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Caravan-Reise nach Apulien: Italiens schöner Absatz

Fast 800 Kilometer ist Apuliens Küste lang – mit tollen Stränden, Wein und Oliven, einem bezaubernden Hinterland und zahlreichen, oft malerisch gelegenen Campingplätzen.

Der Wind, der vom Meer kommt, bringt graue Wolken und roten Staub. Er zerrt an den Fensterläden, er schüttelt die reifen Oliven von den Bäumen. Im Prinzip ist das nicht verkehrt, denn Apuliens Oliven werden nur selten gepflückt. Die meisten sammeln die Menschen vom Boden auf. Aber Francesco wollte eigentlich noch bis zum Wochenende mit der Ernte warten. Dann hätten seine beiden Vettern, der Schwager und der Großonkel helfen können. Es nützt nichts, die reifen Oliven können nicht am Boden liegen bleiben. Zum Glück haben wenigstens der Sohn und die Tochter Zeit. Ganz allein könnte man in den endlosen Reihen der Olivenbäume schnell mutlos werden.

Francescos Olivenhaine liegen in der Nähe von Ostuni. Hier wachsen einige der ältesten Ölbäume Apuliens, teils mehrere hundert Jahre alt. Mit rund 19.000 Quadratkilometern ist Apulien – ganz im Südosten Italiens – annähernd so groß wie Rheinland-Pfalz. Ungefähr 75 Prozent des Landes werden landwirtschaftlich genutzt, an erster Stelle steht der Getreideanbau, gefolgt von den Olivenbäumen. Doch auch Früchte, Blumen, Wein, Mandeln und Tomaten werden kultiviert. Immerhin annähernd 30 Prozent der italienischen Obst- und Gemüseernte stammen aus Apulien – und fast 50 Prozent des Olivenöls.

Francescos Tochter schaufelt die Oliven in die Plastikkisten. Eine Unterhaltung ist unmöglich, denn die Maschine, in die Francescos Sohn den Inhalt der Plastikkisten leert, macht einen Höllenlärm. Die Oliven rollen über ein rüttelndes Sieb, Blätter und Schmutz fallen einfach durch. Noch am selben Tag müssen die Oliven gepresst werden, denn je länger sie liegen, umso mehr verlieren sie an Qualität.

Jedes Jahr werden in Apulien rund 15 Millionen Doppelzentner Oliven geerntet, aus den meisten wird Öl gewonnen. Die stolze Menge von rund einer halben Million Doppelzentner verbrauchen die Apulier übrigens selbst. Auch Francesco und seine Familie, samt der weitläufigen Verwandtschaft, holen sich in der genossenschaftlichen Ölmühle so viel Öl, wie sie das ganze Jahr über brauchen. Denn nichts schätzen die Apulier mehr als Lebensqualität in Form von eigenem Öl, frischen Tomaten, Gemüse und Obst aus dem eigenen Garten. Hausgemachte Orecchiette, Öhrchennudeln. Und natürlich das Meer.

Feiner Sand und klares Wasser

Apulien besitzt über 800 Kilometer Küste mit zahlreichen gut gelegenen Campingplätzen, und fast nirgendwo sonst ist der Sand feiner, das Wasser klarer. Die Küste reicht vom Gargano, dem Sporn des Stiefels, bis um den Absatz herum; keine Stadt ist weiter als 80 Kilometer vom Meer entfernt. Und im Süden können Besucher sogar zwischen dem Adriatischen und dem Ionischen Meer wählen.

Auch Apuliens Städte haben etwas Besonderes. So sind die historischen Altstadtkerne meist von besonderem Reiz: prunkvolle Kirchen, elegante Palazzi und malerische Gassen mit vielen einladenden Geschäften bilden einen sympathischen Kosmos, der im harten Kontrast zu den oft tristen Vorstädten steht. Vielerorts gibt es Schätze zu entdecken, wie zum Beispiel die byzantinische Kreuzkuppelkirche San Pietro in Otranto oder den Lecceser Barock, dessen beeindruckendstes Beispiel wohl die Fassade der Kirche von Santa Croce ist. Wichtige Ziele in Apulien sind auch Castel del Monte und das herausgeputzte Alberobello. Seine runden weißen Häuser mit ihren kegelförmigen Steindächern entstanden Mitte des 14. Jahrhunderts und erinnern an Afrika.

Obwohl Apulien zu den interessantesten Regionen Italiens zählt, kommen jedes Jahr nur etwa 85.000 Touristen aus dem Ausland hierher. Für die Italiener gehören Ferien am Meer – und zwar am eigenen – einfach dazu. Viele Familien besitzen oder mieten Sommerhäuschen am Strand. Luxus zählt wenig. Hauptsache, die ganze Familie ist dabei, das Meer ist sauber und man isst und trinkt gut.

Der Scirocco hat nachgelassen, die Sonne blinzelt durch die silbernen Blätter der Olivenbäume. Der kleine Lieferwagen ächzt unter dem Gewicht der vielen Säcke. Francesco ist zufrieden. Er klettert auf den Fahrersitz und berührt zum Dank kurz das Medaillon seines Lieblingsheiligen Padre Pio, das vom Rückspiegel baumelt.

Alle Infos zu Apulien für einen Camping-Urlaub und die besonderen Tipps von CARAVANING finden Sie auf Seite 2.


Foto

Udo Bernhart, Steffen Zink, Mazaki/Wikicommons, Michele Campini/Fotolia, cariellojpp/Fotolia, Vaclav Janousek/Fotolia, Claudio Clombo/istock

Datum

31. Dezember 2013
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