferstehung.
Noch bis in den Oktober hinein steht Bad Ischl dieses Jahr ganz im Zeichen der Oberösterreichischen Landesgartenschau. Unter dem Titel „Des Kaisers neue Gärten“ werden der Kurpark und der Kaiserpark in Blumenpracht getaucht.

Unübertroffen in dieser Hinsicht ist das Narzissenfest im Ausseerland. Beim schönsten Frühlingsfest Österreichs dreht sich alles um die wild wachsende Sternnarzisse, die die Wiesen zwischen Dachstein, Loser und Totem Gebirge Ende Mai in ein duftendes Blütenmeer verwandelt. Die Wahl zur Narzissenkönigin, Trachtenumzüge und der Narzissenlauf rund um den Altausseer See steigern die Vorfreude auf den großen Blumenkorso, bei dem meterhohe Narzissen-Kunstwerke öffentlich präsentiert werden. Heimlich spazierte Kaiser Franz Joseph zur Schratt-Villa, wo ihn seine „liebe Freundin“ mit einem Gugelhupf erwartete.

Foto

Stefan Spath, Wolfgang Stadler/STMG, Narzissenfestverein

Datum

20. Juli 2015
Dieser Artikel stammt aus Heft CARAVANING 07/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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