Reise-Tipp Trentino: Berge und mehr

Reise - Trentino

Schroffe Felsen, tiefblaues Wasser - das Trentino und der nördliche Gardasee bilden eine Region voller Kontraste. Bei einem Urlaub mit dem Wohnwagen ist die mediterrane Leichtigkeit des Seins spürbar.

Am Seeufer von Riva sitzt zur blauen Stunde ein junges deutsches Paar im Kies, zwei Plastikbecher mit Rotwein vor sich, an den die beiden aber schon lange nicht mehr denken: Fest umschlungen haben sie ihre Köpfe aneinandergelegt und blicken still auf den Gardasee hinaus, dessen Blau mit dem Sonnenuntergang einen schimmernden Rosa-Ton angenommen hat. Eine schöne Lovestory! Doch um die beiden herum spielt sich still und unbemerkt eine viel größere Liebesgeschichte ab - eine, in der zwei total entgegengesetzte Typen schon sehr, sehr lange miteinander glücklich sind.

Das Trentino mit dem Caravan erkunden: ein Liebesgedicht

Er, das ist der gestählte Gebirgstyp, rau und ein bisschen wortkarg, dabei aber zuverlässig und solide bis auf die Knochen. Sie ist die mediterrane Schönheit mit dem glutvollen Blick, laut, lebhaft und leidenschaftlich. Zusammen ergeben sie eine Lebensgemeinschaft, die – ganz ohne Eheschein – bereits seit ein paar Millionen  Jahren treu zueinandersteht und sich so bald wohl auch nicht trennen wird. Die Rede ist von der norditalienischen Provinz Trentino, die sich zwischen Südtirol und Venetien zu beiden Seiten des Etschtals hinzieht und zu der auch der obere Teil des Gardasees gehört. Sie ist der schönste Beweis dafür, dass Nord und Süd, zwei vermeintliche Gegensätze, in vollendeter Harmonie zueinanderpassen können.

Für eine erste Annäherung muss man nur selbst auf den See hinausgucken und den Blick zwischen ein paar original italienischen Zypressen hindurch auf seine grünblaue Wasserfläche richten. Schroffe, hoch aufragende Felswände rahmen seine sportlich-schmale Form so dramatisch ein wie einen österreichischen Bergsee, doch ganz hinten weicht der Fels urplötzlich zurück; das Gewässer weitet sich ozeanhaft, sein Südufer rutscht hinter den Horizont und entzieht sich dem Auge. Genau das ist der Reiz des Gardasees: Er nimmt das Mittelmeer vorweg, hält uns in seiner hochalpinen Umarmung gefangen und lässt uns doch schon die ganze Süße des Südens schmecken.

Teutonisch pünktlich sind seine Winde, die das Nordufer zu einem beliebten Hotspot für Windsurfer gemacht haben: der Pelér, der morgens aus dem Norden über das Wasser bläst, und die berühmte Ora, die von der Mittagsstunde an das Wasser aufwühlt. Doch mit mediterraner Gelassenheit reifen Oliven und Zitronen an den Uferhängen ihrer geschmacklichen Vollendung entgegen. Städtchen wie Limone oder Malcesine mit ihren gepflasterten Gassen und ockergestrichenen, von Platanen gesäumten Häusern stillen selbst die größte Italien-Sehnsucht.

Der Gardasee ist ein Dorado für Sportler aller Couleur

Auch in sportlicher Hinsicht vereint der See die Extreme. Während unten im Surf-Center Porfina Beach Lehrer Osvaldo seinen Novizen beibringt, wie sie bei Windstärke fünf die Segel über das Wasser knattern lassen, hängen ein paar Seillängen weiter himmelwärts die Kletterer in den senkrechten Felswänden über Arco oder hangeln sich am Klettersteig „Via dell’ Amicizia“, hoch über Riva, an einer 70 Meter langen Metallleiter entlang. Auf dem Monte Baldo, einem mehr als 2000 Meter hohen Gebirgsrücken am Ostufer, bringen sich derweil Paraglider in Startposition.

Auch in Trient, der Hauptstadt des Trentino, umarmen sich Nord und Süd aufs Herzlichste. Wer mit dem Gespann über die Alpen Richtung Mittelmeer reist, spürt hier zum ersten Mal einen Hauch italienischer Leichtigkeit. Um Trient zu entdecken, hält man es am besten mit den Einheimischen: Man nimmt das Fahrrad und strampelt los. Erst zum Schloss Buonconsiglio, wo einst die Fürstbischöfe residierten, dann über das historische rote Porphyrpflaster weiter bis in die heitere Altstadt. Architektonisch ist Trient echtes, authentisches Italien, daran ändern auch ein paar k. u. k.-Erbstücke nichts.

Eine Stadt mit vielen Gesichtern - das lebhafte Trient

Typisch mediterrane Mentalität ist der Widerwille, nach Büroschluss sogleich nach Hause zu eilen. Ganz Trient, so scheint es mitunter, geht nach der Arbeit erst einmal auf einen Aperitif. Ins coole „Caffè Marchiodi“ zum Beispiel, wo zum Teroldego, dem fruchtigen Trentiner Rotwein, knusprige Pizzaecken serviert werden, oder in die  „Bar Fiorentina“ gleich hinter dem ehrwürdigen Dom, vor der bei trockener Witterung nach Geschäftsschluss Hunderte meist jüngere Menschen mit einem Bier in der Hand plaudern. Trient hat eine Universität mit über 15.000 Studenten, die viel frischen Wind in die Gassen der Stadt bringen.

Es gibt aber auch windstillere Ecken im Trentino, Orte, in denen Erholung und Entspannung angesagt sind. Es sind die Kurorte, gleich acht davon hat die Provinz; am bekanntesten ist Levico Terme, das mit seiner Jugendstil-Architektur viel Charme besitzt. Die Heilwasser von Rabbi und von Peio sprudeln in stillen Seitentälern des Val di Sole, duftende Heubäder werden in Garniga am Fuße des Monte Bodone verabreicht. Und oberhalb der Thermen von Comano, dessen Wasser bei neurodermitiskranken Kindern schon wahre Wunder gewirkt hat, prangen die zackigen Felszähne der Brenta-Dolomiten. Wie gesagt: Es sind die Gegensätze, die eine Liebesgeschichte so reizvoll machen ... 

Smart-Art à la Trentino

Zu dem gemütlichen Städtchen Rovereto samt seiner historischen Festung passt es wie die Faust aufs Auge: Mit einer gewaltigen Glaskuppel und der glatten, durch Sichtfugen gegliederten Fassade ist das vom Tessiner Architekten Mario Botta erbaute „Mart“, das Museum für moderne und zeitgenössische Kunst, ein wohltuender Schock. 6000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, eine Sammlung von 7000 Kunstwerken, Bibliothek, Konferenzsaal, Museumsshop und Bar haben in dem Bau Platz gefunden, der seit seiner Eröffnung 2002 als eine der wichtigsten Kulturstätten Italiens gilt. Kluge Kulturpolitik hatte Rovereto (36.000 Einwohner) den Kunstpalast beschert; die Provinz Trient investierte 50 Millionen Euro. Es half, dass Fortunato Depero, ein wichtiger Vertreter des italienischen Futurismus, aus Rovereto stammte – sein Wohnhaus ist als „Casa Museo Depero“ heute dem Mart angegliedert. www.mart.tn.it


Gutes vom Berg

„Nostrano di Malga“ heißt das, was im Sommer auf den Almhütten des Trentino entsteht: einheimischer Bergkäse. Doch hinter dieser Bezeichnung verstecken sich unterschiedlichste Sorten. Der Vezzena zum Beispiel ist ein pikanter Käse, der auf den Hochebenen von Folgaria hergestellt wird. Von den Almen des Val di Sole kommt der Casolèt, ein weicher Bergkäse aus roher Vollmilch, der halbreif am besten schmeckt. Der Puzzone di Moena aus dem Fleimstal schließlich zeichnet sich durch kräftigen Geruch und Geschmack aus.


Die Highlights im Trentuino: das müssen Sie gesehen haben

Die Städte und Ortschaften im Trentino und am nördlichen Gardasee zählen nicht zu den Mega-Metropolen der Welt, dafür haben sie jede Menge andere Vorzüge – schöne Campingplätze zur Entdeckungstour zum Beispiel.

  • Limone: Romantisch klebt das ehemalige Fischerdorf an der steilen Westküste des Sees. Bekannt ist Limone durch seine ehemaligen Gewächshäuser für Zitrusfrüchte, deren markante Steinpfeiler heute noch die Landschaft prägen. Mehr über den Zitronenanbau erfährt man im Freilichtmuseum „Limonaia del Castel“. www.limone-sul-garda.info1
  • Riva del Garda: Eine malerische Piazza direkt am Seeufer, idyllische Altstadtgassen, ein schiefer Uhrturm und sogar eine von Wasser umflossene Stadtburg: In Riva del Garda lenkt einiges vom Surf- und Badevergnügen ab. Auch fürs Shopping bietet die Stadt mit ihren eleganten Geschäften reichlich Möglichkeiten. www.rivadelgarda.com
  • Torbole: Schon Goethe beobachtete auf seiner Italien-Reise den „Wind von Norden nach Süden“, der seit den 1980er Jahren viele Surfer in den Ort an der Nordküste des Gardasees lockt. Torbole gilt als einer der europäischen Hotspots für diesen Sport. Dresscode in seinen vielen Cafés und Pizzerien: Shorts und Flip-Flops. www.torbole.com
  • Rovereto: Eine trutzige, mittelalterliche Festung wacht über das Städtchen am Ufer des Leno, und obwohl es das Historische Italienische Kriegsmuseum beherbergt, ist die Atmosphäre zu seinen Füßen äußerst friedlich. Venezianische Architektur charakterisiert die Altstadtgassen, in denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. www.rovereto.de
  • Trento: Rund 116.000 Einwohner, darunter 15.000 Studenten: Trotz ihrer uralten Geschichte ist die Stadt quicklebendig. Berühmt ist sie nicht nur für Schloss, Dom und die bemalten Häuserfassaden, sondern auch für ihre hohe Lebensqualität. Bei Umfragen in Italien landet Trient stets auf den vordersten Plätzen. www.apt.trento.it/de
  • Levico Terme: Eisen- und arsenhaltiges Wasser sprudelt in diesem Kurort im Valsugana aus dem Boden. Doch auch wer rundum gesund ist, fühlt sich wohl im ruhigen Städtchen mit Kurpark und eleganten Jugendstil-Bauten. Nicht weit von hier verzaubert das Natur-Kunst-Museum „Arte Sella“ seine Besucher. www.tr3ntino.it/de
  • Dom San Vigilio: Am schönsten ist Trients gotisch-romanisches Gotteshaus am Nachmittag, wenn die Sonne die Längsschiffe mit Licht erfüllt und die Fresken aus dem 14. Jh. zum Leuchten bringt. Ein wunderbares Ambiente für die Kleriker des 17. Jhs., die hier während des Konzils von Trient eifrig miteinander diskutierten und verhandelten.Trient, Piazza del Duomo
  • Castello del Buonconsiglio: Die Burg am Nordostrand der Altstadt war ab dem 13. Jh. Sitz der Trienter Fürstbischöfe. Der Adlerturm im ältesten Schlossteil, dem Castelvecchio, ist komplett mit gotischen Fresken ausgemalt, die die Jahreszeiten zeigen – ein Meisterwerk. Im Stil der Renaissance glänzt der von Bernardo Cles erbaute Magno Palazzo. Außerdem zu besichtigen: Sammlungen von Stich- und Handfeuerwaffen, volkstümliche Möbel und historische Kachelöfen. Trient, Via Bernardo Clesio 5, Telefon 0039/0461233770, www.buonconsiglio.it
  • Galleria Civica G. Segantini: Äußerlich ganz traditionell – sie hat ihren Sitz in dem aus dem 17. Jh. stammenden Palazzo dei Panni – bietet die Städtische Galerie von Arco in ihren Sälen reizvolle Kontraste. Hier wurden schon die texturbetonten Werke des aus Steyr stammenden Malers Robert Gschwandtner und die monochromen Landschaften des Römers Federico Pietrella gezeigt, der Malerei und Fotografie originell kombiniert. Arco, Palazzo dei Panni, Telefon 0039/0464583653, www.galleriacivica-arco.it
  • Varone-Wasserfall: Schriftsteller Thomas Mann war vom 90 Meter hohen Varone-Wasserfall so ergriffen, dass er sich begeistert schriftlich dazu äußerte – Beobachtungen, die der Autor Jahre später in sein Meisterwerk „Der Zauberberg“ einbaute. Heute noch hat man einen schönen Blick vom oberen Schluchtteil, den man über zehn Treppen bequem erreicht. Parco Grotta Cascata Varone, Tenno, Telefon 00 39/04 64 52 14 21,www.cascata-varone.com
  • Arte Sella: Internationale Künstler haben ihre Objekte in die Wiesen und Wälder des Sella-Tals gesetzt und damit ihrem Verhältnis zur Natur Ausdruck verliehen. Unvergleichlich schön: die aus Hainbuchen entstandene und immer weiter wachsende, beeindruckend „gotisch“ wirkende Pflanzenkathedrale. Borgo Valsugana, Val di Sella, Telefon 00 39/04 61 75 12 51, www.artesella.it

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