Ratgeber: Mostviertel, Ardagger Stift 24 Bilder Zoom

Caravan-Tour Niederösterreich: Mostviertel - Voller Saft und Kraft

Wenn Äpfel und Birnen reifen, legt sich ein goldener Schimmer über die Wiesen dieser Region. Das ganze Jahr über bietet das Mostviertel neben solch optischen Reizen zudem handfeste kulinarische Qualitäten.

Der durchschnittliche Österreich-Besucher dürfte recht konkrete Vorstellungen davon haben, was ein Dirndl ist. Ihm werden weiße Blusen dazu einfallen, enge Mieder und bunte Schürzen, das Kleid, das die jungen Mädchen ("Dirndl") tragen oder, besser, trugen, bevor Jeans und Miniröcke Einzug hielten ins alpenländische Moderepertoire. Umso verständnisloser wird er reagieren, wenn ein Mostviertler Bauer von seinem "Dirndlbrand" vorschwärmt und womöglich auch noch einlädt, ihn zu probieren.

Unter einem Dirndl versteht man im Westen Niederösterreichs nämlich kein Mädchengewand, sondern eine besondere Frucht, die bei uns als Kornelkirsche bekannt ist. Die baumartigen und oft mehrere Meter hohen Dirndlsträucher säumen Wiesen und Landstraßen und sind mit ihren teils verwegenen Formen ein typisches Landschaftselement des östlichen Mostviertels, wo ihre saftigen, süßsauren Früchte, die mit Kirschen absolut nichts gemein haben, zu köstlichen Säften und Marmeladen verarbeitet werden, zu Tees und Torten und eben auch zu Bränden.

Geheimtipp Mostviertel in Niederösterreich

Als Geheimtipp gilt jedoch nicht nur der Dirndlbrand, das ganze Mostviertel ist einer. An dieser niederösterreichischen Ferienregion, die sich rund 120 Kilometer westlich von Wien zwischen der Donau und den Ausläufern der Steirischen Kalkalpen ausbreitet, sind die großen Touristenströme bislang vorbeigeflossen – zum Glück! So haben sich das mild dahinwogende Hügelland im Norden und die schluchtenreiche Bergwelt im Süden bis heute als prima Ziel für einen gemütlichen Campingurlaub erhalten. Die Campingplätze sind hier eher klein und noch nicht so geschniegelt wie anderswo vielleicht.

Besonders idyllisch ist das Mostviertler Hügelmeer: eine schier endlos sich wellende Wald- und Wiesenlandschaft, akzentuiert durch still mäandernde Sträßchen, prächtige Vierkanthöfe und romantische Streuobstwiesen, auf denen Birnbäume ihre knorrigen Äste dramatisch in alle Richtungen strecken, nicht in domestizierter Plantagenform, sondern als frei wachsende Individuen. Auf 300.000 schätzt man die Zahl der Birnbäume im Mostviertel. Ihren ganzen Zauber entfalten sie zur Blütezeit gegen Ende April. Wie unter einem fein gehäkelten, weißen Spitzentuch liegen dann die Wiesen der Region – ein wunderschöner Anblick, für den sich auch ein größerer Umweg lohnt.

Obstbäume mit Geschichte

Angepflanzt wurden die Bäume bereits unter Kaiserin Maria Theresia, die anordnete, die Straßen ihres Imperiums mit Obstbäumen zu säumen. Ihr Sohn Joseph II. betrieb die Sache weiter und ließ jedem Brautpaar einen Spaten in die Hand drücken, damit es zwei Obstbäume pflanze. Im milden Klima des Mostviertels, das von der geschützten Lage zwischen Donau und Alpenhauptkamm profitiert, gediehen Birnbäume besonders gut. Weil aber ihre herben Früchte sich zum rohen Verzehr nicht eigneten, verarbeiteten die Bauern sie zu Most. Eine Produktion, die im 19. Jahrhundert nicht nur spürbaren Wohlstand ins Land brachte, sondern auch eine kulinarische Tradition in Gang setzte, die seit ein paar Jahrzehnten einen regelrechten Boom erfährt.

Mit Hingabe pressen Mostviertler Landwirte heute sortenreine Moste aus der Dornbirne, der Speckbirne oder der Grünen Pichlbirne und legen dabei Qualitätskriterien und Ansprüche an den Tag, wie man sie bisher nur aus der Weinproduktion kannte. Wer’s nicht glaubt, macht am besten eine Tour über die 200 Kilometer lange "Moststraße", die sich in einem schönen Rundkurs durch die sanfte Hügellandschaft schlängelt. Das geht alternativ auch gut mit dem Rad, zumal in den zahlreichen Wirtshäusern und Mostheurigen, die die Route säumen, frisch gegärter Birnenmost den Durst löscht – pur oder gespritzt.

Den theoretischen Hintergrund zur Mostverkostung holt man sich am besten schon vorher im Erlebnis- und Genusszentrum MostBirnHaus in Stift Ardagger. Hier präsentiert ein originelles Mostbirnbaumkino all jenen Besuchern, die zum falschen Zeitpunkt unterwegs sind, die weiße Pracht der Birnbaumblüte.

Darf’s noch ein wenig mehr in Sachen Obst sein?

Dann nichts wie ab in die Wachau. Dieser 30 Kilometer lange Abschnitt des Donautals zwischen Stift Melk, dessen gewaltige Dimensionen regelrecht Herzklopfen verursachen, und dem Städtchen Krems liegt zum Glück ganz nah am Mostviertel. Genau wie im Mostviertel finden sich hier nette Campingplätze. In der Wachau gedeihen nicht nur saftige und hocharomatische Marillen, sondern vor allem auch die Reben, die die Römer mitgebracht und an den Südhängen des Donauufers angepflanzt hatten. Riesling, Grüner Veltliner und Neuburger haben die Wachau als Weinbaugebiet weit über die Grenzen bekannt gemacht.

Die Unesco hat die Wachau längst als Weltkulturerbe ausgezeichnet – mit Sicherheit auch wegen der lieblichen Flusslandschaft entlang der breit und gemütlich dahinfließenden Donau, durchsetzt von bizarren Felsformationen und immer wieder überragt von Burgen und Schlössern wie Schönbühel oder Aggstein. Dazu die malerischen Altstadtgassen von Krems, Weindörfer wie Joching und Weißenkirchen und das Stift Göttweig – das Mostviertel hätte sich weiß Gott keinen schöneren Nachbarn wünschen können.

Autor

Foto

Joachim Negwer, Mostviertel/weinfranz.at (2), wikipedia commons/geoprofi (1)

Datum

14. Oktober 2014
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