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Frischwasseranlage im Caravan richtig pflegen: Wasserhygiene

Die Frischwasseranlage erleichtert das mobile Leben unterwegs ungemein. Damit das gebunkerte Wasser möglichst lange genießbar bleibt, sind einige Vorsichtsmaßnahmen nötig.

Die Hände waschen, Kaffee kochen, Gemüse putzen – ein gut gefüllter Frischwassertank sichert  unterwegs die Unabhängigkeit von öffentlichen Zapfstellen. Wasser ist jedoch auch ein verderbliches Gut, denn auf Verunreinigungen reagiert das Nass empfindlich. Unbehandelt gelagert, beginnt bereits nach wenigen Stunden eine starke Keimvermehrung.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass etwa 80 Prozent aller Reisekrankheiten auf verunreinigtes Wasser zurückgehen. Mit der richtigen Pflege des Frischwassersystems und den passenden Zusätzen schützt man sich zuverlässig vor unliebsamen Urlaubsbekanntschaften.

Sauberes Wasser bedeutet gesundes Reisen

Normalerweise kann man davon ausgehen, dass die Versorgungsstationen von Campingplätzen Trinkwasserqualität anbieten. Dennoch sollte man auf Hinweise achten, ob das Wasser tatsächlich Trinkqualität hat. Bestehen Zweifel, ob es zum Verzehr geeignet ist, sollte man auf ein Befüllen der Tanks verzichten.

Viele Zapfstellen sind bereits mit einem Schlauch versehen, um das Wasserfassen zu erleichtern. Vorbildliche Versorgungsanlagen verfügen über ein System, bei dem der Schlauch automatisch wieder einrollt und den Boden gar nicht erst berührt. Liegt der Schlauch dagegen einfach auf der Erde herum, sollte man von einer Verwendung eher absehen. Da bewährt sich ein eigener, sauberer Schlauch.

Auch wenn es vielleicht nach Verschwendung aussieht, sollte man vor dem Wasserfassen zunächst vorhandene Restvorräte ganz ablassen. Das reduziert die vorhandene Keimbelastung im System. Dann spült man den Schlauch kräftig durch, bevor man das Wasser in den eigenen Tank füllt.

Gut gegen Bakterien: Gründlich reinigen

Einmal pro Jahr steht die gründliche Reinigung der bordeigenen Wasseranlage an. Eventuell im Frischwassertank vorhandene Partikel wischt man mit einem sauberen Tuch heraus. Dann schrubbt man den Tank bis in alle erreichbaren Winkel mit einer sauberen Stielbürste.

Als Reiniger verwendet man dabei einen der im Handel angebotenen Tankreiniger, den man mit möglichst heißem, sauberem Wasser nach Herstellerangaben anrührt. Wie umfangreiche Tests gezeigt haben, genügt es aber nicht, den Reiniger lediglich einzufüllen und sich selbst zu überlassen. Ohne mechanische Wirkung ist hartnäckigen Biofilmen, vor allem wenn sie schon älter sind, nicht beizukommen.

Rohre und Schläuche lassen sich nur mühsam säubern. Dabei wäre hier eine mechanische Reinigung besonders wichtig, da gerade PVC-Schläuche sehr schnell verkeimen. Der bräunliche Biofilm ernährt sich nämlich unter anderem von den Weichmachern im PVC.

Rohre und Schläuche saubermachen

Die Rohre und Schläuche kann man bis zu einer Länge von etwa einem Meter mit Rohrbürsten aus dem Aquarienhandel säubern. Der Rest der Wasserleitungen lässt sich nicht mechanisch säubern. Man kann sie nur mit einer möglichst heißen, hoch konzentrierten Reinigerflüssigkeit durchspülen.

Nach dem Reinigen spült man mit klarem Wasser nach, um Reinigerreste zu entfernen. Den Abschluss der Kur sollte dann eine Desinfektion der Wasseranlage bilden. Dazu verwendet man Produkte mit Chlor oder Wasserstoffperoxid – auch Aktivsauerstoff genannt – als Wirkstoff, die eigens für Trinkwassersysteme in Freizeitfahrzeugen entwickelt wurden.  Auch nach der Desinfektion mit Chlor sollte man mit reichlich Frischwasser spülen, damit sich der typische Chlorgeschmack nicht auf das gelagerte Wasser überträgt.

Abschließend sorgt man dafür, dass die gesamte Wasseranlage möglichst rasch und vollständig trocknet. Nur so lässt sich eine Wiederverkeimung möglichst lange hinauszögern. Denn wo Wasserreste zurückbleiben, da ist der Biofilm nicht mehr allzu fern. Das ist auch der Grund, weshalb man das Leitungs- und Tanksystem nach dem Urlaub möglichst zügig trocknen sollte. Dazu öffnet man nicht nur alle Hähne und Ablauföffnungen, sondern schraubt auch die Revisionsöffnung des Wassertanks auf. Je besser die Luft im Frischwassertank zirkuliert, umso schneller trocknet er.

Zusatzprodukte und Wasserfilter für Caravans

Dem eingelagerten Nass kann man Produkte auf Silberionen-Basis zusetzen. Diese können Wasser im Extremfall bis zu sechs Monate lang genießbar halten und sind für den menschlichen Konsum unbedenklich. Besser ist natürlich, das Wasser so bald wie möglich zu wechseln.

Eine Filterung ist für die in Europa übliche Wasserqualität in der Regel nicht nötig. Zwar sind im Outdoor-Bereich Filter für die Entnahme aus offenen Gewässern durchaus gebräuchlich, doch diese Systeme sind nur für kleine Mengen und nicht zum Füllen eines ganzen Wassertanks geeignet. 

Trotzdem gibt es gute Gründe für den Einsatz eines Wasserfilters im Fahrzeug. Sei es, dass die Caravanbewohner an einer Immunschwäche leiden oder eine Unverträglichkeit gegen die Wasserkonservierungspräparate besitzen oder dass exotischere Länder angesteuert werden. Hochwertige Filter säubern das Nass zuverlässig von schädlichen Keimen ohne Chemiezusätze, doch sie verursachen relativ hohe Folgekosten. In aller Regel ist alle sechs Monate ein neuer Filtereinsatz fällig. Darüber hinaus ist meist eine starke Pumpe nötig, um das Wasser durch den Filter zu pressen.

Neben den im Campingbereich üblichen Filtern sind auch sogenannte endständige Filter aus dem Klinikbereich verfügbar. Diese medizinischen Produkte werden unmittelbar an der Entnahmestelle montiert. So wird vermieden, dass Restwasser in der Leitung hinter dem Filter verbleibt.

Entkeimung durch UV-Licht

Im gewerblichen Einsatz wird Wasser oft auch mit Hilfe von UV-Licht entkeimt. Für die sichere Wasserversorgung im Caravan müssen im Tank platzierte Lampen mehr-mals pro Tag für einige Minuten aktiv sein. Das belastet die Batteriereserven. Auf dem Weg vom Tank zur Entnahmestelle können belastete Leitungen zudem eine Wiederverkeimung auslösen.

Wasserhygiene im Gebrauchtcaravan

Die Hygiene der Wasseranlage im eigenen Fahrzeug hat man selbst in der Hand. Doch wie sieht die Situation im Gebrauchtcaravan aus? Den Pflegezustand von Tank und Schläuchen kann man bei einer Sichtprüfung nur vage abschätzen. Man bedenke: Gebrauchte stehen oft viele Monate mit vielleicht feuchtem Wassertank auf den Höfen der Händler, und in Mietcaravans auf Campingplätzen wechseln häufig die Gäste. Verantwortungsbewusste Betriebe reinigen deshalb das Wassersystem vor der Weitervermietung oder dem Verkauf. Ob die Säuberung gründlich ausfiel, ist jedoch ungewiss. Oft beschränkt sich die Sorgfalt auf das Ablassen des Grauwassers.

Da der Händler auch für den Zustand der Wasseranlage haftet, sollte vorab geklärt werden, ob und wie die Anlage aufbereitet wurde. Nicht viel anders ist übrigens auch die Situation bei Neufahrzeugen: Im Werk werden für die Funktions- und Dichtigkeitsprüfung der Wasseranlage die Tanks teilweise befüllt. Eine anschließende Trocknung ist jedoch kaum üblich. Und so warten die Wagen meist mit feuchten und verschlossenen Tanks auf Kunden.

Die Reinigung und Desinfektion des Wassersystems ist deshalb sowohl beim Neu- wie beim Gebrauchtkauf ratsam. Und zum Beginn der Saison sollte man diese Prozedur zum festen Ritual machen, denn sie ist der erste Schritt für eine unbeschwerte Reisezeit.

Sichere Alternativen

Wer auf Nummer sicher gehen will, verzichtet ganz auf den Verzehr des gebunkerten Wassers und nutzt dieses nur zum Spülen und Waschen. Tafel- oder Mineralwasser kann man gerade in südeuropäischen Ländern überall preiswert kaufen. Das befreit von Zweifeln bei der Einschätzung dubioser Zapfstellen. Zudem lässt sich Wasser notfalls auch durch mindestens dreiminütiges, sprudelndes Abkochen keimtötend behandeln.

Frühjahrsputz komplett

Bei der jährlichen Reinigung der Wasseranlage sollte man den Zulaufschlauch auf jeden Fall einbeziehen. Mit Trichter oder Gießkanne wird mit Entkeimer versetztes Reinigungsfluid in den Schlauch gegossen und dieser so aufgehängt, dass sich die Enden oben befinden. Nach der vorgeschriebenen Einwirkzeit ausgießen, durchspülen, fertig. Ebenso sollte sowohl an den Einfüllstutzen als auch ans Verbindungsstück zum Frischwassertank gedacht werden. Eine lange, flexible Flaschenbürste verrichtet hier gute Dienste. Wie schon beim Zulaufschlauch wird Entkeimungs- bzw. Reinigungsmittel in einem Eimer aufgelöst und per Bürste verteilt. Auch hier gilt, nach Beendigung des „großen Abwaschs" gut durchzuspülen.

Autor

Foto

Archiv, Beate Jesske

Datum

21. Mai 2011
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