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Praxis-Tipp: Klimaanlagen

Draußen flimmert die Luft vor Hitze, und im Wohnwagen genießt man eine wohltuende Kühle. Eine Klimaanlage im Caravan erhöht die Lebensqualität ganz erheblich - bloß welche nehmen?

Die meisten Caravaner sehnen in der kalten Jahreszeit den Sommer herbei. Doch wenn die Sonne dann endlich vom Himmel herunterbrennt, wird es in den rollenden Feriendomizilen nur allzu rasch unangenehm heiß und stickig. Die Spanne zwischen „zu kühl“ und „zu warm“ ist ziemlich gering. Der Mensch fühlt sich nun einmal nur in einem relativ schmalen Temperaturbereich wirklich wohl. Anteil an einem als angenehm empfundenen Klima haben neben der Lufttemperatur auch die relative Luftfeuchtigkeit sowie die Oberflächentemperatur der umgebenden Wände.

Mit steigenden Außentemperaturen und zunehmender Sonnenscheindauer denken deshalb viele Wohnwagenfahrer über den Einbau einer Klimaanlage in den Aufbau ihres Fahrzeugs nach. Schließlich soll der Urlaub ja die schönste Zeit des Jahres sein. Da möchte man natürlich auch ein hohes Maß an Komfort genießen. Und dazu zählt nun einmal ein angenehmes Klima im Fahrzeug. Doch die Auswahl an Klimaanlagen für den mobilen Einsatz ist auf den ersten Blick schier unübersehbar. Denn es gibt nicht nur verschiedene Einbauarten, sondern auch unterschiedliche Systeme der Kälteerzeugung. Außer zum Kühlen im Sommer eignen sich manche Klimaanlagen zudem sogar als Zusatzheizung beim Wintereinsatz. CARAVANING hilft Ihnen deshalb mit dieser Kaufberatung bei der Suche, damit Sie die passende Klimalösung finden.

Das Funktionsprinzip muss zuerst gewählt werden

Die Geräte unterscheidet man zunächst nach ihrem Funktionsprinzip in Kompressor- und Verdunster-Anlagen. Die meisten Klimaanlagen arbeiten mit einem Kompressorkühlsystem, das im Wesentlichen dem eines Haushaltskühlschranks entspricht: Durch die Druckabsenkung in einer sogenannten Drossel verdampft flüssiges Kältemittel in einem geschlossenen Rohrsystem. Dabei wird von der Innenraumluft Wärme aufgenommen. Diesen Effekt nutzt die Klimaanlage man zur Kühlung. Anschließend wird der Kältemitteldampf von einem Kompressor verdichtet, wodurch er sich erwärmt. Die überschüssige Wärme wird in langen Rohrschlangen an die Außenluft abgegeben, und das unter Druck stehende Kältemittel verflüssigt sich während der Abkühlung wieder. Anschließend beginnt der Kreislauf von Neuem. Da dieser Kühlkreislauf geschlossen ist, arbeiten diese Klimaanlagen in der Praxis wartungsfrei. Ganz so, wie man es von dem heimischen Kühlschrank gewohnt ist. Mittlerweile gehören auch hier die umweltfreundlicheren Kältemittel zum Standard.

Klimaanlagen mit elektrisch betriebenem Kompressor benötigen verhältnismäßig viel Energie. Deshalb lassen sie sich nur am 230-Volt-Netz oder während der Fahrt an einer kräftigen Lichtmaschine mit einem angemessen dimensionierten Wechselrichter betreiben. Je nach Größe der Batterievorräte funktioniert das für eine gewisse Zeit am Wechselrichter auch autark fernab der nächsten Steckdose.
Der stärkste Trumpf im Ärmel der Kompressorgeräte ist die enorme Kühlleistung. Dabei ist das Kühlvermögen weitgehend unabhängig von den Umgebungsbedingungen wie der herrschenden Luft-feuchtigkeit oder der Temperatur. Die Kehrseite des leistungsstarken Kompressors sind seine Betriebsgeräusche. Gerade die leichten, zu Resonanzen neigenden Holz- und Sandwich-Elemente in einem Freizeitfahrzeug übertragen den Körperschall sehr gut. Deshalb ist die Entkopplung und Geräuschdämmung im Gehäuse der Klimaanlage sehr wichtig. Auch bei der Montage des Gerätes wird eine saubere Installation mit geringeren Betriebsgeräuschen belohnt.

Im Unterschied dazu nutzen Verdunstungsklimageräte das Phänomen, dass Flüssigkeiten auch bei konstantem Luftdruck verdampfen können und dabei ebenfalls Wärme aufnehmen. Man spricht vom Prinzip der adiabaten Kühlung. Dazu fördert eine Pumpe Wasser aus einem Vorratsbehälter zu einem luftumströmten Befeuchter innerhalb der Klimaanlage. Bei der Eberspächer Ebercool Holiday II - der aktuell einzigen Anlage, die nach dem Verdunstungsprinzip arbeitet - wird das Frischwasser aus dem Wassertank des Mobils entnommen. Das ist bequem, und da kein Wasser zurückgeführt wird, auch aus hygienischer Sicht unbedenklich.

Bei der indirekten adiabaten Kühlung leitet ein Gebläse die vom Innenraum angesaugte Luft an einem Befeuchter vorbei; das Wasser verdampft hier, und die Luft kühlt sich ab. Diese gekühlte und mit Feuchtigkeit angereicherte Luft strömt anschließend durch einen Wärmetauscher nach draußen ins Freie. Die von außen angesaugte Frischluft mischt sich nicht mit der befeuchteten Luft, sondern wird in einem Wärmetauscher indirekt von der kühlen Abluft temperiert. Durch den Wärmetauscher funktionieren diese Anlagen nicht so effizient wie Geräte, die mit einer direkten adiabaten Kühlung arbeiten. Bei direkter adiabater Kühlung wird die abgekühlte, befeuchtete Luft wieder dem Wohnraum zugeführt. Nach diesem Prinzip arbeitet auch die Ebercool Holiday II. Das ist die einfachste Methode mit dem für diese Technik besten Wirkungsgrad. Nachteil: Während des Betriebs erhöht sich bei der direkten adiabaten Kühlung prinzipbedingt die Luftfeuchtigkeit im Wohnraum.

Der Hauptvorteil dieser Funktionsweise ist der im Vergleich zu einer Kompressoranlage sehr geringe Stromverbrauch, so dass Verdunstergeräte auch über eine längere Zeit direkt am 12-Volt-Bordnetz betrieben werden können. Darüber hinaus  erzeugen sie ohne Kompressor nur sehr geringe Betriebsgeräusche. Lediglich die Gebläsegeräusche lassen sich  auch bei diesem Prinzip nicht völlig unterdrücken.

Die Kühlleistung von Verdunstergeräten ist allerdings deutlich geringer als die eines Kompressorgerätes. Außerdem hängt die Kühlleistung auch noch stark von der momentan herrschenden Lufttemperatur und der Luftfeuchtigkeit ab. Heiße, trockene Luft ist für die Kühlung ideal. Bei einem schwül-feuchten Klima dagegen verdunstet nur wenig Wasser in der Klimaanlage, so dass diese dadurch auch nur begrenzt kühlen kann.

Darüber hinaus unterliegt der Verdunster einem gewissen Verschleiß, denn durch Kalkrückstände verringert sich die zur Kühlung nutzbare Oberfläche. Deshalb sollte man den  Verdunster jährlich ein mal erneuern. Um eine Verkeimung des permanent feuchten Verdunsters aus organischem Material zu verhindern, setzt Eberspächer desinfizierende, laut Hersteller gesundheitlich unbedenkliche Präparate ein.

Unterscheidungsmerkmal Montageart

Die Montageart ist das zweite grundlegende Unterscheidungsmerkmal. Verdunsteranlagen werden ausschließlich auf dem Dach montiert. Dagegen lassen sich Kompressorgeräte nicht nur auf dem Dach, sondern auch geschützt in Staukästen oder Heckgaragen einbauen. Dann wird die kühle Luft wie beim Heizsystem über Luftschläuche im Innenraum verteilt. So hat man die Möglichkeit, im Wohnraum verschieden temperierte Bereiche auszubilden. Außerdem ist damit ein Umschalten von einem Verteilsystem auf ein zweites möglich. So kann man zum Beispiel tagsüber gezielt die Sitzgruppe kühlen und zum Schlafen nur die Luftdüsen am Bett aktivieren. Die gezielte Luftführung hat zudem den Vorteil, dass man nachts mit einer geringeren Kühl- und Gebläseleistung auskommt, um so die Nebengeräusche der Klimaanlage so gering wie möglich zu halten. Die Kehrseite der Medaille: Die recht stattlichen Gehäuse beanspruchen wertvollen Stauraum im Fahrzeug. Außerdem verkleinern die voluminösen Luftschläuche unter Umständen das nutzbare Schrankvolumen. Darüber hinaus erfordert eine umfangreiche Luftverteilung auch einen nicht unerheblichen Montageaufwand. Und das kostet Zeit und Geld.

Beim Einsatz einer Dachanlage bleibt die Sitztruhe nach wie vor für Gepäck nutzbar. Vom Gerät selbst sind im Innenraum nur der Luftaustritt und die Bedienelemente zu sehen. Die eigentliche Technik befindet sich außerhalb der Wohnkabine. So ein verhältnismäßig schweres Gerät an einem hohen Montageort wirkt sich andererseits negativ auf das Fahrverhalten in Kurven aus. Je leichter und höher das Reisemobil ist, umso stärker ist der Einfluss des oben montierten Mehrgewichts zu spüren.

Darüber hinaus ist ein außen montiertes Klimagerät natürlich der Witterung ausgesetzt, so dass hier am Gerät selbst umfangreiche Schutzmaßnahmen erforderlich sind.  Auf der anderen Seite ist der Einbau eines Dachgerätes verhältnismäßig schnell erledigt. Das hilft, die nötigen Einbaukosten zu senken.
Bei der Luftführung ist man hier wiederum eingeschränkt, da nur die serienmäßigen Leitbleche und Düsen am Gerät selbst zur Verfügung stehen. Beim Einbau steht man deshalb vor der Wahl, ob man den Schwerpunkt der Klimatisierung eher im Schlaf- oder im Wohnbereich setzen möchte.

Die Entscheidung für eine Klimaanlage ist also wesentlich von den eigenen Ansprüchen und den jeweiligen Gegebenheiten abhängig. Vor dem Kauf sollte man sich daher eingehend mit dem Einbaubetrieb, der die Montage vornehmen sollte, beraten. Gemeinsam wird man so sicher die individuell beste Lösung finden.

Das Wohlfühldiagramm

Das Raumklima in Wohnräumen ist vom Zusammenspiel zwischen der Lufttemperatur und der relativen Luftfeuchtigkeit abhängig. Die Luft im sommerlichen Reisemobil sollte also nicht nur gekühlt werden, sondern auch in einem angenehmen Feuchtebereich liegen. Dann fühlen sich die Insassen so richtig wohl. 

Gegen Stromausfälle

Beim Anlaufen des Kompressors ziehen leistungsstarke Klimaanlagen einen kräftigen Strom aus der Steckdose. Dieser Anlaufstrom liegt über dem Bedarf im normalen Betrieb. Auf älteren Stell- und Campingplätzen sind die Steckdosen nicht immer dem Anlaufstrom gewachsen, so dass die Sicherung ausgelöst wird - der Strom am eigenen Stellplatz fällt aus. Um das zu verhindern, bietet Dometic ein Zusatzgerät (Preis 499 Euro) an. Es ermöglicht der Klimaanlage einen sanften Start, bei dem der aus der Leitung entnommene Strom nicht über dem Bedarf beim Dauerlauf liegt. So wird das Auslösen der Sicherung verhindert.

Autor

Foto

Stefan Widmann

Datum

10. Juni 2011
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