Ratgeber - Dachklimaanlagen, Dometic B2600 und Truma Aventa Comfort 16 Bilder Zoom

Ratgeber Klimaanlagen: Entscheidung in der Klimakammer

Showdown in der Klimakammer. Die Dachklimaanlagen B2600 von Dometic und die Truma Aventa Comfort treten bei sommerlichen Bedingungen zum Leistungsvergleich an. Welches Gerät kühlt besser?

Hinter der Tür beginnt Italien. Nicht geografisch, sondern klimatisch. Richtig schön warm und schwül hat es Fidelis Knaus in seiner Klimakammer gemacht und sie auf sommerliche 35 Grad Celsius und eine relative Luftfeuchtigkeit von 50 Prozent aufgeheizt - vergleichbar etwa mit einem Sommertag an der Adria. In der Kammer wartet bereits ein Testfahrzeug sehnsüchtig auf Abkühlung.

Für angenehmere Temperaturen, zumindest im Inneren des Wohnwagens, sind die beiden Kontrahenten verantwortlich. Da wäre der Platzhirsch: Dometic will mit der Anlage B2600 seine führende Stellung unter den Dachklimaanlagen untermauern. Herausforderer Truma schickt sein neu entworfenes Klimagerät Aventa Comfort in das Kräftemessen.

Beide Anlagen werden dem Testcaravan nacheinander aufs Dach montiert. Anschließend haben beide vier Stunden Zeit, das Fahrzeug so weit herunterzukühlen wie möglich. Dabei werden Temperatur, relative Luftfeuchtigkeit und viele Daten mehr aufgezeichnet. Ring oder, hier besser, Kammer frei.

Der Test:

Klimaanlagen bieten im Sommer einen enormen Komfortgewinn. Für die Nachrüstung sind aufgrund der einfachen Montage Dachklimaanlagen der Gerätetyp erster Wahl. Doch welche nehmen?

Mit Dometic und Truma stellen sich die wichtigsten Klimaanlagenhersteller dem Vergleich. Bei beiden Testgeräten handelt es sich um Kompressor-Anlagen mit zusätzlicher Wärmepumpe. Sie sind ähnlich leistungsstark und funktional.

Als dritter Testkandidat war die italienische Marke Telair geladen. Doch in letzter Minute kam die Kehrtwende: Telair zog sein Produkt zurück. Dabei wurde größter Wert auf Transparenz und gleiche Bedingungen für alle Testkandidaten gelegt. CARAVANING bezog die Anlagen aus dem Zubehörhandel und lagerte sie unter identischen Bedingungen bis zum Testbeginn.

Techniker beider Hersteller bauten die Dachklimaanlagen vor Ort unter Aufsicht selbst ein, um eine optimale Funktion zu gewährleisten. Danach legten sie die Einstellung des Luftverteilers im Wohnraum fest.

Aufgrund der Einbauposition im vorderen Bereich des Wohnwagens entschied sich Dometic, etwa 60 Prozent der Luft in den hinteren Teil des Fahrzeugs zu lenken, 40 Prozent nach vorne. Anders Truma: Die Techniker rechneten mit einem höheren Wärmeeinfall im Bereich der großen Fenster und wählten genau die umgekehrte Variante: 60 Prozent der Luft ließen sie nach vorne blasen, 40 Prozent nach hinten.

Jeweils eine Nacht heizte die Klimakammer dem Testfahrzeug nach dem Einbau ein. Fenster und Türen blieben währenddessen geöffnet, damit sich die warme, feuchte Luft gleichmäßig im Innenraum verteilen konnte.

Nächster Morgen: Fenster und Tür schließen, alle Rollos hinunter und die Klimaanlagen jeweils auf die niedrigste Temperatur (bei beiden 16 Grad Celsius) und die höchste Gebläsestufe eingestellt. Noch die Tür der Klimaakammer verriegelt, dann hieß es warten.

Je vier Stunden durften die Anlagen zeigen, was sie können. Während dieser Zeit wurde mit Temperatur- und Feuchtigkeitsfühlern die Entwicklung  des Klimas im Innenraum sowie der Stromverbrauch genau beobachtet. Angelehnt an die Norm EN 1645/1646 zur Prüfung von Heizgeräten waren vier Fühler in den Fahrzeugecken und einer in der Mitte in einem Meter Höhe installiert, im Heck knapp über den beiden Liegeflächen.

Der Platzhirsch Dometic

Innerhalb der ersten 20 Minuten hat sie die Luft bereits um fünf Grad Celsius abgekühlt. Im weiteren Testverlauf nähert sich die Kurve für den mittleren Fühler der 20-Grad-Linie an. Noch stärker sinkt die relative Luftfeuchtigkeit, die Menschen oft als drückend empfinden. Sie gibt an, wie viel Prozent des maximal möglichen Feuchtigkeitsgehalts die Luft enthält. Der Wert fällt auf etwa 39 Prozent – dem Tiefststand. Danach zollt man der Physik Tribut: Mit jedem Grad, um das das Quecksilber sinkt, verliert die Luft an Fähigkeit, Wasser aufzunehmen. Folge: Die absolute Luftfeuchtigkeit sinkt zwar noch etwas weiter. Gleichzeitig nimmt die relative Luftfeuchtigkeit aber wieder zu.

Die B2600 erreicht in der Fahrzeugmitte nach vier Stunden einen Spitzenwert für die relative Luftfeuchtigkeit von 44,6 Prozent. Ganz vorne ist die Luft sogar noch trockener, hinten indes deutlich feuchter . Mit der Temperaturverteilung verhält es sich umgekehrt. Hier erzielt die B2600 im Heck die niedrigsten Werte. Im Vergleich zur Fahrzeugmitte und Sitzgruppe ergibt sich ein Temperaturunterschied von zwei respektive fast vier Grad Celsius. Zum Teil erklärt sich das Ergebnis mit der vom Hersteller auf Verdacht gewählten Luftstromverteilung. In der Mitte beträgt die Temperatur bei Testende 20,5 Grad Celsius.
Im Zusammenspiel von Temperatur und relativer Luftfeuchtigkeit lässt sich ein Bereich festlegen, den Menschen als sehr angenehm empfinden: das Behaglichkeitsfeld. Dometic erreicht es mit der B2600 nach 1:53 Stunden.

Der Herausforderer Truma

Trotz einer nominell um 100 Watt geringerer Kühlleistung sinkt die Temperaturkurve der Aventa Comfort schneller. Am Testende zeigt der Fühler für die Fahrzeugmitte einen Wert von 20 Grad Celsius. Insgesamt ist die Temperaturverteilung gleichmäßig: Der maximale Unterschied zwischen zwei Fühlern liegt bei weniger als zwei Grad Celsius. Die von den Truma-Technikern gewählte Luftstromverteilung zwischen vorne und hinten hat sich offensichtlich besser bewährt. Recht homogen fällt auch die Verteilung der relativen Luftfeuchtigkeit aus. Die Anlage entfeuchtet zwar weniger stark, im Mittel liegt der Wert bei 48,3 Prozent. Dafür ist der Unterschied zwischen Fahrzeugheck und -bug gering. Auch bei der Aventa Comfort lohnt ein Blick auf das Wohlfühldiagramm. Ihre Werte stoßen nach 1:44 Stunden in den sehr behaglichen Bereich vor.

Bis hierhin zeigt der Test: Beide Klimaanlagen begegnen sich auf Augenhöhe. Neben der Kühl- und Entfeuchtungsleistung interessiert bei diesem Vergleich aber noch mehr. Da wäre zunächst die Bauform. Die Aventa Comfort ist wuchtiger, was sich in den Abmessungen widerspiegelt. Sowohl der Korpus auf dem Dach als auch der Luftverteiler im Innenraum nehmen mehr Grundfläche in Anspruch. Einzig der Abstand zur Decke spricht für Truma, der Luftverteiler ist flacher. Dennoch: Der Einbau im Schwenkbereich einer bis zur Decke reichenden Tür zum Bad oder eines Schranks führt bei beiden Anlagen zu Problemen. Trotz größerer Abmessungen ist die Aventa Comfort 5,5 Kilogramm leichter. Den Vorteil bewirkt Truma durch den Einsatz von Extrudiertem Polypropylen (EPP) für den Unterbau der Anlage. Was aussieht wie Verpackungsmaterial, soll witterungsbeständig sein und Geräuschvorteile bringen.

Die von CARAVANING ermittelten Werte können dies nicht bestätigen, obwohl die Aventa Comfort subjektiv etwas leiser wirkt. Für beide Geräte gilt jedoch: Gleich in welcher Einstellung man sie nutzt, eine Geräuschkulisse bleibt, obwohl sich beide Hersteller viele Gedanken zur Optimierung gemacht haben. In der Praxis werden Klimaanlagen aber vielfach per Zeitschaltuhr in Abwesenheit der Caravanbewohner betrieben. Beide Anlagen bieten solche Timer-Funktionen. Ebenfalls lehrt die Realität: Die Stromversorgung auf Campingplätzen ist häufig nur mit sechs Ampere abgesichert. Kein Problem für die Aventa Comfort. Sie benötigt zum Anlaufen – der Moment, in dem der Kompressor startet – maximal 5,4 Ampere. Bei der B2600 sind es 6,7 Ampere. Deutlich auch der Unterschied im Stromverbrauch während des Tests. Truma: 4,5 Kilowattstunden. Dometic: 5,5. Weitere Punkte sammelt Truma mit dem Luftverteiler. Er leitet den Luftstrom nicht nur, wie bei der Dometic-Anlage, wahlweise mehr nach vorne oder hinten. Mit dem Luftverteiler der Aventa Comfort kann man jede Ecke ansteuern. Der Luftstrom wirkt dadurch sanfter und nicht so zugig. Wer direkt vor oder hinter der Anlage steht, dem ruiniert sie jedenfalls nicht völlig die Frisur.

Die Anlage ist damit zugleich unabhängiger vom Einbauort im Wohnwagen. Überdies erzielt sie eine gleichmäßigere Verteilung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Die Aventa Comfort spielt hier letztlich den Trumpf aus, das jüngere von beiden Geräten zu sein. Mit Blick auf die Kernaufgaben einer Klimaanlage sind die Klimaanlagen gleich stark und nehmen es mit allen Widrigkeiten eines Hochsommers auf. Nicht nur in Italien.

Klimakammern schaffen Eiseskälte oder Wüstenhitze

Die Klimakammer von Truma kann verschiedene klimatische Bedingungen simulieren. Der Temperaturbereich reicht von sibirischer Kälte von minus 30 Grad Celsius bis afrikanische Hitze von plus 50 Grad Celsius. Um die Kammer von einem Extremwert zum anderen aufzuheizen oder abzukühlen, vergehen 8 Stunden. Im warmen Temperaturbereich kann zudem die Luftfeuchtigkeit variiert werden: 50 bis 80 Prozent relative Luftfeuchtigkeit sind möglich. Die Wände der 12,80 Meter langen, 4,10 Meter breiten und zwischen 4,60 und 5,10 Meter hohen Kammer bestehen aus Sandwich-Bauteilen mit einer 15 Zentimeter dicken Schicht PU-Schaum - im Prinzip isoliert wie ein Wohnwagen-Aufbau.

Dometic: Typ B2600

Preis:  2345 Euro
Empfohlene Fahrzeuglänge:
bis 8 Meter

GERÄTEDATEN

  • Maße Dachanlage (mm): 980 x 650 x 235
  • Maße Luftverteiler (mm): 560 x 550 x 50
  • Dachstärke (mm): 30-80
  • Dachausschnitt ( mm): 400 x 400
  • Notwendige Absicherung (A): 8
  • Betriebsspannung (V/Hz): 230/50
  • Kühl-/Heizleistung (W): 2500/3300
  • Stromaufnahme Kühl-/Heizbetrieb (A): 4,3/5,2
  • Fernbedienung/Gebläsestufen: ja/4
  • Info: 02 71/69 20
  • www.dometic.de

MESSERGEBNISSE

  • Gewicht Dachanlage/Luftverteiler (kg): 36,5/4,0
  • Geräusch Sitzgruppe/Einzelbetten (dB A): 62,8/56,3
  • Stromverbrauch (kW/h): 5,5
  • max. Leistungsaufnahme (W): 1379
  • max. Stromaufnahme (A): 6,3
  • Anlaufstromspitze (A): 6,7

TEMPERATURVERTEILUNG

  • Fahrzeugmitte (°C): 20,5
  • vorne links/vorne rechts (°C): 22,5/22,4
  • hinten links/hinten rechts (°C): 18,6/18,8

REL. LUFTFEUCHTIGKEIT

  • Fahrzeugmitte (%): 44,6
  • vorne links/vorne rechts (%): 40,4/40,2
  • hinten links/hinten rechts (%): 50,3/49,6
  • Behaglichkeitsfeld erreicht nach (h): 1:53

Fazit

Die B2600 liefert sich ein enges Rennen mit der Herausforderin und kann im direkten Vergleich mit der schnelleren Entfeuchtung punkten. Bei Gewicht, Stromverbrauch und Preis kommt die Dometic aber etwas ins Hintertreffen.

Truma Aventa Comfort

Preis:  1975 Euro
Empfohlene Fahrzeuglänge: bis 6,5 Meter

GERÄTEDATEN

  • Maße Dachanlage (mm): 1008 x 660 x 248
  • Maße Luftverteiler (mm): 670 x 523 x 46
  • Dachstärke (mm): 25-110
  • Dachausschnitt ( mm): 380-400 x 350-400Notwendige Absicherung (A): 6
  • Betriebsspannung (V/Hz): 230–240/50
  • Kühl-/Heizleistung (W): 2400/1700
  • Stromaufnahme Kühl-/Heizbetrieb (A): 4,2/3,7
  • Fernbedienung/Gebläsestufen: ja/3
  • Info: 089/4 61 70
  • www.truma.de

MESSERGEBNISSE

  • Gewicht Dachanlage/Luftverteiler (kg): 30,0/5,0
  • Geräusch Sitzgruppe/Einzelbetten (dB A): 65,6/56,3
  • Stromverbrauch (kW/h): 4,5
  • max. Leistungsaufnahme (W): 1074
  • max. Stromaufnahme (A): 5,2
  • Anlaufstromspitze (A): 5,4

TEMPERATURVERTEILUNG

  •  Fahrzeugmitte (°C): 20,0
  • vorne links/vorne rechts (°C): 20,1/20,1
  • hinten links/hinten rechts (°C): 18,7/19,1

REL. LUFTFEUCHTIGKEIT

  • Fahrzeugmitte (%): 48,3
  • vorne links/vorne rechts (%): 51,1/50,8
  • hinten links/hinten rechts (%): 52,3/51,2
  • Behaglichkeitsfeld erreicht nach (h): 1:44

Mit der Aventa Comfort ist Truma ein großer Wurf gelungen. Ihre Kühlleistung ist tadellos. In puncto Stromverbrauch und Luftverteilung legt sie in ihrer Klasse die Messlatte hoch - und das zu einem konkurrenzfähigen Preis.

Tipps für das richtige Klima

Strom ist nicht gleich Strom. Zumindest nicht beim Betrieb einer Klimaanlage. Wichtig ist die Absicherung eines Campingplatzes. Liegt sie etwa bei sechs Ampere, die Anlage benötigt aber kurzeitig mehr - und sei es nur zum Anlaufen -, schwitzt man weiter.

Entscheidend kann auch die Verdrahtung der Stromsäulen für den 230-Volt-Anschluss sein. Sind sie untereinander verbunden, können Caravans am Anfang der Reihe so viel Strom ziehen, dass an den hinteren Plätzen nicht mehr genug Spannung anliegt. Folge: Die Klimaanlage versagt den Dienst. Vor dem Einschalten eines Klimageräts sollte man den Wohnwagen lüften. Dadurch gleicht sich der Temperaturunterschied zu draußen aus, und der Anlage wird die Arbeit erleichtert.

Nicht zu unterschätzen ist im Sommer ein Schattenparkplatz. Aber auch dann empfiehlt es sich, die Fenster im Caravan zu verdunkeln. Nachteil ist, dass man mit Rollos den Caravan von innen verschattet. Das heißt: Die Wärme dringt trotzdem ein. Besser wäre - wenn möglich - eine Verblendung von außen.

Autor

Foto

Tschovikov/Bartosch

Datum

28. September 2011
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