Praxis-Tipp Strom im Caravan: Ohne Strom geht nix

Fernseher, Navigationssystem, Innenraumbeleuchtung oder auch nur die Steckdose – alle brauchen das Lebenselixier Strom. Hier erfahren Sie, wie Sie den Energiehaushalt optimal in den Griff bekommen.

Ohne Strom geht im Reisemobil heute gar nichts mehr. Die Wohnkabine ist mit elektrischen Geräten und Lampen gespickt. Elektronisch gesteuerte Satelliten-Anlagen holen das Fernsehprogramm auf Knopfdruck vom Himmel. Selbst moderne Gasheizungen machen ohne Strom keinen Mucks mehr. Der Elektrik-aufwand in einem Reisemobil ist deshalb inzwischen meist größer als bei einer Hausinstallation.

Schon ein Alkovenmobil der preisgünstigsten Klasse bietet seinen Passagieren nicht nur einen, sondern mindestens zwei Stromkreise. Alle fest installierten Geräte oder Lampen ziehen ihren Strom aus der Bordbatterie, die mit einer Spannung von zwölf Volt arbeitet. Über Steckdosen lassen sich im Normalfall weitere Zwölf-Volt-Geräte anschließen. Parallel zur Schwachstromversorgung existiert eine 230-Volt-Anlage. Sie stellt über die Außensteckdose den Kontakt mit dem öffentlichen Stromnetz her. Eine Verbindung mit dem Zwölf-Volt-Netz besteht nur über das Ladegerät des Reisemobils.

Genau genommen ist die über die Starterbatterie versorgte Zwölf-Volt-Anlage des Basisfahrzeugs ein eigenständiges drittes Netz. Sie wird zwar meist vom Ladegerät der Bordbatterie geladen, ist aber durch ein Trennrelais als Stromlieferant vom Bordnetz abgekoppelt. Ohne diesen Pförtner könnten sich Fernseher und Co. so lange an der Fahrzeugbatterie bedienen, bis irgendwann der Strom zum Starten nicht mehr ausreichen würde.

Im Normalfall kann man als Reisemobilist davon ausgehen, dass die Elektrik im Basisfahrzeug gut organisiert ist und einen unterwegs nicht im Stich lässt. Wenn man sie richtig pflegt. Ein elektrisches Netz, egal, ob zwölf oder 230 Volt, gliedert sich in Stromerzeugung, -speicherung und -umwandlung, im letzten Fall spricht man landläufig vom Verbraucher. Verbindende Elemente sind Verkabelung und einige Instanzen der Kontrolle und Sicherung. Zur Stromerzeugung dienen unterwegs die Lichtmaschine des Fahrzeugs, Solarpaneele, Windräder oder auch ein kraftstoffbetriebener Generator.

Außerdem besitzt fast jedes Mobil die erwähnte Außensteckdose, über die es Kontakt zum öffentlichen Stromnetz aufnimmt. Eine oder mehrere Bordbatterien übernehmen im Reisemobil das Speichern des Stroms. Je nach Aufgabenstellung können dabei verschiedene Batteriebauarten eingesetzt werden. Auf der Verbraucherseite unterscheidet man Festeinbauten wie Lampen, Kühlgeräte oder Trittstufen, allesamt in Zwölf-Volt-Technik. Dazu kommen externe Geräte wie Farbfernseher plus Sat-Antenne, Kühlboxen oder auch ein Reisestaubsauger, wahlweise mit Zwölf- oder 230-Volt-Versorgung. Im Camperbereich sind Geräte gebräuchlich, die sich per Schalter auf die jeweilige Spannung einstellen lassen.

Ein elektrischer Sonderfall sind die Wechselrichter, auch Inverter genannt. Diese Geräte formen aus Zwölf-Volt-Gleichspannung unter Verbrauch von Energie 230-Volt-Wechselstrom. Damit lassen sich Geräte betreiben, die sonst mit Netzstrom funktionieren. Normalerweise kauft man sein Reisemobil mit konfektionierter Elektrik und ist damit mal schlecht, mal recht bedient. Einige Reisemobilhersteller lassen dem Käufer beispielsweise die Option, wenn nötig eine zweite Bordbatterie oder ein stärkeres Ladegerät zu ordern. Bei Bedarf ist es auch von Fall zu Fall möglich, eine bestehende Anlage aufzurüsten. In allen Fällen sollte man als Reisemobilist mitreden können, zum Beispiel, wenn es um die Größe der Anlage geht. Schließlich bestimmen die Bedürfnisse der Passagiere den Bedarf.

Strom im Reisemobil ist eine sehr individuelle Sache, die sich aber ohne Probleme berechnen lässt. Als Reisemobilist weiß man selbst am besten, welche Stromverbraucher man verwendet und wie lange diese betrieben werden. Die Höhe der Leistungsaufnahme (in Watt) lässt sich direkt an den jeweiligen Geräten oder Lampen ablesen. Diesen Wert multipliziert man mit der zu erwartenden täglichen Nutzungsdauer und erhält eine Tagesleistungsaufnahme in Wattstunden (Wh). Die Leistungsaufnahme aller Verbraucher addiert ergibt den täglichen Energiebedarf des Reisemobils in Wattstunden. Diese Zahl ist allerdings ein theoretischer Wert. In der Praxis sollte man Einflussfaktoren wie Selbstentladung der Batterie, Leitungsverlust oder Ähnliches berücksichtigen. Dazu multipliziert man den Tagesbedarf mit einem Erfahrungswert, dem so genannten Sicherheitsfaktor. Bei Blei-Säure-Batterien beträgt dieser Faktor 1,7, bei Gel-Akkus lediglich 1,3. Genug der angewandten Physik.

Ist der Tagesbedarf ermittelt, kommt wieder eine individuelle Note ins Kalkül: der Wunsch nach Unabhängigkeit. Wer sicherstellen will, dass er auch bei schlechtestem Energienachschub mindestens drei Tage mit Strom versorgt wird, muss sich bei einem Tagesbedarf von 50 Amperestunden eine Gel-Batterie mit der Kapazität von 195 Amperestunden anschaffen. Die mobilen Stromerzeuger (Lichtmaschine, Solaranlage) können dieses Ergebnis genauso beeinflussen wie das Netz auf dem Campingplatz. Sie sollten auf Dauer gesehen auch all die kleinen Verbraucher wie LED, Sicherheitsventile und Ähnliches einkalkulieren. Auch die strapazieren die Batterie. Wenn Sie all diese Punkte im Griff haben, dann wissen Sie, wie viel Strom Sie für einen komfortablen Urlaub im Reisemobil brauchen.

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Datum

10. November 2003
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