Ratgeber Wintercamping: Spass in Weiss

Ratgeber - Wintercamping

Für viele geht der Wohnwagen-Urlaub im Schnee weiter. Damit das Wintermärchen wahr wird, bedarf es der richtigen Vorbereitung.

Was für ein Genuss! Drinnen im Wohnwagen bollert die Heizung vor sich hin. Und draußen überzuckert der frische Schnee die Landschaft. Camping im Winter macht Spaß. Nicht wenige Caravaner sind auch bei Schnee und Eis unterwegs. Manche haben trotzdem Vorbehalte. Was tun, wenn die Heizung ausfällt? Oder wenn man stecken bleibt? Oder wenn gar die Wasseranlage einfriert? Keine Frage: Bei Kälte auf Tour gehen bedarf einer gründlichen Vorbereitung. Aufs Geratewohl zu starten, kann ins Auge gehen.

Richtig vorbereiten: Sie reisen entspannter, wenn Sie wissen, wohin. Gerade im Winter sollten Sie sich nicht nur über die grobe Richtung im Klaren sein, sondern über Ihr ganz konkretes Ziel. Viele Campingplätze haben nicht ganzjährig geöffnet oder sind - besonders wenn sie in beliebten Skigebieten oder bei anderen Top-Destinationen liegen - früh ausgebucht. Und nur wenig ist ärgerlicher, als in der Kälte vor geschlossenem oder überfülltem Platz zu stehen. Ein Anruf schafft schnell Klarheit, am besten reservieren Sie sich Ihre Parzelle vorab.

Fragen Sie auch gleich nach den Serviceleistungen wie Gasflaschentausch oder Verleih. Denn Gas werden Sie brauchen. Wer noch bei Tageslicht ankommt, tut sich beim Einrichten leichter. Berücksichtigen Sie bei der Routenplanung auch, dass manche Straßen oder Pässe im Winter geschlossen sind oder eine spezielle Winterausrüstung erfordern.
Winterreifen gehören prinzipiell dazu. Das ist nicht nur eine Frage von gesetzlichen Bestimmungen, die man natürlich auch in die Reiseplanung einbeziehen sollte, sondern schlicht eine Entscheidung der Vernunft. Schon ab sieben Grad Celsius erzeugt die Gummimischung von Winterreifen mehr Grip als die von Sommerreifen. Vier bis fünf Millimeter Profiltiefe sollten die Pneus noch aufweisen. Denken Sie rechtzeitig an den Wechsel, bevor die Reifenhändler von Panikanfragen überrannt werden.
Das kann bares Geld sparen. Im vergangenen Winter schnellten mit der sprunghaft steigenden Nachfrage auch die Preise in ungeahnte Höhen. Daneben gehören auch Schneeketten oder vergleichbare Traktionshilfen ins Gepäck des Wintercampers. Die Mitnahme ist in einigen Ländern vorgeschrieben.

In der Notfallkiste macht sich auch ein Starthilfekabel gut. Selbst wenn man nicht sich selbst, sondern nur dem Nachbarn damit aushelfen kann. Frost stresst die Starterbatterie. Umso mehr, je stärker sie damit belastet ist, bei winterlichen Fahrten permanent Scheinwerfer und andere Verbraucher zu versorgen. Gute Vorsorge trifft, wer die Fahrzeugbatterie vor dem Start richtig volllädt. Gesäuberte und gefettete Polklemmen sorgen für besten Kontakt und zuverlässige Versorgung.
Gute Sicht bedeutet Sicherheit, vor allem im Winter, wenn die Bremswege länger werden und gesalzenes Spritzwasser die Scheiben schnell mit einem milchigen Schleier überzieht. Füllen Sie den Wischwasserbehälter noch zu Hause randvoll mit Frostschutz; Markenprodukte haben sich bewährt. Setzen Sie die Mischung auf minus 25 Grad Celsius an, um auf der sicheren Seite zu sein. Und sorgen Sie für Nachschub.

Wie sich Wintercamping noch vor 50 Jahren  anfühlte, sehen Sie hier:

Videobeitrag mit freundlicher Genehmigung der Fa. Truma


Wechseln Sie die Wischer gegen neue, wenn die Blätter Streifen ziehen. Und da Sie gerade beim Einkaufen sind: Haben Sie noch genug Ersatzlampen für die Scheinwerfer und Rücklichter? In einigen europäischen Ländern ist nicht nur das Fahren mit Licht am Tag, sondern auch das Mitführen von Ersatzlampen Pflicht.

Um keine unangenehmen Überraschungen zu erleben, checken sie auch die Bordtechnik vor der Abfahrt auf einwandfreie Funktion. Kommt aus allen Hähnen Wasser? Gut. Läuft die Heizung ohne Mucken? Noch besser. Die S-Heizung von Truma ist in Wohnwagen am häufigsten anzutreffen. Manche Modelle verfügen zusätzlich über ein Gebläse. Wenn aus einem Ausströmer weniger Luft austritt als erwartet, könnte das daran liegen, dass eine der empfindlichen Pappröhren, die die Wärme verteilen, beschädigt ist. Tauschen Sie sie aus.

Die Heizung saugt die zu erwärmende Luft aus dem Innenraum an. Damit das Gebläse nicht mehr Staub als nötig aufwirbelt, sollte man den Bereich um die Ansaugöffnung absaugen und von Flusen und Schmutz befreien. Besitzer von Caravans mit Warmwasserheizung sollten im Auge behalten, dass die Anlage regelmäßig, am besten vor dem Winterurlaub zu entlüften ist und die Flüssigkeit im Kreislauf turnusmäßig getauscht werden sollte.

Das Betrieben der Gasheizung während der Fahrt ist bei Caravans, die ab 2007 zugelassen wurden, nur erlaubt, wenn die Gaszufuhr mit einer Schlauchbruchsicherung oder Ähnlichem ausgestattet ist. Sollte der Boiler gefüllt und mit einem Frostwächterventil ausgestattet sein, ist es sinnvoll, den Ofen unterwegs auf kleiner Flamme laufen zu lassen, damit das Ventil im auskühlenden Caravan nicht auslöst und Boiler oder gar Wassertank leer laufen lässt. Sicherer ist es, die Wasseranlage erst auf dem Campingplatz zu befüllen.

Erfahrene Polarfüchse wissen, dass Gas, das noch aus dem Sommerurlaub in Südeuropa stammt, mit Vorsicht zu genießen ist. Schuld ist ein hoher Anteil an Butan, das schon bei Temperaturen um den Gefrierpunkt nicht mehr verdampft. Der Brennstoff strömt nicht mehr korrekt aus. Im Zweifel lieber frische Flaschen mitnehmen. Oder später auf dem Campingplatz gleich eine große Gasflasche leihen.

Richtig campen:

Gut angekommen? Dann kann’s ja losgehen. Auf Jumbostützen steht der Caravan sicherer. Sinnvoll ist es, zusätzlich Bretter unterzulegen, um die Aufstandsfläche auf dem nachgiebigen Untergrund zu vergrößern. Beim Einheizen sollte man die Türen und Klappen der Schränke öffnen, um die Wärme gleichmäßig zu verteilen. Sonst bleibt die Wäsche darin eiskalt.

Generell ist der Luftaustausch gerade im Winter sehr wichtig. Um die Luftfeuchtigkeit im Caravan einerseits und Wärmeverluste andererseits gering zu halten, öffnet man Fenster und Türen stoßweise und nur für kurze Zeit.

Für permanente Sauerstoffzufuhr sorgen Zwangsbelüftungen, die man keinesfalls verschließen darf. Zugluft und Heizenergieverlust durch die Kühlschrankgitter reduziert man mit Winterabdeckungen. Die Abgas- und Ansaugöffnungen der Heizung müssen unbedingt frei bleiben. Denken Sie daran, den Dachkamin mit einer entsprechenden Verlängerung aufzustocken, damit dieser nicht unter dem Neuschnee begraben wird.  

Der Campinghandel bietet außerdem Thermohauben für den Deichselkasten, die verhindern, dass die Klappe zufriert und man nicht mehr an die Gasflaschen herankommt. Das Einpacken der Flaschen kann man sich übrigens sparen. Die Kälte, die mitunter den Regler vereisen lässt, entsteht bei der Gasentnahme. Sinnvoller ist ein kleines elektrisches Heizelement, wie das Eis-Ex von Truma, das direkt am Ventil angebracht wird.

Der Strombedarf ist im Winter insgesamt deutlich höher als im Sommer: Die Heizung läuft länger, das Licht wird früher gebraucht, und mitunter zwingt einen das Wetter öfter als sonst zu einem Fernsehtag. Leicht vorstellbar, wie heftig sich Stromausfälle im Schnee auswirken können. Für Caravans, die ohnehin ans 230-Volt-Netz angeschlossen sind, bleibt das ohne Konsequenzen.

Wer den Strom jedoch aus einer Bordbatterie holt, sollte diese so oft wie möglich nachladen. Als Alternative zum 230-Volt-Netz bietet sich ein Generator oder eine Brennstoffzelle an. Die Akku-Leistungsfähigkeit hängt nicht nur von der Ladung, sondern auch von der Temperatur ab. Batterien in unbeheizten Außenstauräumen geben bei Frost weniger Strom ab, entladen können sie sogar regelreicht erfrieren. Unter Umständen ist es daher sinnvoll, die Batterie mit einer Thermomatte zu isolieren.

Wer aus dem Vollen schöpfen darf, kann mit einer elektrischen Heizmatte auf dem Fußboden die Behaglichkeit steigern. Kälteabstrahlungen reduziert auch ein konventioneller Teppichboden. Dagegen spricht die höhere Schmutzempfindlichkeit gegenüber den üblichen PVC-Böden.

Schmutz- und Nässeeintrag lässt sich jedoch vermeiden: Im Vorzelt, das im Winter auch als Temperaturschleuse dient, lassen sich Sportgeräte deponieren, ebenso schmutzige Stiefel und nasse Klamotten zwischenlagern. Die kleineren, speziellen Wintervorzelte zeichnen sich durch verdeckte Reißverschlüsse und ein steiles Dach aus. So bleibt der Wind draußen, und der Neuschnee kann abrutschen. Achten Sie beim Kauf auch auf ein stabiles Gestänge. Zumindest Teile des Bodens deckt man sinnvollerweise mit einem Vorzeltteppich oder Kunststoff-Fliesen ab, damit sich der Vorplatz bei Tauwetter nicht in eine Schlammlandschaft verwandelt.
Bei vielen Caravans befinden sich die Leitungen und der Frischwassertank im Innenraum und damit außerhalb der Polarzone. Kritischer sieht es im Abwasserbereich aus, zumal mit einem unterflur fest montierten Abwassertank. Wintercamping-Profis greifen zu einem bewährten Trick: Sie lassen den Ablassschieber offen und stellen ein Auffangbehältnis unter. Stabile Eimer oder Wannen haben sich dabei übrigens bestens bewährt. Eisblöcke aus Grauwasser bekommt man daraus leichter wieder heraus als aus den üblichen Rolltanks. Positiver Nebeneffekt: gefroren riecht es nicht.  

Vor der Heimfahrt lauert die letzte Hürde. Neuschnee auf dem Dach bildet nicht nur eine unnötige Last. Kommt eine Eis- oder verhärtete Schneeschicht ins Rutschen, kann sie zur ernsten Gefahr werden. Für verursachte Schäden haftet der Fahrer voll. Also vorsichtig die Leiter anstellen und den Schnee herunterkehren. Nicht ohne Grund ist dies auch gesetzlich vorgeschrieben. Sonst wird aus dem winterlichen Genuss doch noch Verdruss.

Die Winter-Checkliste

Haben Sie an alles gedacht? Wer Urlaub im Schnee macht, braucht die passende Ausrüstung. Damit alles gut geht, beachten Sie die folgende Packliste. So sind Sie sicher unterwegs.

Für Unterwegs

  • Winterreifen mit mindestens 4 mm Profiltiefe
  • Schneeketten, Autosocks oder Ähnliches
  • Warnweste und -lampe
  • Arbeitshandschuhe
  • Regenschirm
  • Taschen- bzw. Stirnlampe
  • Isolierende Unterlage (Isomatte o. Ä.)
  • Anfahrhilfen (z. B. von Uniko oder Canoll)
  • Wischwasser-Frostschutz
  • Frische Wischerblätter
  • Handbesen, Eiskratzer
  • Defrosterspray
  • Türschlossenteiser oder Grafitstaubspray
  • Starthilfekabel
  • Ersatzglühlampen

Auf dem Campingplatz

  • Gießkanne fürs Frischwasser
  • Eimer, Schüssel oder Rolltank fürs Abwasser
  • Winterabdeckungen für den Kühlschrank
  • Wäscheklammer für den Heizungskamin
  • Thermohaube für den Gaskasten
  • Isoliermatten für die Aufbaufenster
  • Vorzelt
  • Warme Bettwäsche
  • Heizband zum Auftauen gefrorener Leitungen
  • Schneeschaufel beziehungsweise Klappspaten
  • Klapp- oder Teleskopleiter
  • Langstieliger Besen

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