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Ratgeber: Radwechsel am Caravan

Welche Rolle ist dem Zugwagen bei einem Radwechsel am Caravan zugedacht? Bleibt der Haken dran, oder spannt man erst ab? CARAVANING bietet Lösungen an.

Reifenpanne? „Kommt ja kaum noch vor.“ Glücklich, wer so sorglos denkt, denn irgendwann passiert’s eben doch: Nagel im Reifen oder Ventil undicht, vielleicht sogar ein kapitaler Reifenschaden, der sich oft über eine dicke Beule, begleitet von rumpelndem Ablauf, ankündigt. Auf einer schnurgeraden Autobahn könnte dem Fahrer der schleichende oder schlagartige Luftverlust am Caravanrad fatalerweise zunächst aber verborgen bleiben; ein kräftiger Zugwagen hält die Fuhre auch dann noch sauber in der Fahrspur. Erst beim Einlenken wird der Caravan ungewohnt stark schlenkern – Unfallgefahr. Darum der Tipp: Auch kleinste Hinweise auf verändertes Fahrverhalten ignoriert man nicht einfach, sondern stoppt bei nächster Gelegenheit und tritt einen Sicherheitsrundgang um das Gespann an.

Bei einem Reifenschaden ist dann spontaner Ersatz gefragt, denn pannenfeste Reifen wie an manchem Pkw („Runflats“) bleiben dem Caravan noch verwehrt, und der Kléber Protectis, der kleinere Löcher ohne weiteres Zutun repariert, ist vorerst nur in wenigen (65er und 60er) Größen erhältlich. Nachträglich eingefüllt wird das Latex-Dichtmittel Terra-S (www.terra-s.com), das Einstiche ebenfalls zuverlässig verplombt; das zehn Meter lange Kompressorkabel (von der Zugwagensteckdose zum Radventil) erspart beim Aufpumpen sogar das Abkuppeln und Heranfahren des Zugwagens an den Caravan. Die Flüssigkeit soll über mehrere hundert Kilometer (mit höchstens 80 km/h) abdichten, muss dann aber durch einen vollwertigen Reifen ersetzt werden, zumal sie auch Unwuchten verursachen kann. Bei größeren Reifenschäden hilft sowieso nur ein – gut mit Luft oder Gas gefüllter – Reserve-Pneu. Vor der sicheren Weiterfahrt steht dann zunächst der ungeliebte Radwechsel an – womöglich am ungeschützten Straßenrand. Gut, wer dafür die passenden Hilfsmittel zur Hand hat (siehe Kasten oben). Weiteren Handlungsbedarf sieht Leser Gerhard Fischer: „Wird der Wagenheber angesetzt, ohne dass der Zugwagen vorgekuppelt ist, führt dies nach meinen Erfahrungen zu einem gefährlichen Wegdriften des Caravans und damit zu unkontrollierten Bewegungen.“ Berechtigte Bedenken?

Die Caravanfirmen lassen dazu in ihren Betriebsanleitungen keine klare Linie erkennen: Abkuppeln, heißt es bei den einen, den Pkw angekuppelt lassen, empfehlen andere. Manche äußern sich gar nicht. Ohne Frage ist der einachsige Caravan ein labiler Zeitgenosse, der bei angesetztem Wagenheber nur auf einem Rad und seinem ungebremsten, nicht gegen Wegrollen gesicherten Stützrad balanciert. Ein „Stabilisator“ in Gestalt des Zugwagens kann also durchaus nützlich sein. Zur Probe aufs Exempel wurde ein Dethleffs-Einachser zunächst mit dem Opel Astra Kombi verkuppelt und angehoben, danach solo. Pkw und Caravan standen halb auf der Straße, halb auf Gras. Angekuppelt hielt der Dethleffs dem Wagenheberlift absolut sicher stand, abgekuppelt jedoch merklich wackliger, rührte sich aber auch dann nicht von der Stelle. Zusätzliche Radblockaden (siehe Bilderfolge rechts) schienen dabei allerdings unerlässlich; ohne sie kann der Caravan tatsächlich vom Heber abgleiten und das Pannendebakel verdoppeln. Soll der Caravan komplett aufgebockt und dann abgestellt werden (wie in Ausgabe 11/04 dargestellt), ist das Vorkuppeln des Zugwagens nicht unbedingt zweckmäßig. Wird nämlich der Pkw beim Liften beider Radseiten stärker aus den Federn gehoben, erschwert dies den Hubvorgang noch.

Die Anhängekupplung kann beim Ausklinken klemmen, falls man sie deutlich über die Normhöhe von 420 mm zieht, und letztlich kann bei diesem Vorgang auch ein in Bremsstellung gequetschter oder weit ausgezogener Auflaufdämpfer das Abkuppeln vereiteln. Der Pkw müsste vor- oder zurücksetzen und liefe dabei Gefahr, den aufgebockten Hänger vom Sockel zu stoßen. CARAVANING hat das Unterbauen dennoch auch so erprobt, und trotz der so geschaffenen Höhendifferenz ließ sich der Astra leicht genug ausklinken. Nicht bei jedem anderen Gespann gibt es dafür allerdings eine Gewähr. Einen sicheren Tipp aber gibt es für den Radwechsel am Straßenrand: Der Caravan bleibt angekuppelt. Beim dortigen Boxenstopp ist das die schnellste und sicherste Lösung.

Adria: Die Bedienungsanleitung erteilt zum Radwechsel nur wenige Tipps. Offen bleibt, ob der Zugwagen an- oder abgekuppelt ist. Nützlicher Hinweis: „Kurbelstützen an der defekten Radseite herunterlassen.“

Bürstner: Zugwagen vor dem Radwechsel abkuppeln. Daneben gibt es viele nützliche Tipps; eine Stützradsicherung bleibt allerdings unerwähnt.

Dethleffs, Hymer: Kein klarer Hinweis auf den Zugwagen (an- oder abgekuppelt). „Wagenheber ... unter der Achse ansetzen“, klammert die verbreitete Alko-Lösung mit Steckwinkel am Längsträger aus. Erwähnt wird das Anzugs-Drehmoment der Radbolzen. Hymer bildet auch die Radbolzen für Stahl- und Alu-Rad ab – gegen Verwechslungsgefahren.

Fendt: Radwechsel „wenn möglich, nur bei angekuppeltem Fahrzeug“. Dazu gibt es präzise Tipps (auch für Tandemachser). Der Radwechsel bei abgekuppeltem Caravan wird ebenfalls erwähnt, jedoch ohne Hinweis auf das ungebremste Stützrad.

Hobby: Viele nützliche Tipps zum Radwechsel, auch für Tandemachser, und zum Anzugs-Drehmoment der Radbolzen. Empfehlung: „Wohnwagen vor dem Reifenwechsel abkuppeln.“ Grund: Die Reibbeläge des Winterhoff-Schlingerdämpfers könnten anomal belastet werden. Kein Hinweis auf eine Stützradsicherung.

Knaus, Eifelland: Umfassende praktische Hinweise zum Radwechsel, sowohl bei angekuppeltem wie bei abgekuppeltem Zugwagen. Vermisst wird lediglich das wichtige Anzugs-Drehmoment für die Radbolzen.

LMC, TEC: Keinerlei Hinweise zum Radwechsel.

Tabbert: Noch in den 90er Jahren empfahl Tabbert: „Vor dem Reifenwechsel abkuppeln.“ Heute soll der Radwechsel nur bei angekuppeltem Caravan erfolgen. Gleichwohl werden auch zum Radwechsel ohne Zugwagen Tipps vermittelt. Irreführend ist unter der Rubrik „Vorübergehende Stilllegung“ der Hinweis, den Caravan durch Herausdrehen der vier Kurbelstützen aufzubocken (gleicher Wortlaut bei Knaus/Eifelland). Genau das unterlässt man natürlich, um Chassis und Boden nicht zu verwinden.

• Gleich nach der Reifenpanne am Straßenrand: Warnblinker einschalten, Warndreieck aufstellen. Mitfahrer aussteigen lassen und von der Straße wegschicken.

• Wagenheber und Standstützen finden mit Unterlegbrettern besseren Stand. Vorsicht: Auf zu weichem Boden kann auch das Unterlegbrett wegsacken.

• Radbolzen gelegentlich einfetten; so bekommt man sie leichter los; bei angerosteten Radbolzen nützt notfalls auch Kontaktspray.

• Die Radbolzen vor dem Hochbocken nur um eine Umdrehung lösen, nicht weiter herausdrehen.

• Den Kurbel-Wagenheber neu ansetzen, falls er sich beim Hochbocken schief stellt.

• Niemals unter den hochgebockten Caravan kriechen, wenn Achse oder Rahmen nicht gesondert abgestützt wurden.

• Radbolzen über Kreuz festziehen und alsbald mit einem Drehmomentschlüssel vorschriftsmäßig nachziehen lassen.

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Datum

2. Februar 2005
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