Reise: Salzkammergut - Seen-Sucht Berge 23 Bilder Zoom

Salzkammergut in Österreich mit dem Caravan: Seen-Sucht und Berge

76 Gebirgsseen mit in tausend Farben schimmerndem Wasser, schroffe Felsen, die sich darin spiegeln - das Salzkammergut ist eine Naturschönheit wie aus dem Märchenbuch. Bilder einer Rundreise.

Die beiden großen Schaufelräder paddeln rückwärts, mit einem dicken Tau wird der 33 Meter lange Dampfer am Anleger festgehalten, langsam dreht er seinen spitzen Bug hinaus aufs offene Gewässer. Dann gibt der Bootsmann das Schiff frei, mit sonorem Wusch-wusch-wusch schäumt das kristallklare Wasser des Wolfgangsees in den Radkästen: RMS „Kaiser Franz Josef I.“ nimmt Fahrt auf. Der Kai von St. Gilgen bleibt hinter der Reling zurück, Kurs St. Wolfgang, kleine Wolken  spiegeln sich im See, das Wetter ist gut. „Navigieren kann ich nur mit dem Steuerruder, denn die Schaufelräder sind mit einer starren Achse verbunden“, sagt der Käpt’n hinter seinem senkrecht stehenden, achtspeichigen Steuerrad - ein Job, der eine Menge Erfahrung verlangt.

Er ist der Star der Salzkammergut-Schifffahrt, der bildschöne Schaufelraddampfer, von Einheimischen liebevoll einfach nur „Kaiser“ genannt. Anno 1873 von der Schiffswerft Linz erbaut und seitdem vielfach restauriert, vermittelt er mit seinen hölzernen Aufbauten und der eleganten Bestuhlung ein bisschen vom Flair des Reisens zu Kaisers Zeiten. Lediglich die alte Dampfmaschine wurde komplett ersetzt, unter den knarrenden Decksplanken wummert nun ein Schiffsdiesel von Klöckner-Humboldt-Deutz mit 116 PS bei rund 1500 Umdrehungen pro Minute. Damit paddelt das Nostalgieschiff während der Saison gemeinsam mit fünf jüngeren Dampfern im Liniendienst über den Wolfgangsee, so es nicht gerade für Filmaufnahmen oder Special-Events gebucht ist. Am Ufer grüßen die hohen Gipfel von Schafberg und Zwölferhorn, und wenn dann der Seewind die Haare zaust und die Sonne aufs Haupt scheint, so ist das Urlaubsglück einfach perfekt.

Mit seinen 76 Gebirgsseen gilt das Salzkammergut vielen als schönste Ferienregion Österreichs - ein wunderbares Reiseziel für einen Urlaub mit dem Caravan, zumal es viele gute Campingplätze gibt. Einst nur berühmt für das reiche Salzvorkommen, begann die romantische Alpen- und Seenwelt östlich der Mozartstadt Salzburg ihre zweite Karriere als begehrtes Ferienziel im 19. Jahrhundert, spätestens als Kaiser Franz Joseph das Heilbad Ischl zur Sommerresidenz erwählte und seine Gemahlin Sissi die Kaiservilla bezog. Seither gilt Bad Ischl mit rund 14 000 Einwohnern, obwohl nicht direkt an einem See gelegen, als Herz und kulturelles Zentrum dieser Region - und ist berühmt für seine feinen Restaurants und Cafés. Wer hier eine Pause macht, kann es sich wahrlich gut gehen lassen. Im Café Sissi etwa, wo unter hoher Kuppeldecke zwischen vergoldeten Säulen an kleinen Marmortischen das leckere Mozart-Frühstück oder ein schmackhaftes Sissi-Pfandl vernascht werden. Oder nebenan in der legendären Konditorei Zauner, die im gemütlichen, plüschigen Ambiente den sündhaft guten Zaunerstollen zum großen Schwarzen oder zur Melange serviert.

Alexander von Humboldt (1769-1859), der berühmte Forschungsreisende, geriet einst nur wenige Kilometer südlich von Bad Ischl in hellste Verzückung - als „schönsten Seeort der Welt“ soll er Hallstatt bezeichnet haben, das sich mit seinen knapp 1000 Einwohnern auf einem dünnen Uferstreifen des gleichnamigen Sees an die steil aufragenden Bergflanken kuschelt. Einst vom Reichtum der großen Salzbergwerke ringsum gesegnet und erst seit 1875 über eine Straße erreichbar (bis dahin ging aller Verkehr über den Hallstätter See), ist der Ort mit seinen hölzernen Fischerhütten, schmalen Gassen und übereinandergeschachtelten Häusern und Kirchen so pittoresk, dass er als Weltkulturerbe der Unesco pro Jahr rund eine halbe Million Besucher anzieht und von chinesischen Architekten originalgetreu in der Volksrepublik nachgebaut wurde. Ein kleiner Wermutstropfen ist höchstens die naturgemäß beengte Verkehrssituation – in der Saison kann das Parken hier schon mal zum Problem werden.

Trotz seiner Schönheit zählt das Salzkammergut selbst im Sommer generell nicht zu den völlig überlaufenen Regionen. Ein Grund dafür mag das Wetter sein: Speziell zwischen Juni und August kann es relativ häufig regnen, aber auch genauso schnell wieder aufklaren. Und nach einem heftigen Schnürlregen leuchten die Seen umso intensiver und in den unterschiedlichsten Farben, vom tiefen Blaugrün des Mondsees bis hin zum beinahe überirdisch schimmernden, hellen Türkis des Attersees – kein Wunder, dass Maler wie Gustav Klimt hier gerne lebten und arbeiteten.

Völlig unbeeindruckt vom Wetter ist in dieser österreichischen Märchenbuchwelt die Neigung zu Brauchtum und Tradition. Ob Sonnwendfeuer im Juni knistern, ob die Volksmusik lautstark im Wirtshaus spielt oder ein neues Feuerwehrauto gesegnet wird, gefeiert wird genussvoll und viel, und Reisende dürfen hier sehr gerne mittun. Nicht weit vom „Weißen Rössl“ in St. Wolfgang hat der Schaufelraddampfer Kaiser Franz Josef I. derweil behände angelegt. Der alte Pilgerort erscheint wie eine einzige Operetteninszenierung. Neben dem berühmten Filmhotel mit gutem Restaurant stehen historische Giebelhäuser  an verschachtelten Gassen, locken feine kleine Geschäfte von der Naturölmühle über Seifenmanufaktur bis zur Klosterkellerei („Es ist Brauch von Alters her, wer Sorgen hat, hat auch Likör“). Fiaker, Pferdekutschen, warten neben der Wallfahrtskirche auf Rundfahrtgäste. Man mag es gemütlich hier – wie überall in diesem Urlaubsparadies voller Berge und Seen.

Auf der nächsten Seite: Die schönsten Orte im Salzkammergut Österreich im Überblick, alle Campingplätze und der CARAVANING Tipp für die Region.


Autor

Foto

Silke Tokarski, Thomas Zwicker

Datum

26. Juli 2012
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