Reise - Trentino 19 Bilder Zoom

Reise-Tipp Trentino: Berge und mehr

Schroffe Felsen, tiefblaues Wasser - das Trentino und der nördliche Gardasee bilden eine Region voller Kontraste. Bei einem Urlaub mit dem Wohnwagen ist die mediterrane Leichtigkeit des Seins spürbar.

Am Seeufer von Riva sitzt zur blauen Stunde ein junges deutsches Paar im Kies, zwei Plastikbecher mit Rotwein vor sich, an den die beiden aber schon lange nicht mehr denken: Fest umschlungen haben sie ihre Köpfe aneinandergelegt und blicken still auf den Gardasee hinaus, dessen Blau mit dem Sonnenuntergang einen schimmernden Rosa-Ton angenommen hat. Eine schöne Lovestory! Doch um die beiden herum spielt sich still und unbemerkt eine viel größere Liebesgeschichte ab - eine, in der zwei total entgegengesetzte Typen schon sehr, sehr lange miteinander glücklich sind.

Das Trentino mit dem Caravan erkunden: ein Liebesgedicht

Er, das ist der gestählte Gebirgstyp, rau und ein bisschen wortkarg, dabei aber zuverlässig und solide bis auf die Knochen. Sie ist die mediterrane Schönheit mit dem glutvollen Blick, laut, lebhaft und leidenschaftlich. Zusammen ergeben sie eine Lebensgemeinschaft, die – ganz ohne Eheschein – bereits seit ein paar Millionen  Jahren treu zueinandersteht und sich so bald wohl auch nicht trennen wird. Die Rede ist von der norditalienischen Provinz Trentino, die sich zwischen Südtirol und Venetien zu beiden Seiten des Etschtals hinzieht und zu der auch der obere Teil des Gardasees gehört. Sie ist der schönste Beweis dafür, dass Nord und Süd, zwei vermeintliche Gegensätze, in vollendeter Harmonie zueinanderpassen können.

Für eine erste Annäherung muss man nur selbst auf den See hinausgucken und den Blick zwischen ein paar original italienischen Zypressen hindurch auf seine grünblaue Wasserfläche richten. Schroffe, hoch aufragende Felswände rahmen seine sportlich-schmale Form so dramatisch ein wie einen österreichischen Bergsee, doch ganz hinten weicht der Fels urplötzlich zurück; das Gewässer weitet sich ozeanhaft, sein Südufer rutscht hinter den Horizont und entzieht sich dem Auge. Genau das ist der Reiz des Gardasees: Er nimmt das Mittelmeer vorweg, hält uns in seiner hochalpinen Umarmung gefangen und lässt uns doch schon die ganze Süße des Südens schmecken.

Teutonisch pünktlich sind seine Winde, die das Nordufer zu einem beliebten Hotspot für Windsurfer gemacht haben: der Pelér, der morgens aus dem Norden über das Wasser bläst, und die berühmte Ora, die von der Mittagsstunde an das Wasser aufwühlt. Doch mit mediterraner Gelassenheit reifen Oliven und Zitronen an den Uferhängen ihrer geschmacklichen Vollendung entgegen. Städtchen wie Limone oder Malcesine mit ihren gepflasterten Gassen und ockergestrichenen, von Platanen gesäumten Häusern stillen selbst die größte Italien-Sehnsucht.

Der Gardasee ist ein Dorado für Sportler aller Couleur

Auch in sportlicher Hinsicht vereint der See die Extreme. Während unten im Surf-Center Porfina Beach Lehrer Osvaldo seinen Novizen beibringt, wie sie bei Windstärke fünf die Segel über das Wasser knattern lassen, hängen ein paar Seillängen weiter himmelwärts die Kletterer in den senkrechten Felswänden über Arco oder hangeln sich am Klettersteig „Via dell’ Amicizia“, hoch über Riva, an einer 70 Meter langen Metallleiter entlang. Auf dem Monte Baldo, einem mehr als 2000 Meter hohen Gebirgsrücken am Ostufer, bringen sich derweil Paraglider in Startposition.

Auch in Trient, der Hauptstadt des Trentino, umarmen sich Nord und Süd aufs Herzlichste. Wer mit dem Gespann über die Alpen Richtung Mittelmeer reist, spürt hier zum ersten Mal einen Hauch italienischer Leichtigkeit. Um Trient zu entdecken, hält man es am besten mit den Einheimischen: Man nimmt das Fahrrad und strampelt los. Erst zum Schloss Buonconsiglio, wo einst die Fürstbischöfe residierten, dann über das historische rote Porphyrpflaster weiter bis in die heitere Altstadt. Architektonisch ist Trient echtes, authentisches Italien, daran ändern auch ein paar k. u. k.-Erbstücke nichts.

Eine Stadt mit vielen Gesichtern - das lebhafte Trient

Typisch mediterrane Mentalität ist der Widerwille, nach Büroschluss sogleich nach Hause zu eilen. Ganz Trient, so scheint es mitunter, geht nach der Arbeit erst einmal auf einen Aperitif. Ins coole „Caffè Marchiodi“ zum Beispiel, wo zum Teroldego, dem fruchtigen Trentiner Rotwein, knusprige Pizzaecken serviert werden, oder in die  „Bar Fiorentina“ gleich hinter dem ehrwürdigen Dom, vor der bei trockener Witterung nach Geschäftsschluss Hunderte meist jüngere Menschen mit einem Bier in der Hand plaudern. Trient hat eine Universität mit über 15.000 Studenten, die viel frischen Wind in die Gassen der Stadt bringen.

Es gibt aber auch windstillere Ecken im Trentino, Orte, in denen Erholung und Entspannung angesagt sind. Es sind die Kurorte, gleich acht davon hat die Provinz; am bekanntesten ist Levico Terme, das mit seiner Jugendstil-Architektur viel Charme besitzt. Die Heilwasser von Rabbi und von Peio sprudeln in stillen Seitentälern des Val di Sole, duftende Heubäder werden in Garniga am Fuße des Monte Bodone verabreicht. Und oberhalb der Thermen von Comano, dessen Wasser bei neurodermitiskranken Kindern schon wahre Wunder gewirkt hat, prangen die zackigen Felszähne der Brenta-Dolomiten. Wie gesagt: Es sind die Gegensätze, die eine Liebesgeschichte so reizvoll machen ... 

Smart-Art à la Trentino

Zu dem gemütlichen Städtchen Rovereto samt seiner historischen Festung passt es wie die Faust aufs Auge: Mit einer gewaltigen Glaskuppel und der glatten, durch Sichtfugen gegliederten Fassade ist das vom Tessiner Architekten Mario Botta erbaute „Mart“, das Museum für moderne und zeitgenössische Kunst, ein wohltuender Schock. 6000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, eine Sammlung von 7000 Kunstwerken, Bibliothek, Konferenzsaal, Museumsshop und Bar haben in dem Bau Platz gefunden, der seit seiner Eröffnung 2002 als eine der wichtigsten Kulturstätten Italiens gilt. Kluge Kulturpolitik hatte Rovereto (36.000 Einwohner) den Kunstpalast beschert; die Provinz Trient investierte 50 Millionen Euro. Es half, dass Fortunato Depero, ein wichtiger Vertreter des italienischen Futurismus, aus Rovereto stammte – sein Wohnhaus ist als „Casa Museo Depero“ heute dem Mart angegliedert. www.mart.tn.it


Gutes vom Berg

„Nostrano di Malga“ heißt das, was im Sommer auf den Almhütten des Trentino entsteht: einheimischer Bergkäse. Doch hinter dieser Bezeichnung verstecken sich unterschiedlichste Sorten. Der Vezzena zum Beispiel ist ein pikanter Käse, der auf den Hochebenen von Folgaria hergestellt wird. Von den Almen des Val di Sole kommt der Casolèt, ein weicher Bergkäse aus roher Vollmilch, der halbreif am besten schmeckt. Der Puzzone di Moena aus dem Fleimstal schließlich zeichnet sich durch kräftigen Geruch und Geschmack aus.

Autor

Foto

Udo Bernhart

Datum

6. Mai 2012
5 4 3 2 1 0 5 0
Kommentare
Kostenloser Newsletter
Newsletter Small

+++ Alle News +++
+++ Alle Tests +++

Und immer bequem und kostenlos per E-Mail.

Videos
  • Alle Bereiche
  • News
  • Test
  • Campingplätze
  • Reise
  • Ratgeber
  • Zubehör
  • Video
  • Markt