Praxis-Tipp Tacho "eichen": Der Tacho eilt vor - die Fahrer schleichen

Sind wir bald zu Hause?“ Die Zurufe der jüngsten Mitreisenden aus den Isofix-Sitzreihen werden mit wachsender Fahrzeit fordernder; dabei liegt das Fahrtziel noch einige Autobahn-Kilometer entfernt.

Sind wir bald zu Hause?“ Die Zurufe der jüngsten Mitreisenden aus den Isofix-Sitzreihen werden mit wachsender Fahrzeit fordernder; dabei liegt das heimatliche Fahrtziel – zurück aus den Caravanferien – noch 600 Autobahn-Kilometer entfernt.

Hat unser Fahrer das deutsche Gespannlimit von 80 km/h zu beachten, schwitzt seine Feriencrew dann unter besten Fahrbedingungen – bei gleichmäßig gefahrenen 80 km/h – weitere siebeneinhalb Stunden im Auto. Mancher Caravaner benötigt für diese Distanz sogar noch bis zu einer Stunde mehr. Der einfache Grund: Weil der Tacho voreilt, also mehr Geschwindigkeit anzeigt, als effektiv gefahren wird, nutzt er das zulässige Tempolimit für sein Gespann unwissentlich überhaupt nicht aus.

Nicht aus Gründen der Fahrsicherheit ist die Voreilung vorhanden, sondern technisch bedingt – abhängig unter anderem vom Abrollumfang der Bereifung des Pkw, also der zurückgelegten Wegstrecke je Umdrehung des Rades; von ihr wird die Tachoanzeige direkt beeinflusst. So können selbst identische Reifengrößen von Typ zu Typ um bis zu 1,5 Prozent im Umfang wachsen oder bis zu 2,5 Prozent schrumpfen. Für die meisten der heutigen Autos stehen obendrein mehrere Reifengrößen mit unterschiedlichem Querschnitt und Abrollumfang zur Wahl, die eine zusätzliche Fehlanzeige bewirken können: Wird die Bereifung am Pkw kleiner, eilt die Tachoanzeige weiter vor; steht ihr Profil kurz vor der 1,6-mm-Verschleißgrenze, verstärkt sich dieser Effekt noch.

All das muss der Serientacho berücksichtigen. Seine Voreilung fängt die unterschiedlichen Gesamtübersetzungen, die sich per Bereifung aufdrängen, ab, wofür es natürlich auch eine Höchstgrenze gibt: Der Tacho darf niemals weniger als die effektive Geschwindigkeit anzeigen und niemals um mehr als ein Zehntel der effektiven Geschwindigkeit plus 4 km/h voreilen. Bei Tempo 50 wären das demnach bis zu 59 km/h, bei Tempo 80 bis 92 und bei Tempo 100 höchstens 114 km/h. So stark weichen heutige Tachos, analog oder digital anzeigend, zwar nur selten ab; manche zeigen sogar auf den Punkt genau an.

Doch wer beim ohnehin streng limitierten Gespanntempo nicht unnötig weitere Fahrzeit verbummeln will, sollte die mögliche Voreilung zumindest bei 80 und 100 km/h (per Sondergenehmigung, siehe Kasten auf Seite 60) kennen und deshalb testen. In den Kästen links steht, wie man’s macht. Beträgt die tatsächliche Geschwindigkeit bei Tacho 80 nur nur 74,1 km/h, verschenkt man etwa 6 km/h, kann also mit Tacho 86 fahren. Die gesparte Zeit für unser Feriengespann auf 600 Kilometer bei gleichmäßigem Fahrtempo – rein rechnerisch, versteht sich: fast 37 Minuten.

Es ginge sogar noch rascher: Für Tempoverstöße sieht die deutsche Polizei eine Bagatellgrenze vor: Ehe eine Geldbuße droht, reduziert sie die ermittelte Geschwindigkeit in der Regel um 3 km/h; war der solo fahrende Pkw oder das Gespann nach Abzug der Toleranz um weniger als 5 km/h über dem Limit, bleibt der Fahrer verwarnungs- oder bußgeldfrei. Ob er von der Freigrenze Gebrauch macht, liegt in seiner Verantwortung.

Fazit: Selbst ohne den Polizei-Bonus bei der Tempomessung ist zügiges Fahren im Gespann kein Geheimnis. Schon die mögliche Tachovoreilung bietet dazu Gelegenheit – mit doppeltem Nutzeffekt: Man verbummelt nicht unnötig Fahrzeit und beweist anderen Verkehrsteilnehmern um so eindringlicher, dass auch Caravangespanne durchaus flott unterwegs sein können.

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Datum

11. November 2004
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